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Nr. 20.
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 7.
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leider nur allzu häufig betrunken umherwankte, seiner schwarzen struppigen Haare und seines das ganze Gesicht beschattenden Bartes wegen „der schwarze Meister“ getauft und dieser Name war allmählich Dorfgebrauch geworden. Alle Versuche, ihn dem Elend zu entreißen, blieben vergebens. Sein augenblicklich beim Mtlitär eingezogener Sohn, den die Großeltern zu einem tüchtigen Menschen herangebildet hatten vermochte wohl hin und wieder in lichten Augenblicken Einfluß zum Besseren anf ihn zu gewinnen, aber es war nicht möglich, ihn aus dem Dorfe fort in eine andere Umgebung zu bringen. Er brachte zu gewissen Zeiten hintereinander mehrere Nächte auf dem Grabe seiner Frau zu, wo er, das Gesicht zur Erde gewandt, die Hände in den Boden gekrallt, regungslos ausharrte, um hinterdrein dann wieder jeden erreichbaren Pfennig zu Fusel zu verwenden. Seitdem im verflossenen Herbst sein Sohn eingezogen worden, hatte sich sein Zu⸗ stan) verschlimmert und heute hatte er sogar dem Oberamtmann, den er bisher scheu ge⸗ neden, jene Worte zugerufen.
Aus seinen Sinnen wird der Oberamtmann geweckt durch den Eintritt des Amtsdieners Sträuber, eines robusten Mannes von etwa 45 Jahren, der die Hände an der Hosennaht, die Amtsmütze unter den Arm geklemmt, mit einem:„Der gnädige Herr befehlen?“ auf ihn zutritt.
„Sträuber, geh' er sofort in die Schenke und in den Gasthof! Ich befehle, daß dem schwarzen Meister als notorischem Trunkenbold keine Spirituosen mehr verabfolgt werden dürfen!“
„Zu Befehl, gnädiger Herr!“ Amtsdiener macht kurz kehrt.
und der
„Halt Sträuber! Noch eins. Wenn er es möglich machen kann, daß mir dieser Mensch nicht wieder vor Augen kommt, erhält er hun⸗ dert Taler.“
Der Amtsdiener horcht auf. Hundert Ta⸗ ler! Damit ist viel zu machen. Er hat eine große Familie und das Gehalt ist nur gering.
„Zu Befehl, Herr Oberamtmann! Was ich machen kann, wird gemacht!“
„Schön Sträuber. Nur darf nichts Unge⸗ setzliches geschehen.“
„Nein, gnädiger Herr!“
„Gut, er kann gehen!“
Der Amtsdiener geht, aber immer geht ihm im Kopfe herum: Hundert Taler! Wenn er den schwarzen Meister nicht mehr sieht.— Hundert Taler!— Zwei Tage später kommt Morgens 10 Uhr der Amtsdiener atemlos auf die Amtsstube gelaufen.
„Gnädiger Herr!— Melde gehorsamst, der schwarze Meister hat sich heite Nacht auf'm Friedhofe uffgehenkt!“
Der Oberamtmann fährt auf:„Was? Hat er da seine Hände iu Spiel gehabt, Sträuber?“
„„Nein, gnäd'ger Herr,“ entgegnete verschmitzt
lächelnd der Angeredete,„ich habe nur gestern mit der Mappe unterm Arm den schwarzen Meister aufgesucht und ihm erzählt, daß uns gemeldet sei, sein Sohn habe, weil er wegen Urlaubsüberschreitung Arrest bekommen sollte, sich im Rhein ertränkt.“
„Sträuber! Ist er denn toll? Das ist ja nicht wahr!“
„Weiß ich woll, Herr Oberamtmann—
aber— er sollte dem Herrn Oberamtmann.
nich mehr unter die Augen kommen, un— ich wußte, daß er davon den Rest kriegte.“
„Mann! Da it er ja indirekt zum Mörder geworden!“
„'s weiß ja niemand was dervon, gnäd'ger Herr“, lächelt verlegen der Amtsdiener.„Un — un's war ja— von wegen— der— hundert Taler!“
„Unverschämter! Marsch, sofort hinaus! Eigentlich müßte ich seine Niederträchtigkeit sofort der vorgesetzten Behöede melden.— Er soll's aber seiner tadellosen Führung zu danken haben, daß ich noch einmal Gnade für Recht ergehen lasse!“ s
Betrübt und mit scheuen Blicken entfernt sich der Amtsdiener. Statt Dank und hundert Taler muß er noch froh sein, daß er seine Stelle nicht verliert.
Humoristisches
Das Unmögliche. Wirtschafterin: Denken Sie nur, Herr Rat, gestern Abend hat Se. Exzellenz, dee Herr Minister, plötzlich seinen Geist aufgegeben!
Rat: Wachen Sie mir doch nichts weiß! Der hatte ja gar keinen!(„Südd. Postill.)
Kouragiert.„Ich soll den Alkohol fliehen— hat der Doktor g'sagt.... Lächerlich! Ich werd' mice) doch nicht vor so einem kleinen Glas Schnaps fürchten!“
Marktbericht.
Auf dem Wochenmarkt in Gießen kosteten am 10. Mai: Butter per Pfund Mk. 1,00— 1,10, Hühnereier 1 St. 5—6 Pfg., Käse pr St. 0—0 Pfg., Käsematte 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 6,00— 7,00 Mk., Weitkraut pr. Stck. 9— 12 Pfg., Zwiebeln per Ztr. Mk. 7,00— 10,00, Tauben per Paar 0,80 bis 1,00 Mk., Hühner per St. 1,30—1,40 Mk. Hahnen per St. 0,80— 1,70 Mk., Enten per St. 1,70 bis 2,20 Mk., Gänse per Pfd. 00— 70 Pfg.
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