„ schranke einverleibt werden.
1 Nr. 37.
Gießen, den 11. September 1904.
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Die rote und die schwarze Internationale.
Zwar war es keine internationale Zusammen⸗ kunft, welche die Schwarzen in der Woche vom 21. bis 27. August in Regensburg abhielten, wie der internationale sozialistische Kongreß in Amsterdam, aber international im höchsten Grade ist die katholische Kirche, international ist der aus ihr hervorgegangene Ultramontanismus. Das Zentrum hat aber am allerwenigsten Ursache, die Sozialdemokraten wegen ihrer Inter⸗ nationalität anzugreifen. Die Sozialisten haben nicht einmal in einem Lande einen Oberen, dem sie gehorchen, viel weniger einen solchen für die ganze Erde. Sie richten ihre Handlungen nach den von ihnen selbst als richtig erkannten Grundsätzen und nach den jeweiligen politischen und sozialen Verhältnissen ihres Landes ein.
Entsprechend dieser Verschiedenheit zwischen der roten und der schwarzen Internationalen wirken in der sozialistischen Partei die Massen mit an dem, was die Parteileitungen auszuführen haben. Aus den Massen kommt der Impuls, kommen die Anregungen für die Parteiführer. Umgekehrt ist es bei den Schwarzen. Hier braucht man die Massen nur als Staffage und als Stimmmvieh. Das zeigt sich stets deutlich an den Katholikentagen, den Parteitagen des Zentrums. An äußerem Glanz und Pomp fehlt es dort nie, fragt man aber nach den positiven Leistungen, so kommt der Gefragte in Verlegenheit. Da reiht sich Rede an Rede,
Beifallklatschen an Beifallklatschen, das mit dem Gebahren der bestellten Claqueure im Theater eine verteufelte Aehnlichkeit hat. Widerspruch wird nicht geduldet, ja nicht einmal gewagt. Alljährlich werden dieselben Resoluttonen wieder⸗ holt, die pro forma an Kommissionen verwiesen werden, damit es den Anschein hat, als fände eine ernste Beratung statt. Jedenfalls erfährt niemand etwas, was in diesen Kommissionen vorgeht. Wie zu den militärischen Paraden schöne Anzüge von der Kammer geholt werden, um sie nach vollbrachter Tat hübsch säuberlich wieder der Kammer bis zur nächsten Parade einzuverleiben, so bringen die Zentrums führer zu ihrer„Heeresschau“ alljährlich, um die Arbeiter zu ködern, einige sozialpolitische Reso⸗ lutionen ein, die nachher wieder dem Akten. Ja, damit nicht enug, handeln die Zentrumsabgeordneten im
eichstag sehr oft gegen ihr eigenen Beschlüsse von dem Katholikentag.
Wie ganz anders geartet ist die„rote Internationale“! Wie ganz anders als der Regensburger Katholikentag verlief der inter⸗ nationale sozialistische Kongreß in Amsterdam. In Regensburg tote Formeln, künst⸗ liche Mache, mittelalterlicher Moder⸗ geruch. In Amster dam frisch pulsie⸗ rendes Leben, freie Aussprache und Kritik für alle Beteiligten, heilige, von in⸗ nerer Ueber zeugung getragene Sache, um welche gekämpft wird. Gewiß gab es auch in Amsterdam Kommisstons⸗ und Sektions⸗ sitzungen, das ist bei einem internationalen Kongreß, wo die Sprachenverschiedenheit so manche Schwierigkeit bereitet, nicht zu ver⸗ meiden. Aber diese Kommissionen tagten nicht
der wichtigsten Kommission, die, strittige Fragen hatte, besucht und über ihre öffentlich berichtet. Ehrlichkeit einer Pariei, der innern Schwäche, bösen Gewissens ist es dagegen, äußerlich so mächtige Partei wie schlossene Türen verkriecht. Recht konnte Bebel in der Kongreß habe die tung übertroffen.
Klärung geschaffen,
Arbeiter aller Länder,
zu wollen.
Kongreß wieder deutlich gezeigt.
Man schreibt uns aus dem Heyl“: Die rheinhessischen sog.
heim und Alzey gegen wahlreform hinzu weisen. den diese Provinz sich in jüngster Zeit dadurch zugezogen hat, ficht sie in ihrem„liberalen“ Selbstbewußtsein nicht im Geringsten an. Mit Recht natürlich! Denn wogegen man hier protestiert, ist ja nur der Umstand, daß Rhein⸗ hessen bei der neuen Wahlkreiseinteilung nicht mit entsprechender Zahl von Abgeordneten be⸗ dacht werden könnte. Die Grundforderung des direkten Wahlsystems aber stellt„natürlich“ unser„Liberalismus“— genauer National- liberalismus“— genau so ehrlich und aus innerster Ueberzeugung, wie jeder andere Libe⸗ raltsmus tun muß. In der Oppenheimer Protestversammlung zwar, die vor einigen Wochen stattfand, da klangen aus manchen Reden auch ganz andere Anschauungen und Stimmungen heraus, und es mußte einige Mühe darauf verwandt werden, die Debatte von jeder weitschauenden, grundsätzlichen Stel⸗ lungnahme in Wahlrechtsfragen fernzuhalten. Aber letzteres geschah„natürlich“ nur, um auch die wenigen Ausnahmen, deren Herz nicht so begeistert für das direkte Wahlsystem schlägt, wenigstens im Ansturm gegen jenen Wahlkreis⸗ geometrtefehler noch mitreißen zu können. Für
böse Zweifler, die aus der genannten Beschränk⸗ ung gleich wieder Verdächte herausschnüffeln möchten, hat die zweite Protestversammlung in Alzey noch entschtedener ihre—„Nichtfeindschaft“ — das direkte Wahlsystem ausgesprochen.
a Resolution von einer entschiedenen klaren Stel⸗
man auch da in der schließlich gefaßten
hinter verschlossenen Türen, ja, die Sitzungen
lung keine Andeutung macht, erklärt sich wohl
welche über in der Taktik zu entscheiden war stets von Hunderten von Zuhörern Verhandlungen wurde Es ist ein Zeichen von strotzender Gesundheit, vonüber zeugender wenn sie ihre in⸗ ternsten Angelegenheiten so vor aller Oeffentlich⸗ keit verhandelt. Das Merkmal der Haltlosigkeit, mit einem Worte des wenn sich eine das Zentrum mit ihren innern Angelegenheiten hinter ver⸗
Die Amsterdamer Tagung hat einen er⸗ hebenden, herrlichen Verlauf genommen. Mit seiner Schlußrede sagen, kühnsten Erwar⸗ Er hat eine gute Arbeit geleistet, er hat in den wichtigsten Fragen die die internationale Ar⸗ beiterschaft bewegen. Ohne Unterschied der Nation und Rasse gelobten die Vertreter der für ein Ziel, für das Ziel des völkerbefreienden Sozialismus wirken
Die Zukunft der Menschheit gehört dem Sozialismus, das hat der Amsterdamer
Aus Hessens„dunkler Ecke“.
„Königreich „Liberalen“ werden nicht müde, voller Stolz immer wieder auf die beiden Protestversammlungen in Oppen⸗ die geplante Landtags⸗ Der böse Beiname,
nichts klarer, sammlungen im weinfrohen Rheinhessen zu den flachsten politischen Ro mödien gehören, aufgeführt worden sind.
aus der„furchtbaren Selbstverständ⸗ lichkeit“ derselben bei den Nationallibe⸗ ralen, die nur ein paar Mißwollende ver⸗ kennen können. Mit wie hohem Stolze aber hat man doch in den Verhandlungen die Er⸗ innerungen aufgefrischt an jene großen wild⸗ bewegten Tage, wo gerade von Worms aus das Licht über ganz Deutschland ausstrahlte, wo Luther über alle kleinlichen und viele wahr⸗ haftig auch nicht kleinlichen Bedenken hinweg, den fen der nach Freiheit lechzenden Gewissen, seine dröhnende Stimme lieh. Und das wollen„gewiß“ die beiden Protestver⸗ sammlungen des rheinhessischen Liberaltsmus nur zeigen, daß jene großen Wagnisse und Kämpfe unserer deutschen Vergangenheit keines⸗ wegs der Gegenwart bloß zur Uebung redne⸗ rischer Künste zu dienen haben. „Was Du ererbt von deinen Vätern hast, Erwirb es, um es zu besitzen!“
Wir dürfen also sicher die kühnsten Hoff⸗ nungen an diese moderne„Protestanten“beweg⸗ ung knüpfen. Zunächst ist klar, daß jener Fehler der Wahlkreiseinteilung durchaus kein Stein sein wird, den der rheinhessische Liberalis⸗ mus dem freudig begrüßten Wahlreformgedanken in den Weg wirft, um ihn etwa gar darüber entgleisen zu lassen. Dazu, können wir beruhigt annehmen, steht ja nach all seinen Versicherungen auch ihm der allgemeine Fortschritt zu hoch über provinziellen oder gar parteipolitischen Rücksichten. Ferner ist dem klar Denkenden ebenso auch ohne sichtbare Beweise sicher, daß der rheinhessische Liberalismus dieses System der Wahlkreisgeometrie, dessen Schäden und Willkürlichkeiten er— seinem Wehgeschrei nach — unzweifelhaft am eigenen Leibe empfindlich verspürt, im Innersten verabscheuen und bis zum Untergang bekämpfen wird. Denn auch für ihn gibt es ja offenbar kein höheres poli⸗ tisches Ideal, als das der Gerechtigkeit, auf das er sich bei seinen eigenen besonderen Wün⸗ schen allein beruft. Und so wird er in Zukunft den Gedanken an das einzige allen Anforde⸗ rungen in dieser Hinsicht entsprechende Pro⸗ porttonalwahlsystem im begeisterten Glau⸗ ben an die Menschheit prüfend näher treten. Und wenn man drittens etwa zweifelnd fragte, ob bei letztgenanntem Wahlsystem gerade der Liberalismus rheinhessischer Färbung besonders gut gedeihen könnte, da würde er stolz ant⸗ worten, daß er Parteiegoismus nicht nur bei allen anderen, sondern vor allem auch bei sich selbst durchaus verwerflich finde.
Wie? Oder hätte ich den„tief sten“ Sinn unseres neusten„Protestantismus“ doch nicht ganz richtig erfaßt?
Aber lassen wir den Spott. Jedem ehrlich „liberal“, d. h.„demokratisch“ Denkenden ist als daß diese beiden Protestver⸗
die je
Die Sozialdemokratie im Reichstag.
(Fortsetzung.) Nicht minder als die Zolltariffrage übte der
große Erfolg der Sozialdemokratie bei den vorjährigen allgemeinen Reichstags⸗


