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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Nr. 6.
große Mehrheit des Volkes hinter uns stand, als unsere Vertreter im Reichstage dem jetzt beste henden Alters⸗ und Invaliditätsgesetz ihre Zustimmung versagten.
5 llitische Nundschau
* Gießen, den 3. Febrnar Ausgezeichnet.
Der Oberpräsident v. Köller, der Schutz⸗ patron des von dänischen Dienstmädchen bedrohten Deutschtums, hat das Großkreuz des Roten Adler⸗Ordens mit Eichenlaub verliehen er⸗ halten. Es ist also offenbar ein sehr hoher Orden. — Auch die Ehefrau des Oberpräsidenten scheint sich, nach der Meinung des Herrn Lucanus, dem verantwortlichen„Ordensminister“, Verdienste um die Ausweisung gefährlicher dänischer Dienst⸗ mädchen erworben zu haben. Frau v Köller ist mit der Roten Kreuz⸗ Medaille zweiter Klasse be⸗ dacht worden. Der Ausweisuugsminister v. Köller findet übrigens auch bei dem Hamburger Anti⸗ semitenblatt Anerkennung. Es bekundet, wie das„Echo“ mitteilt, seine Freude über die nordschleswige Köllerei, nennt sie gesetzlich und uational!
Ein großer Unterschied.
Onkel Clodwig, Fürst v. Hohenlohe, der Reichskanzler, tritt am 31. März in sein 80. Lebensjahr. Daran hatten einige Blätter Vermutungen in Betreff seines Rücktrittes ge⸗ knüpft. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ erklärt aber: „Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß auch diesmal die Gerüchte über einen Kanzler⸗ wechsel völlig unbegründet sind.“ Warum auch sollte der Reichskanzler gehen? Etwa, weil er zu alt ist? Unsinn! Bei dem obersten Reichs⸗ beamten, der als solcher Träger einer geradezu unheimlich großen Verantwortung ist, scheint es nichts auszumachen, wenn er bereits 80 Jahre zählt. Bekanntlich nehmen aber die Reichs⸗ Musterbetriebe, Post, Eisenbahn, Schiffs werften u. s. w. keine Arbeiter mehr an, wenn sie nur halb so alt sind, wie Fürst Hohen⸗ lohe. Arbeiter sind schon mit 40 Johren zu alt. Ein Reichskanzler thuts noch mit 80 Jahren! Das ist der große Unterschied.
Um Gründe verlegen.
Einem Hamburger Blatt wird aus Berlin geschrieben:
„In den Privatgesprächen der Reichstags⸗ Abgeordneten erzählte man sich, daß Gr af Posadowsky befreundeten Abgeordneten gegen⸗ über geäußert habe, er sei erstaunt gewesen, als er bei seinen Vorarbeiten für den Zucht⸗ haus⸗Gesetzentwurf die ungeheuere Ueberlegenheit und Uebermacht der Koalitionen der Arbeitgeber gegenüber denen der Arbeitnehmer erkannt habe. Die ersteren brauchten wahrlich keine Unterstützung des Gesetzgebers mehr, um die letzteren im Zaum zu halten. Ob diese Aeußerung wirklich so oder ähnlich gethan worden ist, mag dahingestellt bleiben, daß sie im Reichstage er zählt und vielfach geglaubt wird, ist jedenfalls eine Thatsache. Eine Thatsache ist es auch, daß Graf Posadowsky seit der Oeynhau⸗ sen er Kaiserrede seine gute Laune ein⸗ gebüßt hat, und daß der Dezernent im Reichs⸗ amt des Innern, der mit der Ausarbeitung der „Streikvorlage“, wie sie auch genannt wird, be⸗ auftragt wurde, nicht auf Rosen gebettet ist. Man hat versucht, mit den Regierungen der Mittelstaaten vorher eine Verständigung über die Grundzüge dieser Vorlage zu erzielen. Ge⸗ lungen scheint dies nicht zu sein, und so werden die Schwierigkeiten erst eigentlich im Bundesrat beginnen, vom Reichstage ganz zu schweigen. Man darf gespaunt darauf sein, was schließlich dabei herausspringen wird. Keinesfalls aber eine„Zuchthausvorlage“, wie sie ursprünglich gedacht und bezweckt war.“
Wir geben, gleich dem Vorwärts, diese Mit⸗ teilung wieder, ohne ihr irgendwelche Glaub⸗ würdigkeit beizumessen. Nichts wäre verfehlter, als auf verständige Sozialpolitik der Regierungen
im Reichstage das Streik- und Zuchthausgesetz eindringlich gefordert. Herr v. Stumm weiß, was er will und was er kann. Sein Wille ist der Regierung Befehl. Die Arbeiter mögen auf dem Posten sein. Sie wissen was der Kaiser angekündigt hat in Oeynhausen.
Ein weißer Rabe.
Pfarrer Oberndörffer, ein eifriger Zentrums⸗ mann, schrieb jüngst folgende beachtenswerte Zeilen:„Die Geistlichkeit zumal muß die Zeichen der Zeit beobachten und nach ihnen seine Wirk⸗ samkeit entfalten. In der Bekämpfung der Sozialdemokratie ist noch vorsichtiger zu Werke zu gehen, als bisher. Wiederholt haben wir betont, man möge kein unsinniges Schimpfen und Lästern aufkommen lassen; damit würde man keinen Sozialdemokraten bekehren und keinen Arbeiter von der Sozialdemokratie fern halten; im Gegenteil, man entfremde sich die Arbeiter⸗ welt nur noch mehr und mache sich selbst verächtlich. Heute glauben wir noch ent⸗ schiedener davor warnen zu sollen. In religiöser Hinsicht stelle man nicht die Sozialdemokraten in Bausch und Bogen als glauben slose und religionsfeindliche Schwärmer dar. Wenn es auch nicht verwehrt sein kann, gottlose Aus⸗ sprüche der Führer bei passender Gelegenheit als Warnung heranzuziehen, so möge man doch nicht immer und immer damit kommen, oder gar die Worte Einzelner als Grundsätze der Partei hinstellen. Man halte sich mehr an die wirklich offiziell ausgesprochenen Grundsätze der Partei!“
Natürlich kehren sich weder die Geschorenen vom Zentrum noch die Gescheitelten der verschiedenen Sorten„Sozialen“ an die vernünf⸗ tigen Worte Oberndörffers. Deshalb gedeiht die Sozialdemokratie allerdings doch.
Kampf mit geistigen Waffen.
Vor etwas sechs Jahren wurde in München⸗ Gladbach ein sozialdemokratischer Volksverein ge⸗ gründet. Er hatte unter der Unduldsamkeit der Zentrumspartei viel zu leiden. Die Gegner waren vor allem bedacht, ihm das Versammlungs⸗ lokal abzutreiben. Als das in der ersten Zeit trotz vieler Mühe nicht gelang, griffen die Erb⸗ pächter der christlichen Nächstenliebe zur rohen Gewalt; eines Tages drangen sie in die Sitzung des Vereins ein und schließlich demolierten sie in dem Lokal, was ihnen unter die Hände kam. Endlich gelang es auch, den Verein obdachlos zu machen. Und nun sorgten die Ultramontanen mit all' der Macht, die ihnen in den meisten Orten des Rheinlandes zu Gebote steht, dafür, daß kein Wirt in der ganzen Stadt den Verein wieder aufnahm. Jetzt hat der Volksverein ge⸗ zwungenermaßen seine gesamte Thätigkeit bis auf unbestimmte Zeit sistiert.
Berlin ohne Oberbürgermeister.
Die Nichtbestätigung des Berliner Bürger⸗ meisters, wie die Ausweisungspolitik des Herrn v. Köller, die„straffe Haltung“ der Regierung „gegenüber den Anmaßungen des Polentums“ hat der Landrat von Kotze in Wanzleben gelegentlich einer Festrede bei dem diesjährigen Kaiseressen auf die eigenste Initiative des Kaisers zurückgeführt. Herr von Kotze hält es für wahrscheinlich, daß Bürgermeister Kirschner nicht bestätigt werden würde, da die bekannten Beschlüsse der freisinnigen Stadtver⸗ tretung über die Ehrung der Märzgefallenen den Kaiser sehr verstimmt hätten und den Hauptgrund für die verzögerte Bestätigung bildeten.“ Arme Freisinnsmannen!
Ein neues Gewehr!
Bei Gelegenheit der Kaisers Geburtstags⸗ feier der Gewehrfabrik zu Danzig erhielten unte r anderen Angestellten auch zwei Arbeiter Fedrau und Frankenberg, eine mit dem Wappen und dem Namenszug des Kaisers geschmückte silberne Uhr. Hierbei teilte der Major Prestel ihnen mit, daß ihnen das Geschenk vornehmlich desholb verehrt worden sei, weil sie sich an den Vorarbeiten für das neue Gewehr⸗ modell besonders hervorgethan hätten. Hierzu nehme man die folgende Meldung: Seit einiger
geschieht, weil sich ein neues Gewehr in Arbeit befindet, das bald für das Heer einge⸗ führt werden soll. Vom 1. April d. J soll der Fabrikationsbetrieb so eingerichtet werden, daß tglich etwa 80 Gewehre fertig gestellt werden können.
Wo werden denn die Mittel zur baldigen Einführung des neuen Gewehres hergenommen? Vom Reichstage ist noch nicht einmal etwas gefordert, geschweige denn etwas bewilligt worden. Will man den Reichstag vor eine vollendete Thatsache stellen, daß er nur noch der Form wegen
15 063. zwei Drittel) auf Preußen.
staaten folgendermaßen: 1 814, Württemberg 599, Baden 671, Hessen 83,
in der Häufigkeit der Anwendung sind hiernach nicht zu bemerken Denn die verschiedene Höhe
den Bevölkerungsverhältnissen der in Betracht kommenden Bundesstaaten.— Nach allen von den einzelnen Bundesstaaten erlassenen Anord⸗
teilten in Betracht gezogen werden. In Baden
ist es schlechthin Voraussetzung der Gewährung keine Freiheitsstrafe verbüßt hat. Auch in Bayern
stens als Regel gefordert. Bundesstaaten, insbesondere in Preußen,
berücksichtigt werden.
Weitem. In Preußen kamen von 10 833 Ge⸗ suchen 8326 auf Personen unter 18 Jahren. In
zu rechnen. Herr v. Stumm hat kürzlich wieder
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Zeit müssen die Arbeiter der Spandauer Gewehr⸗
fabrsr. Taglich eine Hcherstunde machen. Diez
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Dezember 1898 in den Bundesstaaten, für welche l Erhebungen vorliegen, eine Aussetzung der Gründe, Strafvollstreckung mit Aussicht auf spätere Begnadigung bewilligt worden ist, beträgt danach
Davon entfallen 10 075(etwas über Im Uebrigen ver⸗ teilen sich die Fälle auf die einzelnen Bundes⸗ Bayern 1938, Sachsen
Mecklenburg 192, Oldenburg 63, Elsaß⸗Lothringen 618; Summa 4988. Beträchtliche Abweichungen
der absoluten Zahlen enispricht im Wesentlichen
nungen soll bei der Bewilligung von Strafauf? schub vornehmlich das Vorleben des Verur⸗
des Strafaufschubs, daß der Verurteilte noch e
und Württemberg wird diese Voraussetzung wenig⸗⸗- In den anderen sollen vornehmlich nur erstmalig verurteilte Personen
Die Zahl der Jugendlichen überwiegt bei
Preußen werden vornehmlich nur erstmalig ver⸗ 1
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Ja und Amen zu sagen hätte? n die Ell Spätes Geständnis. 5„ Bisher pflegten die Konservativen über Ver⸗ 5 90 läumdung zu zetern, wenn wir ihnen vorwarfen, vil un daß die ganze gewaltige Sozialreform nicht? 35 sud. als ein Mittel des Stimmenfangs gewesen e 6 sei. Man pochte auf das gute Herz, das sozial⸗. politische Gewissen und die christliche Gesinnung. ie N Jetzt beichtet nun die„Kreuz⸗Zeitung“, deren riarbe Wochenschauer also schreibt: dure i Die Sozialdemokratie wird durch Nachricht die Sozialreform nicht schwächer, sondern den Erwe immer stärker, und eben das hat die unden f Konservativen veranlaßt, ihrem arbeitende ursprünglichen sozialreformato⸗ dun bishe rischen Eifer Zügel anzulegen, in⸗Deuschlan soweit es sich dabei um die ausschließliche Be⸗ Sputgebi rücksichtigung von Forderungen des Arbeiter⸗ ein glänze standes im engeren Sinne handelt. I sieh der Die Sozialreform war also nur Schau⸗ und der fenster⸗Reklame, um einem bankrotten Ge⸗ Folonien schäft Kunden zu ködern und sie dem gegen⸗ biet der über aufblühenden Riesenbetrieb wegzuschnappen. 75000 Die Kunden kamen nicht, sie liefen in ihrer Ver⸗ 2. Togo blendung immer noch dem glücklicheren Nachbar schuß 25 zu, und jetzt zieht das„solide Handwerk“ die 1730000 kostspieligen Dekorationen ein und verlangt, was 1 4. Süd! billiger ist, lieber Ausnahmegesetze gegen die Reichszus⸗ „voltsverwüstende“ Konkurrenz. Die Politik des Einnahme unlauteren Wettbewerbes hat sich bei den Kon⸗ lionen M servativen nicht rentiert— so geben sie sich nicht aus den! mehr die Mühe,„gerissen“ zu sein und begnügen 9 kionen 2 sich mit der brutalen Gewalt, die nicht einmal 17 Mi den Scharfsinn erfordert, den man zur Ausübung ö werden eines Volksbetruges immerhin bedarf. Fast au Die bedingte Begnadigung. Ethalun Dem Reichstage ist von Seiten des Reichs ⸗ sinn der Justizamts eine Zusammenstellung der in den dun ka größeren deutschen Bundesstaaten geltenden Be⸗ fenden! stimmungen über die bedingte Begnadig⸗ einbrin ung und die Ergebnisse der bisherigen Anwen⸗ Ache d dung dieser Vorschriften zugegangen. Die Ge⸗ un der samtzahl der Fälle, in welchen bis zum 1. willen?
Die
Kolonial des Ma haf, 80 fe veni Fipiel Laute Kolonia malige hitte we 1 N 1 ein un 1 ae doliif y


