Nr. 7. Gießen, Sonntag, den 12. Februar 1899.
6. Jahrg.
1 Redaktion: 2 RNedaktionsschluß: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. itteld ent e Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. D 2 Bäue.* Uhren 5 8 1 0— werk, dusuahl Abonnementspreis: Bestellungen Juserate eulsche Die„Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung“ kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expe⸗ finden in der„M. S.⸗Z.“ weiteste Verbreitung. Die ögespalt⸗ Austräger frei in's Haus geliefert monatlich 25 Pfg.[dition in Gießen, Kirchenplatz 11, Schloßgasse, die] Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestenz Durch die Post bezogen vierteljährlich 90 Pfg. Direkt durch Druckerei, Sonnenstraße 6, sowie jede Postanstalt und mal. Bestellung gewähren wir 250%, bei Emal. Bestellung 1 die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Briefträger entgegen.(Post⸗Ztgs.⸗Katal. 4312 a.) 33 ¼%é und bei mindestens 12mal. Aufgabe 50% Rabatt. . 1[Hund tot“. Durch zwei Poliere wurde Klemm Tie 9 Arbeiter Deutschlands! diesen Mißhandlungen entrissen und vom Platze Unterm Suchthauskurs. i Arbeiter Deutschlands! Ein Unerhörtes ist] geführt. Nach einigen Wochen ärztlicher Be⸗* In der denkbar schärfsten Weise bespricht fer, geschehen. Wie Euch bekannt geworden sein handlung war derselbe wieder hergestellt. die bürgerliche„Frkf. Ztg.“ das Dresdener in en wird, hat Freitag, den 3. Februar, der Dresdener Arbeiter Deutschlands! Dies ist in aller Urteil, über das unsere Leser durch den Aufruf at 4 Schwurgerichtshof neun Arbeiter zu insgesamt Kürze i 0 e ue, 11 0 den an 9 5 51 75 0 8 1 i i f 18 wir ni rechtfertigen wollen, sondern ent⸗ werden. as att kann es ni verstehen, 10 81. a e schieden verurteilen. Es war unter den[warum hinter verschlossenen Thüren fällge Of 17 8 155 31g gegebenen Verhältnissen selbstverständlich, daß verhandelt wurde, es begreift nicht, wie den un⸗ mer K. d. Uerurteitt Jahren Ehrverlust die 1 für 91 5 Ausschreitungen bestraft glücklichen mildernde b e f it] wer. Aber wir richten ni versagt werden konnt ibt i ten 75 9 5 bah dre ges Berktellen fich ar gag fenden an Alle, die 110 1 Funken 1 daß 10 eien S 5 chlich 975 versuchten Totschlags schuldig gemacht, objektiver Urteilsfähigkeit besitzen, die Frage: ob[ Geschworenen auch die drei Berufsrichter bis fümtliche Verurteilte an schwerem Landfriedens⸗ die furchtbar harten Strafen, die der zum höchsten Strafmaß griffen, das nach bruch sich beteiligt hätten. f N 1 1 14 10 die en 8 5 5 31lassig ist— zu zehn Jahren 68 Uh Bürgerliche Geschworene sprachen dieses Urteil er nb 1 0 b 117 5 n en ucht haus! f g f 65„ über Angehörige der Arbeiterklasse unter Ver⸗[bperübten ewa h ä 19 115 1 5 Das alles ist dem bürgerlichen Frankfurter „ weigerung mildernder Umstände, und; Vergebens wird man in modernen Zeiten Blatt um so unbegreiflicher, weil die sächsischen bürgerliche Richter gewannen es über sich, die die Annalen deutscher Rechtsprechung durch Gerichte doch sonst auch so milde urteilen 10 p.. schuldig Gesprochenen teilweise mit den schwersten 1 um ein ähnliches Urteil ausfindig zu könnten. Das Blatt erzählt dann folgenden Fall: 2, Strafen zu belegen die das Gesetz kennt. e.„Es handelt sich wieder um das Dres- JJ 1D Pg. hat auch, nach unserer Meinung unter falscher EEE 185 vorigen Jahres nahm der Gutsbesitzer Louis „und unzulässiger Anwendung der bezüglichen ene des Hasses 15 7 0 Lehmann in Eulitz den Arbeiter Hommel auf be semmangen det Srafprozeßordnung über den Herzen zu werden vier Wochen in Arbeit. Angeblich, weil Hommel 22 Pf Ausschluß der Oeffentlichkeit der Ge⸗ Arbeiter Deutschlands! Das Urteil des nicht genügend arbeitete, entließ er ihn eher und 39„ richtsverhandlungen, die Verhandlung hinter Dresdener Schwurgerichtshofs durch Einlegung wollte auch einen Lohnabzug vornehmen. Hommel b. 36 J verschlossenen Thüren geführt und damit der Revision zur Aufhebung zu bringen, dürfte suchte den Lehmann auf, dieser wies ihm jedoch Abrahn der Oeffentlichkeit die Möglichkeit entzogen, den aum gelinge 5 Die e 19 8 in die Thür. Darauf sagte Hommel:„Erst will chen sch! Gang der Verhandlungen zu verfolgen. e f 5 nan, ich meinen verdienten Lohn haben, dann gehe ahne; e Arbeiter Deutschlands! Was haben die Ver⸗ i 1 15 e ich schon ganz allein.“ Das versetzte Lehmann 5 urteilten gethan, das ein solch entsetzliches Urteil 1 19 0 1 d 88h r so in Wut, daß er zunächst mit dem Heugabel⸗ ena rechtfertigen könnte? Hört und urteilt selbst! une sein hr Lus zu erleichtern, steht nicht! stiel Bommel über Auge und Nase schlug, und 4 K Die Verurteilten feierten am 6. Juli vorigen in a Macht 1085 ue en der Verve als dieser nach der Gabel fassen wollte, Jabres auf einem Neubau der Unternehmer urteilten sind Familienväter, und dafür stieß er dieselbe dem Hommel in die un Hampel und Grahl in Löbtau das Richtfest. zu sorgen, daß nicht auch ihre Familien die rechte Schläfe. Hommel blutete stark, lief ud ue Die Unternehmer waren mit einer Bierspende schon so entsetzlich schwer durch die Verurteilung] davon, sank ein paarmal hin und starb dann 1 zal freigebig gewesen, und die Folge war, daß die des Gatten und Vaters etroffen wurden 91 an den Verletzungen zwei Tage darauf. de Buh beteiligten Arbeiter in eine sehr angeregte Stim⸗ ede n t 2 70 ere Aufgabe unsere Bis zum letzten Augenblick war der Mißhandelte 7815 mung gerieten. Gegen 8 Uhr abends hörte der We cen e t 7 0 bei vollem Bewußtsein, und er hat diese An⸗ .— Rest der auf dem Bau noch anwesenden Arbeiter, Möge die deutsche Arbeiterklasse diesen gaben, wie sie die Anklage enthält, verschiedenen, 11 daß auf dem nahe gelegenen Bau des Unter⸗ Aermsten die Ernährer ersetzen! Legen auch amtlichen Personen gegenüber, völlig gleich⸗ beer nehmers Klemm noch gearbeitet werde, obgleich wir Alle unser Scherflein zusammen, damit, lautend gemacht. Lehmann giebt an, daß der 2575 gemäß der erst nach schweren Kämpfen errungenen während die unglücklich Verurteilten in den sinnlos betrunkene Hommel selbst in die Gabel mitelden zehnstündigen Arbeitszeit der Dresdener Bau⸗ Zuchthäusern und Gefängnissen des Klassen⸗ gelaufen sei. Dies wird jedoch durch Zeugen⸗ het eis um 6 Uhr hätte Feierabend staates schmachten, deren Angehörigen materielle aussagen und die Gutachten zweier Sachver⸗ ba eintreten müssen.. Not und Sorge fern bleibt. Zeigen wir, daß ständigen widerlegt. Vor der Verhandlung fee Das war die Veranlassung, daß die Ver⸗ die Männer, die von blinder Leidenschaft zu suchte Lehmann und seine Frau die vorgeladenen Jen“ l urteilten sich nach dem Klemmschen Ban begaben Gewaltthätigkeiten sich hinreißen ließen, und Zeugen auf jede Weise zu verdächtigen. Einen und die dort arbeitenden Kollegen aufforderten, dafür neben den härtesten Strafen die man denunzierten sie wegen Brandstiftung, zwei andere mit der Arbeit aufzuhören. Es kam darüber ihnen zuerkannte, auch für ehrlos erklärt wurden, als Sozialdemokraten u. s. w. Die Geschworenen * zwischen den beiden Parteien zu einem lebhaften unser Mit efühl nicht 1 haben,— daß erkannten gegen Lehmann auf schuldig der Wortwechsel, der dadurch verschärft wurde, daß 1565 wenschlich über Menschliches Bene fahrlässigen, aber nicht vorsätzlichen Tötung, und 1 der hinzugekommene Bauunternehmer Klemm die Arbeiter Deutschlands! Die Unterzeichneten er wurde zu zwei Jahren Gefängnis * fremden Arbeiter mit Schimpfworten wie„Spitz fordern Euch auf 8 Beiträge für die Fa⸗ verurteilt. f 1 4 puben und„Einbrecher belegte und daß, als milien der Opfer des Dresdener Schwurgerichts⸗ Hier der Gutsbesitzer, ein Totschlag hierauf die Erbitterung der so Behandelten sich hofes an den Kassierer der so kalen seni und dafür zwei Jahre Gefängnis, dort ebenfalls in heftigen Worten Luft machte, Klemm Partei: 0 0 Gerisch 199 15 SV.. Arbeiter, einige Wunden und dafür bis nach der Baubude lief, einen Revolver n Edin der zu zehn Jahren Zuchthaus. Ist das WbeWaeasse angal⸗ Mitteldeutschen Sonntags- Zeitung“ zu senden. Aleiches Recht? Spielen da nicht jene Imponde⸗ Obgleich diese Schüsse blind waren, glaubten bei“ Arbeiter, zeigt durch 11 1 1 5 1995 Ihr rabilien mit, die dazu verführen, der Göttin dem herrschenden Lärm, der durch viele Neu- über das A der ein 12 Justitia die Binde vor den Augen zu lockern, gierige verstärkt wurde, die Verurteilten, daß 11 5 damit sie sieht, wen sie vor sich hat?— scharf geschossen und einer ihrer Kameraden, der Berlin, den 6. Februar 1899. Nicht nur die Arbeiter, auch die bürgerlichen am Halse blutete, durch einen Schuß verwundet] Die sozialdemokratische Fraktion des[Kͤreise, die vorurteilsfrei die Sache betrachten, . worden sei. Sie fielen darauf über den Bau⸗ deutschen Reichstags. werden Mitleid empfinden mit jenen hart Be⸗ 1 9 1 her, den sie mit Holzstücken In deren Auftrag: straften. Denn es wäre nicht 15 gabe und einer Flasche niederschlugen und mit Füßen 3 2 2 wenn man es besser verstünde, sich von den traten, wobei die Worte 1 55„schlagt den 1 Re unbewußten Neigungen frei zu halten, die auf


