Ausgabe 
13.8.1899
 
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Nr. 33.

Gießen, Sonntag, den 13. August 1899.

6. Jahrg.

Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.

Sonnt

Mitteldeutsche

Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr.

⸗Jeitung.

Abounementspreis:

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1 Juserate

DieMitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unseref nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die] finden in derM. S.⸗Ztg weiteste Verbreitung. Die Sgespalt Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Sonnenstraße 25, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch] Druckerei, Schloßg. 13, sowie jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%, bei 6 mal. Bestellung

die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark.

Parteigenossen!

Auf Grund der Bestimmungen der§§ 7, 8 und 9 der Partei-Organisation beruft die Partei⸗ leitung den dies jährigen Parteitag auf

Montag, den 9. Oktober nach Hannover in denBallhof, Burgstr. 9, ein.

Als provisorische Tagesordnung ist sestgesetzt:

Montag, den 9. Oktober und die folgen⸗ den Tage:

1. Konstituierung des Parteitages. Wahl des Bureaus. Festsetzung der Geschäfts⸗ und Tagesordnung. Wahl einer Kommission zur Prüfung der Mandate.

2. Geschäftsbericht des Vorstandes. Be⸗ richterstatter: J. Auer und A. Gerisch.

3. Bericht der Kontrolenre. Bericht⸗ erstatter: H. Meister.

4. Bericht über die parlamentarische Thätigkeit. Berichterstatter: H. Hoch.

5. Die Zuchthaus vorlage vor dem Reichstage. Berichterstatter: M. Segitz.

6. Erörterung über Punkt 3 des Pro⸗ gramms.(Erziehung zur allgemeinen Wehr⸗ haftigkeit. Volks wehr an Stelle der stehenden Heere.) Berichterstatter: F. Geyer.

7. Die Angriffe auf die Grundan⸗ schauungen und die taktische Stellung⸗ nahme der Partei. Berichterstatter: A. Bebel.

8. Die Maifeier 1900. Berichterstatter: W. Pfannkuch.

9. Anträge zum Programm und zur Or ganisation.

10. Sonstige Anträge.

Für Sonntag, den 8. Oktober, ist seitens der Parteigenossen Hannovers eine Empfangs⸗ und Begrüßungsfeier vorgesehen. Dieselbe findet von nachmittags 3 Uhr ab imPalmengarten⸗ Konzerthaus, Eingang Göthestraße, statt.

Die Adresse des Lokalkomitees ist:

August Lohrberg, Hannover, Burgstr. 9.

Parteigenossen! Wir fordern Euch nun auf, die erforderlichen Vorarbeiten zu treffen, insbe⸗ sondere die Wahl der Delegierten und die Ein⸗ reichung der Anträge rechtzeitig zu bewirken. Die Anträge müssen spätestens den 15. September in den Händen des Vorstandes, Adresse:

J. Auer, Berlin SW, Katzbachstr. 9 1 sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen des§ 8 Absatz 2 der Partei⸗Organisation im Vorwärts veröffentlicht werden und in die

edruckte Vorlage für den Parteitag Aufnahme kden sollen.

Anträge von einzelnen Parteigenossen be⸗ dürfen der Gegenzeichnung des Vertrauens⸗ mannes, falls sie zur Veröffentlichung und Be⸗ ratung gelangen sollen. 5

Die Parteigenossen, die zum Parteitag kommen, werden ersucht, von ihrer Delegation dem Vorstand und dem Lokalkomitee rechtzeitig Mitteilung zu machen, damit dieses in Bezug auf Quartier ꝛc. die notwendigen Vor⸗ bereitungen treffen kann.

Mandatsformulare, mit deren Versendung am 8. September begonnen wird, sind durch das Parteibureau, Adresse:J. Auer, Berlin S W., Kotzbachstr. 9 1 zu beziehen.

Berlin, den 8. August 1899.

Mit sozialdemokratischem Gruß Der Parteivorstand.

jeder Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 43 12a.) 33 ½% und bei

Wirtschaftlicher Aufschwung, Streiks und Zuchthaus⸗ vorlage.

Wp. Es ist eine durchaus erklärliche Er scheinung, daß mit der Besserung der Konjunk tur auf dem Warenmarkte die Streikbewegung lebhafter wurde. Es betrug die Zahl der Streiks bis 1897 nach den Angaben der Gene ralkommission der Gewerkschaften Deutschlands für 1898 und 1899 nach den Berechnungen Dr. Jastrows imArbeitsmarkt:

1892 73 1896 483 1893 116 1897 578 1894 129 1898 553 1895 194 1899(5 Monate) 295

Aus diesen Zahlen ist ersichtlich, daß die Streikbewegung in den letzten Jahren bedeutend lebhafter war. Das ist keine für Deutschland allein charakteristische Thatsache: auch in Frank⸗ reich, Belgien und England waren die Streiks in den letzten Jahren zahlreicher; es war sogar in den beiden ersten Ländern die Streikbe⸗ wegung lebhafter als in Deutschland. Trotz⸗ dem wird natürlich in der Scharfmacherpresse unentwegt über dieLeichtfertigkeit, mit welcher Agitatoren die Arbeiter zu Streiks aufhetzen, geschimpft. Wie es in Wirklichkeit steht, darüber geben schon diese wenigen Zahlen Aufschluß. Erst als der wirtschaftliche Aufschwung bereits kräftig eingesetzt hatte, schnellt die Zahl plötzlich empor. Es mußten eben die Arbeiter zu dem letzten Mittel, der Arbeitseinstellung, schreiten, wenn sie ihre geringen Forderungen durchsetzen wollten; trotz der hohen Profite, trotz der Ver⸗ luste, welche ihnen unter dem lebhaften Geschäfts gang bei einem Streik entstehen, sind nun ein⸗ mal die Unternehmer nur durch Zwang zu bewegen, die Hungerlöhne um ein geringes aufzubessern, die übermäßige Arbeitszeit zu kürzen. Noch charakteristischer ist, daß selbst in der lebhaften Geschäftszeit die Unternehmer gegen die Arbeiter auftreten und daher diese zur Abwehr zwingen. Das zeigt sich darin, daß von den 483 Streiks des Jahres 1896 151 Ab wehrstreiks waren und von den 578 des Jahres 1897 248. Ursache dieser letzten war in 51 Fällen die Zu⸗ mutung, aus der Organisation aus zu⸗ treten, in 62 Fällen Maßregelung, in 102 Fällen Lohnkürzung, in 9 Fällen Verlängerung der Arbeitszeit, in 4 Fällen Einführung einer Arbeitsordnung. Also trotz der allgemeinen günstigen Lage des Marktes mußten sich die Arbeiter in 111 Fällen durch einen Streik gegen die Verschlimmerung ihrer Lage wehren. Noch kennzeichnender ist es, daß in 113 Fällen die Unternehmer es riskierten, durch einen Streik den Betrieb unterbrochen zu sehen, nur um die Arbeiter ihre Macht fühlen zu lassen, um die Organisation zu schädigen, organisierte Arbeiter zu maßregeln. Es sind das bekannte That⸗ sachen, aber man kann sie angesichts der Zucht⸗ hausvorlage nicht oft genug wiederholen.

Es handelt sich heute in Deutschland um einen Entscheidungskampf über das Bestehen und die Weiterentwickelung der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter. Das plumpe Wort

von demHerrn im eigenen Hause, welches

die protzigen Unternehmer hinausgeschrien, und welches dann die Kommis der Bourgeosie an den Regierungstischen sich zu eigen gemacht haben,

mindestens 12 mal. Aufgabe 50% ͤ Rabatt

beleuchtet die Situation vortrefflich. Wo Herren sind, müssenBeherrschte sein,lUnterwürfige, Rechtlose, Sklaven und die Arbeiter zu rechtlosen, willenlosen, unterwürfigen Sklaven zu machen, das ist das Bestreben der Unter⸗ nehmerklasse nicht erst seit heute. Nicht deshalb wird der Ordnungsphilister zum fanatischen Bekämpfer der Sozialdemokratie, weil ihm bange vor dem Zukunftsstaate ist, sondern weil er seinen Profit bedroht sieht von dembegehr lichen Arbeiterpack, und je weiter sich die Vir hältnisse entwickeln, je mehr die Lage geklärt wird, desto mehr spitzt sich der Kampf auf den rein wirtschaftlichen Gebiete zu.

Schon zur Zeit des Sozial stengesetzes wurde die Situation von den Unternehmern nach Kräften ausgenützt, um die Gewerkschaften lahmzulegen, und die Bismarck und Puttkamer hatten nichts eiligeres zu thun, als sich ihnen willfährig zu erweisen; der Ansturm wurde von den Arbeitern zurückgeschlagen, die Gewerkschaften behaupteten ihre Stellung, höchstens wurde ihre Entwickelung aufgehalten. Das Sozialistengesetz fiel und so⸗ fort wurde ein neuer heimtückischer Angriff gegen diese Organisation unternommen: Im Jahre 1890 brachte die Regierung einen Gesetzenwurf zur Abänderung der Gewerbeordnung ein, in diesem Entwurf war einKontraktbruchspara⸗ graph enthalten und eine furchtbare Verschärfung des§S 153. Wären diese Paragraphen Gesetz geworden, der Kleinkrieg, welchen die Unter⸗ nehmer mit Hilfe der Polizei gegen die Gewerk schaften führen, wäre den letzteren noch gefähr⸗ licher geworden.

Seither haben sich die Gewerkschaften in Deutschland ziemlich gut entwickelt. Trotz der denkbar ungünstigsten Verhältnisse, trotz der langandauernden schleichenden Krise, welche die Lebenshaltung der Arbeiter herabdrückte, trotz der sozialen Umwälzung, welche Jahr ein Jahr aus Hunderttausende jeder Organisationsbe strebung fremde Landarbeiter in die Industrie treibt, wodurch der Widerstandskraft der Or ganisationen die größte Gefahr erwächst, trotz schließlich der widergesetzlichen Haltung der Be hörden, die auf Schritt und Tritt sich in den Dienst der Unternehmer stellen, hat die Gewerk schaftsbewegung ununterbrochen, wenn auch lang sam Fortschritte gemacht.

Nachdem seit ein paar Jahren die Krise einem lebhaften Aufschwung gewichen ist, machten sich die Früchte der ununterbrochenen emsigen Thätigkeit der organisierten Arbeiter bemerkbar. Wenn auch die günstige Situation nicht voll ausgenutzt werden konnte, weil eben die Or⸗ ganisationen noch nicht genügend erstarkt sind, konnte man doch wenigstens auf den am meisten bedrohten Punkten dem Gegner mit Erfolg ent gegentreten.

Dieser Gegner hat wahrlich auch nicht die Hände in den Schooß gelegt. Die Unternehmer slehen heute besser als je gerüstet den organi⸗ sierten Arbeitern gegenüber. Zum Teil werden sie von der natürlichen Entwicklung begünstigt, die Riesenbetriebe, die im letzten Jahrzehnt ge waltig anwachsen, können mit Leichtigkeit den Kampf aufnehmen, so lange die Arbeiterorgani sationen nicht zu voller Machtentfaltung ge⸗ kommen sind. Vor Allem aber haben auch die Unternehmer zur Waffe der Organisation ge griffen, und da sie hierbei keinerlei Gefahr von