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Nr. 28.
Gießen, Sonntag, den 8. Juli 1899.
6. Jahrg.
Nedaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.
Sonnt
Mitteldeutsche
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Die industrielle Lage und die Arbeitslöhne.
el. Seit dem Jahre 1895 haben wir in Deutschland einen„wirtschaftlichen Aufschwung“ zu verzeichnen. Ein⸗ und Ausfuhr zeigen stets wachsende Ziffern, die bedeutendsten Industrie⸗ zweige geben in den Handelskammerberichten glänzende Berichte über ihre Geschäftslage. In der Eisenindustrie können manche Werke die ein⸗ ehenden Aufträge nicht bewältigen, andere en auf mehrere Monate hinaus feste Bestel⸗ lungen. Fast alle Zweige des Maschinenbaues sind auf Monate hinaus beschäftigt und viele industrielle Betriebe können die bestellten Ma⸗ schinen nicht schuell genug erhalten. Das Textil⸗ gewerbe hat seine Betriebskräfte außerordentlich gesteigert. In München⸗Gladbach stieg die Zahl der Spinnereispindeln auf 620 000, 1893 waren nur 553 658 vorhanden. In der sächsischen Baumwollspinnerei hat sich die Zahl der Spin⸗ deln in letzter Zeit um 120 000 gesteigert. Sie verfügt über mehr als 850 000 Spindeln, auf denen, ohne Nähfaden und Strickgarne, jährlich etwa 60—70 Millionen Pfund Waaren herge⸗ stellt werden.
Die günstige Lage der Großindustrie wirkt natürlich auch auf den Bergbau zurück. Die Fördermengen der Kohlengruben sind ganz kolossal, die Aufträge sind kaum zu bewältigen. Es ist dies auf die vielfachen Vergrößerungen von Eisenhütten, Puddel⸗, Schweiß- und Martin⸗ öfen und auf die Vermehrung der Koksanstalten zurückzuführen. In den Jahren 1896— 98 haben in dem rheinisch⸗westfälischen Bezirk etwa 29 neue Gruben die Förderung aufgenommen. Gleich günstig ist die Lage des deutschen Schiff⸗ baues. Auf allen Wersten herrscht die regste Thätigkeit und die Bestellungen auf Neubauten von Schiffen erstrecken sich auf Jahre.
Kein Wunder, daß dieser„wirtschaftliche Aufschwung“ eine Ueberspekulation in Industrie⸗ papieren zur Folge hatte. Die Kurse der In⸗ dustriewerke sind außerordentlich gestiegen. In diesem Emporschnellen der Kurse erkennen selbst bürgerliche Blätter schon die Gefahr eines schweren Rückschlages, der mit einem ungeheueren Ver⸗ mögensverlust für weite Kreise der Bevölkerung verbunden sei. Diese Vermögenseinbußen führen zur Schwächung der Kaufkraft weiterer Schichten der Bevölkerung und zu einer rückläufigen Be⸗ wegung auf dem Gebiete der Produktion. Je höher die Kurse stehen, um so dringender wird das Verlangen nach hohen Dividenden und die Aktiengesellschaften drücken auf die Werksver⸗ waltungen, hohe Dividenden herauszuwirt⸗ schaften. Der ganze Reinertrag fließt auf diese Weise in die Taschen der Aktionäre. Es ist klar, daß bei dieser Wirtschaft eine Besserung der ökonomischen Lage der Arbeiter ausgeschlossen ist. Der Abg. Rösicke hat im Reichstage in der Debatte über das Zuchthausgesetz umumwunden erklärt, daß die Löhne der Arbeiter bei weitem nicht gestiegen seien im Verhältnis zu dem wirt⸗ schaftlichen Aufschwung unserer Industrie. Eine Vergleichung der ortsüblichen Tagelöhne in den preußischen Großstädten in den Jahren 1884, 1892 und 1898 ergiebt, daß bis 1892 die Löhne gestiegen, seitdem fast durchweg gleich
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eblieben sind. Die Lage der ungelernten
rbeiter hat sich also unter dem wirtschaftlichen Aufschwung nicht gebessert. Mögen in einer Reihe von Industrien und Gewerben die Arbeiter sich jetzt besser stehen als 1892, die große Masse der ungelernten Arbeiter arbeitet zu den gleichen Lohnsätzen wie 1892.
Wir zeigten oben, welchen Aufschwung der Kohlenbergbau zu verzeichnen hat. Sind nun auch die Löhne der Bergarbeiter entsprechend gestiegen? Mit nichten. In Oberschlesien stiegen die Löhne der eigentlichen Bergleute um 6%, die Löhne der anderen unterirdisch beschäftigten Arbeiter gar nur um 4%, in Niederschlesien um 3¼ bezw. 3%, im Aachener Revier um 4¾ bezw. 2½%, im Saarrevier gar nur etwas über 2½ bezw.%%, im Dortmunder Bezirk um 5% bezw. 4%! Das ist die ganze„Lohn⸗ aufbesserung.“ Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß die Kohlenförderung gewaltig gestiegen ist. So betrug sie im Breslauer Bezirk 8,4%, die Erhöhung der Löhne im Durschnitt nur etwa 5%, die Vermehrung der Arbeiter nur 4,25%.
Einen untrüglichen Beweis für den„wirt⸗ schaftlichen Aufschwung“ besitzen wir: die Zu⸗ nahme der gewerblichen Kinderarbeit. Nachdem durch das„Arbeiterschutz“⸗Gesetz vom Jahre 1891 eine Verminderung der in den Fabriken arbeitenden Kinder eingetreten war, ist deren Zahl seit 1896 wieder im Steigen be⸗ griffen. 1894 betrug die Zahl der Knaben und Mädchen in Fabriken 4259, 1896 etwa 5312, 1897 bereits 6151. Für die arbeitende Klasse bedeutet der„wirtschaftliche Aufschwung“ geringe oder meistens gar keine Lohnerhöhung, inten⸗ sivere Ausbeutung ihrer Arbeitskraft und ver— mehrte Ausbeutung ihrer Kinder. Aus Ost⸗ preußen berichten die Gewerbeaufsichtsbeamten, daß in den Fabriken, welche Kinder beschäftigen, auch Verstöße gegen die gesetzlichen Bestimmungen festgestellt wurden. In keinem Falle ließen sich die Betriebsunternehmer an der gesetzlichen sechs⸗ stündigen Beschäftigungsdauer genügen, vielmehr wurden die Kinder in den für jugendliche Ar⸗ beiter von 14—16 Jahren statthaften Grenzen
beschäftigt.
Wie wir darlegten, haben das Unternehmer⸗ tum und die Bourgeoisie als Besitzerin der In⸗ dustriepapiere es bisher verstanden, die Früchte aus dem wirtschaftlichen Aufschwung fast aus⸗ schließlich für sich einzuheimsen. Das böse Ge⸗ wissen und die stete Furcht, daß die Arbeiter auch einen kleinen Anteil an diesem Aufschwung haben möchten, ließ die Ausbeuterklasse das Zuchthausgesetz ausbrüten, das ihr auch von der Regierung ausgearbeitet wurde. Wer mit seinen Arbeitskollegen eine Lohnerhöhung er⸗ kämpfen will, gehört ins Zuchthaus. Damit ist bewiesen, daß die Arbeiter unter der Herr⸗ schaft des Kapitalismus, selbst in Zeiten einer überaus günstigen Geschäftslage, eine Hebung ihrer eignen Lage nicht zu erwarten haben. So lange die gegenwärtige Gesellschaft bestehen bleibt, giebt es für das Proletariat kein Ent⸗ rinnen aus der Lohnsklaverei. Die Arbeiter müssen sich und ihre Kinder für geringen Lohn ausbeuten lassen und für die Besitzenden uner⸗ meßliche Reichtümer aufhäufen.
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Die Vorgänge in Belgien.
*Mit einem Siege des Volkes hat an— scheinend der Kampf der belgischen Arbeiter gegen das skandalöse Wahlgesetz der Regierung geendet. In der Kammersitzung vom 1. Juli gab der Ministerpräsident eine Erklärung ab, die ganz allgemein als eine völlige Kapitu⸗ lation der Regierung vor dem Volke auf⸗ gefaßt wird. Der Kampf der Arbeiter, der in den letzten Tagen der vorigen Woche den Charakter einer Revolution angenommen hatte, bei der es auf beiden Seiten Tote und Verwundete gab, ist mit einer bewunderungs⸗ würdigen Energie und Umsicht geführt worden. Der Kampf im Parlament wurde von unseren Genossen von Anfang an nicht in liebenswürdiger Verbindlichkeit, sondern mit geradezu goldener Rücksichtslosigkeit geführt. Und als der Kampf im Parlament allein zu nichts führte, sind die belgischen Arbeiter auf die Straße ge⸗ stiegen; durch gewaltige Demonstrationen wußten sie ihrem Willen Nachdruck zu verleihen. Und vor der eisernen Entschlossenheit der Ar— beiterbataillone, deren dumpfer Massentritt sich nicht nur gegen das Ministerhotel, sondern auch gegen das Königsschloß richtete, ist Mini⸗ sterium und Monarchie zurückgewichen. König Leopold sitzt als vorsichtiger Mann in der herr⸗ lichen Hafenstadt Ostende(Schnelldampfer⸗ linie nach Englands asylfroher Kreideküste und zu den Schränken der Bank von England); in Brüssel ist dem Koburger die Luft zu ge— witterschwül.—
Ueber den Kampf, der in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag voriger Woche in Brüssel stattfand, berichtet das„Berl. Tagebl.“: Während der verflossenen Nacht nahm der Straßenaufstand einen weit ärgeren Charakter an, als vorher. Trotz des Verbotes des Bürger— meisters setzte sich ein gewaltiger Straßenzug vom sozialistischen Volkshause aus in Bewegung. Ueber 30000 Personen nahmen daran Teil. Unterdessen besetzten ungeheure Volksmassen den Rathausplatz und alle Zugänge zu demselban. Alle Tramwagen wurden ausgespannt und zu Barrikaden verwendet, von denen herab die Massen die Gendarmen mit Pflastersteinen bombardierten. In der Rue Chapeliers machte die berittene Gendarmerie einen Angriff auf die Volksmenge und schoß in dieselbe hinein, wobei zwei Personen getötet und zwanzig verwundet wurden. Noch schrecklichere Szenen spielten sich auf dem Boulevard Anspach ab. Fortwährend erscholl der Ruf:„Nieder die Regierung! Es lebe die Republik!“ Die Bewegung nimmt infolge der Unthätigkeit des Königs einen entschieden republikanischen Charakter an. Das Volk fordert stürmisch die Entlassung des Ministeriums und die Auflösung der Kammer. Wird die Forderung nicht be— willigt, so muß das Schlimmste befürchtet werden, da die Regierung der Bewegung nicht mehr Herr werden kann. Im Königspalaste steigt die Besorgnis.
Die nationalliberale„Köln. Ztg.“ schreibt: „Die erfreulichste Nachricht, die jetzt aus Belgien kommen könnte, wäre die, daß nach gepflogener Beratung mit den nicht aktiven Staatsministern der König das Ministerium zur Zurückziehung
der Wahlverschlechterungs-Vorlage hätte zwingen


