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Nr. 43.
Gießen, Sonntag, den 22. Oktober 1899.
5. Jahrg.
Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.
Jonnt
Mitteldeutsche
Ags⸗Zeitu
MNedbaktionbschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr.
Abounements preis:
Bestellungen
1 Juserate
Die„Mitteldentsche e kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der„M. S.-Ztg.“ weiteste Verbreitung. Die 5 gespalt
Austräger frei ins Haus ge
liefert monatlich 25 Pfennig.[Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens
Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch] Druckerei, Schloßg. 18, sowie jede Postanstalt und] 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6mal. Bestellung
die Expedition unter Kreuzbaud vierteljährlich 1 Mark.
Zur Landtagswahl! Wer kann wählen?
Wählen kann jeder in die Wählerliste ein- getragene Hesse, wenn er bis zum 8. No⸗ vember— dem Wahltag— seine Kom- munalstenern bezahlt hat. Wer jedoch erst kurz vor oder gar erst am 8. November seine Steuern zahlt, muß den quittierten Steuerzettel mit in's Wahllokal nehmen. Also, vergesse keiner, seine
Steuern zu zahlen!
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Montag, den 23. Oktober,
Dienstag, den 24. Oktober,
Mittwoch, den 25. Oktober, liegen die
MWaählerlisten
bei den Bürgermeistern zur allgemeinen Ein- sichtnahme auf.
Ueberzeugt Euch, Arbeiter, ob Ihr in die Listen eingetragen seid. Wenn nicht, so ver- langt die nachträgliche Eintragung sofort.
Es muß jeder 25 Jahre alte Hesse in die Wählerliste eingetragen werden, der seit 1. April 1899 steuerpflichtig ist.
Alle Hessen, die Wahlmänner werden können, sind noch einmal in einer besonderen Liste verzeichnet. In jedem Ort muß unser Vertrauensmann sich überzeugen, ob die von uns aufgestellten Wahlmänner in dieser Liste aufgeführt sind; ist das nicht der
all, so muß sofort Genosse Scheidemann in ießen, Kirchenplatz 11, per Postkarte benach⸗ richtigt werden.
Nur drei Tage
liegen die Listen aus, nämlich:
Montag, den 23. Oktober,
Dienstag, den 24. Oktober,
Mittwoch, den 25. Oktober. Al so nicht vergessen:
Waählerlisten einsehen! Nach dem Parteitag.
* Die arbeitsreichen Tage von Hannover 1 zu Ende. Zwar abgespannt von den an— rengenden Sitzungen, aber auch befriedigt von dem Ergebnis, haben die roten Delegierten der Welfenstadt an der Leine wieder den Rücken gekehrt.
Weniger befriedigt sind unsere Gegner. Dies— mal hatten sie so sicher auf die längst ersehnte Spaltung gerechnet. Und nun war es doch wieder nichts!
Das viele Hoffen und Harren machte unsere Gegner zu Narren. Das erklärt und ent⸗ schuldigt die unglaublich einfältigen Aeußerungen der bürgerlichen Presse über unsern Parteitag.
Wie eine Oase in der Wüste erscheint da die Berliner Volks⸗Zeitung, ein ehrliches frei⸗
sinnig-demokratisches Organ. Sie schreibt in einem Rückblick auf unseren Parteitag:
„Es ist ein Zeichen innerer Stärke der Sozialdemokratie, daß sie einen Prinzipien- streit, bei dem nach den Preßkämpfen inner- halb der Partei zu erwarten war, daß die kampflustigsten Elemente aufs heftigste an— einander geraten würden, nicht hinter ver— schlossenen Thüren, sondern im Lichte der vollsten Oeffentlichkeit hat aus⸗ fechten lassen.... Man hat sich gründlich ausgesprochen, so gründlich, daß die tage⸗ langen Turniere des Mittelalters gegen das Redeturnier von Hannover nur als Kinder⸗ spiel erscheinen. Für den objektiven Beobachter des Turniers steht die bemerkenswerte Erschei- nung im Vordergrunde, daß in der sozial— demokratischen Partei ein ungemein reges geistiges Leben pulsiert. Es
edeihen in ihr die verschiedensten politischen
Persönlichteiten, die Raum genug finden, ihre Kräfte zu entfalten. Es giebt keinen Partei⸗ papst, der sich mit Nullen umgiebt, um als Einer besser zur Geltung zu kommen. Es gibt keine Verknöcherung im Doktrinartsmus.... Wohl der Partei, die derartige Debatten über sich ergehen lassen kann, die ein derartiges theoretisches Feuerwerk abbrennen kann, ohne baß ihr das in ihrer taktischen Geschlossenheit irgend etwas anhaben kann!...
... Was wir vor acht Tagen an dieser Stelle angedeutet haben, das müssen wir auch heute, nach dem theoretischen Scharmützel an der Leine, wiederholen: So lange die herrschen— den Klassen der Sozialdemokratie den prakti— fend Agitationsstoff dank den traurigen Zu— tänden auf innerpolitischem Gebiete scheffel— weise ins Haus tragen und so lange durch stete Bedrohungen der natürlichsten Rechte des„vierten Standes“ die Solidarität aller Proletarierinteressen geradezu gefördert wird, so lange bleibt die sozialdemokratische Partei, ungestört durch theoretische Gewitter, die sich
zuweilen in den Wolken entladen, eine Partei von nnangreifbarer Ge— schlossenheit.“—
Jawohl, eine Partei von unangreifbarer
Geschlossenheit! Das sind wir, und das bleiben wir. Nicht nur so lange, wie die herrschende Klasse uns den Agitationsstoff
e e e in's Haus trägt, sondern bis wir am Ziel sind: bis der Kapitalismus be— siegt am Boden liegt.
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Arbeitslöhne in der alten und neuen Welt.
O. Es ist keine Frage, daß die Löhne der Arbeiter in den Vereinigten Staaten von Amerika höher sind, als in Europa. Die amerikanischen Schutzzöllner behaupten zwar, daß ihr Schutzzoll die Ursache der höheren Löhne sei, indem die In dustrie, geschützt gegen die Konkurrenz des Aus lands, befähigt werde, höhere Löhne zu zahlen: Diese Annahme beruht aber auf einer Täuschung. Denn England, ein Freihandelsstaat, zahlt höhere Löhne als die Schutzzoll-Staaten Deutschland, Oesterreich, Frankreich u. s. w. Wenn Amerika höhere Löhne zahlt, so liegt der Grund in ganz anderen Verhältnissen.
jeder Landbriefträger entgegen.(Post-⸗Z.⸗Kat. 4312.) 33s½%
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Zunächst sind die Produktionskosten in Amerika trotz der höheren Löhne geringer, als in Europa bei dem geringeren Lohnsatz. Dies scheint ein Widerspruch zu sein. Allein infolge ihrer besseren Ernährung und ihrer höheren Intelligenz leisten und produzieren die amerikanischen Arbeiter viel mehr als die Arbeiter in Europa. Sodann findet eine größere Arbeitsteilung statt in jedem Industriezweige, sodaß jeder Arbeiter in seinem geteilten Fache sehr gewandt ist. Endlich wird mehr mit Maschinen gearbeitet, während in Deutschland die Hausindustrie noch sehr ver— breitet ist.
Die Weber verdienen in Amerika mehr als z. B. in Deutschland, trotzdem ihre Arbeitszeit eine geringere ist. Sie bedienen aber auch doppelt so viel Stühle, wie die deutschen Weber.
Wanduhren giebt es in Amerika für 3,60 Ml., Taschenuhren für 6 Mk. Diese geringen Pretse erregen allgemeines Erstaunen. Die Herstellungs— kosten einer Taschenuhr, Verfertigung von Federn, Rädern, Schrauben u. s. w. nebst einem mit Satin ausgelegten Kasten betragen nicht mehr als 2 Mk. Gleichwohl betragen die Löhne pro Woche min destens 40 Mk.
In den amerikanischen Schuhfabriken betragen die Produktionskosten eines Paars feiner Damen— schuhe nur 1,40 Mk. In Berlin, Frankfurt, Erfurt sind die Produktionskosten, obgleich die Arbeit nicht besser ist, um das Doppelte teurer, und doch sind die Arbeitslöhne in diesem Fache in Amerika mindestens um ein Drittel höher als in den genannten deutschen Städten.
Die amerikanischen Arbeiter haben im Allge— meinen größere Gewandtheit und Aufmerksamkeit, eine außerordentliche Geschwindigkeit, vor allem größere Arbeitskraft infolge besserer Lebensweise— Größere Lebenskraft durch bessere Ernährung, höhere Intelligenz, strikte Arbeitsteilung, mehr Maschinenwerk ermöglichen trotz höherer Löhne eine Verminderung der Produktionskosten. In Deutschland will man auch eine höhere Arbeits— leistung aus den Arbeitern herauspressen, aber anstatt durch höhere Löhne, welche eine bessere Ernährung gestatten, durch das— Zuchthaus— gesetz, das die Arbeiter zwingen soll, sich ohne Murren für die Löhne, welche die Arbeitgeber ge— währen wollen, ausbeuten zu lassen.
Politische Rundschau.
Gießen, den 20. Oktober.
„Das hast Du gut gemacht, Alter!“
So rief in der Mittwochs-Sitzung des Parteitages Genosse Bebel unserm alten Veteranen Liebknecht zu, als dieser auf die thörichten und verderblichen Flaumachereien derer, die dem Proletariat Angst machen wollen vor seinem Siege, die sich in ewigen Unkenrufen ergehen über die angebliche„Unreife des Prole— tariats“, schlagend erwiderte:
„Ist die Klasse, deren Vertreter jetzt auf der Anklagebank im Harmlosen-Prozeß sitzen, besser geeignet, den Staat zu regseren, als das Proletariat, wie es heute ist?“
In der That: kein besserer Vergleich, kein erhebenderer Vergleich ist möglich, als den zwischen dem verlotterten und verlumpten „Harmlosen“-Nachwuchs der besitzenden Klasse,
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