1 aruckelel Jlessel

gend. neralber⸗ . wurde beim ge⸗ chten Er⸗ .

n unserer

tag und 5 A.

1

K APPTPPG0GGG000000T0000

nn

Nr. 39.

Gießen, den 25. September 1904.

11. Jahrgang.

Redaktion:

Kirchenplatz 11, Schloßgasse.

Sount

Mitteldeutsche

Wedaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr

ugs⸗ Zeitung.

Abounementspreis:

Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mark.

Austräger fre ins

Bestellung en

Expedition in Gkeßen, Rittergasse 17, die Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107)

nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg.

4 mal. Bestellung gewähren wir 25%%ͤ bei 6 mal. Bestellung 33/ ½ und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt.

2 Juserate Die ögespalt. Bei mindestens

Die rote Woche.

So wird der sozialdemokratische Parteitag vielfach bezeichnet. Die Gegner wollen damit ihre Geringschätzung, ihren Hohn ausdrücken, man merkt aber dahinter den blassen Neid über das steigende allgemeine Interesse, das der Parteitag jedes Jahr auf sich zieht. Da⸗ gegen nennt man im sozialdemokratischen Lager dierote Woche mit zuversichtlichem Stolze, man ist sich auf unserer Seite der Bedeutung wohl bewußt, die unser alljährlicher Kongreß nicht nur für die Partei selbst, sondern auch für das ganze politische Leben besitzt.

Der diesjährige wurde am Sonntag im 2Kasino in Bremen eröffnet. Der Riesen⸗ saal faßt etwa 3000 Personen. Die Bremer Parteigenossen haben dem Kongreß eine würdige Stätte bereitet. Ein mächtiges Schild über dem Hausportale verkündet, daß hier der Partei⸗ tag der soztaldemokratischen Partei Deutschlands seine Beratungen abhalten wird. Der mächtige Saal selber hat sozialistischen Schmuck angelegt. An den Säulen, die die Galerie tragen, sind fünfzig prächtige Gewerkschaftsfahnen in Gruppen u zwet und drei angebracht. Sozialistische Juschristen in Goldbuchstaben auf rotem Grunde laufen um den Balkon der Galerie herum, während in seinen Mittelfeldern auf Schildern die Namen der bisherigen Parteitage verzeichnet sind. An der einen Seite des Saales erhebt sich aus immergrünen Gewächsen eine eindrucks⸗ volle Gruppe: die Kolossalstatue der Freiheit und darunter die Büsten von Lassalle, Engels und Karl Marx. Im Uebrigen ist alles ge⸗ räumig und bequem und praktisch angeordnet. Schon lange vor der festgesetzten Eröffnungs⸗ stunde ist der Saal fast gefüllt. Die Delegierten besetzen die breiten, im Parterre des Saales aufgestellten Tischreihen, während die Zuhörer auf der mehr als 1000 Personen fassenden Galerie und an den Seiten des Saales unter⸗ gebracht sind. Dieser Parteitag ist einer der bestbesuchtesten. Einschließlich der Reichstags⸗ abgeordneten und Parteifunktionäre sind über 300 Delegierte erschienen. Singer, der alle Parteitage seit dem Falle des Sozialistengesetzes als Vorsitzender leitete, ist leider durch Krank⸗ heit am Erscheinen verhindert. Auch Auer fehlt, weil seine Gesundheit noch nicht genügend gefestigt ist. N

Punkt 7 Uhr betritt ein vor/ Jahren eigens für die Parteitagsveranstaltungen ge⸗ bildeter 100 Mann starker Sängerchor die Bühne und sofort trat lautlose Stille ein. Mächtig durchbrauste derFestgesang, Emanuel Wurms bekannte Dichtung:

Auf, Freunde laßt das Lied erklingen,

Das Frühlingslied der neuen Zeit! durch die weiten Räume und darauf die Pottier'scheInternationale in Franz Diedrichs Uebertragung. 1

415 betritt von stürmischem Beifall be⸗ rüßt, der Vertreter der bremischen Sozial⸗ emokratie im Reichstage, Genosse Schmal⸗ feldt, die Rednertribüne und heißt die Partei⸗ genossen herzlich willkommen. Die Bremer werden es sich angelegen sein lassen, den Dele⸗ gierten den Aufenthalt so angenehm wie irgend möglich zu machen. Auch in Bremen ist früh

ein einfacher Tischlergeselle, der von Hamburg hierhergekommen war, Deckwitz mit Namen, hat zuerst den Samen des Soztalismus hier ausgestreut; im April 1864 wurde er durch einen eigenhändig von Lassalle, jenem unber⸗ getzlichen Agitator und Organisator, unterzeich⸗ neten Briefe zum Vorsitzenden und Bevollmäch⸗ tigten des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins ernannt. Er schildert dann die Kämpfe und Verfolgungen, welche die Sozialdemokratie in Bremen bksher durchzufechten hatte. Jetzt sei der Wahlkreis erobert und hoffentlich für immer! 2 Der Parteitag hat große Aufgaben zu er⸗ füllen, und wir sind uns alle bewußt, daß die gesamte Arbeiterschaft auf uns blickt. Mögen die Gemüter hie und da etwas aufeinander⸗ platzen, so wollen wir doch alle das beste. In den Grundprinzipien sind wir alle einig und diese Einigkeit besteht darin, daß wir Schulter an Schulter kämpfen, um den Sozia⸗ lismus zum Siege zu führen.(Beifall.)

Unser alter weißhaariger Bebel erscheint jetzt am Rednerpult und wird mit donnerndem Beifall empfangen. Er dankt Schmalfeldt und den Bremer Genossen für die freundliche Begrüßung.

Wenn es noch eines Beweises bedurfte, fuhr er fort, daß die Bremer Genossen sich um den Parteitag die größte Mühe geben werden, so beweist dieses herrliche Lokal und seine schöne Ausschmückung, daß man uns die Tage so angenehm wie möglich machen wird. Auch diesmal werden die Meinungen aufeinanderplatzen, und auch diesmal wie immer wird die Partei Vorteil davon haben. Auf dem vorigen Parteitag in Dresden hatten wir Debatten, wie sie kaum jemals auf deutschen Partei⸗ tagen dagewesen sind, seit der Periode, wo wir unter⸗ einander gespalten waren und uns aufs heftigste be⸗ kämpften. Unsere Gegner schöpften daraus die Hoffnung, daß jetzt endlich in der deutschen Sozialdemokratie der längst erhoffte und längst ersehnte Krach eintreten werde. Aber der Krach ist nicht eingetreten und wird nie ein⸗ treten. Wir haben uns gründlich ausgesprochen und werden uns diesmal weiter aussprechen und künftighin. Aber bei allen diesen Meinungsverschiedenheiten werden wir von dem Grundgedanken geleitet, für das beste der Partei zu wirken,(Bravo!) Was Genosse Schmalfeldt uns von den Kämpfen in Bremen erzählt hat, bot ein Bild der Partei im kleinen. Ueberall schwere Kämpfe und gelegentliche Niederlagen, aber auch überall Fort⸗ schritt bis zu dem, was wir jetzt geworden sind, bis zum endgiltigen Sieg über den Klassenstaat. Wir können ja auch gar keine besseren Waffen haben als die, die die Gegner uns von Tag zu Tag selber liefern. Ueberall im politischen Leben Deutschlands sehen wir in den letzten Monaten Strömungen, die nach rückwärts gerichtet find. Nirgends ein großer Gedanke, der nach Verwirk⸗ lichung trachtet, überall die kleine Erbärmlichkeit. Mit dem besten Erfolge für uns haben die Gegner in den letzten Monaten wieder Fehler über Fehler gemacht. Was konnten wir uns besseres wünschen, als nach den Debatten, in denen Reichskanzler, Reichsjustizsekretär, Justizminister uff. die Gesetzmäßigkeit und Notwendigkeit des Vorgehens des Königsberger Staatsanwalts auf das entschiedenste vertreten hatten, das Debakle im Prozeß, das nicht schöner und blamabler gewünscht werden konnte. Die Wahlrechtsfrage ist in manchen Einzelstaaten brennend. In Bayern haben unsere Partei⸗ genossen unablässig gebohrt, doch ist die Vorlage an der feigen, erbärmlichen Haltung der bayrischen Liberalen gescheitert. Nach einer Rede des bayrischen Kammer⸗ präsidenten Dr. v. Orterer vom 11. September will nun das Zentrum im Zusammengehen mit uns das allgemeine Wahlrecht erobern und sich dann zu den konservativen Elementen schlagen. Aber wir haben keinen

die Fahne des Sozialismus entfaltet worden;

in allen früheren großen Kämpfen mit den Feinden unsern Mann stehen.(Bravo!)

Ich verweise noch auf jenen großen Prozeß im Saar⸗ rebier. Graf Bülow war im letzten Winter so besorgt um die Freiheit im Zukunftsstaat. Dieser Prozeß wird uns für diese Session das Material geben, die Freiheit in seinem Gegenwartsstaat gebührend zu kritisieren. Schließlich hat die Ausweisung unseres Pernerstorfer aus Preußen und Baden uns gezeigt, daß selbst in den sogenannten freisinnigen Bundesstaaten bei jeder ernsteren Gelegenheit Berliner Wind weht. Unsere Gegner haben keine Ursache zu jubeln, und wir für die Zukunft nichts zu fürchten. Damit erkläre ich den Parteitag für eröffnet.

Die geschäftlichen Arbeiten der Eröffnungs⸗ sitzung werden nunmehr glatt und schnell er⸗ ledigt. Als Vorsitzende werden Dietz⸗Stutt⸗ gart und Ebert⸗Bremen gewählt. Ferner wurden die nötigen Kommisstonen und Schrift⸗ führer gewählt. Alle Anträge zur Aufnahme weiterer Punkte in die Tagesordnung werden abgelehnt und nur die Organisationsfrage als vierter, statt als stebenter Punkt eingereiht. Ferner wird die Einladung der bremischen Ge⸗ nossen zu einer Dampferfahrt nach Helgoland angenommen. Damit sind die Arbeiten der Eröffnungssitzung erledigt.

(Fortsetzung auf Seite 5 u. 6.)

Volksschule undNeligion.

Der Streit, der in Preußen eben um die Volksschule tobt, lenkt einmal wieder ganz allgemein die Aufmerksamkeit auf dieses für das geistige und damit für das gesamte Leben unseres Volkes entscheldende Gebiet. Die fol⸗ genden Zeilen sollen ein Weniges zur Kenntnis der preußischen und im Vergleich damit auch der hessischen Volksschulzustände beitragen. Es handelt sich bekanntlich in Preußen darum, ob die Volksschulen nach Konfesstonen getrennt werden sollen oder nicht(Konfessions⸗ oder Simultanschulen). Es ist klar, daß bei einer Einrichtung nach dem ersteren Grundsatz die Geistlichkeit wieder den größten Einfluß auf den Unterricht gewänne und dessen Bildungs⸗ wert natürlich auf einen mit vollster Kirchen⸗ gläubigkeit vereinbaren, d. h. auf einen möglichst niedrigen Stand herabzudrücken suchte. Ein Rückgang in den Leistungen der Schule müßte schou allein aus folgendem Umstand hervorgehen: Der konservativ⸗nationalliberale! An⸗ trag will das Ziel dadurch erreichen, daß er auch den konfessionellen Minderheiten in jeder Gemeinde das Recht geben möchte, sich besondere Schulen zu gründen. Dadurch würden vielfach au Stelle einer guten mehrklassigen Simultan⸗ schule verschiedene schlechte konfesstonelle Zwergschulen treten. Hoffentlich bleibt das hesstsche Volksschulgesetz, dem der einzig gesunde Zustand der Simultanschule als Regel gilt, vor solchen preußischen Experimenten für alle Zeiten verschont.

Freilich, wer kaun's wissen? Von der Kirche, die sich natürlich immer mit derReligion gleichstellt, wie alle auch noch so veräußerlichten Götter⸗ und Götzendienste, von der Kirche ist auch die hessische Volksschule durchaus be⸗ herrscht. Ebenso wie in Preußen sind auch in Hessen z. B. für die Mittel⸗ und Oberstufe einer einklassigen Volksschule wöchentlich fünf StundenReligion festgesetzt. Daneben haben

Grund, uns einschüchtern zu lassen; wir werden, wie

sich die Realien(Geographie, Geschichte, Natur⸗