Ausgabe 
13.3.1904
 
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Gießen, den 13. Mürz 1904.

11. Juhra.

Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.

Sonnt

Mitteldeutsche

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1 Juserate Die ögespalt. Bei mindesten s

in einer lichtvollen Entgegnung.

Sozialdemokratische Zollpolitik. In der letzten Zeit hat einFall Schippel

innerhalb unserer Partei einige Erregung her⸗

vorgerufen und schließlich hat sich auch die

Neeichstagsfraktlon mit dieser Sache befaßt, die

dabei zu dem Beschlusse kam, der weiter unten

wiedergegeben ist. Schippel hielt vor einiger

Zeit in Berlin einen Vortrag, in dem er in bezug auf die Zollpolitik Ansichten äußerte,

die mit der F der Partei in dieser Frage m

enischieden Widerspruch stehen. Schippel, hierüber interpelliert, erklärte, daß

er mißverstanden worden sei, er stehe in der

Zollfrage durchaus auf dem von der Gesamt⸗

partei vertretenen Standpunkte.

An den Vorfall schloß sich eine Zeitungs⸗ polemik, in der Kautsky Schippel nachwies, daß er schon früher in einer Broschüre ähnliche agrarische und den Parteigrundsätzen wider⸗

sprechende Ansichten geäußert habe, wie in

jenem Berliner Vortrage. Kautsky verlangte von ihm, daß er sich deutlicher erkläre, denn man könne nicht theoretisch eine Politik billigen, die man in der Agitation auf das Energischste bekämpfe. a

Nun ist es ja sehr erklärlich, daß in einer Dreimillionenpartei nicht über alle Fragen gleiche Meinung herrscht. Doch in den Hauptfragen, über gewisse Richtungslinien, dürfen Meinungs- verschiedenheiten nicht vorhanden sein und sind es bei den Massen auch nicht. Trotzdem sind Auslassungen, wie diejenige Schippels, geeignet, Verwirrung in den Parteikreisen anzurichten und unsere Agitation zu erschweren. Kommt doch sogar ein Parteiblatt, dieVolksstimme in Chemnitz dazu, der Brot verteuerungspolitik das Wort zu reden. In einem infolge des Falles Schippel in dem genannten Blatte ver⸗ öffentlichten Artikel des Genossen Enders leistet sich dieser am Schluß folgenden Satz:

Wir müssen den Mut haben, gegebenenfalls, d. h. sofern die Notwendigkeit unzweifelhaft nachgewiesen ist, durch amtliche Erhebungen, unter den Kautelen, die wir verlangen müssen, der städtischen Bevölkerung zu sagen: Es geht nicht anders, wir müssen dem Lan d⸗ wirt für ein Pfund Brot und Fleisch einen Pfennig Hei en

adur unten wir auch die politische

Freundschaft des Bauern gewinnen.

N Diese Anschauung begründet er auch damit, daß die Entlohnung der Landarbeiter viel⸗ fach davon abhängt, wie viel der Grundbestitzer verdient, und daß es keineswegs bewiesen sei, daß durch Getreidezölle die Löhne herab⸗ gedrückt werden. Dagegen wendet sich e

r weist darauf hin, daß natürlich von einem Herab⸗ drücken des Gel dlohns in der ganzen Zoll⸗ agitation nie die Rede gewesen sesl. Was be⸗ hauptet wurde, ist, daß die Lebensmittelzölle die Preise der Lebensmittel im Lande höher halten als in dem von Zoll freien Aus⸗ land, und daß auf diese Weise der Arbeiter im Inlande für sein Geld weniger erhält, als er sonst erhielte, daß sein Lohn demnach um den Betrag der durch den Zoll bewirkten Preis⸗ erhöhung gekürzt wird. Wenn man für dasselbe Geld weniger Nahrungsmittel beim Kaufmann erhält, so bedeutet das selbst bei gestiegenem Geldlohn eine Verschlechterung

der Lebenshaltung, gegen die die Arbeiter das Fehlen des Militarismus, was

sich energisch zur Wehre setzen müssen. Ebenso falsch das weiß jeder Arbeiter! ist die bon Enders aufgestellte(oder vielmehr von den Unternehmern entlehnte) Lohntheorie. Nicht davon hängt die Höhe des Lohnes ab, wie viel die Unternehmer verdienen, sondern von der Stärke und der Kraft der Arbeiterorgani⸗ sation. Wenn die Löhne der Landarbeiter ge⸗ stiegen sind, so hat das mit dem durch die Getreidezölle bedingten Mehrgewinn der Grund⸗ besitzer gar nichts zu tun. Die Lohnarbeiter⸗ schakt eines Landes bildet eine solidarische Masse, man kann nicht ein Stück von ihr will⸗ kürlich lostrennen. Die Industriearbeiterschaft aber hat unter ihr die Führung. Gegen die Arbeitslöhne in der In dustrie in die Höhe, so müssen sie allenthalben nachfolgen; sinken sie in der Industrie, dann sinken sie in allen Erwerbszweigen. Wenn die Löhne der Land⸗ arbeiter im letzten Jahrzehnt(von etwa 1890 bis 1900) in die Höhe gegangen sind, danken ste dies dem Vorbild der Industrie⸗ arbeiterschaft. An der Entwicklung der Industrie und der industriellen Arbeiterschaft sind die Landarbeiter aufs höchste interesstert. Diese Entwicklung wird aber durch hohe Preise von Lebensmitteln und Rohstoffen, also durch Agrarzölle, gehemmt.

An billigen Lebensmittelpreisen haben aber die Landarbeiter auch ein direktes Interesse, denn sie sind in weit größerem Maße Käufer als Verkäufer auf dem Lebens mittelmarkt. Ebenso interessiert sind sie endlich auch an niedrigen Grundrenten, da sie meist danach trachten, ein Stückchen Land für sich zu pachten. Je höher aber der Getreidepreis ist, desto höher steigt der Wert des Bodens und damit der Pachtzins die Grundrente.

Die Grundrente ist ein Erzeugnis der kapi⸗ talistischen Produktion in der Landwirtschaft. Der Großgrundbesttzer produziert entweder selbst kapitalistisch oder läßt durch seine Pächter pro⸗ duzieren. Der Ertrag seines Berriebs muß hinreichen, die Arbeitslöhne zu zahlen, das sonstige verbrauchte Kapital zu ersetzen und für das ganze angewandte Kapital den Profit ein⸗ zubringen, sonst läßt sich der kapitalistische Unter⸗ nehmer auf das Geschäft nicht ein. Es wirft aber, wenn das Gut verpachtet wird, auch noch einen Pachtzins ab. Einen entsprechenden Ueber⸗ gewinn will der Gutsbesitzer, wo er selbst wirt⸗ schaftet, ebenfalls haben, sonst wäre es ja pro⸗ fitabler, den Betrieb zu verpachten. Dieser Ueberschuß, der um so höher ist, je höher die Lebensmittelpreise und je stärker das Monopol des Grundbesitzes, ist seine Grundrente.

Der Nachweis für dieNotwendigkeit land⸗ wirtschaftlicher Schutzzölle, die Enders und Schippel in Gegensatz zum bloßenBereiche⸗ rungszoll stellen und als zulässig erklären, läßt sich nicht erbringen. Es gibt keine land⸗ wirtschaftlichenErziehungszölle. Gewiß leidet in industriell vorgeschrittenen Ländern die Land⸗ wirtschaft darunter, daß in den überseeischen Ländern die landwirtschaftlichen Produkttons⸗ kosten geringer sind. Der Vorteil des besseren Bodens wird aber so ziemlich wett gemacht durch den Nachteil der größeren Entfernung vom Markte. Aber dazu wird die überseeische Landwirtschaft allerdings noch begünstigt durch

dem Bauer seine Söhne läßt, und das Fehlen einer erheblichen Grundrente, wodurch die Bodenpreise niedrig sind. Diese beiden Ele⸗ mente sind die Hauptvorteile des überseeischen Landwirts. Will man den europäischen Land⸗ wirt seiner Konkurrenz gewachsen machen, muß man ihn in diesen Punkten seinen Konkurrenten gleich oder nahe stellen. Der landwirtschaftliche Schutzzoll wirkt aber in jeder dieser beiden Beziehungen den Bedürfnissen der Landwirtschaft entgegen. Als Finanzzoll liefert er hohe Erträge, die den Militarismus fördern, als Mittel, die Lebensmittelpreise hoch zu halten, hält er auch die Grundrente, also die Boden⸗ preise hoch. So wirkt er für die Landwirtschaft nicht als Erziehungs⸗, sondern als Verziehungs⸗ zoll, wie Kautsky mit Recht sagt.

Genosse Enders hält die Brot- und Fleisch⸗ zölle für ein probates Mittel, um die politische Freundschaft der Landbevölkerung zu kaufen, die angeblich an den hohen Lebensmittelpreisen interesstert ist. Aber unzähligemal ist bereits nachgewiesen worden, daß die große Masse auch der selbständigen Bauern vom Sinken der Lebensmittelpreise nicht getroffen wird. Den größten Teil ihrer Produkte verzehren sie selbst Milch, Eier, Kartoffeln, Kraut, Rüben, Schweinefleisch; und den größten Teil 7 Geldeinnahmen ziehen sie nicht aus dem Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten, sondern aus Lohnarbeit und andern Nebeneinnahmen. Sie kaufen mehr an landwirtschaftlichen Produkten, als sie verkaufen(namentlich Getreide), haben also durchaus kein Interesse an den Lebens⸗ mittelzöllen(besonders an den Kornzöllen). Sie haben aber auch gar kein Interesse an hohen Bodenpreisen, denn der Hauptmißstand, unter dem sie leiden, ist die Beschränktheit ihres Betriebes. Je niedriger die Bodenpreise, desto leichter können sie ihn erwerben. Um diese Schicht der Landbevölkerung zu gewinnen, dazu bedürfen wir also nicht der Lebensmittel, namentlich nicht der Getreidezölle. Vorteil von den Getreidezöllen hat nicht die Landwirtschaft, sondern ausschließlich der Großgrundbesitz. Den Nachteil aber trägt fast ausschließlich die Ar⸗ beiter schaft. Wenn die Wortführer der Agrarier und Brotverteuerer die Sache so hinstellen, als würde die Grundrente durch den Getreidezoll nur auf Kosten des Kapitalprosits gestärkt, so ist das grundfalsch. Das Produkt der Arbeit zerfällt unter kapitalistischer Wirt⸗ schaft in drei Teile: Arbeitslohn, Kapitalprofit, Grundrente. Je höher die beiden letzteren, desto niedriger der erstere und umgekehrt. Und Lohn und Profit zusammen können bei gegebenem Produkt nur wachsen auf Kosten der Rente, diese nur auf Kosten von Lohn oder Profit. Aber der Löwenanteil an diesen Kosten, sagt Kautsky mit Recht, wird stets auf das Prole⸗ tariat abgewälzt werden. Es ist der schwächere Teil, auf den man alle gesellschaftlichen Lasten am leichtesten abwälzen kann. Und die Kon⸗ kurrenz mit dem Weltmarkt, auf dem der billigere, nicht durch den Zoll verteuerte Lebens- mittelpreis herrscht und wo unsere exportierenden Industrien einen großen Teil ihres Absatzes suchen müssen, drängt den Kapitalisten aufs äußerste, das Lohnulveau im durch Lebens- mittelzölle belasteten Lande ebenso tief wie im