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Seite 2.
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Nr. 42.
chismus, Sprüche und Lieder sehr berrachellch war(Bewegung im Landtag!). Wo bleibt da der nichtswürdige Vorwurf, daß ich für solche Taten verantwortlich ser?“ Nachdem der Mini⸗ ster so den Attentäter von seinen Rockschößen glücklich abgeschüttelt hatte, wurde letzterer ja bekanntlich der Sozialdemokratie angehängt.
Ich denke, obige Tatsache allein schon gibt uns das Recht, dieses Geschenk dem gütigen Geber dankend zurückzustellen und mit Rücksicht auf seine Vorliebe für Bibelsprüche ihn dabei an das herrliche Wort zu erinnern, daß man erst den Balken im eigenen Auge merken sollte, ehe man den Splitter beim Nachbar sucht. Weil also den konfesstonellen Monopolbesitzern der Wahrheit auch die Simultanschule, die doch von unsern Zielen immer noch himmel weit ent⸗ fernt ist, schon zu viel Freiheit bedeutet, so soll auch sie nun wieder fallen. Konservative und Nationalliberale sind mit rührendem Eifer da⸗ bei, sie zu begraben, und das Zentrum steht dabei als lachender Zuschauer und— Erbe. Man kann ihm auch von Herzen gratulieren. Es hat eben Glück. Und in Regensburg sah man im Geiste auch schon die höheren Schulen und Universitäten wieder unter der„väter⸗ lichen“ Zuchtrute der Kirche. Ja, es ist eine herrliche Zeit, der wir anigezngoe werden! Man denke daneben an das Lippesche Erb⸗ folgegezänk, an die Schwierigkeiten der Paten⸗ schaft bei dem italienischen Kronprinzen, an den Streit wegen Benutzung eines Berliner Schul⸗ gebäudes durch eine freireligiöse Gemeinde ꝛc. Sind wir denn wirklich schon aus dem viel⸗ verspotteten„dunkeln“ Mittelalter heraus? Da⸗ bei ist die Schulfrage in den wichtigsten anderen Kulturländern längst klar gelöst. In den Ver⸗ einigten Staaten von Amerika, Italien, Eng⸗ land, Belgien, in der Schwetz ist niemand ver⸗ pflichtet, seine Kinder in den Religionsunter⸗ richt zu schicken. Frankreich und die Niederlande haben an der Schule überhaupt keinen Reli⸗ gionsunterricht. Nur bei uns in Deutschland, da wird immer noch„Religion gemacht“. Wir wiederholen dabei zum Schluß noch einmal: Wir haben nichts gegen das Christentum als solches, wir wissen, daß es von großer kultur⸗ geschichtlicher Bedeutung war, wir fühlen uns selbst vielfach gerade als Sozialdemokraten als echte Jünger jenes Menschenliebepredigers von Judäa. Seine Worte gegen den Mammon und gegen das Ottergezücht der Pharisäer sind uns recht aus tiefster Seele gesprochen. Wir achten den christlichen Arbeiter, der geistig und sittlich dem soztaldemokratischen nicht nachsteht, gewiß eben⸗ falls so, wie diesen. Aber die Art und Weise, wie offiziell das„Christentum“ bei uns zu Lande„gemacht“ wird, wie es direkt mißbraucht wird, um ganz andere Zwecke als christliche zu erreichen, wie es vor allem überall fast gegen jeden sozialen Fortschritt ausgespielt zu werden pflegt, das ist widerwärtig und unsittlich im höchsten Grade. Und diesen engherzigen und beschränkten Unteroffizieren der Kirche rufen entgegen:„Laßt eure ungeschickten Hände von der Schule!“ K. Wbr.
Sozialismus in der Kaserne. Ueber dieses Kapitel lesen wir in der
„Schwäbischen Tagwacht“:
Von Zeit zu Zeit halten es die obersten Leiter unserer deutschen Kriegsheere für geboten, den Staat und die kapitalistische Gesellschaft vor dem Sozialismus dadurch zu retten, daß sie unseren Söhnen im bunten Rock den„Be— fehl“ in Erinnerung bringen, der unter An⸗ drohung schwerer Strafen verbietet: das Lesen von sozialdemokratischen Schriften und Zeit⸗ ungen, das Einschmuggeln derselben in Kasernen, den Besuch von sozialdemokratischen Festen und Versammlungen, ja selbst jede sozialdemokratische Aeußerung am Kontrollversammlungstage, etwa das Singen eines Liedes mit sozialdemokratischer Tendenz in einem Wirtschaftslokal usw.
Es mag wirklich ein gräßlicher Gedanke für die herrschenden Klassen sein, daß diejenigen, auf welche sich seither die Kapitalistenklasse stützte, unsere Söhne in der Kaserne, darüber nachdenken könnten, ob der Militarismus, wie
J[Lippe⸗Biesterfeld gestorben.
man ihnen sagt, wirklich zu den„göttlichen Einrichtungen“ gehört, oder ob er nicht vielmehr eine kulturwidrige Institution sei. Und wie nahe liegt ihnen dann der Gedanke, ob es denn nötig sei, daß man sie von der Familie und ihrem Berufe losreißt und sie zwei und drei Jahre lang bei oft grausamem Drill unproduk⸗ tive Arbeit auf Rosten der Volksgemeinschaft zu verrichten zwingt. Ob es recht und mit den christlichen Geboten im Einklang sei, wenn mau von ihnen verlangt, eventuell auf Brüder und
Schwestern, ja selbst auf Vater und Mutter zu schießen. Solche Gedanken, wenn sie im Heere all⸗
gemein um sich greifen, bilden allerdings eine große Gefahr nicht für das Volk, sondern für die kleine Kapitalistenklasse, die sich zur Er⸗ haltung ihrer Vorrechte auf die Bajonette stü tz t. Und deshalb sucht ste solch„aufrühre⸗ rischen“ Geist mit allen Machtmitteln fern zu halten.
Vergebens! heißt es auch hier. Der So⸗ zialismus kann nicht mehr von der Kaserne ferngehalten werden, er steckt schon mitten drin. Jeder zum Waffendienst einberufene Sohn eines klassenbewußten Arbeiters, Handwerkers oder Kleinbauern schleppt ihn hinein. Und vom Sozialismus noch Unberührte werden durch den Drill und die Soldatenmißhandlungen auf ihn aufmerksam gemacht.
Kein Zweifel, unser Heer wird immer mehr vom sozialistischen Geist erfüllt, dafür sorgt schon die kapitalistische Entwicklung. Die großen Industriezentren liefern die sozialistischen Ba⸗ taillone und Regimenter. Einen Beweis liefert uns die kürzlich in der Schweiz beendete Truppen⸗ ba den den Zu derselben waren allein aus den großen Winterthurer e eee gegen 1000 Arbeiter eingezogen. inter⸗ thur ist eine Hochburg des Sozialismus, und man darf annehmen, daß 90 Prozent der Ein⸗ berufenen den„roten Katechismus“, d. i. das sozialdemokratische Parteiprogramm, gründlich kennen. Den kleinen Rest Indifferenter zwingt der Militarismus zum Nachdenken. Wir können ihnen lebhaft nachfühlen, wie ihnen zumute ist, wenn sie an Weib und Kinder denken und sich darüber den Kopf zerbrechen, wie der Verlust eines mehrwöchigen Arbeitsverdienstes wieder hereinzubringen ist.
Ganz so ist es bei uns. Mit jeder Einbe⸗ rufungsorder an unsere Söhne ergeht insbe— sondere in den großen Industriebezirken wie im Rheinland, in Sachsen der Befehl an den so ialistischen Gedanken sich in der Kaserne ein⸗ zufinden. Dagegen gibt es kein Mittel. Die Existenz ganzer sozialistischer Bataillone und und Regimenter ist keine Fabel mehr. Das wissen auch die Machthaber. Deshalb suchen ste den Geist des Sozialismus in den waffen⸗ pflichtigen Männern zu knicken und zu unter⸗ drücken, aber im Stillen regt er sich nur um so heftiger. Wir wissen ja aus den Erzählungen der vom großen Haufen ins„Zivilpack“ wieder Zurückgekehrten, welch„staatsgefährliche“ Ge⸗ danken oft in ihnen aufstiegen und wie revo⸗ 1 7 ihr Herz unter dem„Königsrocke“ chlug.
Es ist daher ganz überflüssig, sozialistische Jugendvereine für die Propaganda in der Kaserne zu gründen. Dank unserer ständigen intensiven Aufklärungsarbeit dringt der Geist des Sozialismus in immer weitere Kreise. Der Kapitalismus, der sich immer mehr kulturhem⸗ mend erweist, tut das übrige. So kommt wohl die Zeit, in der das Wort— wenn wir nicht irren— des Franzosen Talleyrand:„Auf die Bajonette kann man sich wohl stützen, aber nicht setzen“, sich auch insofern als hinfällig erweist, daß die herrschenden Klassen sich zur Erhaltung ihrer Vorrechte auch nicht mehr auf die Bajonette stützen können und der Soldat das ist, was er sein soll, ein Verteidiger der Rechte des Volkes.
Politische Rundschau.
Streit um einen Fürstenthron.
In Detmold ist der Grafregent Ernst zu Der geisteskranke
Fürst Alexander lebt noch, also tritt Ernsteus
Sohn Leopold als zweiter Grafregent die Herr⸗ schaft über das lippesche Reich an.
lich aber werden die dem Kaiser verwandten Schaumburger nicht die Gelegenheit vorüber⸗ gehen lassen, um ihr„gutes Recht“ auf den lippeschen Thron geltend zu machen. Wilhelm II. sandte denn auch dem Grafen Leopold schon ein Telegramm, in dem es heißt:„Da die Rechtslage in keiner Weise geklärt ist, kann tch eine Regentschaftsüber nahme Ihrerseits nicht anerkennen und lasse auch das Militär nicht vereidigen.“ Nun 1 5 also die armen Soldaten, ohne einen„heiligen Fahneneid“ herum. Die lippesche Regierung hält an der absoluten Souveränität des Staates und der Regentschaft des Grafen Leopold fest. Dem Volke kann es natürlich höchst gleichgültig sein, ob der Schaumburger oder der Biesterfelder Gottesgnadeptümler in Lippe spielt. Die sozialdemokratischen Abgeordneten im lippeschen Landtag haben denn auch eine Erklärung abgegeben, in der sie gegen fremde Einmischung protestleren, u. den auf grund der Dreiklassenwahl gewählten Landtag nicht als bie Vertretung des lippeschen Volkes an⸗ erkennen. Sie erklären weiter, daß ste jedem genügend entschiedenen Protest gegen die Ein⸗ mischung der Bückeburger Regierung und des Kaisers in die Angelegenheiten des lippeschen Volkes zustimmen.... Sie erklären aber ausdrücklich, durch diese Stellungnahme gegen Bückeburg auch nicht im geringsten irgend⸗ welche Rechte Biesterfelds anerkennen zu wollen. Am Montag hat der Landtag nun den Antrag der Kommisston angenommen, in dem Einsetzung eines ordentlichen Schiedsge⸗ richtes zur Entscheidung der Thronfolgestreitig⸗ keiten, vom Bundesrate verlangt wird.
Schulkon flikt in Berlin.
Zwischen der Berliner Stadtvertretung und der Staatsbehörde hat sich ein Streit darüber entsponnen, daß die 11 der Stadt ver- bieten will, die Turnhallen der Schulen sozia⸗ listischen, polnischen oder sonstigen Turn ver⸗ einen zur Verfügung zu stellen. Dabei ist die Stadt Besitzerin der Schulgebäude und man sollte meinen, es habe ihr niemand Vor— schriften darüber zu machen, an wen ste ihre Räume vermieten will. In der Stadtverord⸗ neten⸗Versammlung erhob sich dann auch leb⸗ hafter Protest gegen diesen Eingriff. Ob aber der Berliner Freisinn gegen die Regierung stand— halten wird, ist allerdings fraglich.
Das afrikanische Kolonial⸗Abenteuer
mit den Hereros führt zu immer größeren Schwierigkeiten und erfordert immer größere Opfer. Jetzt kommt die Nachricht, daß ein weiterer Volksstamm, der sich bisher als treuer Anhänger der Deutschen zeigte, die Witbois, sich ebenfalls im Aufstande befindet. Dadurch wird natürlich der Feldzug weiter in die Länge gezogen und das deutsche Volk muß tief in die Taschen greifen.
Zwei Reichstagsersatzwahlen.
Wie in voriger Nummer bereits erwähnt, findet auch im Wahlkreise Schwerin⸗Wis⸗ mar eine Ersatzwahl statt, weil der konservative Dröscher das Mandat niedergelegt hat und damit der Ungültigkeitserklärung durch den Reichstag zuvorkam. Die Ersatzwahl ist bereits auf den 23. November ausgeschrieben. Der Kreis ist für unsere Partei nicht ungünstig, in der Hauptwahl 1903 wurden 10 380 sozial⸗ demokratische und 13 496 gegnerische abgegeben;
in der Stichwahl siegte der Gegner mit nur
123 Stimmen Mehrheit. Als Kandidat ist von
unserer Seite der Genosse Antrick-Berlin
aufgestellt.— Weniger Aussicht besteht für uns in dem Wahlkreise Jerichow, wo die Ersatz⸗ wahl für Herbert Bismarck bevorsteht. Hier erhielten wir 8140 Stimmen, Gegner insgesamt fast 17000 aufbrachten. So⸗
zialdemokratischer Kandidat ist dort Stadtver⸗
ordneter Woigt⸗Magdeburg; ihm stehen ein
Junker, ein Antisemit, ein Nationalliberaler 5
und ein freistuniger Lehrer gegenüber.
So will es wenigstens der lippesche Landtag. Vermut⸗
während die
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