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Nr. 31.
Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.
Haaren und tranenschwimmenden Augen sah er die Tochter des Geschäfts, und wie mit einer Flut von Eis durchgoß es ihn, als in diesem Augenblicke der Geistliche, der gerade seine Rede zu einem glücklichen Ende gebracht, seine und der Braut Hand ergriff und die entscheidende Frage an ihn richtete:„Wollen Sie diese Jungfrau, Fanny Sophie Barbara Ehrlich zu Ihrer ehelichen Gattin wählen, wollen Sie in Freud und Leid, in Krankheit nnd Trübsal treu bei ihr ausharren, und ihr hilfreich und liebend zur Seite stehen, in allem was das Schicksal Ihnen auferlegen möge?“
Wie in einem Traume war es ihm dabet, als ob er schon neben sich das leise flüsternde Ja der Braut gehört. Da faßte ihn der böse Geist— da raunte ihm ein schwarzer Unhold aus der Unterwelt ins Ohr: jetzt noch sei es möglich die verhaßte Fessel zu brechen. Vor seinem wirren Blicke hob sich bittend, flehend die Tochter des Geschäfts und mit heiserer und angstgequälter Stimme rief er:„Nein!“
Nach diesem Augenblicke hatte er ein un⸗ bestimmtes Gefühl, als ob irgend jemand an seiner Seite ohnmächtig würde, als ob zwei jugendliche Stimmen einen schwachen Schrei ausstießen und eine alte Dame mit einem großen Blumenbukett auf der Mütze ihm die Augen auskratzen wolle. Im nächsten Moment aber fand er sich auf der Straße, flog mehr als er ging eine schmale Quergasse hinunter, kam ge⸗ rade auf den Bahnhof, als der Zug anbrauste und— war gerettet.
* 5*
Von diesem Momente an, wo sich Salomo Schönbein, wie er es nannte, ermannt hatte, kam auch ein anderer Geist— ein Geist der finsteren hartnäckigen Entschlossenheit über ihn. Das Schlimmste, was überhaupt nur geschehen konnte, war geschehen— der Würfel gefallen und noch dazu ohne seine eigene Schuld. Wes⸗ halb hatte der alte Schneidermeister die Trau⸗ ung so übereilt, wenn er nicht Kunde von dem Lotteriegewinnst des Glücklichen bekommen und jetzt auch recht gut wußte, daß seine Tochter des reichen Eidams nicht mehr würdig war. Diese Gier nach schönem Gold hatte er bestraft; er hatte die Banden abgeschüttelt, die ihn noch an die unteren Schichten der Gesellschaft ge⸗ fesselt, und mit kaltem Blute wollte er fortan seinen Weg verfolgen.
Was jetzt noch kommen konnte und mußte, wußte er recht gut: herzbrechende Vorwürfe der abgeschüttelten Schwiegereltern, Tränen und Klagen der verschmähten Braut— bah, das war noch ein schlimmer Tag, und dann aber auch alles glücklich überstanden. Morgen früh bei Tagesanbruch zog er aus, und heute— ei zum Henker, er brauchte ja nur seine Tür zu⸗ zuschließen und niemand herein zu lassen, dann hatte er von selber Ruhe.
Das geschah. Zu Haus angekommen, schloß er sich ein und gedachte erst spät abends aus⸗ zugehen, denn die Familie Meister Ehrlichs zog sich immer sehr früh zurück. Nach etwa zwei Stunden hörte er einen Wagen rasseln und vor der Tür halten, aber er wagte nicht aus dem Fenster zu sehen. Jedenfalls war die Familie zurückgekehrt und er durfte nun auf den Besuch des Schneidermeisters rechnen— aber niemand kam. Er hörte im Hause Türen öffnen und schließen und Schritte auf der Treppe und dem Vorsaal, aber an seine Tür kam niemand— Niemand bekümmerte sich um ihn, und Salomo Schönbein wurde zuletzt— so fehr ihm das falsche Herz auch im Anfang gepocht, ordentlich ärgerlich darüber.
Das aber half ihm nichts— der Abend kam, an dem er sonst regelmäßig zur bestimmten Zeit zum Nachtessen gerufen wurde. Heute er· schien niemand; selbst das Mädchen, das sein Zimmer zu besorgen hatte, kam nicht herauf. Wollten sie ihn aushungern? Unten im Hause schien alles seinen regelmäßigen Gang zu haben; kein lautes Wort wurde gehört. Der Klang der Schritte klang deutlich zu ihm herauf, wie die Gesellen zu sbrer gewöhnlichen Zeit ihre Arbeitstische verließen.— Vorsichtig schaute er jetzt aus dem Fenster, aber keiner der Leute
sah zu ihm herauf. Unten gab der eine der
Gesellen dem Lehrjungen eine Ohrfeige, weil er so lange auf dem Besorgungswege geblieben war, dann gingen die Leute ruhig ihrer Wege — sie konnten keine Ahnung von dem haben, was heute in dem Hause ihres Meisters— oder wenigstens in dessen Familie— vorge⸗ gangen war.
Es dunkelte schon, ehe sich Salomo getraute sein Zimmer zu verlassen, denn sein böses Ge⸗ wissen ließ ihn fürchten, irgend einem Familien⸗ mitglied, selbst dem Dienstmädchen zu begegnen. Vorsichtig verließ er deshalb das Haus, heute abend in einer Restauration sein Souper zu verzehren und kehrte erst nach elf zurück. In⸗ sofern aber hatte er seine Zeit vortrefflich dazu benutzt, daß er einen Kontrakt über eine vor⸗ läufige neue Wohnung in der Nähe des Hanke & Blenkertschen Geschäftes abgeschlossen. Er traf den Eigentümer eines dort gelegenen Hauses beim Billard und erfuhr hier zu seiner Freude, daß derselbe ein kleines Logis für einen einzel⸗ 900 soliden Herrn gerade frei und leer stehen
abe.
einen Wink des Himmels, zahlte einen Taler Draufgeld und meldete sich bei seinem neuen Wirt auf morgen früh an.
Der Morgen kam. Salomo hatte in seiner gestrigen Aufregung am Abend vorher mehr wie gewöhnlich getrunken und deshalb auch heute länger wie gewöhr lich geschlafen. Sein Erwachen war ebenfalls höchst unangenehmer Art. Heute, mit kaltem Blut, wollte es ihm doch beinahe vorkommen, als ob er gegen die Leute, die ihn so herzlich aufgenommen, nicht ganz recht gehandelt— als ob Fanny wohl Ursache habe, sich über ihn zu beklagen. Aller⸗ dings hatte er früher selber geglaubt, daß er sie liebe, das Gefühl aber, das jedenfalls nur Achtung gewesen, mißverstanden, und sollte er jetzt, da er das noch zur rechten Zeit entdeckt, sein ganzes Leben und seine ganze bürgerliche Existenz einem solchen Wahne opfern?
Nein— das ging unmöglich an. Hatte er gefehlt, so war es geschehen; er wollte auch dem Meister Ehrlich keine weiteren Vorwürfe mehr machen. Das alles lag aber jetzt auch hinter ihm, und er, Salomo Schönbein ging einem neuen glänzenden Leben entgegen.
Mit diesen Gedanken war er aufgestanden, hatte sich gewaschen und angezogen und befand sich, ohne Kaffee, eigentlich noch immer etwas unbehaglich. Aber er mochte auch nicht danach klingeln und wollte ihn lieber heute morgen auswärts trinken. Ueberdies mußte er jetzt zu Hanke& Blenkert in das Geschäft, sich dort noch für heute morgen, seines Umzugs wegen, zu entschuldigen— dann hatte er nur noch die allerdings fatale Unterredung mit seinem Wirt und gewesenen Schwiegervater in spe in Aus⸗ sicht, und mit der war auch das letzte Unan⸗ genehme überstanden— Fanny würde sich schon nicht dabet sehen lassen, und er hoffte ihr gar nicht mehr zu begegnen. Ueberdies konnte ihm der alte Ehrlich gar nichts anhaben. Wollte er ihm Vorwürfe machen?— dazu hatte er kein Recht und er brauchte sich das nicht gefallen zu lassen, und wurde er— Salomo schrack zusammen, denn an seiner Tür klopfte leise ein Finger.
ortsetzung folgt.)
Allerlei. Auf der Erde herum.
Der„Daily Chronicle“ erzählt eine amüsante Anekdote von dem verstorbenen Präsidenten Krüger. Es handelt sich um eine Unterredung, die der Präsident kurz vor dem Ausbruch des Krieges in Prätorta mit einem Amerikaner, Kapitän Joshua Slocum, hatte. Dieser unter⸗ nehmende Reisende hatte gerade eine Reise um die Welt zurückgelegt und befand sich auf dem Nachhausewege, als ihm einfiel, dem berühmten Präsidenten des Transvaal seine Aufwartung zu machen. Mr. Slocum wurde von dem Richter Beyers dem Präsidenten vorgestellt, der ihn auch zuerst sehr freundlich empfing. Als Kapitän Slocum aber dann erzählte, er sei so⸗ eben um die Erde herumgefahren, verfinsterte
Salomo Schönbein betrachtete das als
„Sie meinen, Sie sind auf der Erde he gefahren.“ Ohm Paul hatte sich nämlich überzeugen lassen, daß die Erde rund ist, er glaubte bis zu seinem Tode, daz die Sonne um die Erde kreise.— Die Wahrheit der Ge⸗ schichte vorausgesetzt, würde sie der allgemeinen
ildung des ehemaligen Präsidenten kein be⸗ sonders gutes Zeugnis ausstellen.
Firma Bebel, Singer, Vollmar& Co. Eine heitere Episode spielte sich kürzlich in einem Coupee zweiter Klasse auf der Fahrt nach einem bekannten Ostseebade ab. Auf einer der letzten Kreuzungsstationen war der Andrang der Passa⸗ giere ein besonders großer, so daß die Schaffner sich nicht mehr anders zu helfen wußten, als die Passagiere dritter Klasse in der zweiten Klasse unterzubringen. In einem Coupee zweiter Klasse saß bisher ein einziger Herr, den man den Reserbe⸗Leutnant und notleidenden Agrarier schon von weiter Ferne ansah; der⸗ selbe schien von den Neuzukommenden sehr un⸗ angenehm berührt und brummte etwas wie „Skandalös!“„Unerhört!“ Schließlich wandte er sich an einen ebenfalls neu eingestiegenen Passagier mit den Worten!„Aeh! unglaublich, man sollte doch, äh, mehr Wagen zweiter Klasse gehen lassen! Aeh!“ Zweiter Passagier: „Dritter wäre viel notwendiger!“— Reserve⸗ leutnant:„Aeh, sehr richtig, bemerkt äh! Jo⸗ vial) Aeh!— Reisen wohl geschäftlich? Aeh!“ eee Passagter:„Na, so ähnlich, jeden⸗ falls nicht zum Vergnügen.“— Reserveleutnant: „Aeh— renommierte Firma natürlich? Aeh.“ — Zweiter Passagier:„Größte und angesehenste Deutschlands.“— Reserveleutnant: Meß heißt und macht in?“— Zweiter Passagier: „Heißt: Bebel, Singer, Vollmar& Kompagnie und macht in Sozialismus!“— Allgemeines Gelächter der Mitreisenden erfüllte das Coupee, der Herr Reservelentnant sagte nur noch einige⸗ mal:„Aeh äh“ und verstummte, und es klang wie ein Schrei nach Erlösung, als er am Reise⸗ ziel aus den Coupeefenster hinausrief:„Aeh— Gepäckträger! Aeh, schnell!“
Franklin und das Wahlrecht. Jemand behauptete einst gegen Benjamin Frauklin, baß das Wahlrecht an den Besttz eines Vermögens geknüpft sein müsse, oder daß der Wähler doch wenigstens eine kleine Summe von Dollars haben sollte.„Sehr wohl,“ erwiderte Franklin, zbetrachten wir den Fall eines Mannes, dessen Vermögen in dem Besitze eines Esels besteht, der einen Wert von zwanzig Dollar hat. Er verliert seinen Esel un) verliert sein Wahlrecht. War es der Mann oder der Esel, der das Wahlrecht hatte?“
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Splitter. Wahrhaftig große Männer sind immer ein⸗ fach— ihr Betragen ist immer ohne Kunst und ohne Schminke.
Klinger.
Humoristisches.
Zweierlei Wirkung. Gehn jetzt auch in die Ferien Des Staates Stützen all', Das große Staatsgebäude Kommt deshalb nicht zu Fall, Doch geht einst in die Ferien Das Proletariat, Dann bricht in sich zusammen Der ganze Ordnungsstaat.
(HI. E. im„Wahr. Jakob“) Patentmedizin. Apothekerlehrling:„Was be⸗ findet sich denn in der Flasche ohne Etikette?“— Provisor:„Eine Medizin, die schon vielen das Leben gerettet hat; von ihr nimmt man, wenn man das Rezept nicht lesen kann.“
BBB BBB A BBB Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Von der Expedition der Mitteld. Sonnt.⸗Zeitung Gießen, Rittergasse 17, sind zu beziehen:
Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg.
sich das Gesicht des Präftdenten, der ihn in ziemlich scharfem Tone korrigierte und sagte:
Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon. Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Prels 10 Pfg.


