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Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. Nr. 49. „Weißt Du auch, was es ist?“ von dem heute Geschehenen nichts sagen, son⸗„Weißt Du“, sagte er,„bis jetzt habe ich „Nein!“ dern sie nur im Hinweis auf meine sonstige immer den Aberglauben verlacht, aber hier stehe
„Ein Talisman!“
„Ein Talisman?“
„Jawohl, Elli und ich haben dieses Fläsch⸗ chen auf unserer. gekauft.“
„In Spanien?“
„Ganz recht, in Spanien. In Granada, in den Ruinen der Alhambra wurde es uns von einem alten Zigeunerweib zum Kaufe an⸗ geboten.„Diese Flasche“, sagte die Alte, zeuthält ein Zauberwasser. So lange die Treue in Ihrem Hause wohnt, wird der Inhalt der Flasche hell und klar bleiben, bricht aber eins der Ehegatten dem andern die Treue, wird er schwarz wie Tinte!“
„Und bis jetzt ist er geblieben?“ fragte der Hauptmann.
„Natürlich!“ entgegnete der Baron.„Oder zweifelst Du an meiner Gewissenhaftigkeit als Ehemann!“
„Nicht im mindesten! Im übrigen glaubst Du doch nicht an solchen Unsinn?“
„Bewahre! Ich weiß, daß es einfaches Wasser oder höchstens Spiritus ift, womit uns die alte Hexe betrogen hat, aber meine liebe Elli glaubt daran, und deshalb will ich sie eben bon dieser Schwäche kurieren oder mich wenigstens überzeugen, ob ihr Aberglaube stärker ist oder ihr Vertrauen zu mir!“
„Und was soll ich dabei?“
„Du sollst der Zeuge meiner jetzigen Hand⸗ lung sein und sollst mir den Vorgang vor meiner Frau bestätigen!“
„Wie denn?“
„Paß nur auf!“ sagte der Baron, öffnete das Zauberfläschchen und goß seinen Inhalt in die Asche des Kamins. Dann zog er eine Flasche voll Tinte aus der Tasche, füllte das Fläschchen mit der schwarzen Flüssigkeit, legte es wieder in das maurische Kästchen und stellte dieses an seinen alten Platz auf dem Simse des Kamins.
„Verstehst Du nun?“ fragte er.
„So halb und halb!“
„Morgen nun“, fuhr der Baron fort, ohne den Einwurf des Hauptmanns zu beachten, „kommt meine kleine Elli von ihrer zwei⸗ monatigen Sommerreise zurück, sie wird natür⸗ lich nach ihrem Talisman sehen, findet das Wasser schwarz und hält mich für den schwär⸗ zesten Verräter. Ich werde ihr selbstverständlich
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1 Samstag, 2. Dezember: 2 Geschäfts⸗Empfehlung. 2 a 6 Meinen werten Freunden und dem geehrten Publikum 2 von Lollar und Umgegend, zeige ich ergebenst an, daß ich mein 5 3 e biesiges 1 F35F5**VVVÄtn. 6 Mäübel- Luger 2 f N eröffnet habe. Ich empfehle: 1 L 1 0„ Kleiderschräuke Sophas 2 0 8 b 0 9 f a Küchenschräuke Schreibtische 4 Nachtschränke Aus ziehtische in, ½, ½¼ Flaschen 9 9 0 g e 6 5 f 1 9 U R Fete Taunnsoognac-Breuer Stühl Spiegelschränke 4 8. 0 0 3 Fritz. Scheller Söhne, 2 Sämtliche Möbel in Lack⸗ und Polster ausführung. 2 Homburg. Als passende Weihnachtsgschenke AnerkanntseinsteJarke. 9 empfehle ich mein gediegenes Lager in Nr. 1 per Flasche M. 5.— 9 Rohrsesseln.— 7 5 7 7 75 Ich übernehme die Lieserung sämtlicher Ausstattungen J, 4 5 9 2 0 7 und gewähre bequemste Zahlungsweise.„ 5 0„ 1.80 8 Heinrich Frank, Schreiner ee een 00 9 in Lollar. 7 W e. ige Niederlage: * alcdell. Consan Halle * Unserm Kollegen Inh. W. Schmidt F. r,ο,tber g. Ph. Sch. Heuchelheim b. Gießen.
Sonntag, 3. Dezember 1889, nachmittags 3 Uhr:
Oeffentliche
bei wiederhallt. Gastwirt Ihl„zur Stadt Newyork“
vom Parteitag.
zu seinem 32. Geburtstage ein
dreifach donnerndes E. Hoch! F. OGelksversammlung daß es 8 ch erschallt und
beim Rheinländer am runden Tisch
Lieber Ph. dieser Spaß kostet Dich ein Faß, aber nicht so klein, denn
Berichterstattung wir sind unser neun. ö Deine durstigen Kollegen.
Zuverlässigkeit zu beruhigen suchen. Glaubt sie mir nicht, so erscheinst Du, denn ich rechne darauf, daß Du morgen mein Gast zu Tische bist, und erzählst, was heute hier vorgegangen ist, da muß sie sich doch schümen— wie?“
„Ja, das müßte sie wohl eigentlich!“ ent⸗ gegnete der Hauptmann trocken.
„Also ich kann auf Dich rechnen?“
„Zu Tische? Gewiß.“
Mit einem kräftigen Händedruck schieden die beiden Freunde.——
Am andern Tag stellte sich der Hauptmann pünktlich zur Tischzeit ein. Nach der offiziellen Begrüßung nahm ihn der Baron bei Seite.
„Sie hat noch nichts gesagt“, flüsterte er.
„Vielleicht hat sie noch nicht nachgesehen“, gab der Hauptmann zurück.
Das Diner verlief in der angenehmsten Weise, die junge Frau war reizend und gab in allerliebster Weise einige kleine Reiseabenteuer zum besten.
Nach dem Kaffee konnte es der Baron nicht mehr aushalten, unter dem Vorwande, dem Freunde die Einrichtung der Billa zu zeigen, führte er ihn trotz des Sträubens der jungen Frau in deren Boudoir.
„Ah!“ rief er dort, als käme er beim An⸗ blick des maurischen Kästchens plötzlich auf einen Einfall,„sag', Elli, hast Du denn schon Deinen Talisman befragt, ob ich Dir denn auch in der langen Zeit treu gewesen bin?“
„Wie häkte ich das nötig“, lachte die junge Frau,„mein Vertrauen zu Dir ist unbegrenzt 1
Edgar warf dem Hauptmann einen Blick voll glückseligsten Gattenstolzes zu; seiner Frau gegenüber aber legte er sein Gesicht in ernste Falten und erwiderte:„Ueberzeugung ist besser als Vertrauen— überzeuge Dich doch!“
„Wie Du willst!“ entgegnete Frau Elli, nahm das Kästchen herunter und hielt das Fläschchen gegen das Licht.
Die beiden Freunde wechselten einen kurzen Blick maßlosen Erstaunens, der Inhalt des Fläschchens war hell und klar wie Krystall.
Es trat eine kleine Pause ein, die der Hauptmann benutzte, um sich wegen dienstlicher Angelegenheiten zu empfehlen.
Der Baron begleitete seinen Freund bis zur Treppe.
ich doch wirklich vor einem Rätsel!“ („Simplicissimus“.)
Respekt vor Großen.
„Welch ein Held muß jener sein, Thatenreich, fromm und gelehrt!“ Sagt ein Gast im Hundverein, „Daß ihn jeder wedelnd ehrt, Daß sich keiner vor ihm muckt, Vor ihm sich der beste duckt? Thut mir seine Thaten kund!“
„Ach“, sagt' ihm ein andrer Hund, „Dieser Mächtige zerreißt Den, der ihm nicht Ehr' beweist!“
(Aus Abraham Emanuel Fröhlichs Fabeln.)
Gemeinnütziges.
Zum Fang von Ratten und Mäusen. Ein gutes Mittel, die Mäuse oder Ratten in die aufgestellten Fallen zu locken, ist, den in der Falle sich befindlichen Köder mit einem Tropfen Rosenholzoͤl zu benetzen. Der Geruch dieses Oels, den diese Tiere be⸗ sonders lieben, zieht sie so unwiderstehlich an, daß sie unfehlbar an den gelegten Köder gehen und so gefangen werden können. Das Rosenholzöl erhält man in allen Apotheken.— Zum Bauernfang pflegen sich die Antisemiten meistens eines Pelzes zu bedienen. Die Bauernfänger, die keinen Pelz besitzen, versuchen es, sich einen solchen zu pumpen. Sie tropfen dann aber kein Rosenöl auf den Pelz, sondern stecken sich einen Hundert⸗ markschein in die Brusttasche. Da man Hundertmark⸗
scheine nicht, wie Rosenöl für 10 Pfg. in Apotheken
kaufen kann, so pumpen sich die antisemitischen Bauern⸗ fänger zu dem Pelz auch noch den Reichskassenschein. Nähere Auskunft erteilt gewiß gern der konservative Zeitungsverleger Thiele in Halle.
Humoristisches.
Segenreiches Wirken. Fremder:„Der hiesige Verschönerungsverein thut wohl sehr viel für die Gegend?— Bauer:„O ja, im vergangenen Jahre sind erst wieder Bänke und Wegweiser aufgestellt worden, da haben wir den ganzen Winter Brennholz gehabt!“
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Ein Kunststück.„Denken Sie nur, Frau Maier, mein Neffe, der Schreinerlehrling, fiel gestern in einen großen Leimbottich und wäre beinahe drin erstickt.“ —„Was Sie sagen! Und wie hat er sich gerettet?“— „Nun, er ist einfach aus dem Leim gegangen.“
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