Nr. 50.
Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung.
Seite 7.
würde, die aber in dieser Umgebung höchst stil⸗ voll erscheint.
Bei unserem Eintritte springt sie ruhig auf den braunen Lehmboden und grüßt. Wir sind die ersten Gäste.
Bald aber beginnt ein starkes Schreieen vor der Türe, und es strömt herein.
In der Mitte einer Schaar rauchgeschwärzter Gestalten dreht sich das zierliche Schneiderlein, dem das Loch in der Brücke seinen Ursprung verdankt. Sie haben es unterwegs aufgelesen und der Meister geht keinem Trunk aus dem Wege.
„Jüdlach!“ sagt ein starker Bursch,„der Schneider trinkt heut' auf meine Kreide!“
a Der das spricht, ist erster Lakai des Hammer⸗
königs. Mit einer Riesenzange dreht und wendet er die glühenden Klumpen, die der Gestrenge bearbeitet. Eine Art Bewußtsein dieser Würde liegt auf seinem geschwärzten Gesichte. Seine Kameraden nennen ihn„Hammerklipp“. Er hat den größten Einfluß auf sie; er ist Soldat gewesen und trinkt keinen Branntwein. Lebte er in unserer Zeit, er läse auch die verhaßten Blätter der Arbeiter.
„Ihm zu Liebe hält der Jude ein dünnes, grünschillerndes Bier. Während er sich setzt, hat er die Dirne gefaßt, die sich am Tische zu schaffen macht. Er tut das mit jener Sicher- heit und Geübtheit, die— frei von Gemeinheit — gleichwohl verrät, daß ihm die Schöne leicht zu Willen ist.
Im nächsten Augenblick springt er auf.
„„Jüdlach, Deine Stube ist heute sehr frostig; der Schneider schlottert an allen Gliedern!“
Dabei faßt er den Tisch und trägt ihn an den Ofen, in dem ein kümmerlich Feuerlein murmelt. Bald sammelt sich um die heilige Flamme einträchtig das Völkchen.
Da sitzen die hohlwangigen Gestalten mit den trüben, entzündeten Augen. Wie lange 1 ste kein Waldesgrün, hörten keinen Vogel
ugen!
Aber Hammerklipp ließ keine trübe Stimmung aufkommen.
„Schneider, heut' bist Du mein Vogel; singe!“
Das Meisterlein, dem das Haar grau um die Schläfe hängt, zwinkert nach der Dirne, die sich ihrem Schatz gegenüber an den Ofen drückt und hebt an.
Es ist ein kläglich Tönen, das jetzt durch die Stube schwebt; ein Tönen, das der Sänger mit Geberden voll tiefen Gefühles begleitet.
„Ich bin schon manchen Schritt gegangen, Und um die Liebe zu erlangen;
Und aber ich hab' sie nie gekriegt,
Weil sie zu tief verborgen liegt.“
„Du armer Schneider!“ sagte Klipp im Ton des Bedauerns, indem er trinkt. Die Andern lachen. Aber der Meister droht der Dirne mit dem Finger.
„Ich weiß schon was dich hat verdrossen, Weil ich die Tür' hab' zugeschlossen, Und du konntest nicht herein,
Und das mag wohl die Ursach' sein!“
„Oh! oh!“ machten die Hörer. Aber der sangeskundige Meister schloß achselzuckend:
„Und wärst du nur allein gekommen, So hätt' ich dich herein genommen; Und aber zwei war'n mir zu viel,
Nur du allein, du warst mein Ziel!“
Ein lautes Gelächter lohnte den Vortrag; über den rauhen Stimmen der Männer schwebte das Kichern des Mädchens wie ein Täubchen.
Der Jude hustete.
„Schneider, das ist ein Meisterlied!“ rief Klipp;„wir wollen Dich grüßen dafür!“ Und er hebt den Schreienden hoch empor und trägt ihn im Zimmer umher.
„Klipp, nun ist an Dir die Reihe!“ meint der Schneider, als er auf sicherem Boden steht. Klipp reckt seinen großen Leib gewichtig.
„Schneider, wünsch' Dir das Unglück nicht auf den Hals!“ warnt er.„Wenn ich mich hören lasse, fällt uns der alte Bau über dem Kopfe zusammen.“
(Fortsetzung folgt.)
Allerlei.
Für die armen Soldaten. Bilder aus dem russischen„Roten Kreuz“.
Fürst Orlow(zum Generalquartier⸗ meister): Exzellenz, hier übergebe ich Ihnen ein Scheck auf eine Million Rubel für unsere armen Soldaten im fernen Osten.
Der Generalquartiermeister(zum Armeeoberzahlmeister): Gott segne den durch⸗ lauchtigsten Fürsten Orlow. Hier überreiche ich Ihnen eine halbe Million Rubel, die er mir soeben für unsere arme Soldaten im fernen Osten übergeben hat.
Der Armeeoberzahlmeister(zum Armeezahlmeister): Wenn das heilige Rußland
nur viele solche grozherzige Wohltäter hätte wie Seine Exzellenz den Fürsten Orlow. Sorgen Sie dafür, daß diese 250000 Rubel, die er für die Armee gespendet hat, ihrer Be— stimmung zugeführt werden. a
Der Armeezahlmeister(zum Korps— intendanten): Fürst Orlow geruhte für die Armee die hohe Summe von 100000 Rubel zu spenden, die ich Ihnen für leidende Soldaten Ihres Korps übergebe. Eine Bestätigung? Ich danke, es ist nicht nötig.
Der Korpsintendant(zum Unter- intendanten): Hier haben Sie 20000 Rubel für arme Soldaten. Spende des Fürsten Orlow.
Der Unterintendant(zum Regiments⸗ kommandanten): 901 das Regiment spendete Fürst Orlow 2000 Rubel, die ich Ihnen, Herr Oberst, hiermit übergebe.
Aus dem Regimentsbefehl: An Spenden sind eingelaufen: Eine Schachtel Scho⸗ kolade von Frau Muschin, drei wollene Hosen, Spender unbekannt, 1 Rubel von Exzellenz Fürsten Orlow.
Humoristisches.
Alles umsonst. Ich wünsche ein Bilderbuch für ein Kind von zwei Jahren!“—„Vielleicht ein un⸗ zecreißbares?“—„Nein— da strengt sich ja das arme Kind beim Zerreißen zu sehr an!“
Triftiger Grund. A.: Ich begreife nicht, weshalb der Zar nicht mehr Truppen nach dem Kriegs schauplatz entsendet? Da wäre doch das blutige Trauer— spiel sehr bald aus!
B.: So? Und wer soll den nachher daheim die Eisenbahnlinien bewachen, wenn der Zar mal reisen will?
(Südd. Postillon) ug. Steuerzahlen darf der Sozi, Zahlen, daß die Schwarte knackt, Darf die Glieder kühn verrenken Im Kasern⸗Paradetakt, Darf sein rotes Blut vergießen, Wenn ein Feind ins Land einbricht— Pflichten hat er zentnerweise, Aber Rechte hat er nicht. (Südd. Postillon,)
* Genosse Hug in Bant(Oldenburg) war von der Gemeindevertretung zum Orts vorsteher gewählt worden, er wurde jedoch, trotzdem er erklärt hatte, sich nur seinem Amte zu widmen und Agitattonsreisen nicht zu unternehmen, von der Regierung nicht bestätigt.
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