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Mittel deutsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 5.
eine kurze. Notiz, der wir noch hinzufügen müssen, daß dieses Unglück durch die überhastete Arbeitsweise ver⸗
schuldet ist. Den elektrischen Krahnen bediente ein Junge, der von einem andern Manne zu einer Hilfeleistung gerufen wurde. Er vergaß dabei auszuschalten, der Krahnen ging hoch, das Seil zerriß und der etwa 2
Zentner schwere Kasten mit Haken fiel dem Pygorsch
auf den Kopf und tötete ihn sofort. So fallen täglich Söhne der Arbeit im Interesse des Kapitalprofits! Zum Teil sind aber die Arbeiter selbst mit schuld. Sie sollten ruhiger und mit mehr Vorsicht und Ueberlegung arbeiten, nicht einer immer mehr leisten wollen als der andere. Allerdings steht der Antreiber stets dabei, der, falls ein Arbeiter sich nur umsieht, ihn anschnauzt und mit Entlassung droht.— Es sollte sich der Ge⸗ werbe⸗Inspektor mal den Betrieb eingehend betrachten.
h. Das Gasthaus„Zum römischen Kaiser“, dessen Besitzer in Konkurs geriet, ist bei der Versteigerung der Gießener Aktien⸗ brauerei für 46 000 Mk. zugefallen.
Aus dem Rreise Dillenburg⸗Herborn.
leber den Bahnbau Herborn⸗ Westerburg schreibt man uns: Es scheint, als hätten die Unternehmer sich die Ansicht des früheren Abg. Hoffmann angeeignet, der sich s. Zt. dahin aussprach, daß die ktaltenischen Arbeiter bei Erdarbeiten mehr leisteten, als die deutschen, denn bei dem Bahnbau sind meistens Italsener und andere Ausländer beschäftigt. Für viele Westerwälder, die dort Arbeit zu finden hofften, ist das allerdings nicht besonders angenehm. Erst müssen sie zu den Grunder⸗ werbskosten doch auch ihr Teil mit beitragen und dann dürfen sie zusehen, wie fremde Ar⸗
beiter und die Unternehmer das Geld verdienen.
Aber die Bahn dürfte sich auch kaum als ren⸗ tabel erweisen. Denn die Unternehmer der Kalk⸗ und Basaltbrüche in Langenaubach und Flamersbach können nach Norddeutschland und dem Siegerland trotzdem billiger liefern als die des Hinterlandes. Entweder werden dann in den beiden genannten Orten die Arbeits⸗ löhne herabgedrückt, oder es werden die Frach⸗ ten soweit ermäßigt, daß schwerlich von einer Rentabilität die Riede sein kann.(Anmerkung der Redaktion. Wir sind mit der Ansicht unseres Korrespondenten hier nicht einverstanden. Bei der Anlage eines neuen Verkehrsweges kann doch nicht bloß die Rentabilität maßgebend sein, sondern die Rücksicht auf das Interesse der gesamten Bevölkerung. Und für diese han⸗ delt es sich doch darum, daß der Verkehr er⸗ leichtert wird.)
IJ Meuschenfreundlicher Arzt Kürzlich verun⸗ glückte auf einer Grube bei Neunkirchen der Bergmann Jung aus Hof tödlich. Man schickte zu Dr. Reinecke nach Neunkirchen zur Hilfeleistung. Dieser erklärte jedoch, es sei zu weit und er habe keine Zeit, man möge den Verletzten in die Gießener Klinik bringen. Auf dem Wege zur Bahn begegnete Dr. R. zufällig dem Trans⸗ port und der Doktor konstatierte, daß der Verletzte schon tot sei. Ob Dr. Reinecke, wenn er wegen irgend einer Bagatelle zu eknem dortigen Industriebaron gerufen worden wäre, sich auch mit Zeitmangel entschuldigt haben würde?
Aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain.
r. Gewerkschaftsfest. Die bereinigten Gewerkschaften von Marburg feiern diesen Sonn⸗ tag im Restaurant„Schloßgarten“ ihr Winter⸗ vergnügen. Die große Beteiligung an den frü⸗ heren Gewerkschaftsfesten legt Zeugnis dafür ab, daß die Gewerkschaftskommission stets be⸗ müht war, den Teilnehmern einen genußreichen Abend zu bieten. Was bei den früheren Jesten geboten wurde, das soll diesmal noch über⸗ troffen werden. Außer der Festrede des Herrn E. Krumm ⸗Gießen und den Gesangsvorträgen des Arbeiter⸗Gesangvereins„Eintracht“ kommen noch Theaterstücke und komische Vorträge zur Aufführung; außerdem wird, was bei den frü⸗ heren Festen nicht der Fall war, valistischer Abend damit verbunden sein. die Arbeiterschaft Marburgs für starken Besuch sorgen.(S. Inserat.) N
r. Agitation für„christliche“ Ge⸗ werkschaften wird in der Umgegend von Marburg mit Emsigkeit betrieben. Während sich die Stöcker'schen kürzlich ihr Tätigkeitsfeld in die Stadt legten, bearbeiten die Agitatoren der christlichen Gewerkschaften mit Vorliebe die
ein karne⸗ Möge
Dörfer und suchen Zahlstellen zu gründen. Da der Zentralverband der Maurer auf den Dörfern schon seit längerer Zeit zahlreiche Mitglieder hat, wollen die Christlichen ihre Schäfchen mit Hülfe der Geistlichkeit vor den„roten Inter⸗ natlonalen“ schützen. Die haarsträubendsten Dinge werden da über die T f 4 Sozialdemo⸗ kraten erzählt.„Terrorismus der roten Ge⸗ nossen“ ist stets der Haupttrumpf; der Frank⸗ furter„nationale“ Arbeiterkongreß wird als epochemachende Tat gepriesen.— Nächstens soll eine christliche Versammlung in Marburg auf Freihof's Terrasse stattfinden, um die Marburger Arbeiterschaft vor dem Untergange zu retten. Es kann nicht schaden, wenn alle Organtsierten zur Stelle sind.
r. Prügelpädagog. Kürzlich hatte sich vor der Marburger Strafkammer der Lehrer Möller aus Weidenhausen bei Gladenbach wegen Ueberschreitung des Züchtigungsrechts zu verantworten. Möller hatte beim Sckul⸗ unterricht 3 Kinder im Alter von 11 bis 13 Jahren mit einer Rute so auf die Hände und ins Gesicht geschlagen, daß dem einen Kinde die Lippen aufsprangen und 3 Zähne einge⸗ schlagen wurden. Die beiden andern Kinder wurden in derselben Weise bearbeitet. Wegen dieser Roheit bekam der Erzieher nur 30 Mk. Geldstrafe.
co Moral bürgerlicher Zeitungen. In der„Hess. Landesztg.“, dem national⸗sozial⸗ liberalen Marburger Blatt, steht in Nr. 31 folgende Annonce zu lesen:
Cavalier,
jede Woche in Marburg, sucht für die Abende
gemütlichen Anschluß. Gefällige Anerbieten
unt. Nr. 741 an die Erped. d. Bl. bis 10.
d. Mts. Antwort 8 Tage später.
Mit wem mag der Mann wohl den„ge⸗ mütlichen“ Anschluß für den Abend suchen? Am Ende mit dem Marburger national⸗sozialen Verein? Da er sich selber einen Cavalier, was doch wohl als: konservativer Ordnungsmensch zu verstehen ist, nennt, erscheint das fraglich. Wen aber mag er sonst suchen?— Es er⸗ scheint kaum glaublich, daß sich ein anständiges Blatt zur Veröffentlichung und.. Vermittelung solch unsaubern Techtelmechtels hergiebt!
r. Der Wahlverein hält am Samstag, den 27. Februar im Restaurant Jesberg seine regelmäßige Versammlung ab, zu der die Ge⸗ nossen zahlreich erscheinen wollen.
n. Die umstürzlerischen Singer-Nähma⸗ schinen. Vor Kurzem an einem Sonntage beging man in Bracht bei Marburg die Kaisersgeburtstagsfeier. Dabei hielt es auch der Herr Gendarm für angezeigt, seinen Patriotismus in einer kräftigen Bierrede zum Ausdruck zu bringen und, wie sich das von selbst ver⸗ steht, den„Um zu bekämpfen. Unter anderm meinte er, wie gut es en Arbeiter heutzutage gehe, trotzdem wären sie nie J krieden. Doch sie(die Beamten) könnten jetzt mit ihren Gehalts verhältnissen wohl zufrieden sein. Dann vernichtete der Redner die Sozialdemokratie. „Was habt ihr von Bebel?“ fragte er seine geduldigen Zuhörer., Derselbe fährt vierspännig Carosse am Züricher See, und was habt ihr von Singer, der doch die vielen Filialen in Deutschland hat. Wenn ich in ein Haus komme und sehe eine Singer⸗Nähmaschine, dann beschleicht mich ein unheimliches Gefühl, ich muß dann immer an die Umsturz⸗Partei denken.“ Das un⸗ heimliche Gefühl des Ordnungshüters wird sich aber bis ins Ungeheuerliche steigern, wenn wir ihm unter dem Siegel der Verschwiegenheit verraten, wie noch ver⸗ schiedene andere sozialde w okratische Führer Geschäfte machen. So hat er gewiß schon von dem Auer⸗Licht gehört— damit hat der Abg Auer viele Millionen verdient, Steinreich ist auch der sozialdemokratische Abg. Hoffmann(Saalfeld) durch seine berühmte Hoff manns⸗ Stärke geworden und wer hätte nicht schon von Bernstein⸗Lack gehört? Ihm verdankt Eduard Bernstein seinen kolossalen Reichtum!
Aus dem Gerichtssaale.
Geistliche Sünder. Vom Landgericht Kempten(Bayern) wurde der Pfarrer Mathäus Ziegler, früher Stadtpfarrer in Füssen wegen fortgesetzten Verbrechens wider die Sittlichkeit zu zwei Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrenverlust verurteilt.— Pfarrer Sebastian Dischl, der einem siebenjährigen kranken Mädchen einen Büschel Haare ausriß, wurde vom gleichen
Gericht wegen Uebertretung des Züchtigungs⸗ rechtes zu 20 Mk. Geldstrafe verurteilt.
Kleine Mitteilungen.
* Opfer der Arbeit. Auf der Zeche„Deutscher Kaiser“ wurden durch vorzeitiges Losgehen eines Spreng⸗ schusses ein Arbeiter getötet und zwei tödlich verletzt.— Auf dem Schacht„Friedrich der Große“ bei Dortmund stürzten zwei Bergleute in die Tiefe, als sie den Förder⸗ korb verlassen wollten. Einer war sofort tot, der andere hoffnungslos verletzt.
i Tödlich verunglückt. In Burkhards ge⸗ riet der Polizeidiener Haxt am Montag Abend auf dem Heimwege vom Wirtshause in die nicht sehr tiese Nidder und ertrank. Der Verunglückte stand schon im vorge⸗ rücktem Alter.
* Unfall bei der Arbeit. In Ober⸗ schmitten kam der Arbeiter Schneider in die Trans⸗ mission und erlitt sehr erhebliche Verletzungen.
l Meineidiger Schutzmann. Das Dres⸗ dener Schwurgericht verurteilte den Schutzmann Uhlig wegen fortgesetzten Meineids bei der Verhandlung von Strafsachen, die er selbst amtlich zur Anzeige gebracht hatte, zu drei Jahren Zuchthaus.
Partei-Nachrichten.
Ein neues Gruppenbild der sozial⸗ demokratischen Reichsiagsfraktton hat die Buchhandlung„Vorwärts“, Berlin hergestellt. Das Bild ist ein schöner Zimmerschmuck für jedes Arbeiter⸗ heim. Einzelpreis ist 60 Pfg., Porto 30 Pfg. Alle Parteibuchhandlungen— in Gießen die Expedition der Mitteld. Sonntgs.⸗Ztg.— nehmen Bestellungen an.
Wahlkreis Gießen⸗Grünberg⸗Nidda.
Sonntag, den 28. Februar, vormittags 10 Uhr im Lokale Orbig in Gießen:
Kreiskonferenz.
Vorläufige Tagesordnung:
1. Bericht des Vorstandes des Kreiswahlvereins. 2. Neuwahl des Vertrauensmannes. 3. Unsere Kreis⸗ organisation. 4. Die Gemeinderatswahlen. 5. Unser diesjähriges Kr isfest.
Der Vorstand des Kreis⸗Wahlvereins.
Versammlungskalender.
Erscheint zahlreich und pünktlich in den Ver⸗ sammlungen! Samstag, den 20. Februar.
Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb(Wiener Hof).— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.
Heuchelheim. Arb. ⸗Bild.⸗Verein. Abends 8 Uhr Versammlung bei Wirt Ludwig Germer (Zum grünen Baum).
Wieseck. Wahlverein. Abends /9 Uhr Ver⸗ sammlung bei K. Kreiling.
Langgöns. Abends ½9 Uhr Versammlung bei Wirt Seipp.
Marburg. Holzarbeiter. sammlung bei Hillberger.
Sonntag, den 21. Februar.
Rödgen bei Gießen. Nachmittags 4 Uhr Versamm⸗ lung bei Wirt Balser.
Montag, den 22. Februar,
Gießen. Schneiderverband. Abends ¼9 Uhr Versammlung bei Orbig.
Abends 9 Uhr. Ver⸗
Quittung.
Wetzlar. Für die Ausgesperrten in Crimmitschau gingen noch folgende Gelder ein: Liste Nr. 2204 Mark 42,65(darunter von einem Hirsch⸗Dunkerschen Gewerk⸗ vereinler 0,50). Nr. 2214 Mk. 2. Nr. 12 176 Mark 6,94(darunter 2,19 von O. T.). Insgesamt einge⸗ gangen Mk. 195,46.
Der Vertrauensmann. — ͥ
Briefkasten.
C. M.⸗ Alsfeld. Die Adresse lautet: Groß einkaufs⸗Gesellschaft deutscher Konsumvereine Hamburg Gröningerstraße 24/25.
Th.⸗Rehe. Gelegentlich wird alles mit benutzt; das Ganze aufzunehmen war nicht gut möglich. Gruß!
Gen. M.⸗Mbg. Gewiß ein sehr fataler Druck⸗ fehler! Indessen— der aufmerksame Leser wird ihn selbst korrigiert haben. Wir sind natürlich immer die Hauptleidtragenden und doch— die Unschuldigen!—
Mehrere Einsendungen mußten zurückge⸗ stellt werden.
Von dem bekaunten„Kur⸗Jnstitut Spiro⸗ Spero““(Paul Weidhaas), liegt der heutigen Nummer ein Prospekt bei.


