Ausgabe 
17.7.1904
 
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Mitteldentsche Sonutags⸗geitung.

Seite 7.

7 Unterhaltungs-Ceil. 7

W Bunger.

Wir müssen hungern, und drausten lacht Das Korn in schwellender Fülle,

Ein fruchtgesättigtes Lachen geht

Durch die sommerliche Stille.

Die Sense klingt und die Aehre fällt

Und schüttet Korn in den Schoß der Welt, Wir aber müssen hungern.

O du sonnige Seit und du glühender Tag! Wir grüßen dich an den Maschinen.

Mit den Lerchen jauchzt unseres Herzens Schlag, Indessen wir frohnen und dienen.

Unser Herz verglüht, unsere Tippe dorrt

Und Leben und Sommer ziehen fort;

Wir müssen weiter hungern.

O brause mein Blut, trotz Not und Plag, Eh' Ceben und Sonne sich neigen. Wir wollen der Seit ihre blutrote Schmach, Uns're perlenden Stirnen zeigen. Zineingegriffen mit starker Faust, Wo die Aehren reifen, das Leben braust. Wir wollen nicht mehr hungern. Otto Krille.

Auf der Wander schaft.

Erzählung von Robert Schweichel,

5(Schluß).

Fräulein Mohr hatte das erste Bad ge⸗ nommen. Währen) sie nach demselben ruhte, nahm ihre jüngere Gefährtin ihr Skizzenbuch und durchwanderte den Badeor:, auf dem bie Stille des Vormit tags ruhte. Die Vereinigung von Kunst und Natur in dem tiefen Tal machte auf sie den angenehmsten Eindruck. Ueberall, wohin ihr Auge schweifte, ihre Schritte ste führten, Terrassen, Alleen, Gebüsche, Kanäle, Brücken und überall gut geebnete Promenaden, einladende Ruheplatze. Sie setzte sich zuletzt auf eine Bank von weißen Birkenstäben und schaute träumerisch in die goldig⸗grüne Dämmerung eines Buchenwaldes, in den sich der Weg hineinwand. Daß derselbe zur Victorshöhe führte wußte sie nicht. Sie dachte nicht daran, zu zeichnen. Sie überließ sich ihrem schwetfen⸗ den Sinnen und dieses endete mit dem Einge⸗ ständnis einer Enttäuschung. Warum hatte Hans Gruber nicht geschrieben? Sie hätte schon ganz gut heute mit dem Morgenzuge von Suderode einen Brief haben können. Aber dann entschuldigte sie ihn damit, daß er viel⸗ leicht nicht schreiben könne, weil er sogleich nach ihrer Abreise seine Wanderschaft fortgesetzt hatte. Wohin? Es war dumm, daß sie ihn nicht dar⸗ nach gefragt hatte. Aus der Ferne ertönte Musik. Es war die Kapelle, die Mittags vor dem Kurhause spielte, und Irma wiegte sich unbewußt auf den Tönen. Plötzlich wurde ihr Auge starx, sie stieß einen dumpfen Schrei aus, wollte ausspringen und vermochte es nicht. Sie war wie gelähmt. Ein Mann kam auf dem Waldwege daher, und dieser Mann war Hans Gruber. Jetzt erkannte auch er die weibliche Gestalt auf der Bank. Wie ein Jubel erscholl ihr Name von seinen Lippen, er beflü⸗ gelte seine Schritte und streckte ihr schon von Weitem beide Hände entgegen. Mit freude⸗ strahlenden Augen stand er vor ihr. Sie hatte sich erhoben, ihr hübsches Gesicht war in Pur⸗ pur getaucht und sie legte, ohne die Lider vor seinen Blicken zu senken, ihre Rechte in seine Hände. 5

Welch' ein Glück, daß ich Sie sogleich finde und allein, rief er froh erregt und setzte lachend hinzu:Ich komme als mein eigener Briefbote. Das kostbare Manuskript hätte ja auf der Post verloren gehen können. Und ich hätte es nicht ertragen, wer weiß wie lange auf Antwort zu warten. Hier ist es, freilich mit der Unterschrift: Fortsetzung folgt. Henn warum überhaupt schreiben? Damit zog er einen dicken Brief aus seiner Brieftasche, den Fräulein Irma mit

einem freudigen Aufblitzen ihrer Augen empfing, und führte sie zur Bank zurück, wo sie sich Beide niedersetzten. l

Er warf den Hut neben sich, fuhr mit der Linken durchs Haar und sagte: Eines werden Sie sich nicht vorstellen können, nämlich wie es einem Buben zu Mute ist, der keine Erinne⸗ rungen an seine Mutter und auch Vaterliebe nie gekannt hat. Denn die Mutter starb, als ich etwas älter als drei Jahre war, und der Vater nun, Sie sollen auch Das wissen! Und er erzählte ihr die Leidensgeschichte seiner Kindheit, ohne etwas zu verschweigen oder zu bemänteln, in kurzen und kräftigen Zügen. Das Schicksal muß wohl etwas Besonderes im Schilde führen, schloß er scherzend,daß ich darüber nicht zu Grunde gegangen bin, und auch später nicht in der Hölle meiner Lehrjahre, denn Sie wissen, daß mein Meister ein Gemüts⸗ mensch war: seine Güte waren Schimpfworte, seine Liebe Prügel.

Ach Sie Armer, seufzte Fräulein Irma, die ihm mit der gespanntesten Aufmerksamkeit zugehört, mitleidig, und in ihren Augen stauden Tränen.

Nein, nein, rief er lebhaft,diese lieben, süßen Augen sollen nicht weinen. Warum denn auch? Die dunkle Nacht liegt hinter mir, und ich wandle im Lichte, Licht außer mir, und in meinem Herzen ist die Sonne aufgegangen. Diese holden, braunen Augen müssen es längst erraten haben, was mein ganzes Herz glühend erfüllt, daß ich Sie liebe, Irma.

So stürmte es von seinen Lippen und riß sie widerstandslos mit fort. Er hatte ihren schlanken Leib umschlungen und sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter, blickte weinend, lächelnd zu ihm auf und bot ihm, ohne zu wissen, wie es geschah, die blühenden Lippen. Die Welt außer ihnen versauk.

Und so saßen sie innig aneinander geschmiegt auf der Bank und küßten einander mehr als sie sprachen, und von dem was sie sagten, wußten sie in der nächsten Stunde nichts mehr. Sie waren beide ganz eingetaucht in Glückseligten.

Irma faßte sich zuerst. Sie senkte den Brief, den sie immer noch in den Händen hielt, in die Tasche, nachdem sie auf ihn ihre Lippen gedrückt. Hans aber lachte sie aus, als sie ihm vorstellen wollte, daß sie ein a mes Mädchen aus der Familie eines klein n Beamten sei, welches nur sein Lehreringehalt beziehe, und daß auch dieses aufhören würde, wenn Er schloß ihr mit einem Kusse den Mund,Du hast die Frage falsch sestellt, mein süßes Lieb. Glaubst Du, der Kedakteur eines sozial demokratischen Blattes wühle in Gold, wie ein Bourgeois? Nein mein teures Herz, wir werden uns knapp behelfen müssen, wenn Du mein sein willst. Ununterbrochene Arbeit, steter Kampf und zur Erholung einmal Gefängnis dazu. Willst Du es daraufhin mit mir wagen?

Sie umschlang seinen Nacken und rief mit zärtlich leuchtenden Blicken:Ja mein geliebter Mann!

Dann aber überkam sie der Gedanke an ihre Freundin mit einem leisen Erschrecken und sie erklärte auf den fragenden Blick des Geliebten: Es würde Julie bei ihrem jetzigen Zustande zu sehr schmerzen und kaum überharschte Wunden wieder aufreißen, wenn sie so plötzlich durch Dein Hiersein von unserer Liebe erfuͤhre. Was sie so herb und stachelig gemacht hat, ich wills Dir vertrauen, es ist eine unglückliche Liebe, und sie liebt den Unwürdigen noch, der ihr Herz schmählich verraten hat. Du kannst das einem Mädchen nicht so nachfühlen, Geliebter. Ach, unsere Stärke ist sogleich unsere größte Schwäche! Ich muß sie erst darauf vorbereiten, daß sie nun durch Dich auch mich verlieren soll, die ihre einzige Vertraute und Stütze war.

Daß Du so denkst und fühlst, macht Deinem Herzen die größte Ehre. Aber was wird aus mir unterdessen? Ich soll mich wohl verstecken?

Er lachte halb ärgerlich.

Sie sann nach, seufzte darauf schwer und sah ihn schüchtern bittend an.

Hm, ich verstehe, rief er, die Augenbrauen

finster zusammenziehend.Ich soll verschwinden,

verduften, jetzt, wo ich nur ebenDein Herz gewonnen habe. Ach, Du ahnst ja garnicht, wie unmenschlich ich Dich liebe.

Sie umschlang seine Schultern und küßte ihn mit feuriger Zärtlichkeit.Wird es mir minder schmerzlich sein, Dich gerade jetzt zu missen, mein Geliebter? Ich würde der ganzen Welt trotzen, um meine Liebe zu Dir zu ver⸗ teidigen, das glaube mir. Aber es handelt sich hier um die Schonung eines Herzens und ich flehe Dich nur um ein wenig Geduld an. Ste faßte seine Rechte mit ihren beiden Händen und sah ihm dabei so flehend in die Augen, daß seine Kraft des Widerstandes an diesem süßen Feuer schmolz.

Noch sträubte er sich, aber er gab endlich nach, ärgerlich auf sich selbst, wegen seiner Schwäche, seufzend, lachend. Sie schieden, und er reiste ab im Vollbesitz des höchsten Glückes.

Gegen Weihnachten aber fuhr Hans nach Berlin, nachdem der lebhasteste Briefwechsel zwischen ihm und der Geliebten gepflogen war und führte Irma in sein Heim. Und sie wurde eine tapfere Mitstreiterin an seiner Seite.

Splitter.

Die größte Torheit ists, gebeugt ins Leben einzutreten. Das Leben ist dem Widerstreben geweiht. Wir sollen uns aufrichten, so hoch wir könuen und solange bis wir anstoßen.

Friedrich Hebbel. Wir steuern durch dies bun /e Weltgewühl, Geleitet von Gedanken und Gefühl! Wohl dem, in dem sich Beide so verbinden, Daß sie zum Zeel die rechten Bahnen finden! Bodenstedt. Mit den Worten nimmt die Zunge Weg die Hälfte des Verdienstes, Das der Arm sich kühn erwarb. Herder.

Man darf nur alt werden, um milder zu sein. Ich sehe keigen Fehler begehen, den ich nicht auch begangen hätte. Goethe.

Humoristisches

Das Kirchenbaun ist Mirbach Ehrenpflicht;

Doch, da man weiß, was Gotteshäuser kosten,

So nimmt der Edle kleine Spenden nicht

Es ist ihm nur gedient mit runden Posten.

(W. Jak.)

Die höhere Tochter. Köchin(zum Haus⸗ fräulein):Wenn die Eier frisch bleiben sollen, gnä' Fräul'n, müssen s' an einen kühlen Ort gelegt werden.

Das Fräulein:Wie könnte man das aber nur der Henne beibringen?

Saarabisch. Staatsanwalt: Was hat Ihnen der Inspektor vor der Wahl eigentlich gesagt? Bergmann: Wenn ich nicht für den Nationalliberalen stimme, dann sei es mit meiner Beförderung aus. Staatsanwalt: Weiter nichts? Und das nennen Sie eine Beeinflussung?

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