Ausgabe 
22.1.1899
 
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Nr. 4.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 7.

leben aufgewachsen. Dies hatte bei den beiden

älteren zur Folge gehabt, daß sie schon als

Fähnriche wie die großen Herren gelebt und

namhafte Schulden gemacht hatten, sodaß das Vermögen zu Lebzeiten des Vaters bereits arg geschmälert worden war. Abiturienten⸗Examen stand, starb der Vater plötzlich. Dadurch wurde für Kurt die Bahn

Als Kurt vor dem

frei; er bezog die Albertina und widmete sich

der Jurisprudenz und den Staats wissenschaften. Aber die Studienjahre kosteten Geld, das wilde Leben der Brüder nötigte die Mutter, wiederholt bedeutende Geldopfer zu bringen, sodaß, als sie ihrem Gatten nach zwei Jahren folgte, von dem einst schönen Vermögen auf jeden der Söhne nur ein sehr geringer Anteil kam. Kurt mußte

seine Mittel sehr zusammenhalten, wenn er seine

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Studien beenden und für später einen Notgroschen

bewahren wollte, und doch half er noch seinen

Brüdern hier und da mit kleinen Summen aus. Er, der im Wohlleben erzogen worden, keine Entbehrung kennen gelernt hatte, bewohnte jetzt die dürftigsten Räume, die er überdies stets mit einem Freunde teilte, beschränkte sich in Kleidung und Speise aufs äußerste und war dennoch aus tiefster Seele glücklich glücklich in dem reichen geistig bewegten Leben mit seinen Kommilitonen, in dem gemeinsamen idealen Streben, welches weit über das Brotstudium hinausging, in dem immer tieferen Erfassen der großen sozialen Be⸗ wegung, die ihre Flutwellen bis in die ost⸗ preußischen Lande hinüberwälzte. Er war ein Student so recht im idealen und poetischen Sinne des Wortes, ein leichtherziger, zu jeder Tollheit aufgelegter Kamerad, in dem die Lust des Lebens überschäumte, ohne daß er die Grenze des Schönen je überschritt, der mit derselben Heiterkeit schwelgte und darbte, und dessen poetisch gestimmtes Ge⸗ müt die gemeine Wirklichkeit kaum berührte. In diese Zeit fiel seine Bekanntschaft mit Valeska Stern.(Fortsetzung folgt.)

Aerzt liche Experimente

mit

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Schluß.)

Ebenso peinlich berühren Mitteilungen über die Eiterkulturen, die an Frauen und selbst neugeborenen Mädchen in verschiedenen Frauen⸗ kliniken an inneren Teilen vorgenommen wurden, um dort neue Eiterungen zu erzeugen. In einem österreichischen Irrenhause sollen sogar an Geistes⸗ kranken Experimente gemacht worden sein.

Viel schlimmer sind die der Neuen Heil⸗ kunst entnommenen Angaben über schauderhafte Vorkommnisse im Rudolfsspital zu Wien. Die Deutsche Warte schreibt darüber:

Am 5. Juli kam ein gewisser Knaus, der gan einem Abszeß an der linken Schläfe erkrankt war, in das Rudolfspital, wo er vom Assistenz⸗ arzte Dr. Groß behandelt wurde. Gegen Ende des Monats wurde er von Dr. Groß in den

Odperationssaal geführt, wo ihm mit einer vorher

erwärmten Spritze eine Injektion gemacht wurde.

Als der Patient den Arzt fragte, welchen Zweck diese Einspritzung habe, erhielt er die Antwort,

er möge nur ruhig sein, es werde ihm nichts geschehen. Wenige Tage später machte jedoch der Kranke die entsetzliche Wahrnehmung, daß er von einer schweren Geschlechtskrank heit befallen war, zu der sich später noch andere Komplikationen gesellten. Als Knaus deshalb den Doktor zur Rede stellte, hatte dieser die Stirn, seine Freude darüber zu äußern, daß die ekelhafte Krankheit zur normalen Zeit aufgetreten sei und nahm ihn sofort in Behandlung. Der Kranke, der bisher nie geschlechtskrank gewesen war, litt schwer unter der Ansteckung, die für ihn noch zwei weitere Leiden zur Folge hatte. Das Wiener Volksblatt hatte den Mut, diese

Unmenschlichkeiten aufzudecken, doch wurden seine

Mitteilungen alsbald von der Mehrzahl der maßgebenden Blätter dementiert. Ritzmann, dem Verfasser des Aufsatzes in der Neuen Heilkunst,

gelang es jedoch, aus dem im August dieses Jahres erschienenen dritten Heft des 45. Bandes 1

des Archivs für Dermatologie und Syphilis festzustellen, daß diese grauenhaften Enthüllungen vollkommen auf Wahrheit beruhten, da die unsauberen Experimente von ihren eigenen Ur⸗ hebern als wissenschaftliche Thaten beleuchtet und hervorgehoben wurden. Auf S. 329 findet sich dort ein Aufsatz, betitelt: Bakteriologische Studien über den Gonococcus von Dr. Siegfried Groß und Dr. Rudolf Kraus, Assistenten der Abteilung für Hautkrankheiten und Syphilis des Prof. Dr. Mracek in der k. k. Rudolfstiftung. Seite 343 geben die Herren Dr. Groß und Dr. Kraus eine genaueVersuchsanordnung, die sie bei ihren diesbezüglichen Experimenten beobachten, und diese Versuchsanordnung deckt sich nach der von Ritzmann angestellten Vergleichung voll⸗ ständig mit jenen Angaben, die der Schuhmacher⸗ gehilfe Knaus bezüglich der von Dr. Groß an ihm vorgenommenen Ansteckung geschildert hat. Wer die Versuchsobjekte dieser Aerzte waren, darüber giebt die auf Seite 344 veröffentlichte Mitteilung der genannten Herren Aerzte einen klaren Aufschluß. Es heißt nämlich daselbst: Die meisten Patienten hatten niemals eine gonorrhoische Infektion(geschlechtliche Krankheit) durchgemacht; mit Vorliebe wurden jugendliche Individuen(14 bis 18 Jahre alt) für diese Versuche gewählt. Die Herren Doktoren Groß und Kraus erklären also selber, daß sie mit Vorliebe an vierzehn- bis achtzehnjährigen Indi⸗ viduen Knaben und vielleicht auch Mädchen, die bis dahin noch nie an einer Geschlechts⸗ krankheit gelitten hatten, ihre Experimente unter⸗ nahmen. Dr. Groß hat bis zum März v. J. nicht weniger als vierundzwanzig Patienten das widerliche Gift der Gonorrhoe eingespritzt, das von der heutigen Heilkunde für gefährlicher als das der Syphilis angesehen wird, da nur etwa 50 Prozent der Fälle zur völligen Heilung ge langen, während der Prozentsatz der geheilten Syphilitiker ein bedeutend größerer ist. Wir können, falls alle Angaben unseres Gewährs⸗ mannes sich als zuverlässig erweisen, seine flammende Empörung nur in vollem Maße teilen. Heilkünstler dieser Art gehören nicht in die Hospitäler, sondern vor die Schranken des Gerichts.

Das Korrespondenzblatt der ärztlichen Kreis⸗ und Bezirksvereine im Königreich Sachsen sagt hierzu:

Nicht nur wir, sondern der ganze ärztliche Stand wird die Empörung über diesen frechen Eingriff in fremde Menschenrechte teilen. Es ist unverantwortlich, daß sich gerade Aerzte einer derartigen Gewissenlosigkeit schuldig gemacht haben, deren Beruf sie ganz und gar dazu ver⸗ pflichtet, den sich ihnen anvertrauenden Kranken Heilung und nicht neues Unheil zu bereiten.

Erkältung und Abhärtung.

Zur Erklärung der Erkältung hat man ver⸗ schiedene Theorien aufgestellt, von denen jedoch bisher keine als unbedingt richtig anerkannt werden kann. Für manche Fälle, zum Beispiel Schnupfen, ist anzunehmen, daß die Erkältung auf irgend eine unbekannte Weise die Entwicke⸗ lung entzündungserregender Bakterien an den betreffenden Stellen begünstigt. Wenn man unter Erkältung die Schädigung versteht, die der Körper durch raschen Wechsel der Tempe raturen, und zwar auch solcher Temperaturen erleidet, die an sich ohne Schaden ertragen werden können, so wird man ihren vielfachen Einfluß nicht leugnen können. Besonders schädigend wirkt die gefürchtete Zugluft, also ein Zustand, in dem die kühlere Luft zugleich von einem ge wissen Grad von Bewegung ergriffen ist, nament⸗ lich wenn sie Teile der Haut trifft, die sonst gedeckt getragen werden, und noch mehr auf solche, die im Augenblick der Erkältung zufällig schwitzen. 8

Nur dann aber entsteht eine Erkältung, wenn drei Momente zusammenwirken, einmal schroffe Temperaturunterschiede, gleichviel ob Hitze nach Kälte folgt oder umgekehrt, dann eine teilweise Abkühlung des Körpers, endlich Ermüdung des⸗ selben. So erklärt es sich, daß man sich nicht

erkältet, wenn man sich ganz entkleidet, wie zum Baden, daß man aber sofort sich einen Katarrh holt, wenn man etwa die mit Schweiß bedeckte Brust allein entblößt dem Luftzuge darbietet. Dieser läßt den Schweiß verdunsten, die Brust wird eiskalt, die Gefäße ziehen sich zusammen, das Blut flutet nach innen, überflutet die inneren Organe, und es muß ein Katarrh entstehen, wenn das ermüdete Herz nicht mehr imstande ist, sofort die Kreislaufstörung durch kräftigen Herzschlag auszugleichen. Wir erkälten uns nicht, wenn wir zum Beispiel morgens früh aus dem warmen Bette aufspringen und nur mit dem Hemde bekleidet das Fenster öffnen. Der Körper ist dann eben ausgeruht, das Herz frisch und gleicht sofort mögliche Stauungen aus. Daher können auch viele gesunde und kränkliche Leute unter Umständen sich Tag für Tag Temperatur⸗ wechsel aussetzen, ohne sich zu erkälten.

Den Zusammenhang einer Krankheit mit einer Erkältung verraten namentlich zwei Um⸗ stände. Einmal empfindet der Erkrankte die kühle Temperatur unangenehm und bekommt bald allgemeines Frösteln, und zweiten schließt sich daran bald ein allgemeines Krankheitsgefühl und der Eintritt bestimmter Krankheitsanzeichen. Naturgemäß befkehen zwischen dem erkälteten Hautteil und den ihm nahegelegenen Organen ganz bestimmte Beziehungen. Erkältung des Halses führt bekanntlich leicht zu Kehlkopfkatarrh, Menstruationsstörungen entstehen durch Erkältung der Füße und des Unterleibes, Durchfälle durch Erkälten des Bauches, den Schnupfen bekommt man leicht, wenn man aus einem heißen Zimmer in die Kälte kommt, doch auch umgekehrt, und ähnliche Beziehungen finden sich in Menge.

(Schluß folgt.)

Sprüche zur Lebensweisheit. Die Not entwickle das Talent, behauptet Ihr ernst und kräftig. Wohl, sie gleicht dem Salz Der Speise: Etwas nützt, doch viel verdirbt. *

Die Jugend ist nicht reich an Zeit ja vielleicht arm. Gib sie, wie Geld, mit sparender Hand aus; zahle keinen Augenblick hin, ohne damit soviel zu erkaufen, als es wert ist.

*

Bescheidenheit! Ja, wenn sich die

Nicht wunderlich erwiese,

Bescheiden glaubt manch' großer Zwerg,

Er sei ein kleiner Riese.

* Nicht was wir geben, sondern wie wir es

geben, bestimmt den Wert der Gabe. Nur wahre Nächstenliebe adelt die Wohlthätigkeit.

Humoristisches.

Ein Machtwort. Herr Stillmann begleitet seine Schwiegermutter zum Bahnhof. Auf dem Wege dahin findet er die Straßen wegen eines fürstlichen Besuches polizeilich gesperrt, die Schutzleute verweigern ihm den Durchlaß. Da keine Zeit zu verlieren ist, wendet er sich an den Lieutenant:Verzeihung, Herr Lieutenant, ich wollte meine Schwiegermutter zur Bahn bringen.

Lieutenant(zu den Schutzleuten):Dringen⸗ der Fall! Passieren lassen!

*

Reell bedient. Weinreisender:Diese Marke kann ich Ihnen ganz hesonders empfehlen. Wenn Sie den Wein gekostet haben, trinken Sie keinen andern mehr. Auf Wort! 1

Kunde:Schön, den nehme ich.

(Drei Wochen später.) Weinreisender:Nun, hatte ich nicht Recht? Kunde:Allerdings. Ich trinke jetzt Wasser.

(Lust. Bl.)

Ein Genießer. Gigerl(Arbeitern zusehend, die Mauersteine abkarren): Arbeit ist doch etwas schönes; stundenlang könnte man so zusehen.

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Nen eingelaufene Schriften. Besprechung wichtigerer Erscheinungen behalten wir uns vor. Die Neue Zeit. Revue des geistigen und öffent⸗

lichen Lebens, Stuttgart, Dietz' Verlag. Heft 16. Einzelheft 25 Pfg. Durch die Post oder Buchhandlung bezogen pro Quartal 3.25 Mk. Für jeden Politiker ist die Neue Zeit unentbehrlich.