Ausgabe 
21.2.1904
 
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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 7.

teh' dich an! Es ist die höchste Zeit, daß r hingehen. Schnell! Auf der Stell'! Tobias erwiderte ruhig und bestimmt:Ich mag uicht!

Jetzt verließ den Alten die bisher mühsam behauptete Geduld.Wie, rief er mit Wut und mit aller Verachtung der Wut,wie, du willst dich gegen deinen Vater stemmen? Du

elender Mensch! Du erbärmlicher Kerl! Du

Tropf! Du Garnichts! Du willst

Tobias war einen Schritt zurückgetreten und blaß geworden wie die Wand. Die so un⸗ sägliche Geringschätzung ausdrückenden Schmäh⸗ reden waren wie vergiftete Pfeile in sein Herz gedrungen; bebend vor Entrüstung sah er den

ten an und rief:Schimpf nicht so! Es ist eine Schand', wenn ein Vater so zu seinem Sohn red't! Pfui, was ist das für ein Be⸗ nehmen! Was sind das für gemeine Manieren! Da sieht man schon!

Weiter konnte er nicht reden. Der Alte, aufs höchste erzürnt über die Widersetzlichkeit und über die Vorwürfe, die er vonseinem Buben zu hören bekam, ging auf ihn los, um die ultima ratio der Despoten gegen ihn anzuwenden. i Tobias trat aber rasch weiter zurück, ergriff schnell wie der Blitz die auf dem Tische liegende große Tuchschere, erhob sie und schrie mit flammenden Augen:Schlag mich nicht oder es giebt ein Unglück!

Der Alte hielt inne und starrte ihn an. Er war erschreckt nicht von der Schere, obwohl die an rechter Stelle sehr gut treffen konnte sondern von dem Anblick des To⸗ bias. Bleich bis in die Lippen, schnaubend und zitternd stand er vor ihm. Aus den Augen blitzte rasender Grimm, und aus dem Gesicht Ac der tiefunheimliche Glanz eines bis zum Wahnsinn gereizten und rachewütigen Menschen. her Vater, obwohl erzürnt, war doch nüchtern und sonst bei gesundem Sinnen er trat zu⸗ rück wie der Vernünftige vor dem Tollen, in⸗ dem er nur mit gedämpfter Stimme gleichsam für sich ausrief:Das muß ich sagen! Mit ordentlicher Spannung sah er den Burschen an, 105 dumpfer Neugier, was er nun beginnen werde.

Tobias ließ den mit der Schere bewaffneten Arm sinken, aber nur so weit, daß er gegen einen erneuerten Angriff immer gerüstet war, und mit einem Tone, der halb wütend, halb klagend und weinend klang, begaun er:Nein, es ist zu arg es ist eine Sünd' und eine Schand', wie man mit mir umgeht! Von In

gend auf hat man mich verspottet, geärgert

und geschlagen, und alle sind zusammengestan⸗ den gegen mich! Daheim, wo man ein Hilf haben sollte, macht man mir's ärger als draußen mein leiblicher Vater verachtet mich und schimpft und schlägt und stößt mich, wenn's ihm einfällt. Und ich bin der gute Esel und laß mir's gefallen und geb' nach, und was ist der Dank? Daß man ein Recht daraus macht, daß man mich kommandiert wie einen Hund und traktiert wie einen Hund und auf mir herum⸗ trampelt, als ob ich von unserm Herrgott extra dazu geschaffen worden wär'! Wenn ich alles tu', dann hab' ich nichts getan; und wenn ich einmal mucke, dann ist's ein Verbrechen, daß ich augenblicklich totgeschlagen werden muß! Jetzt, wo ich ins fünfundzwanzigste Jahr gehe, soll ich ein Mädchen heiraten, das ich nicht leiden kann, wegen seinem Bettelgeld, bloß weil's ein anderer haben will! Ich werd' gar nicht drum gefragt, ob ich sie auch mag oder nicht, ich bin der Garnichts und muß! Jeder hat ein Recht und eine Ehr' und einen Willen in der Welt, nur ich allein nicht! Ich bin also wirklich die erbärmlichste Kreatur auf Gottes Erdboden? Ein Kerl, der nichts kann und nichts darf, der nur zu tun hat, was andere haben wollen, und dafür Schläg und Verachtung annehmen muß? Ein elender Mensch ein Tropf? Ei, da soll ja gleich das Donner und's Wetter alles zu⸗ sammenschlagen! Kreuz Herrgott Millionen (Fortsetzung folgt.)

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Aus Immanuel Kants Werken.

Am 12. Februar waren es hundert Jahre, daß einer der größten deutschen Gelehrten, der Philosoph Immanuel Kant in seiner Vater⸗ stadt Königsberg i. Pr. die Augen schloß. Seine Bedeutung als gewaltiger Denker wurde anläßlich der Hundertjahr⸗Feier seines Todes⸗ tages auch in unserer Parteipresse gewürdigt.

Und mit Recht, denn die in seinen Werken

niedergelegte Geistesarbeit hat auch auf die sozialistische Gedankenwelt befruchtend gewirkt. Folgende Citate aus Kants Werken mögen hier Platz finden:

Die Reife zur Freibeit. Ich gestehe, daß ich mich in den Ausdruck, dessen sich auch wohl kluge Männer bedienen, nicht wohl finden kann: ein gewisses Volk(was in der Bearbeitung einer gesetzlichen Freiheit begriffen ist) ist zur Freiheit nicht reif; die Leibeigenen eines Gutseigentümers sind zur Freiheit noch nicht reif; und so auch die Menschen überhaupt sind zur Glaubensfreiheit noch nicht reif. Nach einer solchen Voraussetzung aber wird die Freiheit nie eintreten; denn man kann zu dieser nicht reifen, wenn man nicht zuvor in Freiheit gesetzt worden ist(man muß frei sein, um sich seiner Kräfte in der Freiheit zweckmäßig bedienen zu können). Die

ersten Versuche werden freilich roh, gemeiniglich

auch mit einem beschwerlicheren und gefährlicheren Zustand verbunden sein, als da man noch unter den Befehlen, aber auch der Vorsorge anderer stand; allein man reift für die Vernunft nie anders als durch eigene Versuche(welche machen zu dürfen man frei sein muß).... es zum Grundsatz zu machen, daß denen, die ihnen ein⸗ mal unterworfen sind, überhaupt die Freiheit nicht tauge, und daß man berechtigt sei, ste jederzeit davon zu entfernen, ist ein Eingriff in die Regalien der Gottheit selbst, die den Menschen zur Freiheit schuf. Bequemer ist es freilich, in Staat, Haus und Kirche zu herrschen, wenn man einen solchen Grundsatz durchzusetzen ver⸗ mag. Aber auch gerechter?

Patriotismus.Patriotisch ist nämlich die Denkungsart, da ein jeder im Staat(das Oberhaupt desselben nicht ausgenommen) das gemeine Wesen als den mütterlichen Schoß oder das Land als den väterlichen Boden, aus und auf dem er selbst entsprungen und welchen er auch so als ein teures Unterpfand hinterlassen muß, betrachtet, nur um die Rechte desselben durch Gesetze des gemeinsamen Willens zu schützen, nicht aber es seinem unbedingten Be⸗ lieben zum Gebrauch zu unterwerfen, sich für befugt hält.

Von der freien Meinungsäußerung. Dem Oberhaupt Besorgnis einzuflößen, daß durch Selbst⸗ oder Lautdenken Unruhen im Staat erregt werden dürften, heißt soviel als ihm Mißtrauen gegen seine eigene Macht oder auch Haß gegen sein Volk erwecken.

Gegen Verdummungs politik.Ein Zeitalter kann sich aicht verbinden und darauf berschwören, das folgende in einen Zustand zu setzen, darin es ihm unmoglich werden muß, seine Erkenntnis zu erweitern, von Irrtümern zu reinigen und überhaupt in der Aufklärung weiter zu schreiten. Das wäre ein Verbrechen wider die menschliche Natur, deren ursprüngliche Bestimmung gerade in diesem Fortschreiten be⸗ steht; und die Nachkommen sind also vollkommen dazu berechtigt, jene Beschlüsse als unbefugter und frevelhafter Weise genommen, zu verwerfen.

Erziehung.Wir würden in kurzem ganz andre Menschen um uns sehen, wenn die⸗ jenige Erziehungsmethode allgemein in Schwung käme, die weislich aus der Natur selbst gezogen und nicht von der alten Gewohnheit unerfahrener Zeitalter sklavisch nachgeahmt worden. s ist aber vergeblich, dieses Heil des menschlichen Geschlechts von einer allmählichen Schulver⸗ besserung zu erwarten. Sie mussen umgeschaffen werden, wenn etwas Gutes aus ihnen entstehen soll, weil sie in ihrer ursprünglichen Einrichtung fehlerhaft sind und selbst die Lehrer derselben eine neue Bildung annehmen müssen. Nicht eine langsame Reform, sondern eine schnelle

Revolution kann das bewirken.Von der Erziehung hängt größtenteils das Glück der folgenden Jahre ab. Wann wird doch die glückliche Epoche anfangen, da man unter andern merkwürdigen Begebenheiten schreiben wird: seit der Verbesserung des Schulwesens?Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung. Er ist nichts, als was die Erziehung aus ihm macht.

Gemeinnütziges.

Ungesunde Zimmerwärme. Wer die Zimmerwärme über 15% R. erhöht, wird bald bemerken, daß sein Wärmebebürfnis sich stets steigert, und werden bald 17, ja 20% nicht mehr genügen. Der Grund ist folgender: Bei andauernd starkem Heizen trocknen die Wände, sowie die im Zimmer befindlichen Gegenstände aus. Je mehr sie die Feuchtigkeit verlieren, um so mehr saugt die trockene Luft die Feuch⸗ tigkeit da auf, wo sie dieselbe fast nur noch allein findet, nämlich beim Menschen. Die un⸗ merkliche Ausdünstung der Haut und der Lunge wird gesteigert. Da nun die Verdunstung von Feuchtigkeit uns viel Wärme entzieht, so wird durch die gesteigerte Ofenwärme allmäh⸗ lich auch das Wärmebedürfnis gesteigert. Der Ofen erscheint uns dann als der beste Freund, ist aber in Wirklichkeit unser ärgster Feind, denn in der erhöhten Zimmerwärme dunsten auch alle anderen Gegenstände mehr aus, und die Luft wird verschlechtert. In der warmen Luft atmen wir unser notwendigstes Lebens⸗

bedürfnis, den Sauerstoff weniger ein, der

Stoffwechsel wird langsamer und geringer, der Appetit mindert sich, es tritt mürrische Stim⸗ mung ein, der Schlaf wird kurz und unruhig, alle Verrichtungen lassen zu wünschen übrig. Da haben wir das betrübende Bild der meisten Menschen im Winter. Nur diejenigen, welche ihrem Ofen niemals gestatten, die Luft über 15» zu erwärmen, sind diesem Leiden nicht ausgesetzt.

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Litterarisches.

Ferdinand Lassalle und die An⸗ fänge der deutschen Arbeiterbewegung. Unter diesem Titel ist ein im Verlage von G. Bick in München eine Broschüre erschienen, die den ehemaligen Sekretär des Allgem. deutschen Arbeitervereins und späteren sozialdemokratischen Reichstagsabg. Julius Vahlteich zum Verfasser hat. Der Vorkämpfer der modernen Arbeiterbewegung und Sekretär Lassalles ent⸗ rollt hier auf Grund seiner eigenen Erfahrungen ein Bild der Persönlichkeit wie des politischen Wirkens

Lassalles. Die lebendige Darstellung seiner Erlebnisse und achtungen muß als ein sehr beachtenswerter Beitt zur Geschichte der Partei wie der deutschen

Arbe erbewegung überhaupt betrachtet werden. Wir können diese Schrift jedem, der sich für die Geschichte unserer Partei interessiert, auf das Angelegentlichste zur Anschaffung empfehlen. Der Preis der sauber aus⸗ gestatteten Broschüre beträgt 1 Mark.

F c pjj Humoristisches.

Auf dem Vermittelungs⸗Bureau. Kriegervereinsvorstand: Ja, in der Stadt kann ich Ihnen keine Stellung verschaffen. Wir sind an⸗ gewiesen, die entlassenen Mannschaften möglichst aufs Land zu dirigieren.

Reservtst: Ist mir auch recht. Wenn's vielleicht eine Stelle als Majoratsherr frei hätten?

Geschichtskalender.

21. Februar. 1897: PoltzeijAkt auf dem Fried⸗ hofe in Frankfurt a. M. bei dem Begräbnis der Frau Trompeter. 1887: Kartell⸗Reichstagswahlen.

22. 1848: Revolution in Frankreich gegen Louis Philipp. 1840: August Bebel,*.

23. 1898: Löbtauer Zuchthausurteil vor dem Reichstag. Urteil im Zolaprozeß, Paris.

24. 1892: Rede Wilhelm II.:Nörgler sollen den Staub von den Pantoffeln schütteln.

25. 1634: Wallenstein ermordet. Essex geköpft.

26. 1901: Minister⸗Hinrichtung in Peking. 1834: Senefelder, Erfinder der Lithographie, F.

27. 1900: Burengeneral Cronje gefangen.

1601: Eraf