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Mitteldentsche Sonntaas⸗Zeitung.
Von Nah und Fern. Ein grausiges Verbrechen
wurde in Niedersteina bei Pnlsnitz in Sachsen verübt. Dort brannte in der Nacht zum Sonntag das Bauerngut des Bestitzers Freudenberg nieder. Dabei fanden sieben Personen den Tod, der Besitzer Freuden⸗ berg, seine Frau, zwei erwachsene Töchter, ein 14 Jahre alter Sohn und zwei Enkelkinder. Der Mann der älteren Tochter, Steinbruch⸗ besitzer Domschke, wurde bald darauf unter dem Verdachte des Mordes und der Brand⸗ stiftung verhaftet. Man vermutete, daß Domschke die ganze Familie mit einer Radhacke er⸗ mordet und darauf das Gut seines Schwieger⸗ vaters, um die Spuren zu verwischen, ange⸗ zündet habe.
Ein tragischer Vor fall
spielte sich am Montag in Neustadt bei Stolpen(Sachsen) ab. Die dort wohnende Witwe Heintzmann war mit ihrem Sohne in Streit geraten, weil er tagsüber nicht gearbeitet hatte. Infolgedessen beschloß der Sohn seinem Leben ein Ende zu machen. Er verschaffte sich auf noch nicht aufgeklärte Weise Cyankali, tat es in ein gefülltes Wasserglas, zeigte letzteres der Mutter mit den Worten:„Siehst du Mutter, ich vergifte mich!“ und trank das Glas halb leer. Die nichtsahnende Mutter glaubte natürlich nicht an den Ernst dieser Worte und setzte das nur halb geleerte Glas ebenfalls an die Lippen und trank es leer. Inzwischen tat das furchtbare Gift schon seine Wirkung bet dem Sohne. Er brach zusammen und starb vor den Augen der entsetzten Mutter. Aber auch diese spürte schon das Gift. In ihrer Todesangst stürzte sie auf die Straße, um zu ihren Verwandten zu eilen. Aber auch sie brach zusammen und starb.
Gerechtigkeit!
In Fraulautern bei Saarlouis ging eine alte Frau von 82 Jahren, die bereits kindisch ist, in den Gemeindewald, wo sie Blätter holte, die mau dort als Ziegenfutter verwendet. Zwei Gemeinderatsmitglieder sahen sie, zeigten sie an, worauf die alte Frau ein Strafmandat von 5 Mk. erhielt. Die Schwiegertochter der Alten konnte die Strafe nicht bezahlen, weil sie selbst in den kümmerlichsten Verhältnissen lebt. Die Strafe wurde darauf umgewandelt in einen Tag Haft, deu die kindische alte Frau absitzen sollte. Der Schutzmann, der sie holen sollte, ließ sich durch das Gejammer der Fa⸗ milie erweichen und ging unverrichteter Weise
wieder fort. Die Schwiegertochter ging zum Bürgermeister und erbot sich, den Tag für die alte Frau abzubüßen. Umsonst, die kindische alte Frau muß zahlen oder— sitzen.
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UAnterhaltungs-Cril. 7
Dyllen aus einem Gebirgsdorse.
Frei nach dem Leben von Ludwig Schierk.
3(Fortsetzung.)
Aber ste dringen in ihn. Da springt er lachend auf und geht für ein Weilchen aus der Stube. Das ist dem flinken Schneider ein gefunden Essen. Er stellt einen gefüllten Wasser⸗ krug auf den Ofen; vorher befestigt er eine
Schnur am Henkel. „Du hast's gewollt,
Klipp tritt ein. Schneider!“ spricht er. Und nun hebt ein anderes Singen an; ein rauher, ungefügiger Klang, ein richtiger Hammerton rollt durch die Stube. „Singt der Meister Hammerschmied, Bum, bum, bum. Giebt es ein gewaltig Lied, Bum, bum, bum!“
Den Refrain markiert Klipp mit seinen
Fäusten auf dem Tische. „s ist kein Lied für Schneiderlein, Bum, bum, bum!———“
Beim zweiten Faustschlage hat der Meister an seinem Schnürlein gezogen; bet dem dritten rauscht aus der Höhe eine ansehnliche Wasser⸗ flut über das mähnenreiche Haupt des Sängers, der aus purem Schreck über die unvermutete Wirkung seines Liedes sogleich innehält.
Dann springt er, von einer plötzlichen Ein⸗ gebung erleuchtet, triefend auf und langt nach dem Schneider, der unter dem Gelächter der Uebrigen unter dem Tische eine Zuflucht sucht. Es setzt eine kleine Balgerei, die der Meister nicht übel nimmt.
„Schneider!“ lacht Klipp, als sie fertig sind, „Dein Spaß war gut; aber der Krug kommt auf Deinen Beutel!“
So half sich die uugeschminkte Natur der armen Dorfleute zu einer kleinen Unterhaltung.
In dem viertürmigen Schlosse trank um diese Zeit der Graf, dem die Hirsche im Walde gehörten, mit seinen Gästen Champagner.
Es war ein vornehmes Gläserkli den Spiegelsaal erfüllte. Dazwischen man das letzte Rennen und den letz den der gute Landesfürst, der im S das Gericht unterhält, mit seiner Anwesen beehrt hatte. 3 7
Zwet jüngere Herren stritten üher mageren Beine einer Tänzerin, die im T der Residenz aufgetaucht war. 8
Die feine Sitte des Salons verpönt F das Lied kommt erst zu Raum, die Seele in den Banden des Rausches
VI. 8 0
Die Bewohnerzahl des Dorfes stieg. Lohnweber, die viel Kartoffeln aßen, fruchtbare Frauen. Um die Hütten kroch Kindervolk wie die Ameisen. Ihre unruß Stimmchen drangen durch das geöffnete Fenf bei dem der Weber Stunde um Stunde Ruhelied der Genügsamkeit trat. Das seine Beine zu wohltätiger Eile an und unnütze Gedanken immer seltener aufkomm
Es machte ihn immer demütiger, wenn der 5
Leinenfabrikant, der ihm das Brot gab, das jüngste Gericht abhielt.
Ach ja, die Keime des Kindersegens schlum⸗
mern nicht in den Schüsseln der Reichen; sie liegen weit mehr im Schoße des armseligen, eintönigen Males, mit dem der Arme des Dorfes seinen Hunger stillt!
Die rußigen Hüttenleute hatten weniger an den Folgen jenes Segens zu tragen. Ihre harte anspannende Arbeit, die ihnen nicht selten den Frieden der Nacht raubte, machte ihr Liebesleben weit dürftiger. Dafür verloren sie ihre Nachkommenschaft fast ganz aus den Augen.
Wie waren diese Väter glücklich! Sie sahen es nicht, wenn ihre Knaben aus einer Balgerei in die andere gerieten. Sie hörten es nicht, wenn ein mutwilliger Steinwurf klirrend das Fenster traf. Sie ahnten es nicht, wenn der junge Sünder lieber den grünen Dom des Waldes als die halbgelüftete Stube des Schul⸗ meisters aufsuchte.
Hinter dem Walde waren zwei Kolonien von je fünfzig Häusern aufgeblüht. Das Aurichs⸗ dorf und das Nelkendorf wurden von fremden Ansiedlern gegründet. Es ging nichts über die Freigebigkeit, mit welcher der Graf, dem die Hirsche im Walde gehörten, Bauholz und Geld auf den Altar des öffentlichen Wohles niederlegte.
Die Räume des Eisenwerkes, das mit i Schornsteinen qualmte, wuchsen. Alles strömte
nach den Schmelzhütten und Walzwerken; herab: gekommene Bauern halfen sich mit dem Erträg⸗
nis eines Lohnfuhrwerkes aus der Klemme. (Fortsetzung folgt.) Ales
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