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Nr. 23.
Gießen, den 10. Juni 1906.
13. Jahrgang.
Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.
Mitteldeutsche
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Bürgerlich⸗kapitalistische Wohltätigkeit.
Unsere herrschenden Klassen lassen dem Volke gern die Mär von ihrem warmen Herzen ver⸗ künden. Es besteht bekanntlich ein von den oberen Zehntausend vor etwa einem halben Jahrhundert gegründeter„Zentralverein für das Wohl der arbeitenden Klassen“, und in dessen Organ, dem„Arbeiterfreund“, kann man von Zeit zu Zeit lesen, welche ungeheuren„Opfer“ von den Inhabern des Reichtums, den die Arbeit des Gedankens und der Hände unseres Volkes geschaffen, zum Besten der unbemittelten Volksklassen gebracht werden. Wenn man die Ziffern so sieht, scheinen sie in der Tat auf den ersten Blick recht stattlich..
Die Aufwendungen und Vermächtnisse für Arbeiterwohlfahrt wurden für das Jahr 1898 auf 2½ Millionen Mk. beziffert. Rechnet man aber auch die allgemeinen, für die arbeitenden Klassen überhaupt bestimmten Zu⸗ wendungen hinzu, so weist das Jahr 1905 mit dem„Arbeiterfreund“ zu reden, einen Gesamt⸗ betrag von freiwilligen Wohlfahrtsspenden in in der Höhe von mehr als 116 Millionen Mk. auf. Von 1901 bis 1905 belief sich der Ge⸗ samtbetrag auf 424 Millionen, jährlich auf etwa 84 Millionen Mark.
Triumphierend deutet die bürgerliche Presse auf diese Summen hin, welche angeblich die Auffassung der Sozialdemokratie, als sei die bürgerliche Wohltätigkeit ohne wesentliche Be⸗ deutung, glänzend widerlegen sollen. Nun— sehen wir uns die Sache etwas näher an.
Etwa 48 Millionen von dem jährlichen Gesamtbetrage fallen, wie der„Arbeiterfreund“ selbst angibt, auf direkte freiwillige Für⸗ sorge für Angestellte, Arbeiter und deren An⸗ gehörige. Das sind also die sogenaunten Wohlfahrtsein richtungen. Wenn man bedenkt, welche ungeheuren Gewinne die deutschen Unternehmer und Kapitalisten während der sieben fetten Jahre am Ende vorigen Jahr⸗ hunderts aus der deutschen Arbeit gesogen haben, so sollte man meinen, wegen einer solchen Summe sei kein so fürchterliches Geschrei zu machen.
Was die Wohlfahrtseinrichtungen selbst be⸗ trifft, so läßt sich die flossenbewußte Arbeiter. schaft bekanntlich mit denselben nicht blenden. Sie ist weit davon entfernt, es zu verkennen, wenn dieselben aufrichtig gemeint sind und wirklich die ihnen nachgerühmten Eigenschaften haben. Wir wollen, um nur ein Beispiel an⸗ zuführen, betonen, daß die berühmten von Professor Abbe geschaffenen Wohlfahrts⸗ einrichtungen der Firma Zeiß in Jena allezeit die dankbare Anerkennung der Arbeiter gefunden haben. Aber wie viele Firmen gibt es, die sich haben entschließen können, den Bahnen der Firma Zeiß zu folgen? In sehr zahlreichen Fällen aber sind die Wohlfahrtseinrichtungen nur Schein und haben nur den Zweck, die Arbeiter in größere Abhängigkeit zu bringen, wie es bekanntlich auch bei den be⸗ rühmten Wohlfahrtseinrichtungen von Dolfus in Mühlhausen im Elsaß leicht ersehen werden konute. Wo die Unternehmer den Arbeitern die„Seßhaftigkeit“ erleichtern, haben ste fast immer nur den Zweck, dieselben fester in das kapitalistische Joch zu schmieden. Den Sozial-
demokraten wird angedichtet, sie seien darum Gegner der Wohlfahrtseinrichtungen, weil diese der„Verelendung“ der Arbeiterklasse und da⸗ mit dem Einflusse der sozialistischen Propaganda Hindernisse bereiten. Das ist ganz falsch. Wir halten nicht viel von den privbatkaptitalistischen Wohlfahrtseinrichtungen, weil sie fast niemals das sind, was ste darstellen sollen. Wären sie nicht so sehr unzureichend, so hätte sich der Klassenstaat sicherlich nicht zu einer sozialpoli⸗ tischen Gesetzgebung drängen lassen. Im übrigen sind es gerade die bestbezahlten Arbeiter, von denen die sozialistische Propaganda am meisten gefördert wird. Diese Tatsache ist und bleibt der bürgerlichen Presse unbegreiflich, da ste den Idealismus der Arbeiter nicht kennt und dieselben nach ihrer eignen meist so wenig noblen Gesinnung beurteilt.
So lange man keine genauen und positiven Nachweise über die„sozialpolitische Fürsorge⸗ tätigleit“ unserer oberen Zehntausend hat, d. h. so lauge man nicht genau weiß, in welche Hände die angeblich für die arbeitenden Klassen bestimmten Aufwendungen gelangen, so lange kann man auch nicht an das berühmte warme Herz glauben. Der klassenbewußte Ar⸗ beiter verschmäht solche Zuwendungen von vorn⸗ herein und sucht seinen Rückhalt bei seiner Organisation, nicht aber bei dem Mildtätig⸗ keitsbedürfnis jener Kreise, in denen sich auch das industrielle Ausbeutertum bewegt.
Wohl aber existiert in der bürgerlichen Gesellschaft eine sehr zahlreiche Schicht von Schmarotzern und Bettlern, die von der „Wohltätigkeit“ der herrschenden Klassen leben. Die Zahl der gewerbsmäßigen Bettel⸗ briefschreiber in den großen Städten ist Legion und sie haben fast alle Erfolg, da sie der Eitelkeit„hoher Herrschaften“ geschickt zu schmeicheln verstehen. Eine Bande von Frömmlern, Augenverdrehern und ähn⸗ lichen Subjekten wird von reichen„Gönnern“ durchs Leben gefüttert; Faulenzer jeglicher Art wissen sich auf diesem Wege fette Brocken zu ergattern. Und das nennt man dann„Fürsorge für die arbeitenden Klassen“! Welch Gesindel mag sich oft unter dem Namen„verschämte Arme“ verstecken! Mit diesem Schmarotzerpöbel läßt sich der alte römische Pöbel der Kaiserzeit vergleichen, der für„Brot und öffentliche Spiele“ auch den größten Tyrannen eine göttliche Ver⸗ ehrung zollte und auch durch„wohltätige Zu⸗ wendungen“ erhalten wurde.
Wenn es gilt, bei einem großen Unglück den in Not geratenen Mitbürgern beizustehen, dann muß, wenn es sich nicht um einen für die oberen Zehntausend besonders wichtigen Zweck handelt, bei der großen Masse gesammelt werden.
Wenn die oberen Zehntausend sich wirklich nobel zeigen wollten, dann hätten ste weit bessere Gelegenheiten. Dann mögen ste zunächst einmal mit der alten Gepflogenheit brechen, die Haupt, lasten im Staate auf die armen und arbeitenden Klassen abzuwälzen und sich möglichst davon zu drücken. Aber welche Schäbigkeit, wenn es sich um eine progressive Erbschafts⸗ oder Einkommensteuer handelt! Die Uuter⸗ nehmer, die so mit ihren Wohlfahrtseinrichtungen prahlen, würden weit nobler erscheinen, wenn ste nicht so oft mit den Arbeitern um jeden Pfennig Lohnerhöhung und jede Minute
Arbeitszeitverkürzung hadern und nicht gleich bei geringfügigen Differenzen die Arbeiter zu Tausenden aussperren würden. Aber da hört die Noblesse gewöhnlich auf und da kann man sich nicht wundern, wenn die Arbeiter die Lobpreisungen der bürgerlichen und kapttalisti⸗ schen Wohltätigkeit recht lächerlich finden.
Politische Rundschau.
Gießen, den 7. Juni 1906.
Gleiche Pflichten, gleiche Rechte.
Die Hauptaufgabe des Reichstags, die in der Bewilligung der Flottenvermehrung und der Aufbringung der dazu erforderlichen Geld⸗ mittel bestaud, ist gelöst. Wiederum haben sich die Regierang und die sogenannten Mehrheits⸗ parteien entschlossen, die Kosten der Flotte zum größten Teil durch das Mittel der in⸗ direkten Steuern bet den niedrigsten Volks⸗ schichten aufzubringen. Die Not der armen Volksschichten wird dadurch wieder bedeutend gesteigert, während man die steuerfähigen Kapk⸗ talisten und Junker in Ruhe läßt, obwohl diese den Hauptvorteil an den ständigen Kriegs⸗ rüstungen haben.
In den letzten Jahren betrugen die indirekten Steuern bei einem Einkommen von:
800— 1200 Mk. 5— 7,5 pat. des Einkommens.
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300% i
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Diese Statistik lehrt, daß die Lasten der indirekten Steuern die niedrigen Volksschichten im Verhältnis zu den der besser situierten Klassen weit schwerer treffen.
Aber im Gegensatz zu den vermehrten Pflichten, die man den untersten Schichten auferlegte, sucht man ihnen ihre wenigen Rechte noch zu kürzen. Wenn wir das all⸗ gemeine, gleiche, geheime und direkte Reichstags⸗ wahlrecht näher betrachten, so finden wir, daß auch dieses den Arbeitern, infolge der ungleichen Wahlkreiseinteilung, weniger Rechte ein⸗ räumt als den Bürgerlichen. Bei der Reichs⸗ tagswahl 1903 betrug die Stimmenzahl für die vier größten Parteien:
*
„
Stimmen: Gewählte Auf jeden
Vertreter: Vertreter
entfallen
Stimmen:
Sozialdemokratie 3010800 77 38200 Zentrum 1875300 100 18750 Deutsch⸗Konservativ 948500 59 18240 Nationalliberal 1317400 51 25830
Aber noch weit zurück hinter diesem Wahl⸗ recht steht das Wahlrecht in einzelnen Bundes⸗ staaten, vor allem in Preußen und Sachsen. Durch künstliche Berechnungen und allerlei sonstige Chikanen hat man es so volksfeindlich gestaltet wie es ist und durch militärische und polizeiliche Gewalt sucht man es festzuhalten. Ein Parlament, das nicht aus den vom Volke selbst auf Grund des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts hervorge— gangenen Vertretern besteht, kann un qgöglich im Namen des Volkes beschließen.
Derartigen Ungerechtigkeiten ein Ende zu machen, ist unsere Pflicht. Die einzige Pariet,


