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Nr. 38.
Gießen, Sonntag, den 17. September 1899.
5. Jahrg.
Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.
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Ein amerikanischer Arbeits—
kommissar über Streiks.
el. Noch immer schwebt die Gefahr drohend über unserm Haupte, daß die Zuchthausvorlage, wenn auch in etwas abgeschwächter Form, Gesetz werde. Angesichts dieser Thatsache ist es von Interesse, zu hören, wie sich ein amerikanischer Beamter über Arbeitsausstellungen äußert. Der Kommissar des Arbeitsamts für den Staat New Pork, Peck, sprach sich 1888, also vor 11 Jahren, in seinem Bericht so offen und frei⸗ mütig zu Gunsten der Streiks aus, daß den preußischen geheimrätlichen Verfassern der Zucht⸗ hausvorlage und der berühmten Denkschrist bei dessen Lektüre die Haare zu Berge stehen müssen, wenn sie sich noch keine salonmäßige Glatze an— geschafft haben.
Peck schrieb damals u. a.: Streiks, ihre Ursachen und Folgen, sind Dinge, die das In⸗ teresse für die Arbeiterbewegung schon seit Jahren in Anspruch genommen haben. Wäre der Ar⸗ beiter ruhig geblieben und hätte Alles schweigend ertragen, wie er es seit Jahrhunderten gethan, mit nur gelegentlichen Ausbrüchen, so wären wir in die Fußstapfen unserer Vorfahren ge⸗ treten. Aber die langen Streiks, die Arbeiter⸗ organisationen, die wiederholten Störungen für Geld machende, kapitalistische Anlagen haben die Aufmerksamkeit auf die Forderungen und Wünsche der Arbeiter gelenkt. Die Ursachen der Streiks werden eine wichtige Frage. Das Resultat der Streiks ist ein sehr wichtiger Gegenstand.
Der Lohnarbeiter lebt durch seinen Lohn. Ohne Arbeit kein Lohn; ohne Lohn keine Nah⸗ rung, kein Obdach, weder für ihn, noch für seine Familie. Es muß in der That ein großes, starkes Motiv sein, das einen Mann be⸗ wegen kann, die Arbeit einzustellen und sich selbst alles Erwerbes und Lohnes zu berauben. Er begeht häufig Irrtümer, aber es ist ihm immer surchtbarer Ernst. Er beweist dies durch Selbstaufopferung, den schärfsten Prüfstein für Treue und Prinzip, wenn nicht für Urteilskraft und Klugheit. Selbst wenn der Streiker von seiner Organisation Unterstützung erhält, so ist dies nur eine Hilfe und niemals ein Lohn, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, sondern nur, um ihm über Hindernisse hinwegzuhelfen.
Streiks haben geholfen, die Löhne zu er⸗ höhen, die Arbeitszeit zu verkürzen, die Lage, nicht einzelner Arbeiter, sondern der Menschen überhaupt, zu verbessern. Ein Streik in einer Fabrik, wegen vernünftiger Gründe, endet oft mit einer allgemeinen Verbesserung.
Die Bäcker haben ihre Arbeitszeit von 18 Stunden auf 12 reduclert. Den Neunstunden⸗ tag verdankt der Arbeiter dem Streik. Die Löhne in verschiedenen Gewerken sind von 9 bis auf 30% gestiegen, weil die Arbeiter in ver⸗ schiedenen Geschäften sich organisiert und ihre Forderungen zu stellen sich entschlossen haben. Selbst ein„verlorener“ Streik ist nicht immer ein unbedingter Verlust. Er bringt eine Ver⸗ besserung in anderer Wie
In dem Streikunterstützungsfonds finden wir einen starken und interessanten Beweis für die Solidarität unter den Loh narbeitern. Die Gewerkschaften unterstützen
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nicht nur ihre Mitglieder, sondern unterstützen
sich gegenseitig in moralischer und finanzieller Hinsicht. Sie stehen zusammen, um ihr Prinzip zu verteidigen und bringen für ihre Sache große Opfer.
Im Zigarrengeschäft erhalten die Frauen dieselben Loͤhne wie die Männer; ebenso ist es in den Spinnereien und Webereien. In andern Industrien jedoch, in denen hauptsächlich Frauen arbeiten und die der Organisation ermangeln, sind die Löhne bis auf den niedrigsten Stand herabgedrückt und die Arbeiter stehen in immer⸗ währendem Kampf mit dem Verhungern.
Ein wichtiger Punkt in jetziger Zeit im ge— schäftlichen Leben ist die Vereinigung von Kapi— talisten, nicht im legitimen Gewerbe, sondern um Konkurrenz unter einander zu vermeiden und um sich gegenseitig zu unterstützen. Gegen wen? Entweder gegen die Konsumenten oder gegen die Lohnarbeiter. Diese kapitalistischen Vereinigungen erscheinen unter den verschiedensten Namen, am bekanntesten unter dem des„Trust.“
Bei verschiedenen Gerichten, hauptsächlich in New York und Brocklyn, wurden Walking— Delegates(auf Deutsch eigentlich spazieren— gehende Delegierte— Arbeiter, die beauftragt sind, bei Streiks die Fortarbeitenden—„Ar- beitswillige“ sagt man heute— für den Streik zu gewinnen. Anm. des Ref.) und Streiker wegen angeblicher Gesetzesverletzungen vorge— führt, eine Folge der Arbeitgebervereinigungen, welche sich in den letzten Jahren gebildet haben, um die Arbeitgeber vor den Forderungen der Arbeiterorganisationen zu sichern.
Die Vereinigungen standen in vielen Fällen einzelnen Arbeitgebern bei, welche mit ihren Arbeitern in Konflikt geraten waren..
Der Streik ist der letzte Protest des Ar— beiters gegen die Gier, Unterdrückungslust und Rücksichtslosigkeit der Arbeitgeber. Der Streik ist nur eine der Phasen des sozialen Kampfes, er schädigt beide Parteien und sollte nur in Anwendung kommen, wenn alle andern Mittel zur Beilegung von Differenzen erschöpft sind... Es ist absurd, Arbeit und Lohn als einen ein⸗ fachen Tausch zwischen gleichen Größen anzu— sehen. Der Arbeiter muß seine Arbeit(wir Sozialisten sagen genauer: Arbeitskraft. Der Ref.) verkaufen, um nicht zu verhungern, und da kommt es denn vor, daß er einen Lohn an— nehmen muß, bei dem er die Vorteile und Rechte, welche die Gesellschaft ihm bietet und zu denen er als Mensch berechtigt ist, nicht zu genießen vermag. Er ist eine lebende Waare mit häuslichen, sozialen und politischen Ver⸗ pflichtungen und Erwartungen. Die Gesellschaft erlaubt ihm nicht, seine Freiheit zu verkaufen, aber sie gestattet ihm, seine Gesundheit und seinen Ruf preiszugeben; er kann im verfaulten Schiffe zur See gehen, in ungesunden Arbeits— räumen arbeiten und seinen Nachkommen das Mark aus den Knochen pressen, indem er seine Kinder vorzeitig früh zur Arbeit anhält— gegen Alles das hat die Gesellschaft nichts einzuwenden. Zum Streik greift der Arbeiter daher nur, wenn er durch die Not dazu ge⸗ zwungen wird. Die Löhne und Lebens⸗ weise vergangener Jahrhunderte bieten keinen Vergleich für die Jetztzeit; sie gehören der Ge⸗ schichte an; sogar die enorme Erleichterung der
Produktion und die riesige Vermehrung der
33½¼% und bei —.——.
Juserate
finden in der„M. S.⸗Ztg“ weiteste Verbreitung. Die 5gespolt Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Amal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6 mal. Bestellung
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Produkte kommen hier nicht in Betracht, denn die Bedürfnisse der Menschen haben sich in dem— selben Maaße vermehrt. Und außerdem— ist nicht der Arbeiter gleichzeitig ein Produzent? Bringt er nicht sein Gehirn und seine Muskeln als Beitrag zum nationalen Fortschritt, und ist ihm nicht gelehrt worden, daß dem„Ochsen, der deischt, das Maul nicht verbunden werden De
Der Streik ist eine der wichtigsten Erschei— nungen in der modernen Geschichte der Arbeiter— bewegung. Wenn ein Streik erfolgreich ist, so ist dies das sicherste Zeichen, daß ein Kampf durch zeitige Zuge⸗— ständnisse hätte vermieden werden können. Aber wenn ein Streik erfolglos war, so ist noch immer nicht gesagt, daß die Ursache dafür nicht begründet war... So der Bericht. Es sei ausdrücklich auf die Thatsache hinge— wiesen, daß er den obersten Staatsbeamten im Arbeitsamt des ersten Staates der nordameri⸗ kanischen Republik zum Verfasser hatte und streng offiziell war. Das klingt allerdings im Hinblick auf deutsche Verhältnisse ganz unge— heuerlich.
Gewissensbisse.
-d- Kurz vor den Wahlen zum Reichstag oder Landtag schlägt jedesmal auch den hessi— schen Nationalliberalen das Gewissen. Sie denken mit Schrecken an ihre Seiltänzer-Kunststücke in den Parlamenten und sehen mit Furcht und Zittern der Abrechnung entgegen, die die Wähler halten werden.
So auch vor den diesmaligen hessischen Land— tagswahlen und— mit gutem Grund. Die Herren wissen, daß die gute alte Zeit, in der die Nationalliberalen im Darmstädter Karpfen— teich ganz nach Belieben schalten und walten konnten, endgültig vorüber ist, denken sie doch noch mit Entsetzen daran, wie sie bei den letzten Wahlen vor drei Jahren Haare lassen mußten. Aber sie wollen retten, was zu retten ist. Und da sie mit ihren Thaten keinen Staat machen können, so suchen sie sich dadurch in gute Er— innerung zu bringen, daß sie— ein alter Spitz— bubenkniff— andere verdächtigen.
Setzt sich da einer von den Junggesellen— steuer⸗Weisen hin und macht im„Darmstädter kläglichen Anzeiger“ in Agitationsartikeln. Und da die Amtsblätter unseres Hessenlandes nun einmal nationalliberal zusammengeschnitten und ⸗geklebt werden, so versteht es sich am Rande, daß die im„Kläglichen“ abgeladenen national— liberalen Weisheiten die Runde durch den amt— lichen Blätterwald des Großherzogtums machen. Mit mathematischer Sicherheit ist jetzt alle paar Tage so ein drehscheibig-pfiffiger Artikel zu er⸗ warten, zwei liegen bereits vor. Dir eine ist betitelt: Zu den Landtagswahlen, der andere: Der Bauer und die Sozialdemokratie.
i In dem erstgenannten Artikel wird ausge— führt, daß die Antisemiten und Sozialdemo⸗ kraten zusammen gingen, um die National- liberalen zu stürzen.
„Und wozu das? Blos um in der Zweiten Ständekammer das Heft in die Hand zu be— kommen.“


