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alte Tante. fahrung wissen, was alte Tanten bei jungen
noch alles regulieren.
Nr. 34.
——.
——. jg e.
Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 7.
hohem Grade abhangen, wie schnel,, wie grund⸗ lich und wie erfolgreich sich die Revolutionierung der Gehirne vollzieht. Wir brauchen die Ge⸗ sundheit der Gehirne auf dem Wege zur Be⸗
freiung— die Organisation des Proletariats,
die politische wie die gewerkschaftliche, wird umso leistungsfähiger, umso schlagfertiger sein, je nüchterner sie sein wird. Wir brauchen die Gesundheit der Gehirne erst recht, je näher wir dem Siege kommen. Das kämpfende Proletariat braucht Disziplin, das siegende Proletariat wird erst recht Selbstbeherrschung, Ruhe und Festigkeit brauchen.
Wer die Emanzipation von der Ausbeutung will, muß die Befreiung vom Alkohol wollen; und wer die Menschheit von dem Fluche der Alkoholpergiftung erretten will, muß eintreten in die Reihen der Kämpfer für die soziale Be⸗ freiung der Menschheit.
Nicht individuelle Bekämpfung des Alkohol⸗ mißbrauchs oder Kampf gegen seine sozialen Ursachen, sondern beides muß unsere Aufgabe sein. Noch einmal: die Welt wird nicht ent⸗ alkoholistert werden, solange sie nicht frei wird; aber sie wird umso früher, umso leichter frei werden, je mehr nüchterne, gesunde Gehirne den Kampf für die Zefreiung führen.
7 Unterhaltungs-Ceil. 7
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2
Der HGekehrte.
Erzählung von Friedrich Gerstäcker.
Patrick O' Kearney war ein wackerer junger Bursch, und seinem Geschäft nach ein Schiffs. zimmermann. Die fleißigste Hand bei der Arbeit, die kräftigste Schillelagh bei einer Schlägerei, und außerdem von gutem ehrlichem Herzen gewann er sich besonders die Liebe und Achtung der Nachbarn durch die Zärtlichkeit, mit der er seine alte und kranke Mutter pflegte, bis sie in seinen Armen starb. Er hätte auch sicherlich in Inveran ein so ruhiges und stlll⸗ zufriedenes Leben geführt und sich eine wackere Hausfrau genommen, wie eben andere junge Burschen— ja wenn die Sache nicht einen Haken gehabt.
Patrick liebte nämlich— wie sich das von selbst versteht, denn ein Irländer ohne Liebe, Prügel und Whisky ist nicht denkbar— ein junges, hübsches, aber armes Mädchen in In⸗ veran und da er selber ebenfalls kein Vermögen besaß, schloß er, der Himmel müsse sie beide sicherlich für einander bestimmt haben. War das nun wirklich der Fall, so hatten die Menschen desto mehr dagegen. Judith Mac Neale mochte den wackeren jungen Burschen freilich wohl eben so gern leiden, wie er sie, und ein hübscheres, passenderes Paar gab es sicher an der ganzen Galwaybai“) nicht mehr, aber Judith hatte eine Denen nun, die schon aus Er⸗
Braut- oder Liebesleuten zu bedeuten haben, brauchte ich eigentlich gar nichts weiter zu sagen. Denen aber, die es noch nicht wissen, bin ich doch eine nähere Erklärung schuldig. Diese alte Tante gedachte nämlich Judith einmal, wenn sie starb, ein paar hundert Pfund zu hinterlassen, Und glaubte dafür gerechte Ansprüche zu haben, ihr künftiges Lebensglück zu regeln, wie sie es für gut finden würde. In einer Verbindung ihrer in der rechtgläubigen Lehre erzogenen Nichte mit dem Ketzer Patrick O' Kearney konnte sie keinen Segen erblicken oder hoffen, und nur als sich Judith ihren Machtspruch gar so sehr zu Herzen nahm, beschloß sie aus über⸗ großer Milde selber einmal den abtrünnigen Patrick ins Gebet zu nehmen und ihm anzu⸗ befehlen, wieder zur alten rechtgläubigen Kirche zurückzukehren! nachher ließ sich vielleicht Daß seine Elternzund
*Irländische Küste des atlant. Oceans
Großeltern schon Protestanten gewesen waren, und ihn in diesem Glauben hatten taufen und erziehen lassen, kümmerte ste nicht.
Patrick kam und Judith erwartete mit Herz⸗ klopfen das Resultat der Verhandlung, das aber keineswegs ihren Wünschen nach ausfiel. Die alte Dame, anstatt dem jungen trotzigen Patrick mit Milde und Sanftmut zuzureden, goß gleich von Anfang an das Kind mit dem Bade aus, nannte ihn einen blinden Heiden und schmählichen, gottvergessenen Ketzer, der von einer eben solchen Bande von Ketzern abstamme, und verlangte von ihm ohne weiteres, daß er sich noch an demselben Tage bekehren und dem reinen und einzig wahren Glauben zuwenden solle. Zu ihrer Unterstützung hatte sie dabei noch einen dicken wohlgenährten Geistlichen— ihren Beicht⸗ vater— zugezogen, und dieser ging für den erhofften Bekehrungsversuch gleich so ins Feuer, daß Patrick O' Kearney erst ärgerlich und nach⸗ her böse wurde, dem Pater einige bitterböse Sachen, sehr zum Entsetzen der Tante, unter die Nase rieb und zuletzt erklärte, wenn einer von ihnen beiden zur andern Religion absolut übertreten solls, so könne das auch eben so gut Judith tun wie er. In der Bibel stehe über⸗ haupt geschrieben: Die Frau soll dem Manne folgen, nicht der Mann der Frau und jemand zu seiner Religion zu gewinnen, müsse man nicht damit anfangen, die seiner Vorfahren vor die Hunde zu werfen.
Kurz und gut, Patrick O' Kearney arbeitete sich dermaßen in Zorn und Galle hinein, daß er noch alles mögliche weiter sagte, und auf das lebendigste dabei gestikulierte. Pater An⸗ selem behauptete sogar später, er habe ihn— prügeln wollen. Die Tante endlich, ebenfalls keine von den Sanftmütigen und jetzt auf das äußerste gereizt, schloß damit, zu erklären, daß ste Judith enterben würde, falls diese es wagen sollte, ihrem Glauben abtrünnig zu werden und Patrick O' Kearney zu bitten, sich aus dem Hause zu scheren und dessen Schwelle nie im Leben wieder, wenigstens nicht als Protestant und Ketzer, zu überschreiten.
Damit war nun dem Faß der Boden aus⸗ gestoßen. Patrick hatte allerdings noch eine heimliche Zusammenkunft mit Judith, in der er sie einfach aufforderte, mit ihm durch, nach Amerika zu gehen; Judith konnte sich aber, so sehr sie den jungen Mann liebte, nicht dazu ent⸗ schließen; und Patrick, als auch sie ihn endlich aufforderte, den Wunsch ihrer Tante zu erfüllen und Katholik zu werden, faßte in Verzweiflung seinen Hut und lief fort.
Dabei tat er etwas, was junge tollköpfige Burschen nur zu leicht und törichterweise tun, wer m ihnen etwas der Quere geht, und ste ihr bißchen Verstand gerade erst recht zusammen⸗ nehmen sollten, es zu besiegen. Er betrank sich an dem Abend auch noch um das Letzte, was ihm an Verstand wie Geld geblieben war und ließ sich in diesem Zustand von einem englischen Werber ins Garn locken.
Wie das alles so kam, wußte er eigentlich selber nicht recht, als er aber am anderen Morgen erwachte, fand er sich, sehr zu seiner Ueberraschung, in einer Hängematte schaukeln, hatte furchtbare Kopfschmerzen und erfuhr von einem Landsmann, der eben das Frühstück für die Leute in den untern Raum brachte, daß er sich an Bord Ihrer Majestät Fregatte, der Thetis, befinde, die gerade die Anker gelichtet habe und hinaus in die See steche— woh in wisse natürlich niemand als der Kapitän.
Patrick schloß die Augen und fiel wieder in seine Hängem itte zurück, als ob er totgeschossen wäre. An Bord aber wurde ihm aber nicht viel Zeit zum Ueberlegen oder Nachdenken ge⸗ lassen; sie brauchten ihre Leute notwendiger. Patrick wollte nun allerdings gegen ein solches gewaltsames Vorgehen, das Menschen wider ihren Willen hinaus in die See schleppe, pro— testieren; das half ihm aber weiter nichts, als daß man ihm bedeutete, er würde die neunge⸗ schwänzte Katze zu kosten bekommen, sobald er den Mund noch einmal auftue. Was wollte er machen? Die Seekrankheit bekam er auch; daß die Offiziere an Bord die Macht und Gewalt hatten, ihre Drohung vollkommen ungestraft
auszuführen, wußte er ebenfalls, und er tat, was er doch am Ende hätte tun müssen— er fügte sich auch darum sehr vernünftig dem Un⸗ abänderlichen.
Die Thetis kreuzte indessen eine ganze Weile im Atlantischen Ozean umher, lief erst New⸗ Vork, dann Rio de Janeiro an und Patrick O' Kearney hatte wenigstens die Genugtuung, einen Brief an Land zu schicken, in welchem er Judith seine ganze gewaltsame Entführung meldete und zugleich ein paar Zeilen an die Tante beilegte, in denen er seinen ganzen Zorn gegen diese ausließ— die verwünschte Tante war ja an seiner ganzen Seefahrt schuld. In dem Brief erklärte er ihr nochmals feierlich, seinen Glauben nie abschwören zu wollen, doch jedenfalls kehre er aber einst nach Irland zu- rück und dann heirate er Judith, ihr und allen Tanten der Welt zum Trotz. f
Daß der Brief die Tante nur noch ärger gegen ihn stimmen und seine Hoffnungen jetzt eigentlich völlig untergraben müsse, wußte er allerdings, als er ihn absandte, aber die ganze Welt fing an, ihm gleichgültig zu werden; er war ja überdies aus seiner Arbeit, aus seinem ganzen Leben herausgerissen, und zwischen den Abschaum der Gesellschaft hier an Bord eines Kriegsschiffes geworfen worden, auf wen brauchte er also Rücksichten zu nehmen? Wie sie Land sichteten, stieg in ihm allerdings eine schwache Hoffnung auf, und der Gedanke kam ihm, zu desertieren. wirklich geglückt, wenn er es eben gescheiter angefangen hätte. So aber wurde er auf frischer Tat ertappt, bekam fünfundzwanzig mit der Katze und mußte unten im dunklen Raum in Eisen sitzen, bis das Schiff wieder unter⸗ wegs war.
Es kam ihm freilich sonderbar vor, daß er als freier Untertan ihrer britischen Majestät, gerade so behandelt wurde, als ob er auf Raub und Mord irgendwo eingebrochen und dabet erwischt wäre. Jede darüber geäußerte Be⸗ merkung hätte aber ebenfalls wieder Strafe nach sich gezogen und er trug sein Leiden ge⸗ duldig— bis zu einer nächsten passenden Ge⸗ legenheit. Patrick O' Kearney war nämlich nicht der Mann, aus Mangel an Energie irgend ein Unternehmen aufzugeben, weil es beim ersten Mal mißglückte. Deshalb, als die Thetis in Valparaiso anlief, dort vor Anker ging, und das Gerücht das Schiff durchlief, sie seien vor der Hand hierher stationiert worden, und sie würden eine Zeitlang im Hafen liegen bleiben, beschloß er fest, was es auch koste, bei der
ersten passenden Gelegenheit einen neuen Flucht⸗
versuch zu machen. (Forsetzung folgt.)
Splitter.
Was sich nicht in den Angeln der Gewohn⸗
heit dreht, das, meinen die Menschen, ist auch nicht in den Angeln der Vernunft; aber wie unvernünftig diese Meinung ist, das weiß Gott. Montaigue.
Das untrüglichste Armutszeugnis für eine gesellige Unterhaltung liegt dann vor, wenn sie uuf Kosten anderer geführt wird. Klatsch jeder Art dokumentiert nicht allein leere Herzen,
sondern auch hohle Köpfe. Reichel.
Humoristisches
Hübsch gesagt. Auf dem bayerischen Handwerker⸗ tage in Neustadt a. D. leistete sich ein Redner den folgenden Hymnus:„Das Handwerk ist das Genie, das seine Fittige schützend über Thron und Altar ausbreitet und seine Eier an den Stufen des Thrones niederlegt.“ — Mehr kann man nicht verlangen.
Der Fremdkörper. Doktor(zum kranken Schreiber):„Vielleicht ist Ihnen gar ein Fremdkörper in den Magen gekommen?“— Schreiber:„Ach ja! Ich habe gestern ein Stück Fleisch gegessen!“
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7 Bemüht Parteifreunde! big es nach besten Kräften für die immer weitere Verbrettung Eueres Blattes.
Es wäre ihm auch in New⸗Pork


