Ausgabe 
17.6.1906
 
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Nr. 24.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 7.

1 5

Adolf Dörfler war einigen Bauern im Dorfe nicht recht angenehm. Sie konnten ihn nicht leiden. Warum? Ich weiß es nicht. Weil er soschlimm war? Da hätten sie den anderen Jungen auch abhold sein müssen. Vielleicht gar, weil er das uneheliche Kind einer armen, verachteten Taglöhnerin war? Möglich. Sie stellten sich so, als wäre der elfjährige Knirps eineGefahr für die Gemeinde, oder als würde er sicher zu einer solchen sich entwickeln. Die Bauern von Strozengrund sind brave und fromme Leute und wollen nicht, daß aus einem kleinen Gemeindeangehörigen später ein großer Taugenichts werde. Sie zeigten sich daher um den Adolf Dörfler sehr besorgt. Im Geheimen mußte ste sich zwar gestehen, daß ihre eigenen Söhne, so ste noch die Schulbank drückten, auch keine Musterknaben waren. Doch mit dem Kinde der verlassenen, rechtlosen Taglöhnerin brauchten sie keine Geschichten zu machen. So mag der Eine oder der Andere von ihnen gedacht haben. Und so beschlossen sie denn, den kleinen Adolf aus dem Dorfe zu entfernen.

Wie ste das anfangen sollten? Sie grübelten nach, sie berieten und überlegten. Und nachdem sie sich die Köpfe zerbrochen hatten, stand der Plan fest: dasungeratene Kind der Tag⸗ löhnerin mußte nach Brünn, mußte in die Fremde, fern von der Heimat, einer Anstalt, einem Rettungshause überstellt werden. Die übrigen wilden Rangen durften im Dorfe ver⸗ bleiben, denn ihre Wildheit war ja eigentlich nichts Anstößiges. Sie waren ja noch so jung, und in ihrer Jugend waren auch die Bauern von Strozengrund nicht ruhig hinterm Ofen

sitzen geblieben. EeSchluß folgt.)

Allerlei.

Wie lauge wird die Erde noch bewohnbar sein?

Auf diese Frage soll nach Angabe einer Londoner wissenschaftlichen Wochenschrift der Professor der Geologie an der Universität Chicago Dr. Chamberlain eine Antwort gegeben haben. Zu den bekanntesten Phantastereien, wie sie von Menschen in die Welt gesetzt werden, die das Prophezeien selbst auf Jahrhunderte hinaus nicht lassen können, gehörte die Annahme, daß die Erde über kurz oder lang völlig erkaltet und dadurch für jede Form des Lebens unbe⸗ wohnbar sein werde. Wenn die Erde das nicht allein sollte zustande bringen können, so müßte die Erkaltung der Sonne zur Erklärung heran⸗ gezogen werden. Professor Chamberlain gibt nun die tröstliche Versicherung, daß die Erde noch für die nächsten 100 Millionen Jahre vorhalten wird und daß ste, soweit das Menschengeschlecht in Frage kommt, eigentlich erst am Anfang ihrer Entwicklung steht.

Splitter.

Feiger Gedanken, Bängliches Schwanken, Weibisches Zagen, Aengstliches Klagen Wendet kein Elend, Macht dich nicht frei. Allen Gewalten

Zum Trotz sich erhalten, Nimmer sich beugen, Kräftig sich zeigen Rufet die Arme

Des Himmels herbei.

Humoristisches.

Fall Wrede. Hotelwirt(zum Personal): Hier ist ein deutschesFürstenpaar abgestiegen. Ich kann euch nur sagen: paßt auf! Sind's Hochstapler, dann wollen sie bloß mit der Zeche durchbrennen. Sind sie echt, dann nehmen sie auch noch das Silberzeug mit!

Die Fahrkartenst⸗uer. (Herrn Dr. Becker⸗Sprendlingen ins Stammbuch.)

Sie trat ans Licht, fie ward geboren,

Man zieht das Fell uns über die Ohren.

Wohl uns, daß man das Schlimmste erspart,

Den Deutschen auf der Eisenbahnfahrt!

Wohl uns, daß jetzt der Reichstagsmann,

Der diese neue Steuer ersann,

Wohl uns, daß er, sobald er reist,

Freifahrt auf sämtlichen Bahnen geneußt!

Wohl uns, daß er, den wir eg beten,

Das Heil der Wähler zu vertreten,

Dem Publikum alles aufgebuckelt

Und wenigstens selber gratis schuckelt!

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Geschichtskalender.

17. Juni. 1904 Attentat auf den finnischen Gouverneur Bobrikow. 1810 Ferdinand Freiligrath,*. 1789 Dritter Stand erklärt sich als Nationalversammlung.

10. 1849 DeutschesRumpfparlament gesprengt.

19. 1899 Erste Lesung der Zuchthaus vorlage. 1867 Kaiser Maximilian von Mexiko(Erzherzog von Oesterreich) erschossen.

20. 1898 Jakob Audorf, Dichter der Arbeiter⸗ marseillaise,.

21. 1899 Streikunruhen polnischer Arbeiter in Herne.

22. 1899 Franz. Ministerium Waldeck⸗Rousseau⸗ Millerand⸗Gallifet übernimmt die Geschäfte. 23. 1905 Arbeitermetzelei in Lodz.

schlacht in Paris.

1848 Juni⸗

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