Ausgabe 
27.11.1904
 
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Nr. 48.

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Mitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung.

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sür ungultig erklärt wurde, fand am Mitlwoch eine Ersatzwahl statt. Bis zum Augenblick, wo wir dies schreiben, ist folgendes Resultat bekannt: Antrick(Soz.) 9937, Büsin g(natl.) 6016 und Dr. Da de(kons.) 5876 Stimmen. Es ist Stichwahl zwischen Antrick und Dade wahrscheinlich. Bei den Hauptwaßlen 1903 erhielt unser Kandidat 10380, die Gegner zu⸗ sammen zirka 13500 Stimmen.

Die Ersatzwahl in Calbe⸗Aschersleben

für unsern verstorbenen Genossen A. Schmidt ist auf den 13. Januar festgesetzt. Von unserer Seite wurde Schneidermeister A. Albrecht⸗ Halle als Kandidat aufgestellt, der im vorigen Reichstage den zweiten Dessauer Kreis vertrat. Die Nationalliberalen stellen den Major Placke (den Ohrfeigen-Placke) wieder auf. Die Gegner machen gewaltige Anstrengungen, um der So⸗ zialdemokratie das Mandat zu entreißen, hoffent⸗ lich bemühen sie sich vergeblich.

Russisch⸗japanischer Krieg.

Die baltische Flotte bedeckt sich auf ihrer Fahrt nach Ostasien immer mit neuem Ruhme. So wurde aus Kane a(Insel Kreta im Mittelländischen Meer) Folgendes gemeldet, was sich oem Verbrechen gegen die englischen Fischerboote würdig anreihr:Während des Aufenthaltes eines Teiles des baltischen Ge⸗ schwaders fanden furchtbare Szenen statt. Viele Offiziere und Mannschaften waren beständig betrunken, beleidigten und griffen die Einwohner an. Wenigstens fünf Personen solleu ermordet worden sein und etwa 40 russische Seeleute desertierten. Ob die Mächte nicht bald dafür sorgen, daß dem vom Delirium befallenen Gesindel sein gemeingefährliches Handwerk gelegt wird!

Aus der Mandschurei kommen Berichte über kleine Gefechte. Es heißt, daß eine große Schlacht bevorstände. Vor Port Arthur nichts Neues.

Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung.

Er wird vom Genosseu Orb des Längeren begründet. Ministerialrat Eisenhut charak- terisiert den sozialdemokratischen Antrag als eine ideale Forderung, die leicht aufzustellen, aber in absehbarer Zeit praktisch nicht durch⸗ zuführen sei. Fast mehr noch als die finan⸗ ziellen Bedenken, fiele hier der herrschende Lehrermangel ins Gewicht. Auf jeden Fall werde die Regierung bestrebt sein, eine Herab⸗ minderung der Durchschnittsziffer allmählich durchzuführen.

Abg. Dr. David: Der hessische Staat dürfe in dem Tempo, in dem dieses Ziel er⸗ reicht werden könne, nicht zu langsam sein. Durch Aufhebung der Vorschulklassen und durch Schaffung der Einheitsschule würde ein nicht unbedeutendes Material an Lehrkräften frei und durch eine Reform des e e könne diesem Berufe reichlich neues Material zugeführt werden. Wir werden, wenn die Kammer ihn heute nicht annimmt, unseren An⸗ trag immer wieder einbringen. Der sozial⸗ demokratische Antrag wird mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt.

Eine weitere Interpellation Köhlers, ob die Regierung gewillt sei, sommerliche Unter⸗ richtskurse für Lehrer an den ländlichen Fortbildungsschulen einzurichten, wird vom Staatsminister mit einer Ablehnung beant⸗ wortet. Köhler kritisiert daraufhin die Stellung⸗ nahme der Regierung, der es an genügendem Wohlwollen der Landwirtschaft gegenüber fehle. Auch unser Genosse Ulrich erklärt sich für den Antrag Köhler, denn den Landwirten müsse eine gute Ausbildung ermöglicht werden. Im Weiteren wird noch über eine Anfrage Rein⸗ hardts betr. die immer mehr um sich greifende Verseuchung des Rheins und des Mains durch Fäkalien und Abwässer aus Fabriken verhandelt.

Am Dienstag brachte erst der Präsident Haas dem Großherzog seine Glückwünsche zur Verlobung dar. Darauf beantwortete der Staatsminister Rothe eine Anfrage des Abg. Weidner dahin, daß die Regierung beabsichtige, noch im Laufe der Dauer dieses Landtages ein Gesetz zur Ausführung des Generalkulturplanes für den oberen Vogelsberg einzubringen.

zu mäßigeren Preisen verabfsolgt wurden, von den Herren Aufsichtsräten wieder aufgehoben wurde. Dagegen ließ der Vorstand des Volks⸗ bads eineBerichtigung im Anzeiger los, in der er folgendes erklärte:

Die Krankenkassen, der Sanitätsverein und Innungen hatten vom Bestehen des Volksbades an 50 Prozent Ermäßigung auf Wannen⸗ und Heilbäder für ihre Mitglieder. Mit dieser Begünstigung ist Mißbrauch ge⸗ trieben worden, indem Karten an Nicht⸗ berechtigte, Gutsituierte abgegeben wurden. Wir mußten uns deshalb entschließen, die Vergünstigung aufzuheben, gewähren aber nach wie vor auf Anweisung eines Arztes an wirklich Bedürftige Karten zu obigem Nachlaß.

Dazu müssen wir uns schon einige Bemerk⸗ ungen erlauben und zwar erst heute, weil wir in der letzten Nummer keinen Raum mehr hatten. Daß die Wannenbäder hier doppelt so teuer sind als anderwärts, bestreitet der Vorstand nicht. Er wird aber ebenfalls zugeben müssen, daß die Bedingungen, unter welchen jemand Bäder zu mäßisgerem Preise erlangen kann, solche sind, daß davon kaum Gebrauch gemacht wird. Wenn einer erst an soundsoviel Türen laufen soll, damit er seine Bedürftigkeit nachweise, um ein billigeres Bad zu bekommen, wird er lieber darauf verzichten. Und wie ist denn der Arzt in der Lage, die Bedürftigkeit zu bescheinigen? Der kann es auch nur auf Grund der Mitteilungen des Nachsuchenden, die er nicht nachprüfen kann. Glaubt man sich gegen Mißbrauch schützen zu müssen, so kann das wohl noch auf andere Artz, erreicht werden; wie die Sache jetzt gehandhabt wird, widerspricht sie durchaus den Anforderungen, die man an ein wirklichesVolksbad zu stellen berechtigt ist. Uebrigens hat doch die Stadt hier ein Wörtchen hineinzureden, sie ist mit 60000 Mk. an dem Unternehmen beteiligt, hat also von dem etwa entstehenden Defizit einen guten Teil zu tragen und sollte dafür sorgen, daß dieses Institut nützlich für die Gesamtheit wirkt. Wie aber die Maßnahme des Aufsichts⸗ rats wirkt, das zeigen folgende Zahlen. Es wurden Bäder genommen: f

e e, e iedrige Löhne bilden ein Hemmnis andwirtschaf en Instituts an der Lande s⸗ Jahre Insgesamt Wannenbäder ermäß. Preisen für den Fortschr der Prout Diese[univ ersität Gietz en beantwortet der Staats⸗ 1899 83914 15012 2 Erfahrungstatsache kann augenblicklich wieder[minister dahin, daß die Regierung bereit sei, 1900 92141 17318 2 einmal in Oesterreich festgestellt werden, deinen zweiten Lehrstuhl für Landwirtschaft mit 1901 97692 18038 2779 wo einige Schuhfabrtikanten den Versuch machten, einem Privatdozenten zu besetzen, und daß eine 1902 96394 17505 748

die maschinelle Erzeugung auch in Oesterreich einzuführen. Die Versuche mußten schon nach kurzer Zeit wieder eingestellt werden, da die billigen Wiener und böhmischen Handarbeiter den Kampf gegen die Maschine erfolgreich zu bestehen vermochten. Es ist bemerkenswert, daß die Arbeiter den Versuch vereitelten. Be⸗ deutet doch vom Standpunkt der Arbeiter ge⸗ rade der maschinelle Betrieb einen wirtschaft⸗ lichen und sozialen Fortschritt. Daß aber trotz der niedrigen Löhne die Konkurrenzfähig keit Oesterreichs in Schuhen auf dem Weltmarkt zurückgeht, das zeigt die Gestaltung des Exports im Vorjahre. In England, einem sonst sehr aufnahmefähigen Absatzgebtet, erringt der amerikanische Schuh, der maschtnell von gut bezahlten Arbeitern hergestellt wird, immer mehr Erfolge, und auch in Deutschland geht der Umsaz in österreichischen Schuhen zurück, da die deutsche Schuhwarenindustrie durch Be⸗ nutzung amertkantscher Maschinen ihre Stellung ungemein befestigt hat, und außerdem ein Teil des Bedarfs durch die Vereinigten Staaten gedeckt wird.

Pon Nah und Fern. Hessisches.

Hefsischer Landtag.

Am Freitag voriger Woche verhandelte die Zweite Kammer über den sozialdemo⸗ kratischen Antrag, die Durchschnitts⸗Schülerzahl in den Volksschulklassen auf 40 festzusetzen und nur unter besonderen Umstäuden einem Lehrer bis zu 60 Kinder zum Unterricht zu überweisen.

neue Prüfungsordnung ausgearbeitet werde, die den Besuchern des Instituts einen geeigneten Abschluß ihres Studiums ermögliche. Hier⸗ auf entspann sich eine längere Debatte wegen der Zugehörigkeit des freireligiösen Predigers in Mainz zum Schulvorstand, woraus man ihn entfernt hatte. Seine Wiedereinführung wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt.

Der Gemeindesteuer⸗Gesetzent⸗ wurf ist dem Landtage zugegangen.

Gegen die Wahl des Dr. med. Ascher zu Eberstadt i. O. in den Gemeinde⸗ rat, welche mit Hilfe der Arbeiterschaft erfolgte, wurde Einspruch erhoben, weil der Arzt als Schul⸗ und Armenarzt Gemeindebeamter sei. Das Kreisamt erkannte den Protest als begründet an und erklärte die Wahl für un⸗

iltig. Dr. Ascher legte gegen diese Ent⸗ cheidung Rekurs beim Kreisausschuß in Darm⸗ stadt ein, der auch die kreisamtliche Auffassung für falsch und die Wahl für giltig ertlärte, da ein Schul⸗ und Armenarzt kein Gemeinde⸗ beamter sei.

Gießener Angelegenheiten.

Die Preise im Volksbad. Mit Recht hob unser Flugblatt zur Stadtverordneten⸗ wahl hervor, daß im hiesigen Volksbad die Preise für Wannen bäder viel zu hoch und für Minderbemittelte fast unerschwinglich sind. Für ein Wannenbad müssen hier bekanntlich 60 Pfg. bezahlt werden, während man in andern Städten für 25 und 30 Pfg. ein solches bekommt. Ferner war getadelt, daß die Ein⸗ richtung, wonach an Krankenkassen ꝛc. Karten

Also bis 1901 eine ganz erfreuliche Steigerung der Frequenz, 1902 jedoch, als es keine billigeren Karten mehr gab, wurden 500 Wannenbäder weniger genommen! Unser Flugblatt hatte also ganz recht, wenn es bemerkte, daß das Volksbad seinen Beruf verfehlt infolge der weisen Leitung der Herren Hanbach und Genossen.

Studenten-Rüpeleien. Ueber Aus⸗ schreitungen und nächtlichen Skandal, die von Studenten verübt werden, ist schon öfters Klage geführt worden. Den jungen Herrchen wird nur immer sehr viel nachgesehen, sie werden im Uebertretungsfalle nicht so scharf von den Hütern der öffentlichen Ordnung angefaßt, als es sonst wohl andern Sterblichen und ganz besonders Arbeitern passtert. Diese Leutchen, die alle Abkömmlinge der besitzenden Klassen sind, glauben sich deswegen mehr als andere herausnehmen zu dürfen und sie werden darin auch bis zu einem gewissen Grade durch die heutige Rechtsprechung unterstützt. Wir erinnern nur an die Vorkommnisse, die sich um Weih⸗ nachten 1902 in Marburg ereigneten. Dort verübten die Studenten tatsächlich Aufruhr und Landfriedensbruch. Sie skandalierten die ganze Nacht hindurch auf dem Marktplatze, prügelten die Polizisten, bombardierten das Rathaus mit Steinen. Sie wurden aber auch bestraft. Und wie! Der Haupträdelsführer bekam, wenn wir nicht irren 40 Mk. Geldstrafe. Vor dem Gießener Schöffengericht spielte sich am Dienstag ein ähnlicher Fall ab. Im Café Rohal hatten die Schutzleute eines schönen Nachts Feierabend geboten und weil einer der jungen

Herren den Schutzmann beleid igte, wollte dieser

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