Ausgabe 
26.6.1904
 
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Nr. 26.

Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung.

Seite 7

aufschauend, über dessen Wipfeln die Ruinen eines Turmes bemerkte. Sie fragte, was das sei!?

Die Ruinen der Lauenburg, antwortete Hans nach einem Blick dorthin.

5 122 welches Geschlecht hat dort einst ge⸗ . au 10

Er machte ein verlegenes Gesicht.Meiner Treu', ich habe den Namen des wackern Agrariers vergessen, lachte er dann.

Fräulein Irma schielte ihn von der Seite an und um ihre frischen, blühenden Lippen schwebte ein neckisches Lächeln.Warum nennen Sie ihn denn einen Agrarier?

Nun, Fräulein, die des Mittelalters nah⸗ men sich mit bewaffneter Faust, was sie brauchen konnten, die heutigen halten drohend die Hand auf und lassen es sich vom Staat schenken.

Sie lachte laut auf, worauf sie sagte:Sie sind in der Tat ein schlimmer Sozialdemokrat.

Und jetzt mögen Sie mich wie Ihre Freun⸗ din wohl gar nicht mehr leiden? fragte er und sah mit einem tiefen Zlick in die Augen,

Sie ward rot.Wenn es nur das wäre, was wir Ihnen zu verzeihen haben.

Bitte, und was noch?

Sie schüttelte den Kopf und beschleunigte ihren Schritt.

Er folgte ihr, indem er darüber grübelte, was sie meinen Nn

Von der einst durch Feuer und Schwert verheerten Lauenburg sind nur noch wenige Trümmer vorhanden. Hinter den Burggräben ragen nur noch einige Mauerreste mit einem Stück Eckturm und der aus rohen Granit⸗ blöcken aufgeführte Hauptturm oder Berchfrit auf. Ein Balkengerüst in dem Innern desselben 0 1 den Zutritt zu dem hochschwebenden

ltan. Auf diesen traten jetzt Fräulein Irma und Hans hinaus, nachdem sie in dem Innern der Burg sich flüchtig umgesehen hatten. Fräu⸗ lein Mohr war in einer von den Lauben vor dem nahen Förster⸗ und Wirtshause zurückge⸗ blieben, nachdem sie und die Freundin durch Milch und Butterbrod sich erquickt hatten. Sie fühlte sich ermüdet und wollte noch ausruhen, und Hans, den sie sehr kühl, ja fast ungnädig zu behandeln fortfuhr, seit er seine Gesinnung unverhohlen ausgesprochen, vermißte ihre Ab⸗ wesenheit in den Ruinen mit stillem Vergnügen. Ungeduldig aber machten ihn die Fremden, wenn es auch nur wenige waren, die er hier antraf; denn es drängte ihn, seine hübsche Be⸗ gleiterin nach seinen Sünden zu fragen. Auf dem Altan waren sie endlich allein; aber nun nahm die köstliche Ausstcht seine Begleiterin gänzlich in Beschlag. Da öffnete sich dem Blicke das weite, schöne Wurmtal und rechts die reiche Ebene mit ihren grünen Feldern und roten Dächern bis nach Quedlinburg hin, über⸗ gossen von dem Goldglanz der später Nach⸗ mittagssonne.

Ach, wie prächtig, rief Fräulein Irma entzückt, und Hans darauf:Ja, und hier das adelige Herren- und Raubnest, für welches die armen Menschen dort unten im Schweiße ihres Angesichts schanzen mußten.

O, das hätten Sie nicht sagen sollen, rief sie vorwurfsvoll, indem sie sich lebhaft nach ihm hinwaudte.

Verzeihen Sie den Mißton! Aber Sie wissen ja, daß ich aus meinem Herzen keine Mördergrube zu machen weiß.

Es war wohl eine Hobelspänlocke von Ihrem Werktische? fragte das Fräulein mit einem eigentümlichen Gesichtsausdruck.Denn Sie machen ja wohl nur in der Reisezeit den Fremdenführer? Er sah den Augenblick ge⸗ kommen, indem er die Maske fallen lassen mußte. Freimütig sagte er:

Nein, Fräulein Irma

Schäfer, ergänzte sie.

Nein, Fräulein Schäfer, ich habe den Ho⸗ bel längst aus der Hand gelegt. Ich las nicht nur die sozialistischen Schriften, ich durstete nach Wissen. Ich redete in den Arbeiterver⸗ sammlungen, ich schrieb über uns wichtige Fragen in unser Parteiorgan, und eines Tages wurde ich als Redakteur an das sozialdemo⸗ kratische Blatt berufen.

Sie stieß einen Laut der Ueberraschung aus.

Ich heiße Gruber, Hans Gruber.

Es war schlecht von Ihnen, daß Sie uns in unserm Irrtum ließen, als wir Sie in Thale trafen. Warum taten Sie das? Sie wollten sich einen Scherz mit uns machen, das war schlecht von Ihnen.

Vielleicht war es eine lustige Ferienlaune, lächelte er, und er fuhr fort, indem er mit einem tiefen Blick, vor dem ste errötete, in das Gesicht sah:Zwei braune, seelenvolle Augen taten es mir an.

Sie wendete den Kopf ab, um ihre Ver⸗ wirrung zu verbergen, und er sagte seltsam leise und erhaschte ihre schlaff herunterhängende Rechte, die sie ihm aber entzog:Verzeihen Sie dem Sünder, wenn er auch nicht bereut, was er tat. Sie seufzte:Ach, wir Frauen sind gar zu mitleidig. Meiner Freundin gegen⸗ über werden Sie keinen so leichten Stand haben. Doch lassen Sie uns gehen!

Sie werden mein Anwalt sein, meinte er, hinter ihr das Balkengerüst hinabsteigend.

Und Ihre Thron und Altar umstürzenden Ansichten? lächelte sie, während ste die Ruine verließen und in den Wald hinaustraten.Meine Freundin ist streng konservativ gesinnt.

Ich werde sie von ihrer Richtigkeit über⸗ zeugen, sagte er zuversichtlich.Sie wird ein⸗ sehen, daß auf ihnen die Zukunft beruht, daß sie uns gehört, trotz alledem und alledem!

Sie fanden Fräulein Mohr noch in der Laube sitzend, den Kopf in die Hand gestützt. Ihre Freundin erschrak, als dieselbe zu ihr aufblickte, so tödlich blaß sah ste aus. Die drei Stunden Weges von Thale her hatten ihre Kraft erschöpft, ste fühlte sich unwohl. Fräulein Irma war ratlos.Was nun be⸗

innen? wandte sie sich an Haus, der zum ufbruche sich fertig machte.Sie kann un⸗ möglich in diesem Zustande noch nach Suderode hinuntergehen! Hans war im ersten Augen⸗ blicke ebenfalls bestürzt, um so mehr, als der herannahende Abend kein längeres Verweilen gestattete. Er eilte in das Haus, um mit dem Wirte zu sprechen. Mit aufgehellten Mienen kam er nach kurzer Zeit wieder und teilte mit, daß es einige Fremdenzimmer im Hause gäbe, und er gleich das beste davon für die Damen mit Beschlag belegt habe.Sie werden nach der ungewohnten Anstrengung die Nacht gewiß gut ruhen und morgen wieder ganz frisch sein, wandte er sich tröstend an Fräulein Julie. Freilich werden wir daun morgen von hier aus etwas weiter als von Suderode nach Alexis⸗ bad haben, aber dafür haben wir auch den ganzen Tag vor uns.

Fräulein Julie dankte ihm mit einem matten Lächeln, und während er noch fortfuhr, ste zu ermutigen, erschien die Kellnerin, die die beiden Damen auf ihr Zimmer zu führen. Hans händigte ihr dann Tasche und Rucksack aus und wünschte gute Nacht, mit dem Zusatze: 8500 bleibe zum Dienst der Damen gegen⸗ wärtig.

Fräulein Schäfer nickte ihm freundlich dankend zu.

Als die Mädchen im Hause verschwunden waren, setzte sich Gruber an deren früheren Platz, warf den Hut den Tisch und fuhr sich mit beiden Händen durch das dicke Blondhaar. Ihm war heiß und es war doch recht kühl auf der Höhe und wurde kühler und kühler, je tiefer die Sonne sank. Er war allein vor dem Hause. Die letzten Gäste hatten eben den 1 uach Suderode eingeschlagen.Also

rma Schäfer heißt ste, sprach er vor sich hin, zog sein Pfeifchen hervor und wollte rauchen. Aber nein, erst etwas essen! Er spürte einen Wolfshunger und läutete, indem er die Milch⸗ gläser seiner beiden Damen aneinander stieß, einen dienstbaren Geist herbei. Der Wirt kam. Er möchte ihm eine warme Fleischspeise bringen, gleichviel was es sei. Und er wußte nachher auch nicht, was er. Aber er bestellte bei der Kellnerin, welche ihm servierte, einen Grog. Stark, heiß und süß wie die Liebe, fügte er hinzu. Die Kellnerin lachte, und er fiel ein.

lötzlich brach er ab. War es denn wirklich iebe, was er empfand? Ach was! Nur dessen

war er gewiß, daß ihm noch kein Mädchen so

gut gefallen hatte, wie Irma. Und er sah sie in dem fußfreien Kleide mit Bergstock und Rucksack vor sich herschretten, kräftig, anmutig, während der Tag leise verdämmerte und der Abendwind in dem Laube der Bäume wisperte und rauschte. Er rauchte und nippte von dem Grog, und über ihm tauchte ein Stern nach dem andern an dem stahlgrauen Himmel auf. Dieses Mädchen als Kampfgenosfsin an der Seite, als sein Weib! Ach nein, das waren zu kühne Hoffnungen. Morgen noch, und ste schie⸗ den wohl für immer.

Er sog stärkere Rauchwolken aus seiner Pfeife, und aus ihnen stieg eine andere Gestalt vor seinen inneren Augen auf die einzige lichte Gestalt seiner Kindheit und seiner Kna⸗ benjahre. Es war die seiner um mehr als zehn Jahre ältern Schwester, die jetzt an einen Schiffszimmermann in Hamburg verheiratet war. An seine Mutter hatte er keine Erinner⸗ ung; ste war gestorben, als er noch klein ge⸗ wesen war. Sein Vater fing nach ihrem Tode zu trinken an, verlor seine Arbeit und ging als Kohlenzieher auf einem transatlantischen Dampfer nach Amerika. Die verlassenen Ge⸗ schwister hörten nie wieder etwas von ihm. Die Schwester arbeitete bereits in einer Spinnerei und ihr kärglicher Lohn mußte für sie und den Bruder ausreichen. Hans begriff nicht mehr, wie das möglich gewesen war, aber sein ganzes Herz hatte an der Schwester gehangen. Dann erbarmte sich ein Wohltätigkeitsverein des kleinen Knaben und tat ihn in eine fromme Erziehungs⸗ anstalt, aus der er zweimal zu seiner Schwester entlief. Als man ihn das letztemal zurückholte, ließ ihn die fromme Oberin die Kinder mußten ste Mutter nennen vor dem ver⸗ sammelten Volke binden und auspeitschen, bis sein Schreien und Wimmern verstummte. Ohn⸗ macht hatte den Blutüberströmten still gemacht. Die Sache wurde ruchbar. Es gab einen großen Skandal. Die Stadtväter mußten eingreifen und sie taten Hans in ein Waisenhaus, wo er bis zu seiner Einsegnung blieb. Aus dem Re⸗ gen unter die Traufe. Ein graues, ödes, liebe⸗ leeres Dasein! Durch welche Dornen hatte er sich hindurchreißen müssen!

Grimm erfaßte ihn. Und er sollte sich gegen diese heuchlerisch barbarische Welt nicht auf⸗ bäumen? Er lachte grell auf, stürzte den Rest seines Grogs hinunter und suchte sein Lager auf.

(Fortsetzung folgt.) Humoristisches.

Aus dem Gebirge.J glaub', der Steinhofer Sepp ist auch schon nervös.

Warum denn?

Als ihm neulich bei der Rauferei ein Ohr abge⸗ rissen wurde, hat er's gleich gemerkt.

Zeitgemäßer Seufzer. Betrunkener:Das ist auch wieder so eine dumme Erfindung, diese elektrische Beleuchtung!.. Wie gemütlich hat man sich früher an so einem Laternenpfahl anhalten können!

(Fl. Bl.)

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