Ausgabe 
8.1.1899
 
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Nr. 2.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 7.

den Erust der unheilvollen Lage ihrer Eltern begriffen und mit einem Eifer gelernt, der ihrer reichen geistigen Begabung gleichkam, um der geliebten Mutter Stütze und Hülfe sein zu können. Darunter litt jedoch nicht ihre Frohnatur, die sie neben ihrer Schönheit zum Glanzpunkt des Hauses machte. Wenn sie durch das Zimmer schritt, so wer es, als ob den bürgerlich schlichten Raum ein Hauch von Eleganz umwehte, so wie sie dem unscheinbarsten Kleide, welches sie trug, Schick und Anstand verlieh. Den schmalen kleinen Kopf mit dem edelgeformten Profil trug frei und leicht ein schlanker Hals. Dichtes, dunkles Haar umkräuselte die weiche Wölbung der Stirn, die kleinen rosigen Ohrmuscheln und den stolzen Nacken. Das tiefblaue Auge leuchtete wunderbar unter seinem Schleier dunkler Wim⸗ pern, tief wie ein Alpsee, groß und feurig wie ein Demant, war dieses Auge das erste, was jedem bei der Begegnung mit Valeska auffiel. So reich geschmückt an Körper und Geist, hatte sie nicht verfehlt, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. und Männer und Frauen aller Kreise, die Geist und Schönheit zu schätzen wußten, suchten ihren Umgang. Mit den Frauen, obgleich sie sie meist übersah, hielt sie gute Freundschaft, mit den Männern, jungen wie alten, disputierte sie in Scherz und Ernst, gestattete aber keinem von ihnen die geringste Annäherung. Die all⸗ gemeine Achtung, die sie genoß, wurde dadurch nicht verringert, daß man die mißliche Lage ihrer Eltern kannte und wußte, daß Valeska ihnen durch Verwertung ihrer Talente zuhilfe kam. Gerade in den Häusern, in denen sie unterrichtete, herrschte ein wahrer Enthusiasmus für das hoch⸗ gebildete, schöne Mädchen. Man war bezaubert von der Einfachheit, Natürlichkeit und wahren Herzensgüte eines Wesens, das so viel Grund gehabt hätte, stolz und selbstbewußt zu sein. Und dieses herrliche Geschöpf, der Stolz seiner Mutter, war dieser jetzt entrissen. Ihre Klagen waren nur zu berechtigt. Valeska war es gewesen, die ihr stets gegen den Vater bei gestanden, sie vor gänzlicher Verbitterung be⸗ wahrt, und vermocht hatte, den unbekümmerten lässigen Gatten, der trotzdem die volle haus⸗ herrliche und väterliche Autorität in Anspruch nahm, mit Geduld zu ertragen. Die Liebe zu ihm war schon lange in ihrem Herzen erstorben; allmählich, ganz allmählich, nachdem die Achtung dahin war, ging auch das letzte zuckende Flämm⸗ chen ihrer Liebe aus; denn es ist gewiß nicht wahr, daß das Weib ohne Achtung zu lieben vermag. Frau Stern konnte sich jetzt kaum noch vorstellen, daß sie für den Mann jemals wär⸗ mere Gefühle gehegt, nicht begreifen, daß sie um seinen Besitz alle äußeren Vorteile in die Schanze geschlagen hatte. Es ging ihr, wie tausenden ihrer Schwestern. Wie viele warme, schöne Liebe wird auf diese Art in Frauenherzen getötet!

(Fortsetzung folgt.)

Gute Ausrede. Die Geisterstunde war noch nicht ganz ab⸗

gelaufen als sich die Schlafzimmerthür im

Hause des Vizebürgermeisters Hälmle geräuschlos öffnete und eine Gestalt unhörbar hereinschwebte. Die Frau Vizebürgermeisterin, zufällig hell wach, fuhr jäh in die Höhe, aber sie fürchtete sich nicht.

Halt! rief sie mit lauter Stimme, und der Geist stand wie gebannt auf dem Flecke.

Also so hältst Du Deine feierlichsten Versprechen! Schlaflos lieg' ich hier seit vier Stunden!

Pst! Pst! liebste Mali ich glaub's ja, und es war auch nicht schön aber laß mich nur erzählen, dann kannst Du mich meinetwegen verurteilen!

Das wird was schönes sein! murrte sie.

Ist auch schön! Paß auf! Um zehn Uhr wollt' ich nachhause gehen und hatte bereits bezahlt, als der Apotheker, von dem ich Abschied nahm, sich nach Dir erkundigte!

Nach mir? unterbrach ihn Frau Mali. Ich habe doch mit dem Herrn meiner Lebtag

noch keine zehn Woete gewechselt!

Ja, ja, verstell' Dich nur! scherzte Hälmle,

ves muß doch etwas dahinter sein... Er

fragte also, wie es Dir ginge, was ich ent⸗ sprechend beantwortete. Nun wandte er sich an die anderen Herren und sagte:Sehen Sie, meine Herren, dem Mann kann man's nicht verübeln, wenn er pünktlich nachhause geht. Wer eine solche Frau besitzt, darf sich keinen Augen blick besinnen, ihr auf jede Weise seine Hoch achtung zu bezeugen! Sie ist eine Perle von einer Frau! Geben wir ihm einen Ausdruck spezieller Hochachtung mit, indem wir rasen: Frau Vizebürgermeisterin Hälmle lebe hoch! Nun stießen alle auf Dein Wohl an und ich stand da und hatte bereits ausgetrunken! Es wäre doch eine unverzeihliche Rücksichtslosigkeit gegen Dich gewesen, wenn ich nicht angestoßen und mich in Deinem Namen bedankt hätte; und so kam's, daß es ein wenig später wurde.

Frau Hälmle sah ihren Gatten an, wie der Großinquisitor einen heimlichen Ketzer angeschaut haben mochte, aber Hälmle zuckte mit keiner Wimper und erwiderte den fragenden Blick so unbefangen, daß sie überzeugt war. Sie bot ihm freundlichGute Nacht! Ja, sie wollte sogar noch wissen, was weiter über sie gesprochen worden sei; aber er schnarchte schon.

Am nächsten Abend ging Hälmle wieder zu seinen Zechgenossen und wie der Zufall wollte es wurde wieder arg spät! Als er in das Gemach eintrat, in dem die Gattin ruhelos seiner harrte, begann er sofort:Denk Dir nur, Mali! Es ist kaum zu glauben, aber heute ist es gerade so gegangen wie gestern! Man hat mich gefragt, ob Du nicht unwillig gewesen seiest, als ich so spät heimgekommen. Ich be⸗ richtete natürlich, daß Du im Gegenteil die Liebenswürdigkeit selbst gewesen seiest. Da waren nun alle begeistert; es hieß, eine solche Frau gäb' es nicht mehr, und der Apotheker ja, ja, Du Schlange! der Apotheker erklärte, er werde Dir zu Ehren eine Bowle brauen. Das konnte ich ihm natürlich nicht verbieten, und da ich gewissermaßen Deine Stelle zu vertreten hatte, mußte ich bis zum letzten Tropfen bleiben!... Ja, ja dieser Apotheker bei dem scheinst Du einen Stein im Brett zu haben!

Frau Mali sah sinnend vor sich hin. Sollte dieser Apotheker wirklich ein so tiefgehendes Interesse für sie im Busen tragen??

Die während dieser Erwägungen eintretende Pause benutzte Hälmle, um sein Sägewerk in Bewegung zu setzen.

Am nächsten Abend kam Hälme gar nicht, sondern erst morgens um drei Uhr nachhause. Im Gehirne der Frau Mali dämmerte es be⸗ deutend. Mit schneidendem Hohne empfing sie ihn und fragte:Na, habt Ihr mich etwa heute auch wieder leben lassen?

Hälmle nahm seine paar Lebensgeister zu⸗ sammen und erwiderte:Weißt Du, liebe Alte, die Herren sahen heute allerdings so aus, als wenn sie wieder etwas derartiges beabsichtigten, und da mußte ich doch abwarten, ob es dazu kommen werde! Leider habe ich dieses Mal umsonst gewartet und für Dich meinen Schlaf geopfert!

Zwei Sekunden darauf schnarchte er bereits.

Sie aber hob sämtliche Schwurfinger in die Höhe und sprach feierlich:Na wart'! Du freu' Dich!(Flieg. Bl.)

Sprüche zur Lebensweisheit. Ueber das Duell.

Wo die Ehre barein gesetzt wird, daß man, unter dem lauten Widerspruche seines inneren Gefühls und verfolgt von dem Hohngelächter der ganzen übrigen Welt, einigen kindischen Satzungen Folge leiste und dadurch sich Beifall einiger Wüstlinge erwerbe, wo der Mut darein gesetzt wird, daß man durch einen kurz vorüber gehenden Zweikampf die Feigheit eines ganzen, in schmählicher Sklaverei und in knechtischer Furcht vor verächtlichen Menschen hingebrachten Lebens auslösche; wie möchte daneben die wahre Ehre, die die mächtigste Triebfeder ist aller großen Thaten, und der wahre Mut, der die einzige Bedingung derselben ist, bestehen bleiben?

Fichte in seiner Rede:Ueber die einzige und mögliche Störung der akademischen Freiheit.

Sollte es inzwischen den Regierungen mit der Abstellung des Duellwesens wirklich ernst sein, und der geringe Erfolg ihres Bestrebens wirklich nur an ihrem Unvermögen liegen, so will ich ihnen ein Gesetz vorschlagen, für dessen Erfolg ich einstehe, und zwar ohne blutige Operationen, ohne Schaffott oder Galgen oder lebenswierige Einsperrungen zuhilfe zu nehmen. Vielmehr ist es ein kleines, ganz leichtes, hombo⸗ pathisches Mittelchen: wer einen andern heraus⸗ fordert oder sich stellt, erhält à la Chinoise, am hellen Tage, vor der Hauptwache, zwölf Stock⸗ schläge vom Korporal, die Kartellträger und Sekundanten jeder sechs. Wegen der etwaigen Folgen wirklich vollzogener Duelle blieb das gewöhnliche kriminelle Verfahren. Vielleicht würde ein ritterlich Gesinnter mir einwenden, daß nach Vollstreckung solcher Strafe mancher Mann von Ehre im Stande sein könnte, sich totzuschießen; worauf ich antworte: es ist besser, daß so ein Narr sich selber totschießt, als andere.

Schopenhauer in seinem Paergis, am Schlusse seiner Ausführungen über dieritterliche Ehre.

Humoristisches.

Aus Sachsen. Lehrer:Erst im Jahre 785 nach Christi Geburt nahmen die Sachsen das Christentum an. Bis dahin waren sie Heiden gewesen. Nun, Emil, was willst Du fragen? Schüler:Wie hat m'r denn bis dahin in Dräsen kesagt, wenn m'r:Ei Herrchäses! sagen wollde?

*

Verfehlt. Der Referendar Sausemil kehrt nachts um zwei Uhr von einem schweren Gelage nachhause zurück. Er entdeckt, daß er den Hausschlüssel vergessen hat, und muß infolgedessen den Portier herausklingeln. Portier:Nanu, zu wem wollen Sie denn hier mitten in der Nacht? Referendar:Fragen Sie doch nicht so dämlich! Erst lassen Sie mich hier eine Viertelstunde auf der Straße warten und dann machen Sie mir noch Umstände! In meine Wohnung will ich natürlich. Portier:Herr, Sie wohnen doch gar nicht hier, ich kenne Sie gar nicht! Referendar:Na, zum Donnerwetter, hier ist doch Nr. 152! Portier:Nein, hier ist Nummer 153. Referendar:Was? 153? Aber Sie Esel, da haben Sie mir ja ein ganz falsches Haus aufgeschlossen!!

8(Lust. Bl.) .

Neu eingelaufene Schriften. Besprechung wichtigerer Erscheinungen behalten wir uns vor.

Die Agrarfrage. Eine Uebersicht über die

Tendenzen der modernen Landwirtschaft und die Agrar⸗ politik der Sozialdemokratie von Karl Kautsky. Verlag von J. H. W. Dietz Nachf. in Stuttgart. VIII. und 452 Seiten gr. Oktav. Broschiert Mk. 5.., gebunden in engl. Leinwand Mk. 6.50. Aus dem Inhalt des längsterwarteten Buches teilen wir die nachstehenden Kapitel⸗Ueberschriften mit, die wohl den besten Ueber⸗ blick geben über das, was der Autor in seinem Buche behandelt. I. Die Entwickelung der Landwirt⸗ schaft in der kapitalistischen Gesellschaft. Der Bauer und die Industrie. Die Landwirtschaft der Feudalzeit. Die moderne Landwirtschaft. Der. kapitalistische Charakter der modernen Landwirtschaft. Großbetrieb und Kleinbetrieb. Die Schranken der kapitalistischen Landwirtschaft. Die Proletari⸗ sierung der Bauern. Die wachsenden Schwierigkeiten der Waren produzierenden Landwirtschaft. Die überseeische Lebensmittelkonkurrenz und die Industrieali⸗ sierung der Landwirtschaft. Ausblick in die Zukunft. II. Sozialdemokratische Agrarpolitik. Braucht die Sozialdemokratie ein Agrarprogramm? Der Schutz des ländlichen Proletariats. Der Schutz der Landwirtschaft. Der Schutz der Landbevölkerung. Die soziale Revolution und die Expropriierung der Grundbesitzer. Das Werk ist durch alle Buchhand⸗ lungen zu beziehen. W. Liebknechts Schrift Die Emser Depesche oder: Wie Kriege gemacht werden wird im Januar in neuer, bedeutend vermehrter Auflage er⸗ scheinen. Neben dem bisherigen außerordentlich reich⸗ haltigen Inhalt wird die Broschüre die Schriften, welche nach dem Tode Bismarcks erschienen sind, namentlich die Buschschen Enthüllungen und die Bismarckschen, sogenannten Memoiren eingehend würdigen. Mit Rücksicht darauf, daß Fürst Bismarck, der sich Busch gegenüber äußerte, den Kaiser nackt gesehen zu haben, sich selbst vor Busch und durch Busch vor aller Weltnackt hingestellt hat, lautet der Nebentitel der Neuauflage jetzt: Bismarck nackt. Die Schrift, welche mit unerbittlicher Faust den Schleier abreißt von der Bismarckschen Politik, verdient in ihrer neuen, vermehrten und verbesserten Ausgabe sicherlich ebenso wie in ihrer früheren Gestalt die Gunst des Publikums, der wir sie hiermit empfehlen. Alle Buchhandlungen nehmen Bestellungen ent⸗ gegen, ebenso der Verlag von Wörlein und Komp. in Nürnberg.

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