Ausgabe 
18.9.1904
 
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Nr. 38

Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 7.

d Und was wollte er dort? Wunderbare Frage: seine Judith natürlich heiraten!

War er nicht ihrethalben Katholik geworden? hatte er die Trennung von ihr denn ertragen können? Die alte Tante war dann auch schon zu versöhnen, wenn sie ihm des Briefes wegen im Anfang auch noch ein wenig gezürnt hätte. Das Haupthindernis die Religtonsverschieden⸗ heit, hatte er überwunden, alles andere sollte ihm jetzt keine Sorgen machen.

Das Schiff lief nach einer raschen und glücklichen Fahrt im Liverpooler Hafen ein. Patrick, der sich nur für die Reise verpflichtet hatte, wurde ausbezahlt, ging dort gleich wieder an Bord eines kleinen Schoners, der, für die Galwaybat bestimmt, vor Anker lag, und landete vier Monate nach seiner Abfahrt von Valparaiso glücklich, und das Herz voll froher Hoffnungen in Iveran.

Es war ihm aber doch ein eigenes Gefühl, mit dem er an dem Abend nach Dunkelwerden er wollte sich vorher vor keinem Bekannten auf der Straße sehen lassen das Haus von Judiths Tante wieder betrat. Ein fremdes Mädchen öffnete ihm hier auf sein Klopfen die Tür.

Ist Mrs. O' Flannagan daheim?

Mrs. O' Flannagan? Gott segne Euch! schrie das Mädchen, entsetzt einen Schritt zurück⸗ prallenddavor bewahre uns die Jungfrau Maria. Mrs. O'Flannagan liegt schon seit neun Monaten im Grabe.

Im Grabe? rief Patrick bestürztund Judith Mac Neale?

Ein Freudenschrei antwortete ihm von der andern Seite der Hausflur, eine Tür flog auf und Judith, das brave, treue, redliche Herz lag weinend und jauchzend an der Brust des Geliebten.

Und verdiente Patrick solch ein Glück? Das Herz schlug ihm allerdings vor Scham und Reue in der Brust; und es war gut für ihn, daß der düstere Vorsaal sein Rotwerden wie das Verlegene seiner Züge mit wohltätigem Schatten deckte. Judith dachte aber an kein Arges: der Freund war ihr zurückgekehrt, jedes Hindernis, das ihrer Liebe entgegenstehen konnte, entfernt, und sie jetzt glücklich selig in dem Gedanken, ihm in sich selber die Mittel bringen zu können, mit Fleiß und Arbeit zwar, aber doch sonst ein sorgenfreies Leben zu beginnen.

In jubelnder Hast zog sie jetzt den seinem Glück noch immer nicht trauenden Patrick in das vordere Zimmer, wo er Judiths älteste ver⸗ heiratete Schwester mit ihrem Gatten antraf. Herzlich begrüßten ihn diese, und so unbehaglich und fremd sich der arme Teufel im Anfang gefühlt, so wohl und heimisch wurde ihm bald unter den guten Menschen. Und was hatte er getan, alle diese Liebe zu verdienen? sein eigenes Herz gab ihm die Antwort darauf: berwünscht wenig und das eigene böse Gewissen trieb ihn endlich an, um sich wenigstens in etwas vor der Geliebten zu rechtfertigen, dieser seinen Uebertritt zur katholischen Kirche mitzuteilen. Weshalb das geschehen war, brauchte er ja nicht dazu zu setzen, und Judith konnte und mußte den Schritt als nur ihr zu⸗ liebe geschehen betrachten.

Liebste, beste Judith, begann er endlich etwas verlegen, eine passende Einleitung zu findenwie ich draußen in fernen Landen an dich und unsere Liebe dachte, wie das Bild da vor mir aufstieg, daß nur der verschiedene Glaube an Gott uns trennen sollte, der uns doch allen Vater ist, da

Du hast recht, Patrick, unterbrach ihn rasch das Mädchen,hattest schon recht, als du mit meiner guten seligen Tante darüber sprachst. Das Weib soll dem Manne folgen, sagtest du damals, und als du fort warst und keine Botschaft mehr zu uns herüber kam, ja, als ich in Schmerz und Weh nicht wußte, was angeben, dich zurückzubringen: da mag auch wohl die gute Tante eingesehen haben, wie hart sie gegen uns gehandelt. Sie sprach mit

Liebe von dir, und in dem Testamente, in dem sie mich zu ihrer Universalerbin einsetzte, war 11 Klausel des Glaubens wegen mehr ent⸗

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Und mein Brief? sagte Patrick zögernd.

Kam an demselben Tag, an dem wir sie begruben, erwiderte Judith er liegt noch uneröffnet in meinem Schrein.

Patrick fiel eine Zentnerlast vom Herzen.

Die gute Tante, sagte er seufzend doppelt freut es mich dann, ihrem hier auf Erden gehegten Lieblingswunsch begegnet zu sein. Die Religion soll uns kein Hindernis mehr in den Weg legen, Judith

So weißt du schon? rief diese rasch, und barg, verschämt errötend, ihre Stirn dabei an Patricks Schulter.

Weiß ich? was? rief Patrik erschreckt, und eine eigene Ahnung zuckte ihm durchs Herz.

Patrick, nahm aber hier Judiths Schwester das Wort, indem sie freundlich des jungen Mannes Arm ergriff,Patrick, Judith hat Euch ein großes Opfer gebracht. Unsere Priester trauen keine gemischten Ehen, selbst die prote⸗ stantischen Geistlichen machen darin große Schwierigkeiten. Pater Anselm war sehr böse darüber, und hat seit der Zeit ihr Haus nicht

mehr betreten. rief Patrick in Schreck

Und Judith ist und Entsetzen.

Zur protestantischen Kirche feierlich über⸗ getreten, erwiderte freundlich die Schwester, während Judith, in dem Bekenntnis ihrer Liebe, ihr Antlitz nur tiefer an des teuern Mannes Schulter barg.So nehmt sie denn hin, fuhr die Frau gerührt fort, des jungen Mannes Hand in die der Schwester legend nehmt sie hin und seid gut mit ihr. Denkt dabei stets ihrer Liebe, und ihr werdet in jedem Glauben glücklich miteinander sein.

Patrick stand da wie in einem halben Traum. Das Geständnis seines eigenen Uebertritts schwebte ihm auf den Lippen und wieder schrak er vor der Kluft zurück, die sich dadurch ihrer Verbindung aufs neue entgegenstellte. Sein Schwager ließ ihn aber gar nicht zu Worte kommen, und die Sache gleich beim praktischen Ende fassend, fing er ohne weiteres an, mit Patrick zu überlegen, wie ihr Hausstand am besten zu ordnen sei, und auf welche Art Patrick sein Geschäft als Schiffszimmermann, jetzt mit den nötigen Mitteln ausgestattet, am vorteil⸗ haftesten beginnen könne.

Patrick saß, Judiths Hand in der seinen, dabei und hörte ihm zu, aber die Worte schwammen ihm unbegriffen vor den Ohren.

Als er an dem Abend das Haus verließ, für die Nacht sein eigenes Absteigequartier auf⸗ zusuchen, kam es ihm fast so vor, als ob ihn ein böser Zauber umfangen hätte, und irgend ein neckischer Geist ihn verlocke, herüber und hinüber über einen tiefen Graben zu springen, in vergeblicher Verfolgung seines Ziels.

Und jetzt? soll ich auf dieser Seite bleiben und warten, bis sie wieder zu mir herüber kömmt. Bah! rief er plötzlich entschlossen aus.Patrick sei kein Esel und wirf die Ge⸗ legenheit, die sich dir hier ja bietet, nicht mit beiden Händen zum Fenster hinaus. Katholik geworden? wer weiß hier etwas davon? wer wird je von Chile herüberkommen und mich verraten? So viel für Pater Antonius, und er schnalzte dabei mit den Fingern.

Und ist die Sache denn überhaupt ge⸗ schehen? setzte er nach einer Weile ruhig über⸗ legend und halblaut mit sich selber dabei redend hinzubist du denn überhaupt in Chile gewesen, Patrick, um dich dort von einer Bande nichtsnutzigen Gesindels zum besten haben zu lassen? und hast du das nicht alles bei irgend einem häßlichen und unnatürlichen Alpdruͤcken geträumt? Es ist merkwürdig, wie lebendig wir das manchmal zustande bringen man bildet sich am Ende nicht selten ein, es wäre wirklich geschehen. Nur den Leuten darf man's nicht sagen, sie lachen einen sonst am Ende gar noch aus, und man hat nur Schande und Spott davon.

Patrick war viel zu praktisch, von solchem Einfall nicht den möglichst größten Nutzen zu ziehen.

Er beschloß und führte es durch, Judith

von seinem chilenischen Abenteuer nicht ein

wechsel konnte überhaupt in Irland niemand die geringste Ahnung haben.

Vierzehn Tage später legte denn auch ein protestantischer Geistlicher die Hände der beiden Liebenden ineinander, Patrick O' Kearney über⸗ nahm zu gleicher Zeit eine Schiffswerft und bekam bald vollauf gute und einträgliche Arbeit, bei der er sich an der Seite seines liebens⸗ würdigen Weibchens wohl und glücklich fühlte.

Mrs. Judith O' Kearney weiß auch wirklich bis auf diese Stunde noch nicht, was für trans⸗ atlantische Abenteuer ihr Gatte im fernen Süden erlebt. Deshalb wird auch der deutsche Leser, falls er einmal zufällig nach Inveran an der 2 9 5 kommen sollte, hoffentlich diskret genug sein, dort kein Wort von der Geschichte zu erwähnen. Wäre das nur des fatalen Pater Anselmus wegen, der seine ganz besondere Freude daran haben würde.

Splitter.

Sucht nach einem Wege, die Arbeit zu einer Veredelung für die Menschheit zu machen, in⸗ dem ihr jedem Arbeiter ermöglicht, Freude an seiner Arbeit zu haben.

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* Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die

eigene Kraft. Ebner⸗Eschenbach.

Numoristisches.

Militärische Religions Uebungen. Der Hauptmann von M. sst ein ganz besonders hervorragendes Exemplar christlicher Frömmig⸗ keit neuester Richtung geworden, seitdem die Umschiffung der Majorsecke für ihn mit gewissen Schwierigkeiten verbunden zu sein schien. Er macht sich um die Erhaltung der Religion u. a. dadurch in hohem Maße verdient, daß er seine Kompagnie jedesmal vor dem Kirchgang auf die Heiligkeit und für den guten Soldaten ab⸗ solute Notwendigkeit des christlichen Glaubens⸗ bekenntnisses hinweisen läßt. Die Ausführung der Sache hat der ebenfalls musterhaft königlich preußtsche gottesfürchtige Feldwebel zu besorgen. Die sonntäglich gemusterte Mannschaft erhält den BefehlStillgestanden und wird von dem besagten königlich preußischen gottesfürchtigen Feldwebel mit frommen und herzerhebenden Worten traktiert. Während dieser Handlung fällt es einmal dem etwas beschränkten Mus⸗ ketier Christian Balthasar Lehmann ein, die Hände andächtiglich zu falten und sein Haupt zu senken... der gute Bursche fühlt sich in seine Dorfkirche zurückversetzt... Da fällt des Feldwebels Blick auf den andächtigen Mus⸗ ketier Christian Balthasar Lehmann... das Wort bleibt in der Kehle des Gestrengen stecken .. seine Augen treten aus den Höhlen hervor und wutschäumend brüllt er den andächtigen Musketier an:Du verdammter Sauhund, hab' ichRührt euch kommandiert? Dafür verschaff' ich dir drel Tage Kasten, du rebellisches 0 1

(Simpl.)

Kleiner Irrtum. Frau(nachts ihrem Mann die Haustür öffnend):Um Gotteswillen, Mann, ich denke, Du bist lange zu Haus? Da habe ich ja eben in der Schlaftrunkenheit einen ganz anderen Ehemann aus dem Haus durchgeprügelt.

Ein Gendarm überrascht einen Mann, der splitternackt im Wasser umherplätschert.Kommen Sie sofort heraus, schreit er.Wissen Sie denn nicht, daß das Baden ohne Badehosen hier verboten ist?! Aber ich will ja gar nicht baden, erwidert der Wassermann,ich will mir nur das Leben nehmen! Das ist etwas anderes, sagt der Gendarm, und geht weiter.

Die innerpolitischen Zustände des deut⸗ schen Reiches und die Sozialdemokratie. Von Gg. v. Vollmar, Preis 20 Pfg.

Der Zukunftsstaat der Junker. Man⸗ teuffeleien gegen die Sozialdemokratie im preußischen Herrenhaus. Mit Einleitung und Anmerkungen von Kurt Eisner. Preis 20 Pfg.

John Ruskin. *

einziges Wort zu sagen. Von seinem Glaubens-

Wahrer Jakob; Süddeuischer Postillon. Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg.