Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 50. 2 manchmal von Familiensorgen heimgesucht wurde, Sie schreiben nicht nur dieser Volksver⸗ Unterhaltungs-Ceil. nahm er seine Zuflucht zu seinem früheren Haus⸗ führer, eker Auswurf deutscher Menschheit,

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Neid.

Es hockt vor seiner Schwelle Ein müder Bauersmann, Ein wandernder Geselle Der blickt ihn neidisch an.

Ach, wer's doch auch so hätte! So seufzt er wehmutsvoll, Ich weiß noch keine Stätte, Wo ich heut rasten soll.

Doch jener brummt mit Grolle: Wie schlecht ist das bestellt! Ich quäl' mich an der Scholle, Der Lump besitzt die Welt. Paul Barsch.

Der Mürgermeister und seine Gemahlin. Skizze aus dem Dorfleben von Joseph Stutzin.

Er war Hausknecht und sie Stallmagd.

Die Liebe war nicht sonderlich tief in ihre erzen eingedrungen. Aber sie fanden, daß sie eide für einander paßten.

Als Johann nach Wallingen kam, da ver⸗ ingen anfangs einige Wochen, bis er mit Auna ein Wort sprach. Beide wurden sie vom übrigen Gesinde verspottet, Denn sie waren schüchtern und schweigsam. Und als eines Tages der dickleibige Jochen, der ihnen immer etwas anhaben mußte, ironisch erklärte:Dat wär'n Pärchen! stand Johann ruhig auf, ging auf Anna zu und sagte:

Dat wullen wir ok sin, Anna, und wenn de dor krepieren!

Und Auna erwiderte:

Dat wullen wir ok sin, Johann!

Seitdem hatten sie zusammen nur einen Namen:Dat Pärchen. Man verspottete sie, aber sie kehrten sich nicht daran.

Gegen andere waren sie immer mißtrauisch, gegen einander nie. Sie bestahlen beide ihre Herrschaft und teilten sich getreulich ihre Er folge mit.

Wenn Johann zur Stadt ging, gab ihm Anna einige Kleinigkeiten zu verkaufen mit: einen silbernen Löffel, ein Paar goldene Man⸗ schettenknöpfe und Aehnliches. Und wenn Anna zu Markt fuhr, that Johann das gleiche. Mit den diskreten Absatzstellen in der Stadt waren beide vorzüglich vertraut.

Eifersucht kannten sie beide nicht, besonders Johann nicht.

Wenn das Junkerchen während der Ferien nachhause kam und sich mit Anna herumzog, druckte Johann beide Augen zu und lachte.

De ward dat all verstahn!

Und sie verstand es vorzüglich, demjungen Herrn ein Thalerstück nach dem andern ab zulocken.

Sie schlugen alles zu Geld, legten sich ein

emeinsames Sparkassenbüchlein an, und als 0 an die Tausend zusammenerspart, nahmen ie Abschied von ihrem Herrn und traten vor

den Altar.

Johann kaufte sich eine Häuslexei und be⸗ trieb nebenbei einen schwungvollen Geldhandel.

Sie lebten in Frieden und Eintracht. Sie empfanden sogar eine gewisse Zärtlichkeit für einander. Denn Jedes dachte genau wie das 700 und Jedes wußte, was es am Anderen hatle.

Sie galten als gute, ruhige Leute, obgleich sie schon so manchen bis aufs Blut ausgebeutet . Und sie heuchelten nicht. Denn was ie thaten, thaten sie eben aus Instilt. Sie nahmen ihren Vorteil wahr, so gut es nur ging. Das war ja ganz natürlich....

De Büttel ward den erschten nich betohlen, nich Johann?

Ja, Anna, dat glaw ick ok.

Dann waren wir em verklogen.

Ja, dann waren wir em verklogen.

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In fünf Jahren hatten sie bereits einen Namen in der ganzen Umgegend. Wenn sein früherer Herr, der Rittergutsbesitzer v. Strehlen,

knecht Johann, der nun mitFreund Kübeling angeredet wurde, und wenn Herr Hauptmann v. Sandern und v. Wirlingen eine Soirée zu geben gedachte, verfehlte er nicht, acht Tage vorher Herrn Kübeling zu einem Gläschen Benediktiner einzuladen.... Die gnädige Frau Hauptmann sprach sogar insgeheim persönlich bei Frau Kübeling vor.

Jeder hatte einen gewaltigen Respekt vor Herrn Kübeling. Denn die Meisten brauchten ihn, weil er viel Geld hatte und bei der Haute⸗ Volée angeblich hoch angeschrieben stand, und diejenigen, die ihn nicht brauchten, dachten: man kann nicht wissen, was kommt....

Eines Tages verschied der alte Bürger meister. Die Bürgerschaft versammelte sich zur Wahl eines neuen. Eln Herr von der Regie⸗ rung erklärte: Herr Johann Kübeling dürfte als friedfertiger und wohlhabender Bürger von unbescholtenem Lebenswandel ebenfalls in Be tracht kommen. Und die Bürgerschaft, die größtenteils Herru Kübelingverpflichtet war, sah es ein und wählte ihn.

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** 1 Nun war er Bürgermeister und hatte über das allgemeine Wohl zu wachen. Er begann selbst Dienstboten zu halten und schimpfte fort⸗ während auf ihre Unehrlichkeit. Früher ist es anders west, nich, Anna?

Ja, Johann, früher is es anders west, stimmte die Frau Bürgermeisterin bei und verzog keine Miene.

Als der Landesfürst eine Tournee durch das Land machte, kam er auch nach Wallingen und ward da, wie überall, vom Bürgermeister an der Spitze der Bürgerschaft empfangen.

Dem Landesherrn gefiel das krebsrote, bis auf den zopfigen Kinn- und Backenbart glatt⸗ rasierte Gesicht.

Ein biederes, ehrliches Gesicht!

Und als der hohe Herr nach Kanalanlagen und ähnlichem fragte, erwiderte der Herr Bürger⸗ meister mit einem bäurisch⸗schlauen Lächeln:

So weit wollen wir gar nicht sein, könig⸗ liche Hoheit!

Und drei dienstorden vierter Klasse.

Tage darauf erhielt er den Ver⸗ (FIrkf. Ztg.)

Die Testion.

Ein kurzweiliger Dialog zwischen Verleger und Redakteur.

Die Nachricht über die Begrüßung des Prinz⸗ regenten von Bayern durch die Familie des sozialdemo⸗ kratischen Abgeordneten v. Vollmar am Walchensee ruht nach derMünch. Post auf Verwechselung. Die Szene habe sich in dem einige hundert Meter ent⸗ fernten Landhause des Berliner Professors Rietschel abgespielt. Im übrigen wäre die Sache Herrn von Vollmar sehr wohl zuzutrauen gewesen.

(Notiz aus bürgerl. Blättern.)

Verleger: Also, Herr Chefredakteur, so leid es mir fhut, ich muß Ihnen meine ernst liche Unzufriedenheit aussprechen.

Redakteur: Oh, oh

Verleger: Bitte, lassen Sie mich ausreden. Sie brachten unlängst die Nachricht, dieser be⸗ rüchtigte Sozialist v. Vollmar habe den bayerischen e e in der Thür seiner Villa begrüßt. Seine Frau dito. Er habe er habe ue Fähnchen zum Fenster heraushängen assen.

Redakteur: Ja allerdings.

Verleger eentsetzt): Und das gestehen Sie kaltblütig ein, Unglückseliger! Bedenken Sie doch wir beide, wir glauben den Blödsinn nicht, wir, hochintelligent, akademisch gebildet aber unser Publikum unsere zahlenden Abonnenten minderen Intellekt, wie sie sind sie glauben es ja

Redakteur: Nun und?

Verleger(verzweifelt): Nun und! Er fragt noch: Nun und? Mann, Sie richten unsere gute Sache zu Grunde, Sie verleugnen unsere erhabenen, nationalliberalen Traditionen

dieser korrumpierte Edelmann habe Sr. Durch⸗ laucht freundlich zugeblinzelt, sich entblößt Sie bemerken gar es wäre ihm wohl zu⸗ zutrauen.

Redakteur: Ah, ah, allerdings so⸗

Verleger(stöhnend): So führen Sie den Kampf gegen den Umsturz! So schützen Sie das Volk gegen die sozialistische Pest. Zuzu⸗ trauen es wäre ihm zuzutrauen!

Redakteur(geknickt)ß: Oh Gott und ich glaubte

Verleger(wild auffahrend): Warum schrieben Sie nicht unter der Spitzmarke:Sozial⸗ demokratische Frechheit:Als der Prinzregent die Villa des berüchtigten Sozialistenführers v. Vollmar passierte, wurde auf dem Dache eine blutrote Fahne mit einem Totenschädel, zwei gekreuzten Dolchen und den Juschriften: Tod den Tyrannen! und Alles muß verrunje⸗ niert werden! sichtbar. Wie lange wird das deutsche Volk na, usw.

Redakteur: Aber wie konnte ich

Verleger: Tags darauf hätten Sie be⸗ richtigt, daß die rote Fahne auf dem Dache des Forts Guerin in Paris gesehen worden sei. Ganz einfach! Oder warum schreiben Sie nicht:Ein scheußlicher Doppellustmord ist gestern in unmittelbarer Nähe von Soiensaß verübt worden. Es gelang dem elenden Un⸗ hold, zu entkommen. Zur Orientierung unserer Leser diene, das Soiensaß der Wohnort des berüchtigten Sozialisten von Vollmar ist.

Redakteur: Ah! a

Verleger: Und tags darauf hätten Sie geschrieben, daß der Doppellustmord nicht in Soiensaß, sondern in irgend einem ungarischen Dorf verübt worden sei, und daß es sich eigent⸗ lich um eine Doppelhochzeit handelt. So ver⸗

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binden Sie edle, patriotische Gesinnung mit

journalistischer Gewissenhaftigkeit.

Redakteur: Oh, ich verstehe

Verleger(befriedigt): Sehn Sie? Ein guter Schornalist lernt nie aus.

Redakteur(eifrig): So sollen Sie Freude an mir haben oh, ich will

Verleger: Ihre Hand darauf!

(L- W.)

Sprüche zur Lebensweisheit.

Hoffnung meldet eine Revolution an, wie einem Erdbeben schönes Wetter vorausgeht.

*

Eine gesunde menschliche Seele kann sehr viel vertragen sie schüttelt in unerwartet sieg⸗ hafter Weise eine Unmenge trocknen Kram's von sich, womit eifrige Pädagogen und Pro⸗ fessoren sie überhäuft haben.

*

Der heftigste Schmerz, den eine stolze und zartfühlende Natur empfiaden kann, ist das Bewußtsein ihrer eigenen Erniedrigung.

Carlyle. *

Selbst der größte Staatsmann kann nichts

ausrichten, wenn er nicht durch die Richtung des Zeitgeistes unterstützt wird. Bukle.

Gemeinnütziges.

Obst⸗ und Schimmelflecke entfernt man leicht aus weißer Wäsche, wenn man die be⸗ treffenden Stellen kurze Zeit in verdünntes

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Eau de Javelle oder wasserige Chlorkalilösung

legt. Nachher Wasser nachgespült werden. Obstflecke lassen ich auch durch einige Tropfen Zitronensaft oder durch Ausdrücken von reifen,

hannisbeeren auf die Flecke beseitigen; ebenso

muß sofort gut mit weichem

verschwinden dieselben, wenn man ein wenig

Weinsteinsäuere auf den nur schwach ange⸗ feuchteten Stellen berreibt. In allen Fällen ist sofortiges Nachwaschen mit weichem Wasser erforderlich. Auch durch Abreiben mit Spiritus

können Obst⸗ und Grasflecke beseitigt, werden.

Ein anderes einfaches Mittel besteht darin, daß

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