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kraten sich der Unterdrückten annehmen. dem Grubendirektor Vahlensiec allerdings hat
Nr. 27.
Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung.
Seite 5.
Stiftung sfest in der Gartenwirtschaft von Philipp
Weber V. Das Fest beginnt um 3 Uhr nachmittags
und es wird ein Eintrittsgeld von 20 Pfg erhoben. Wer von den Lesern unseres Blattes in Gießen, Heuchel⸗ heim, Krofdorf und Umgebung einen Ausflug nach der mit Naturschönheiten reich bedachten Gegend unternimmt, sollte Gelegenheit nehmen, das Fest des Arbeitergesang⸗ vereins zu besuchen.
Aus dem Rreise Dillenburg⸗ Herborn.
m. Politische Versammlungen in Schul⸗ sälen. Dr. Burckhardt, der christlich⸗soziale Reichstags⸗ abgeordnete für den 5. nass. Wahlkreis, hielt kürzlich im Westerwald Agitations⸗Versammlungen ab. Wie
uns nun aus Herborn mitgeteilt wird, benutzt Herr
B, als Versammlungs⸗Lokale frisch und frei die Schul⸗ säle, z. B. in Lie benscheid. Es ist zwar in Preußen ausdrücklich verboten, Schulsäle zu politischen und reli⸗ giösen Versammlungen zu benutzen, aber solche Kleinig⸗ keiten genieren fromme Leute nicht. Vielleicht macht die Regierung dem Schulvorstande in Liebenscheid(dessen Vorsitzender ein Pfarrer ist), klar, daß derartige Ver⸗ fügungen auch für die Christlich⸗sozialen so gut wie für andere Parteien gültig sind. Oder wollen die Lieben⸗
scheider Herren den Schulsaal auch an Liberale, Sozial⸗
demokraten usw. abgeben?
* Einen Raubanfall haben einige bei dem Herborner Bahnbau beschäftigte Kroaten zwischen Uckersdorf und Burg ausgeführt und einen jungen Burschen 150 Mk. abgenommen. Zwei der Uebeltäter wurden verhaftet. Der⸗ artige Elemente zieht Unternehmer ⸗Profitgier in's Land, während deutsche Arbeiter ohne Beschäftigung sind.
Langenaubach. Der Artikel der „Miteldeutschen“ in Nr. 20 ist nicht ohne Er⸗ folg geblieben. Gewissermaßen aufatmend wurde allgemein anerkannt, daß nur die Sozialdemo⸗ Bei
der wahrheitsgemäße Bericht wie eine Bombe eingeschlagen. Erst ließ er durch seine„willigen“
Organe verkünden, daß er die ganze Redaktion
und den angeblichen Artikelschreiber vor den Kadi zitieren wolle und schon Klage eingereicht
habe.— In Wirklichkett mußte er aber in
ohnmächtiger Wut schweigen, als ihm auch von seinem Obersteiger bestätigt wurde, daß die Lohnabzüge ja nur auf direktes Geheiß des Direktors gemacht waren. Seinen Zorn übte er nun an den beiden Arbeitern aus, die ent⸗ lassen wurden, auch der Obersteiger mußte
weichen. Direktor Vahlensiec scheint sich über⸗
haupt als König von Kalkarabien zu betrachten. Er hat einen Fischweiher angelegt und schneidet dadurch den Wiesenbesitzern das Wasser ab, die nun gegen ihn vorgehen und ihr Recht suchen müssen. Der entlassene Obersteiger hatte grüne
Erde gefunden, sofort läßt V. mit einem Raffi⸗
nement sondergleichen die Wiesen für ein Sünden⸗
geld erschachern, weil er angeblich einen Weg
bauen will. Die Leute bekamen aber noch rechtzeitig vor der Beurkundung Wind und erzielten dann einigermaßen anständige Preise. Ein Wirt, der sich nicht glücklich preist, daß er seine Wiese an die Grube verkauft hat und mehrmals auf Zahlung dringt, wird boykottiert, ebenso ein anderer Wir, der im Gemeinderat die Interessen seiner Mitbürger und nicht die der Grube vertritt. Ein in des Direktors Fahrwasser schwimmender Vater eines Gemeinde⸗ rats erklärte, sein Sohn müsse für Vahlensiec stimmen, weil dieser demselben viel Oel ab⸗ kaufe! Vahlensiec will nun seinem ramponierten Ansehen wieder Glorienschein verschaffen und seinen Arbeitern ein Fest geben, wo wahr⸗ scheinlich den armen Proleten Gelegenheit gegeben wird,„grubenverwaltlich“ ihre Un⸗ zufriedenheit mit dem Dämon Alkohol zu stillen. — Mit nur 10 Pfennig Lohnerhöhung pro Schicht würde ihnen besser gedient sein, als mit einer Rede, Bier und Wurst im Gesamt⸗ betrage von höchstens 1,20 Mk. pro Kopf, gleich einem täglichen Lohnzuschlag von/ Pfg., abgefüttert zu werden.
Aus dem RNreise Marburg⸗Rirchhain.
r. Wahlverein. In der letzten Sitzung besprach zunächst Gen. Dr. Michels die politischen Ereignisse der letzten Zeit. Nachdem er zunächst einen kurzen Ueberblick über die italienische Sozialdemokratie gegeben hatte, besprach er den Schiedsspruch über den Gen. Dr. Braun, sowie den Fall Mirbach. In der darauf
stattgefundenen Diskussion wurde noch der Saarbrücker Prozeß und der dabei festgestellte empörende Terrorismus der nationalliberalen Bergverwaltung besprochen, sowie die abgelehnte Begnadigung des wegen Wahlfälschung verurteilten pommerschen Rittergutsbesitzers Käding.— Nach erfolgter Aufnahme von 5 neuen Mitgliedern teilte der Vorsitzende mit, daß der Parteivorstand den Anschluß Marburgs an die Frankfurter Provinzialkommission gutgeheißen habe.— Schließlich wurde noch mitgeteilt, daß sich etliche„Genossen“ an dem Festzuge der Kriegerkammeradschaft beteiligt und bei Vor⸗ stellungen mitgewirkt haben sollen. Eine dreigliederige Kommisston soll die Angelegen beit untersuchen und event. den Ausschluß der Betreffenden beantragen.
r. Ende dee Maureraussperrung. Durch erneutes beiderseitiges Verhandeln wurde die Aussperrung am Donnerstag beendet. Die Unternehmer erklärten schriftlich, daß in diesem Jahre 38 Pfg. Stundenlohn uud vom 1. April 1905 ab 40 Pfg. gezahlt werden sollen. Ferner wurde die 10stündige Arbeitszeit und einige nebensächlichen Forderungen bewilligt. Obwohl auch die Forderung: Maßregelungen dürfen nicht statt⸗ finden, unterschrieben wurde, machten einige Unternehmer Schwierigkeiten und weigerten sich besonders, die Mit⸗ glieder der Lohnkommission einzustellen. Da infolge dieser Haltung der Ausstand anfs neue auszubrechen drohte, gaben die Unternehmer nach und der Kampf hat nach 4½ wöchentlicher Dauer sein Ende und die Ar⸗ beiter eine kleine Besserung ihrer Lage erreicht. Die Mehrzahl der Maurer hat jetzt einen Mehrverdienst von 2—3 Mark pro Woche.— So haben auch die Mar⸗ burger Maurer gezeigt, daß nur eine gute Organisation die Interesse der Arbeiter vertreten kann. Treu zum Verbande halten; das muß auch in Zukunft die Losung für jeden Maurer sein!
— Gebildete Jugend. Mehrere Studenten machten sich das„Bergnügeu“, die Reklamemauer mit Farbe zu beschmieren. Sie wurden dabei erwischt und ihre Personalien von der Polizei festgestellt. Das dürfte aller⸗ dings einen teuren Spaß geben, aber außerdem zeigen solche Bubenstreiche die Bildung dieser Herrchen aufs deutlich ste.
X. Aus der Gemeinde schreibt man uns:
Sonderbare Käuze sind„unsere“ Gemeindevertreter in der ersten und zweiten Klasse. Im Frühjahr starb ein Gemeindevertreter der 3. Klasse. Da man es nicht für nötig fand, eine Ersatzwahl auzuberaumen, stellte ein Gemeindevertreter von der 3. Klasse einen dahingehenden Antrag. Allein die Manschettenbauern der 1. und 2. Klasse wollten davon nichts wissen und stimmten gegen den Antrag mit der Motivierung nieder, eine Wahl sei nicht notwendig! So wirds hier gemacht, was den „besseren“ Herren nicht paßt, wird einfach nieder ge⸗ stimmt. Leider haben sich bisher die Wähler der 3. Klasse um die Gemeindeangelegenheiten sehr wenig be⸗ kümmert. Hier, wo die Mehrheit der Einwohner Ar⸗ beiter und Kleinbauern sind, wäre es ein Leichtes, tüchtige Vertreter in das Gemeinde⸗Parlament zu send en, die den Herren der 1. und 2. Klasse mal die Wahrheit sagen zu können.
Deshalb Achtung bei der nächsten Wahl.
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Kleine Mitteilungen.
n Unfall. In Burgsolms stürzte ein Weiß⸗ binderlehrling vom Gerüst und verletzte sich schwer.
* Die Polizeiflinte. Bei Baukau im Be⸗ zirk Essen wurde ein Bergarbeiter, der bei seiner Verhaftung flüchtete, von einem Polizeibeamten e r⸗ schossen. Der Gebrauch der Schußwaffen sollte der Polizei untersagt werden. Ebensogut hätte ein anderer Mensch getroffen werden können und übrigens ist es unerhört, in der Weise Menschenleben, vielleicht wegen einer Bagatelle zu gefährden.
k Bergarbeitertod. Auf der Zeche„Bruch- straße“ bei Essen wurde der Bergmann Knepper durch hereinbrechende Kohlenmassen verschüttet. Auf der Zeche„Prosper“ stürzte der Bergmann Weiner in den Schacht. Beide waren sofort tot.
l Wieder ein frommer Sünder. Das Schwurgericht in Düsseldorf verurteilte den Fabrikbesitzer Weyermann wegen Unterschlagung von Kirchengeldern unter Annahme mildernder Umstände zu vier Monaten Gefängnis.
* Große Unterschlagungen beging die Buch⸗ halterin Fretwurst bei der Firma Fett jr. in Mainz. Die Höhe der Veruntreuungen soll sich auf 10000 Mk. belaufen. Wenn das der Geschäftsinhaber nicht merkt!
Hochgeboren e Radauhelden.
Zu einem blutigen Streit kam es vor einiger Zeit in Hannover zwischen Reserveoffizieren und Schutzleuten. Freiherr v. Bodenhausen, Hauptmann v. Besser, Direk⸗ tor Heye und ein gewisser Rheingeld kamen
Ockershausen
von einer in Hannover stattgefundenen Offt⸗ zierswahl. Sie waren natürlich besoffen, mach⸗ ten Parademarsch nach dem Bahnhofe und brüllten dabei fürchterlich. Die Schutzleute, welche ste zur Ruhe ermahnten, wurden be⸗ leidigt und geprügelt. Deshalb mußten die Beamten von der Waffe Gebrauch machen, wo⸗ bei der v. Bodenhausen eine klaffende Kopf⸗ wunde davontrug.—„Die Sozialdemokratie verroht die Massen“ sagen die Herrenhäusler und die Ordnungsblätter.— Wie später noch bekannt wurde, hat der Edle von Bodenhausen schon früher wegen ähnlicher Ausbrüche nur um seiner ungebändigten Kampfesfreude Strafen erlitten. Er kann also mit gewissen Elementen der Großstadt in Konkurrenz treten.
Angenehmer Ordnungshüter.
In Crottendorf bei Annaberg in Sachsen wurde der Gemeindekassierer vom Polizei⸗ wachtmeister Schramm mit einem Beile erschlagen, worauf der Mörder mit vielem Geld flüchtete. Die grausige Tat hat der Mensch im Gemeindeamte, das er allein bewohnte, abends nach Schluß der Dienststunden verübt, als der Kassierer nur noch allein anwesend war. Es wurde festgestellt, daß der Raub⸗ mörder die Gemeinde und die Sparkasse um 5763.14 Mk. bestohlen hat. Schon vor fünf Jahren hatte man den Wachtmeister im Ver⸗ dacht, einen Einbruch bei der Gemeindekasse verübt zu haben, trotzdem haben ihn die biedern Gemeindeväter nicht zum Teufel gejagt, er wurde von dem damaligen Gemeindevorstand Weigelt, der jetzt noch wegen Unterschlagung im Gefängnis sitzt, in Schutz genommen.— Schramm, der sich nach neueren Nachrichten ersäuft haben soll, war ein fanatischer Sozialisten⸗ hetzer und schtkanierte unsere Genossen, wo er
(Fortsetzung auf Seite 6.)
Partei-Uachrichten. Zur Laudeskonferenz in Pfungstadt.
Hierdurch machen wir die Genossen, die als Delegierte gewählt sind, nochmals darauf aufmerksam, daß sie sich wegen Nachtquartier rechtzeitig an den Genossen Georg Raab, Zigarrenarbeiter, Pfung⸗ stadt wenden, damit Vorsorge getroffen werden kann.
Offenbach, 27. Juni 1904. Das Landeskomitee.
Wahlkreis Friedberg⸗Büdingen! Den Parteigenossen zur Nachricht, daß die General⸗ versammlung des Kreis⸗Wahlvereins am Sonntag, den 10. Juli morgens 10 Uhr in Vilbel im Gasthaus „zur Lilie“ stattfindet.
Ein Parteischiedsgericht hatte am 10. Juni über die Sache gegen den Genossen Dr. Heinrich Braun zu befinden. Es fällt folgender Spruch:
„Das Schiedsgericht ist nicht zu der Ueberzeugung gekommen, daß Genosse Dr. Braun sich eines groben Verstoßes gegen die Grundsätze des Parteiprogramms, noch einer ehrlosen Handlung schuldig gemacht hat, der Antrag des Genossen Freiwald auf Ausschluß des Ge⸗ nossen Dr. Braun aus der Partei wird hiermit ab⸗ gelehnt.“
Das Schiedsgericht hat indessen dem Genossen Braun schärfsten Tadel, Mißbilligung und scharfe Rüge wegen verschiedene Handlungen, die den Gegenstand der Anklage bildeten und seines Vorgehens auf dem Dresdener Parteitage ausgesprochen. Im Anschluß daran erließ der Parteivorstand eine Erklärung, in der er die Partei⸗ genossen ersuchte, Streitigkeiten in sachlicher und ruhiger Weise auszutragen. N
Unser diesjährige Parteitag findet am Sonntag, den 18. September, und folgende Tage in Bremen statt. Die Tagesordnung wird demnächst bekannt gegeben.
Versammlungskalender. Samstag. den 2. Juli. Gießen. Wahl verein, Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Sonntag, den 3. Juli. Lauterbach. Sozialdemokrat. Wahlverein. Nachmittags 3 Uhr Versammlung bei Keutzer. Büdingen. Sozilald. Wahlverein. Nach⸗ mittags 3½ Uhr Mitglieder⸗Versammlung auf dem „Wilden Stein“. Diens tag, den 5. Juli. Gießen Gewerkschaftskartell. Sitzung bei Orbig.
Abends 9 Uhr
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