Mitteldeutsche Sountagz⸗geitung.
Seite 7.
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hatte f Nr. 30.
10 Herr Ehrlich aber erwiderte kein Wort, er⸗ chll iff nur seine Hand, drückte sie aus Leibes⸗ ern räften und sah ihn mit einem unverkennbar ben gerührten Blicke an.
l Salomo schwindelte es ordentlich— wußte brach nicht, wachte oder träumte er?— War das da⸗ wirklich, daß ihm heute vor wenigen Stun den allen Hanke& Blenkert ihre Tochter angetragen? lc— Hatte er wirklich die Nummer 17945 gesetzt och und war mit dem großen Los herausgekommen, i und befand er sich jetzt seinem unausweichbaren tiber Schwiegervater, dem Schneider gegenüber, der lden, im Begriffe stand ihn nach irgend einem frem⸗ tet den Lande, vielleicht nach einer wüsten Insel zu elne entführen?— Vor den Ohren summte und fenen hämmerte es dabei, das Rasseln der Wagen men formte wunderliche, wie aus weiter Ferne zu
Zu⸗ ihm herüberklingende Melodien, und endlich fühlte er ordentlich, wie ihm die Luft ausging.
10— Er wollte schreien— er wollte um Hilfe 1 rufen.— isdor Da plötzlich hielt der Zug, Meister Ehrlich, erade hatte seinen Hut ergriffen, faßte ihn selber jetzt r ein unter den Arm, und aus dem geöffneten Coupee Ver steigend, hielt wieder ein Wagen dort, der sie ohne daß eine Weigerung irgend etwas genützt los hätte, in die Stadt hinaufführte. de in Salomo Schönbein war aber auch in der nag Tat willenlos wie ein kleines Kind und jetzt ihm ordentlich neugierig geworden, was aus dem bas allen heute werden würde. Immer dabei mit gate sich kämpfend, dem Schneidermeister seine Ge⸗ ullich fühle zu entdecken und doch nicht imstande Mut id er dazu zu fassen, hatte er wirklich mit sich machen gelen lassen, was der Mann wollte. Als der Wagen ich in aber endlich in einer engen Straße, dicht vor 1 einer Kirche hielt, fing ihm das Herz an wie an ein Schmiedehammer in der Brust zu pochen, mal denn hinter dem Fenster, den grünen Myrten⸗ Sinn kranz in den Haaren, mit lieblich errötendem 1 Das Angesichte stand seine Braut— und hinter ihr des die unvermeidliche Schwiegermutter mit noch U, als zwei anderen jungen fremden Damen. Trepe Salomo wurde hineingeführt, und er fühlte Haus- daß er dabei kaum imstande war zu gehen, so tand. zitterten ihm die Kniee.— Sein Schwieger⸗
vater in spe erzählte ihm dabei mit vor Freude strahlenden Augen, daß er und seine Frau sich diese Ueberraschung ausgedacht hätten— daß Fanny schon lange gewünscht habe, in ihrem Geburtsort getraut zu werden— daß er seine Sehnsucht, die Verbindung zu beschleunigen, kenne und die Tochter endlich den Bitten der Eltern nachgegeben habe, in diese Ueberraschung zu willigen.
Während er ihm das alles gutmütig lächelnd mitteilte, und Salomo Schönbein auch nicht eine Silbe davon verstand, führte er ihn in die Stube zu seiner Brant, und was nachher da drinnen geschah, wußte er ebenfalls nicht. Wie ein Nachtwandler fiel er seiner Braut um den Hals— oder wurde ihr vielmehr umgefallen— begrüßte die übrigen, deren Gesichter, wie es ihm vorkam, alle einen Regenbogenschein hatten, trank dann Kaffee und aß Backwerk dazu, und kam erst eigentlich wieder zu sich selber, als er mit seiner Braut am Arme in die gerade gegen⸗ überliegende Kirche schritt.
Die frische Luft draußen, nach der etwas schwülen Stube weckte ihn gewissermaßen aus seinem halbmagnetischen Schlafe. Er begann zu denken, und mit dem Denken überkam ihm auch auf einmal die Gewißheit seiner wahrhaft verzweifelten Lage. Seine ganze Pyramide von Luftschlössern, auf deren äußersten Gipfel Hanke & Blenkert mit der Tochter des Geschäftes zwischen sich, in Vaterhuld lächelnd standen, hatte einen furchtbaren Riß bekommen, und drohte im nächsten Augenblick prasselnd zusam⸗ men zu brechen, und in den dunklen Gewitter⸗ wolken, die an seinem Zukunftshimmel aufstiegen, lachte ihm auch nicht ein einziger Zollbreit blauen, reinen Himmels.
(Fortsetzung folgt).
Splitter.
Es gibt keinen anderen Sklaven als den, der Böses tut: denn er tut es entgegen seiner besseren Einsicht.
Humoristisches Der Börsenspuk.
Zur Geisterstund um den Rabenstein
Vereinen drei sich zum grausen Reih'n
Nach alter höllischer Sitte.
Untreue die erste heißt beim Tanz,
Die zweite Verschleierte Bilanz,
Und Pleite nennt sich die Dritte.
Da wo sie tanzen steht eine Bank,
Die ist schon leidend, die ist schon krank,
Sie wackelt schon hin und wieder;
Da setzen die fürchterlichen Drei,
Wenn müd' sie sind von der Tanzerei,
Um auszuruhen, sich nieder. Kladderadatsch.
Sehr wahrscheinlich.„Elise was machst Du denn im dunklen Keller mit Deinem Vetter?“—„Wir unterhalten uns über den neuen Zolltarif, Mama.“
Deutsche Freiheit. A.: Na, der Tolstoi kann froh sein, daß er in Rußland lebt und nicht in Deutschland. B.: Wieso? A.: Na, in Deutschland, da hätt' er schon längst eine Anklage wegen Zarenbeleidigung oder wäre gar
ausgewiesen. (Südd. Postill.)
Moderne Wohltätigkeit.„Die Wohltätig⸗ keitsakademie, die wir neulich abgehalten haben, hat ein Defizit von vierhundert Mark ergeben.“—„Gott sei Dank. Wäre ein Erträgnis dagewesen, dann wären wir schön in Verlegenheit gekommen, es unter die vielen Armen zu verteilen.“
1 Litterarisches.
„Die Zukunft der Soztaldemo⸗ kratie“ von J. Dietzgen hat die Buchhand⸗ lung„Vorwärts“ wieder neu aufgelegt. Die Schrift ist eine treffende Antwort auf die Frage; Wie wird es im Zukunftsstaat aussehen? Sie legt dar, daß und wie die Sozialdemotratie ihre Zukunft schafft. Die Broschüre ist für 1 in allen Parteibuchhandlungen zu haben.
„Das kommunistische Manifest“ von Marx und Engels im Jahre 1847 verfaßt, ist soeben in dem Parteiverlage, Buchhandlung „Vorwärts“ in Berlin, neu gedruckt. Das kommunistische Manifest ist eine der bedeutungs⸗ vollsten Schriften der sozialistischen Literatur. Trotz der 57 Jahre Zeitfortschritt haben die darin aufgestellten allgemeinen Grundsätze im ganzen heute noch ihre ichtigkeit; und die hier in unerreichter Meisterschaft und programma⸗ tischer Kürze entwickelte Marx⸗Engelssche Auf⸗ fassung ist beute die wissenschaftliche Grundlage der sozialistischen Parteien aller Länder geworden.
Die Broschüre kostet 15 Pfennig und ist in allen Parteibuchhandlungen zu haben.
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Der Zukunftsstaat der Junker. Man⸗ teuffeleien gegen die Sozialdemokratie im preußischen Herrenhaus. Mit Einleitung und Anmerkungen von Kurt Eisner. Preis 20 Pfg.
Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon. Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg.
Die innerpolitischen Zustände des deut⸗ schen Reiches und die Sozialdemokratie. Von Gg. v. Vollmar. Preis 20 Pfg.
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