Ausgabe 
10.4.1904
 
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Nr. 15.

Mitteldeutsche Sonutags⸗geitung

Seite 7.

Schwimm langsam wieder zurück, meine Liebe, und laß mich mit diesem Manne allein. Ich schwamm fort, erschrocken, daß ich beinah das Ufer nicht wieder erreicht hätte, und bin dann heimgekehrt in der Erwartung, es würde etwas Furchtbares eintreten. 8 i Eine Stunde fpäter sagte mir Philipp leise im Korridor vor dem Salon, wo ich ihn getroffen:Gnädige Frau, ich stehe zu Ihrer Verfügung, wenn gnädige Frau etwa einen Brief zu besorgen haben. Da begriff ich, daß er sich verkauft hatte und mein Freund Käufer war. Und ich habe ihm Briefe zum Besorgen egeben, alle meine Briefe. Er trug sie

fort und brachte die Antwort zurück. Zwei

Monate lang ging das so. Wir vertrauten ihm, genau wie Du auch ihm vertrautest.

Und nun, Vater, höre was geschah. Eines Tages traf ich auf derselben Insel, wohin ich beim Baden geschwommen, aber diesmal ganz allein, Deinen Burschen. Der Mann hatte mir aufgelauert und sagte, er würde Dir alles 1 55 und Dir Briefe übergeben, die er zu⸗ rückbehalten, die er unterschlagen, wenn ich ihm nicht zu Willen wäre. O Vater! Vater! Da ergriff mich die Furcht, eine feige Furcht, eine empörende Furcht, vor allen Dingen vor Dir, der Du so gut bist, den ich betrogen. Dann Furcht für ihn, denn Du hättest ihn getötet. Furcht auch vielleicht für mich. Ach Gott, ich weiß nicht was, ich hatte den Verstand ver⸗ loren. Ich meinte, ich würde ihn noch einmal beruhigen, diesen Elenden, der mich auch liebte. Welche Schmach!

Wir sind so schwach, wir Frauen, daß wir eher den Kopf verlieren als ihr. Und dann, wenn man einmal gefallen ist, fällt man immer tiefer. Ich weiß kaum, was ich getan habe. Ich sah nur ein, Einer von Euch Beiden und ich mußten sterben. Und da habe ich mich die⸗ sem Kerl hingegeben. Du siehst, Vater, ich suche mich nicht zu entschuldigen. Dann, dann dann ist eingetreten, was ich hätte vorher⸗ sehen müssen: er forderte, wann er nur wollte, indem er mich immer wieder bedrohte. Und auch er wurde mein Geliebter wie der Andere alle Tage. Ist das nicht fürchterlich? Ist das nicht grausig, Vater!

Da habe ich mir gesagt, ich muß sterben. Nichts hätte mich reingewaschen, ich hatte mich zu sehr beschmutzt. Ich konnte nicht mehr lie⸗ ben, nicht mehr geliebt werden. Mir war es, als beschmutzte ich die ganze Welt, wem ich nur die Hand gab.

Ich werde jetzt mein Bad nehmen, und nicht wiederkommen. Dieser Brief an Dich geht an meinen Geliebten. Er wird ihn nach meinem Tode erhalten, wird nicht verstehen, was er bedeutet und wird ihn meinem letzten Wunsche gemäß Dir schicken. Und Du wirst ihn lesen, wenn Du vom Kirchhof wiederkommst. Lebewohl, Vater! Ich habe Dir nichts mehr 10 sagen. Tue was Du magst, und verzeih' mir.

Der Oberst wischte sich die Stirn, auf der Schweiß stand. Seine ganze Kaltblütigkeit, die Kaltblütigkeit, wie er sie in vergangenen Schlachten gezeigt, war plötzlich wieder über ihn gekommen. Er klingelte.

Ein Diener erschien.

Schicken Ste mir Philipp, sagte er.

19 9778 5 öffnete er das Fach seines Schreib⸗ es.

Der Bursche trat fast sofort ein, ein großer Soldat mit rötlichem Schnurrbart, verwegen, mit tückischem Blick.

Der Oberst sah ihm gerade ins Gesicht:

Du wirst mir den Namen des Geliebten meiner Frau nennen!

Abe Herr Oberst

Aus dem halb offenen Fach nahm der Oberst seinen Revolver:

Vorwärts, schnell. Du weißt, ich scherze

nicht.

Ader Sbeist es ist der Ritt⸗ meister Saint⸗Albert.

Kaum hatte er den Namen ausgesprochen, als das Feuer ihm in die Augen schoß und er niederschlug auf's Gesicht eine Kugel mitten in der Stirn.

An die Nationalen.

Ihr alle, die ihr treu und bieder seid, Und die ihr patriotisch uns verdammt, Und denen hinter'm scharfen Brillenglas Das blaue Auge in Entrüstung flammt,

Ihr hebt die Hände drohend gegen uns, Und schwarze Galle fließt euch ins Gemüt, Ihr sagt, daß uns die Heimatliebe fehlt, Die euch so deutsch in tapfern Herzen glüht.

Ich bitte euch, ihr Männer guter Art, Wenn ihr das Vaterland so brünstig liebt, Warum ist keiner unter euch so deutsch, Daß er der Wahrheit furchtlos Ehre giebt,

Wenn unserm Land von oben Schaden droht? Macht euch nicht schamrot der verdiente Hohn, Der in dem Lächeln unsrer Nachbarn liegt?

Was steht ihr feige schweigend vor dem Thron?

Sagt doch ein Wörtchen! Sagt, was jeder denkt! Fällt euch das Deutschtum in das Hosenbein? Und seid ihr bieder auch beim Festkommers,

In Fürstensälen könnt ihrs nimmer sein.

Theaterhelden, schert euch fort! Und wenn

Nur einem unter euch die Feigheit schwand,

Dann sei das Predigen euch gern erlaubt,

Dann schwätzt uns wieder von dem Vaterland. Peter Schlemihl im Simpl.

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Splitter.

Den Schweiß stellten die Götter vor die Tugend. Hestod.

*

*

Unser Reden von Humanität ist unerquick⸗ lich ohne Tat. Es ist unendlich schwerer, einen einzigen Menschen glücklich zu machen, als ein ganzes Leben lang für die Menschheit schwärmen.

Otto Ludwig. * 95*

Vielleicht überzeugt man sich bald, daß es keine patriotische Kunst und patriotische Wissen⸗ schaft gebe. Goethe.

E Wer unter Heimatliebe nur Zuhausehockerei versteht, wird der Heimat nie froh werden und sie wird ihm leicht nur zu einem Sauerkrautfaß! Gottfried Keller.

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Humoristisches.

Erklärt.Peinlich sauber ist's bei dem Schlächter Klauer, das muß man sagen; nicht ein Stäubchen hab' ich in der Wurstküch' bemerkt!Iq, das kommt alles mit in die Wurst!

Aus der Kinderstube. Mila und Friedel werden gebadet. Der kleine Junge betrachtet sich auf⸗ merksam von Kopf bis zu Fuß und stellt dann die nachdenkliche Frage:Mama, wozu ist denn der Nabel da?Zur Verzierung! antwortet schlagfertig das sechsjährige Mädchen.

Gewitzigt. Frau(zum Dienstmädchen):Anna, der Doktor kommt! Ziehen Sie rasch die Jalousie in die Höhe, sonst bringt er wieder einen Nachtbesuch in Anrechnung!

. Geschichtskalender.

10. April. 1898: Wahlaufruf der sozialdemo⸗ kratischen Reichstagsfraktion veröffentlicht,

11. 1825: Ferdinand Lassalle,*. Napoleon I. dankt ab.

12. 1891: Kühnemänner⸗Komplott gegen Metall⸗ arbeiter enthüllt.

13. 1903: Holländischer Generalstreik zusammen⸗ gebrochen.

14. 1900: Eröffnung der Pariser Weltausstellung durch Millerand. 1865: Abraham Lincoln, nordameri⸗ kanischer Präsident, ermordet.

15. 1881: Nihilistin Sofia Perowskaja und 3 Genossen in Petersburg gehenkt.

16. 1863: Lassalles Auftreten vor Leipziger Ar⸗ beitern.

*

1814:

Marktberichte.

Viehpreise in Frankfurt am 5. April(Amtl. Notier.): pr. 100 Pfd. Schlachtgew. Och sen: a. vollfl. ausgem. bis 6 Jahre Mk. 69 71, b. junge fleischige, nicht ausgem, ältere ausgem. 65 67, c. mäßig gen. junge. gut genährte ältere 6063, Bullen: a. vollfl. höchst, Schlachtw. 60 62, b. mäßig gen. jüngere und gut gut geu. ältere 5758. Färsen: a. vollfl. ausgem. höchsten Schlachtw. 60 62, b. vollfl. ausgem.

Kühe höchsten Schlachtw. 5759, c,. ältere ausgem. Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 4446, d. mäßig gen. Kühe und Färsen 41 bis 43. Bezahlt wurde für 1 Pfund Kälber: a. feinste Pfg. 8486, b. mittlere 7884,. geringe Saugkälber 6366, d. ältere gering gen. Kälber (Fresser) 00.00. Schafe, Mastlämmer und jüngere Masthämmel, 70 72, b. ältere Masthämmel 60 64. Schweine: a. vollfl. der feineren Rassen 52 00, b. fleischige 51 52, C. gering entwickelte, sowie Eber 44 46 Pfg.

Empfehlenswerte sozialistische Schriften.

Die Kolportage⸗Kommisston des Wahlvereins Gießen, Wirtschaft Orbig empfiehlt:

Sozialistische Monatshefte. Jeden Monat ein zirka 80 Seiten starkes Heft. Preis pro Heft 50 Pfg.

Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon, Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. die Nummer.

Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft. à 10 Pfg.

Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg.

Die Volksschule wie sie sein soll. Von Otto Rühle. Preis 30 Pfg.

Die innerpolitischen Zustände des deut. schen Reiches und die Sozialdemokratie⸗ Von Gg. v. Vollmar. Preis 20 Pfg.

Grundsätze und Forderungen der Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky und Bruno Schönlank. Preis 10 Pfg.

Enthält eine kurzgefaßte, allgemein verständliche Er⸗ läuterung des Erfurter Programms. Muß jeder Genosse besitzen!

Handelspolitik und Sozialdemokratie. Von Karl Kautsky. Eine populäre Darstellung der handelspolitischen Streitfragen. Preis 30 Pfg.

Christliche Arbeiterpflichten. Jesuitische Fragen und sozialdemokratische Antworten. Preis 20 Pfg.

Die agrarische Gefahr. Von Paul Göhre. Der Verfasser schildert in gemeinverständlicher Sprache die einseitige agrarische Interessen⸗Bewegung von ihrer Entstehung bis zu ihrer heutigen das Volkswohl ge⸗ fährdenden Macht und legt dar, wie allein die sozial⸗ demokratische Bewegung die letzten Ziele dieser Bewegung des Junkertums und seiner Anhängsel verhindern kann. Preis 20 Pfg.

Lohnarbeit und Kapital. Separatabdruck aus der Neuen Rheinischen Zeitung vom Jahre 1849 von Karl Marx. Preis 20 Pfg.

Christentum und Sozialismus. Bebel. Preis 10 Pfg.

Diese religiöse Polemik zwischen unserm Genossen und dem Kaplan Hohoff fand bereits in den Jahren 1873/74 statt. Der Inhalt des Schriftchens ist aber noch heute durchaus zeitgemäß.

Die Vernichtung der Sozialdemokratie durch den Zentralverband deutscher Industrieller. Preis 20 Pfg.

Die Agrarfrage. Von Karl Kautsky. Eine Uebersicht über die Tendenzen der modernen Landwirt⸗ schaft und die Agrarpolitik der Sozialdemokratie. Preis brosch. 5 Mk., gebd, in Leinwand 6.50 Mk.

Wilhelm Liebknecht. Sein Leben und Wirken. Unter Benutzung ungedruckter Briefe und Aufzeichnungen. Herausgegeben von Kurt Eisner Mit Porträts und Abbildungen. Preis 3. Pfg.

Sozialdemokratie und Zentrum(Arbeiter⸗ versicherung und Zentrums politik). Preis 20 Pfg.

Der Umsturz im Reichstage.(Die Kämpfe um den Zolltarif.) Preis 20 Pfg.

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Bernstein und das Sozialdemokratische Programm. Von Karl Kautsky. Eine Anti⸗ kritik. Preis brosch. 2 Mk.

Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie. Von Ed. Bernstein. Preis brosch. 2 M.k

Das Erfurter Programm. Von Karl Kautsky. Preis brosch. 1.50 Mk., gebd. 2 Mt.

Sozialdemokratisches Reichstagshandbuch. Von Max Schippel. Ein Führer durch die Zeit⸗ und Streitfragen der Reichspolitik. In 37 Lieferungen A 20 Pfg. Gebunden 2 Mk.

Die katholische Kirche und die Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky. Der Verfasser giebt in der kürzlich erschienenen Broschüre eine historische Darstellung der ökonomlschen und politischen Grundlagen der katholischen Kirche und skizziert die prinzipielle und taktische Stellung, welche die Sozialdemokratie ihr gegen⸗ über einnimmt. Preis 30 Pfg.(Agttationsausgabe.)

Städteverwaltung und Munizipal⸗Sozi⸗ alismus in England. Von C. Hugo. Preis brosch. 2 Mk., gebd. 2.50 Mk.

Von A.