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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Nr. 15.
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England und die Vereinigten Staaten von Nord⸗ amerika sind aufs eifrigste bemüht, ihre vertrags⸗ mäßig abgegrenzten Interessensphären auf den seit zehn Jahren für unabhängig erklärten Inseln auszudehnen. Daraus entstehen nun fortgesetzt Konflikte, unter denen die in zwei Parteien ge⸗ spaltenen Samoaner in erster Linie zu leiden haben. Führer der Samoaparteien sind die „Könige“ Mataafa mnd Malietoa. Je nachdem es am vorteilhaftesten ist, halten es die ver⸗ schiedenen Mächte abwechselnd bald mit diesem, bald mit jenem. Jetzt ist Mataafa der„Freund“ Deutschlands, das paßte den Engländern und Amerikanern nicht, sie forderten Mataafa auf, sich mit seinen Anhängern binnen drei Stunden aus einem bestimmten Gebiete zu entfernen. Als diesem„Wunsche“, dem natürlich mit eisen⸗ gepanzerter Faust mehr Nachdruck verliehen worden, Mataafa auf Anraten der Deutschen nachgekommen war, provozierten jedoch die Eng⸗ länder den Samoaner in ungehörigster Weise, und als Mataafa Anstalten traf, sich zu ver⸗ teidigen, bombardierten drei Kriegsschiffe die Küste. So wird fortgesetzt mit dem Feuer ge⸗ spielt in fernen Landen. Die arbeitende Be⸗ völkerung zahlt die Kosten und kann auch schließlich seine Knochen zu Markte tragen, wenn durch tropenkollerige Gernegroße ernsthafte Ver⸗ wickelungen zwischen den Mächten entstehen.
Geschwindigkeit ist keine Hexerei.
Bereits der nächste Etat wird die Forde⸗ rung der jetzt vom Reichstage verweigerten 7000 Mann für die Infanterie enthalten. So liest man in der„Kölnischen Zeitung“. Diese Zahl sei die äußerste Ziffer der Berechnungen gewesen, mit denen der Generalstab sich habe be⸗ friedigt erklären können.— Der Liebersche Eier⸗ tanz und die treffliche Zentrumsresolution waren, das hat unsere Partei sofort betont, nur eine Posse: Das Zentrum wird also schon in der nächsten Session seine berühmten„Erwägungen“ vor dem sicheren Umfall anzustellen in der Lage sein. Und die Steuerzahler bluten.
Zur Verjüngung der Armee.
Pensioniert wurden in der deutschen Armee seit dem 15. Februar dieses Jahres: 3 Generallieutenants, 5 Generalmajore, 3 Oberste, 4 Oberstlieutenants, 18 Majore, 17 Haupt⸗ leute, 8 Oberlieutenants, 13 Lieutenants, in Summa 71 Offiziere. Kosten pro Jahr 240000 Mark!
Außerdem wurden ohne Pension ver⸗ abschiedet 1 Oberlieutenant und 2 Lieutenants, sämtlich in Preußen, wo auch nicht weniger als 22 Lieutenants„ausschieden“. Das letztere scheint eine ganz besondere Spezialität Preußens zu sein, die man z. B. in Bayern nicht kennt. Das Gesamtergebnis der im 1. Quartal 1899 in Deutschland erfolgten Verabschiedungen beträgt: 130 Offiziere mit Pension, 6 ohne eine solche, 48 Lieutenants„ausgeschieden“, somit im ganzen ein Abgang von 184 Offizieren. Und das alles in dem kurzen Zeitraum von drei Monaten!
Behördlicher Boykott?
Kürzlich wurde der Chefredakteur der„Pos. Ztg.“ Goldbeck wegen Beleidigung des Ober⸗ präsidenten zu zwei Monaten Gefängnis ver⸗ urteilt. Nach einander sind dann, wie ein Extra⸗ blatt der„Pos. Ztg.“ mitteilt, am 19., 24. und 29. März dem Verleger der Zeitung für seine Druckerei von den Eisenbahn⸗ Direktionen in Breslau und Posen, vom Oberlandesgericht und von der Oberstaatsanwaltschaft die Verträge, be⸗ treffend die Lieferung von Drucksachen, gekündigt worden. Da die Druckerei alle ihre geschäft⸗ lichen Verpflichtungen gegen die Behörden in vollem Umfange erfüllt hat und niemals Be⸗ mängelungen erfolgt sind, so erblickt die„Pos. Ztg.“ in der fast gleichzeitigen Kündigung der Verträge, für welche in keinem einzigen Falle ein Grund angegeben ist, den Versuch, auf die Haltung der in demselben Besitz wie die Druckerei befindlichen„Posen. Ztg.“ einen Druck auszuüben.
Wegen Majestätsbeleidigung.
Aus der Monatsübersicht für März d. J., welche die demokratische„Berliner Volksztg.“ giebt, läßt sich ersehen, daß unter 44 deutschen
Prozessen wegen Majestätsbeleidigung, die bekannt wurden, 30 mit Bestrafung sich befinden. Im ersten Vierteljahr 1899 sind, soweit bekannt ge⸗ worden, 129 Majestätsbeleidigungen gerichtlich verhandelt oder anhängig gemacht und zusammen mit mehr als 38 Jahren Gefängnis geahndet worden. Ein Beutezug.
Das von den Agraierern längst ge⸗ plante Spiritusmonpol ist perfekt geworden. Eine Produktion von 129 Millionen Liter findet in dem neuen Kartell ihre Vertretung, die noch ausstehenden Brenner produzieren 91 Millionen. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß auch von diesen noch die meisten, wenn nicht alle de m ungekündigten rücksichtslosen Terro⸗ rismus der Kartellbrüder unterliegen werden und dann gehts ans Schröpfen der Konsu⸗ menten, d. h. der Arbeiter, Bauern und Hand⸗ werker. Die sonst sich antisemitisch geberdenden Junker ziehen es in diesem Falle vor, mit den verhaßten Kohn und Meyer gemeinschaftlich dem Volke die Millionen heraus zu⸗ pressen. Auch der Erzbischof von Posen gehört zu den Ring⸗Schnapsbrennern, so daß auch der „Segen“ dem ganzen Werke nicht fehlen wird.
Konservativer Eiertanz.
Der konservativen Partei ist die Offenherzig⸗ keit der Herrenhausreden der Grafen Klinckow⸗ ström und Mirbach auf das Reichstags wahl⸗ recht(siehe voriger Nummer) etwas peinlich. So schreibt die Kreuzzeitung:
„Es liegt nicht eine Spur von Berechtigung vor, aus den lediglich in eigener persönlicher Verantwortung gethanen Aeußerungen der genannten Herren eine Bestätigung der Unter⸗ stellung, daß die konservative Partei das Reichs⸗ tagswahlrecht beseitigen wolle, herauszulesen. Graf v. Mirbach hat ebenso wie Graf v. Klinckowström ausdrücklich erklärt, daß die Anregung zu einer Abänderung des Wahl⸗ rechtes niemals von der konservativen Partei ausgehen könne und werde, und damit sollten sich unsere Gegner doch endlich beruhigen.“
Die„Kreuzzeitung“ macht allerdings kein Hehl daraus, daß sie ebenso wie die ostpreu⸗ ßischen Grafen das geheime Wahlrecht ver⸗ werfe. Sie schreibt.
„Wir haben uns auch während des Wahl⸗ kampfes nicht„geniert“, unsere wahre Meinung über das geheime Wahlrecht zu bekennen, und wir werden uns auch in Zukunft niemals „genieren“, zu erklären, daß wir dieser, dem deutschen Volscharakter absolut nicht ent⸗ sprechenden Heimlichthuerei keinen Geschmack abgewinnen können. Die konservative Partei hat indessen auch zu Zeiten, wo das Zentrum noch nicht„regierende“ und die Sozialdemo⸗ kratie noch nicht mitregierende Partei war, niemals im entferntesten daran gedacht, An⸗ träge auf Abänderung des Reichstagswahl⸗ rechts einzubringen.“
Die Junkerschaft haßt das Reichstagswahl⸗ recht und wird es zerstören, sobald sie kann. Daran ändert dieses leere Geflunker des Kreuzritterblattes gar nichts.
Agrarier und ländliche Arbeiter.
In der 14. Kommission des preußischen Ab⸗ geordnetenhauses gelangten bei der Beratung des Antrages Gamp zur Bekämpfung der„Arbeiter⸗ not“ in der Landwirtschaft folgende Vorschläge zur Annahme:„1. Die Beurlaubung von im aktiven Militärdienst stehenden Mannschaften zu dringenden landwirtschaftlichen Arbeiten; 2. die möglichste Berücksichtigung der dringenden land⸗ wirtschaftlichen Arbeiten bei der Wahl des Zeit⸗ punktes der Einziehung von Reservisten und Landwehrleuten zu militärischen Uebungen; 3. die Revision der Dienstvorschriften über Marschgebührnisse für die zur Entlassung kommenden Mannschaften in der Richtung, daß diefrüher der Landwirtschaft angehörenden Mannschaften sich ihrem früheren Beruf und zwar thunlichst in ihrer Heimat wieder zuwenden, sind dringend wünschenswert.“ Dann wurde über die erweiterte Zulassung aus⸗ ländischer Arbeiter zu den landwirtschaft⸗
lichen Betrieben des Ostens diskutiert. Die
Kommission einigte sich schließlich auf folgende Forderung:„Erweiterung der Zulassung aus⸗ ländischer Arbeiter, soweit es die nationale Rücksichten irgend gestatten, insbesondere auch zum Gesindedienst, in nicht gemischtsprachigen Bezirken, sowie Vereinfachung der den Behörden abzugebenden Verpflichtungs⸗Erklärungen.“
Mit Soldaten und Pollaken wird sich doch der adelige Landwirtschaftsbetrieb einiger⸗ maßen machen lassen?
Fraktion Drehscheibe.
Die Uneinigkeit der Nationallibe⸗ ralen in„sozialpolitischer Hinsicht“ ist neuerdings wieder einmal zu Tage getreten. Der sozialpolitische Paradeantrag Heyl⸗Basser⸗
mann, der eine Reihe von Bestimmungen der
Gewerbeordnung für Fabrikarbeiter auf den Ge⸗ werbebetrieb in Werkstätten der Hausgewerbe⸗ treibenden überträgt und Bestimmungen über Lohnbücher und Arbeitszettel und eine Minimal⸗ ruhezeit für die in Gastwirtschaften angestellten
Personen trifft, ist von 18 Mitgliedern der 3. B. haben
Partei nicht unterzeichnet worden. die Unterschrift nicht gegeben die Abgg. Büssing, Endemann, Krämer, Krause und Möller. Die
große Reklame, die mit dem sozialpolitischen
Antrage getrieben wird, ist nicht viel wert. Wie
der Antragsteller Bassermann bei der letzten Reichstagswahl in Mannheim sich frei⸗
händlerisch gebärden und in Jena agra⸗ rische Interessenpolitik vertreten konnte, so sind in der nationalliberalen Partei die Elemente überhaupt so hübsch gemischt, daß in wirtschaft⸗
lichen Fragen die einen in Arbeiterschutz machen und die anderen den krassen Industriefeudalismus
vertreten können. „Nationale“ Schlotbarone.
Einen wohlthuenden Gegensatz zu den„vater⸗ landslosen Rotten“ bilden bekanntlich die In⸗ dustriemagnaten, die teutsch bis auf die Knochen sind, wenn sie— die Klinke der Gesetzgebung zu eigenem Vorteil handhaben.
Baß es aber auch anders, ganz anders geht, zeigt trocken eine Handelskorrespondenz der Frkf. Ztg., der ein Korrespondent vom Niederrhein berichtet:„Nachdem in der Eisenindustrie zahl⸗ reiche Verbände geworden sind, geht man an den Ausbau. Aus dem Halbzeugverbande ist ein Halbzeug⸗ und ein Trägersyndikat entstanden, und das Trägersyndikat hat durch die süddeutsche Verkaufsstelle ein Kartell mit Frankreich über die Behandlung der gemeinschaftlichen Absatzge⸗ biete, insbesondere der Schweiz, abgeschlossen. Die Verbände in der Drahtindustrie verhandeln
zur Zeit in London gemeinsam mit Industriellen
des Auslandes; die Einladung zu dieser Kon⸗
ferenz ist, wie ich erfahre, von Amerika ausge⸗ gangen. Die Fabrikanten von Emailwaren suchen
eine europäische Vereinigung zu schaffen, wo⸗ rüber die Verhandlungen sich im ersten Stadium befinden. Die Schienenvereinigung verständigt sich bekanntlich mit dem Auslande über die Auf⸗ träge auf dem Weltmarkt von Fall zu Fall.“
Deutsche Industriebarone in brüderlicher Ge⸗ meinschaft mit dem„Erbfeinde“ die politisch freie Schweiz in ein wirtschaftliches Joch zwingend — sollte das nicht ein famoses Motiv für Herrn Knackfuß sein?
Freisinnige Märchen.
O Eugen Richters Märchen von„Abkomman⸗ dierungen“ sozialdemokratischer Wähler im zweiten Berliner Reichstagswahlkreis nimmt seinen Weg durch die ganze gutgesinnte Presse. Der Urheber selbst weiß genau, daß Abkommandierungen der Wähler aus einem Kreis in den andern ganz unmöglich sind. Zur höheren Ehre seines verlrachten Freisinns muß aber Richter solche Märchen erfinden, und der Amtspresse ist natür⸗ lich, sobald es sich gegen unsere Partei richtet, selbst das Blödsinnigste gut genug, um es gegen uns auszuschlachten.
Partei⸗Kongresse.
Ein schlesisch⸗posenscher Parteitag fand Ostern
in Görlitz statt. Aus den gedruckten Vorlagen,
den Berichten der Redaktion und des Ver⸗ lages der„Breslauer Volkswacht“ und des Ver⸗ legers des Langenbielauer„Proletarier“ sei als
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