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Seite 6.
Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.
Nr. 14.
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bAUnterhaltungs-Ceil. 7 4 7 aan— 8 3
Osterabend im Vorse.
Von Sigmund Schwartz.
Es war Osterabend. Weit und breit waren nichts als Felder und Wiesen zu schauen. Ein Same rieselte seit Stunden vom grauen Himmel hernieder und verwandelte den Weg, auf dem ein junger Mann fürbaß schritt, in einen grundlosen Sumpf. Der Wanderer war in dünner Kleidung und trug ein kleines Ränz⸗ chen auf dem Rücken, einen sogenannten Berliner. Er war offenbar ein Handwerksbursche. Der deutsche Handwerksbursche kommt bekanntlich überall hin, und der berühmte Reisende von Schlagintweith ist sogar auf dem Himalaya⸗ gebirge einem solchen begegnet.
Unser Handwerksbursche hatte sich offenbar 1 und den Weg zur nächsten Stadt ver⸗ oren. N
„Verdammt!“ murmelte er, sich die Hände reibend,„gibt es denn hier gar keine mensch⸗ lichen Niederlassungen?
Wiederum schritt er vorwärts, und endlich sah er die Spitze eines Kirchturms aus einem seitwärts liegenden Talgrund emporragen.
„Endlich!“ sagte der Wanderer, und seine bleichen Wagen röteten sich etwas, als er aus⸗ holte, um das langersehnte Dorf zu erreichen.
Bald schritt der Wanderer wohlgemut in die Dorfstraße hinein. An solchem festlichen Abend konnte es ja nicht schwer sein, bei mild⸗ tätigen und reichen Bauern, und solche schienen in dem stattlichen Dorfe zu wohnen, ein Unter⸗ kommen zu finden bis zum andern Tag. Denn unser Held war, wie wir im Vertrauen mit⸗ teilen wollen, ganz von Mitteln entblößt.
Heute sollte er aber erfahren, daß die reichsten Bauern nicht immer die mildtätigsten sind.
Er kam an einem Brunnen vorüber, wo einige plaudernde Mägde seinen Gruß scheu erwiderten und ihm neugierig nachsahen; dann blieb er vor einem Bauernhof stehen. Sollte er es hier wagen und um einen Imbiß und ein Nachtlager, wenn auch nur auf dem Heu⸗ boden, bitten?
Er wagte es und trat schüchtern ein. Eine alte Frau mit roten Wangen und weißem Haar saß an einem Tisch und schälte Kartoffeln. Ste hieß den Fremden auf der Ofenbank Platz nehmen, sich zu wärmen.
„Ihr kommt weit her?“ sagte ste.
„Ja,“ meinte er,„zehn Stunden ohne Aufenthalt unterwegs.“
„Und hungrig und durstig seid Ihr auch?“
„Allerdings,“ meinte er schüchtern,„seit gestern Abend——“
In diesem Augenblick ging die Tür der anstoßenden Stube auf und ein Mann trat ein mit derben Zügen, rotem Gesicht und einer herrischen Haltung.
„Aha,“ segte er,„ein Landstreicher! Was will Er hier? Betteln natürlich. Da wird nichts draus. Scher' Er sich zum Teufel!“
„Aber Sohn,“ sagte begütigend die Alte.
„Still,“ herrschte der Bauer.„Ihr wißt, wie sehr mir Eure Vorliebe für die Art Leute zuwider ist. Die locken uns nur noch mehr ihresgleichen ins Dorf und werden zur Land⸗ Pag, Hinaus, sag' ich Ihm!“
die Greisin beugte ihr Haupt über ihre Arbeit; der Fremde aber verließ das ungastliche Haus mit einem Seufzer. Als er auf die Straße kam, ging eben der Büttel vorüber; 18 cri 5 5 i das Fenster auf un„Heda rigkeit, es gibt 1 Ein dae 5.
er Büttel vertrat dem Fremden den Weg.
„Papiere!“ herrschte er den Handwerks. burschen an.
Derselbe reichte ihm sein Wanderbuch. Es war in Ordnung.
„Hm!“ brummte der Büttel.„Gottlieb
Heim, Schneider aus Nordhausen. Hat er gebettelt?“ 1
„Ich wollte zur Stadt, wo ich Unterstützung erhalte. Aber ich habe mich verirrt.“
„Keine Mittel?“
„Nein, aber morgen sicher!“
„Aha!“ sagte schlau der Büttel.„Was morgen. Man will betteln!“ Er schaute den Fremden scharf an.„Umschau ist verboten. Marsch mit!“ 5
„Wohin?“ fragte der arme Schneider entsetzt.
„Wird man schon sehen,“ antwortete der Büttel,„vorwärts marsch!“ Er schlug an seinen rostigen Säbel. Der Gefangene mußte vorausmarschieren, und während einige Kinder hinterherliefen, erreichte man das Rathaus, wo alsbald der Fremde in den Gewahrsam des Dorfes gebracht wurde. Dort lag er auf harter Pritsche und stellte trübselige Be⸗ trachtungen an über einen solchen Osterabend. So hatte er noch keinen erlebt.
Der Ortsschulze des Dorfes war ein gar gestrenger Herr und hatte es ganz besonders auf die sogenannten Vagabunden abgesehen. Er warf die beschäftigungslosen Arbeiter mit wirklichen Strolchen in einen Topf. Der Herr Ortsschulze fühlte sich überhaupt gewaltig in seiner Würde und regierte mit vieler Schärfe, die nur zuweilen durch die Fürbitten und das Eingreifen seiner zwei Töchter gemildert wurde. Die Mädchen des reichen Hofbesitzers waren ihrer verstorbenen Mutter ähnlich mild und gutherzig, und heilten im Stillen manche Wunde wieder, welche die Härte ihres Vaters geschlagen.
Der Büttel kam und berichtete pflicht⸗ schuldigst dem Ortsschulzen über seinen Fang. Im Großvaterstuhl, eine lange Pfeife schmau⸗ chend, hörte der Ortsgewaltige den Rapport an.
„Wenn der Gendarm durchkommt, soll er den Vaganten nach der Stadt mitnehmen,“ befahl der Gestrenge.
„Zu Befehl,“ antwortete der Büttel und ging ab.
„Aber, Vater,“ sagte Rosa die älteste Tochter, „könntest du den armen jungen Menschen heute nicht herauslassen? Es ist ja Ostern.“
„Um so wentger hat er zu betteln.“
„Aber zu Ostern gibt man den Bedürftigen gerne etwas,“ meinte Marie, des Schnlzen Liebling.
„Schweig,“ rief er und stieß sie rauh zurück, als sie ihm die Wange streichen wollte.„Was versteht das Weibervolk dann? Er soll uns keine Landplage auf den Hals ziehen.“
Die Mädchen schwiegen, denn mit dem Alten ließ sich heute offenbar nicht spaßen. Aber heimlich berieten sie, wie sie dem Ge— fangenen eine Erquickung und Stärkung zu⸗ stellen könnten, denn der Büttel hatte ihnen wider seinen Willen eine ergreifende Schilderung von den Anstrengungen solcher Wanderer gemacht, und dann hatte er bemerkt, es sei eigentlich ein ganz netter junger Mann.
Inzwischen wartete der Schulze ungeduldig auf den Boten aus der Stadt. Dieser sollte ihm einen ganz neuen Anzug bringen, einen blauen Rock mit silbernen Knöpfen, dazu eine rote Weste und eine gemslederne Hose; ferner hohe blanke Stiefeln. In dieser Gewandung wollte sich der Schulze am ersten Osterfeiertag der Gemeinde in der Kirche zeigen, und das ganze Dorf war gespannt auf das Schauspiel.
Der Bote kam und brachte den Anzug Als der Gestrenge zur Probe in den prächtigen blauen Rock mit den silbernen Knöpfen hineinfuhr, platzte die Gewandung auf dem breiten Rücken des Schulzen jäh auseinander und nicht nur der Naht nach.
Die Wut des Schulzen war groß, denn wenn er mit dem neuen Gewand nicht morgen in der Kirche erschien, durfte er sicher sein, all⸗ gemein verspottet zu werden; man hatte schon zu viel Aufhebens davon gemacht. Man schickte nach dem Dorfschneider. Allein dieser hatte sich schon ein Räuschlein angetrunken und schnarchte, als sollten ihn die Posaunen des jüngsten Ge⸗ richts nicht aus dem Schlafe wecken.
Der Schulze tobte und wetterte. Rosa aber sprach:„Ich weiß einen Rat. Der fremde Schneider...“
„Der Vagant, der Bettler!“ tobte der Schulze.„Den kann ich nicht brauchen.“
„Dann kannst du eben auch deinen Rock 1 0 nicht anziehen,“ sagte das Mädchen ruhig.
„Das Weibervolk hält's mit jedem Land⸗ streicher,“ schrie grimmig der Schulze. Der geplatzte Rock machte ihn aber doch gefügig, so daß er den Schneider holen ließ.
„Gottlieb Heim war erstaunt, als er so bald wieder in Freiheit gesetzt wurde. Als ihn der Büttel zum Schulzen gewiesen, betrat er aber doch mit etwas bangen Gefühlen den Hof. Er hatte die Bauern heute kennen gelernt.
Auf der Treppe huschte Rosa an ihm vorbei und flüsterte:„Verlangt als Lohn, daß er Euch frei läßt!“
Heim war angenehm berührt; er fand also hier wenigstens Mitgefühl vor. Er faßte Mut und ließ sich durch die barsche Behandlung des 1 0 nicht erschrecken. Als er den Rock besichtigt hatte, sagte er:„Ich will ihn Euch 0 8 machen, aber nur unter einer Be⸗ ingung!“
„Wa—a—a- as? Bedingung?“ tobte der Schulze.
„Ja,“ meinte Heim kalt.„Ihr gebt mir ein anständig Nachtquartier und laßt mich morgen ruhig meiner Wege ziehen. Sonst rühre ich den Rock nicht an.“
Alles Wüten des Schulzen war umsonst. Heim sagte:„Ihr könnt mich einsperren, aber mich nicht zwingen, den Rock zu machen.“
So gab der Schulze endlich nach und die Mädchen ergriffen die Gelegenheit, den Fremden die ausgestandenen Strapazen vergessen zu machen. Sie rückten ihm einen Tisch an den warmen Ofen, wo er bald emsig wit Nadel und Schere hantierte; sie setzten ihm einen vortreff⸗ lichen Imbiß vor und plauderten freundlich
mit ihm, wobei Gottlieb Heim der Rosa gar
freundlich in die blauen Augen schaute. Auch der Schulze fand bald, daß der Fremde„gar kein übler Kerl“ sei. Heim wußte zu erzählen von den bereits durchwanderten fremden Ländern und würzte die Darstellung mit manchem treff⸗ lichen Seitenhieb auf die sozialen Zustände, was den Schulzen oftmals zu einem stummen Kopf⸗ nicken veranlaßte. Er mußte sich sagen, daß die sogenannten„Vagabunden“ oft gescheitere Menschen seien als die Bauern, die nichts ge⸗ lernt und nichts vergessen hatten.
Der Rock wurde fertig; die Naht war zu⸗ genäht und der Riß so sauber gestopft, daß der Fehler kaum zu sehen war. Vor Freude drückte der Schulze unserm Schneider einen harten Taler in die Hand und räumte ihm ein gutes Bett ein, worin der Künstler von der Nadel bald den Schlaf des Gerechten schlief.
So hatte der Schneider Gottlieb Heim auch seinen fröhlichen Osterabend, und während am anderen Morgen der Schulze in dem blauen Rock gravitätisch zur Kirche schritt, befand sich der Schneider auf dem Wege zur Stadt, nachdem ihn die Schwestern noch reichlich mit Proviant versehen.
Der Schulze war von da ab milde gegen die Handwerksburscheu. Gottlieb Heim aber hatte in der Stadt gute und lohnende Arbeit gefunden und wird nächstens einmal das Dorf besuchen. Wenn Rosa noch zu haben ist, wer weiß, was dann geschieht!
Prügel als Erziehungsmittel.
Ueber dieses Thema schreibt Genossin The⸗ rese Schlesinger⸗Eckstein in der„Schwä⸗ bischen Tagwacht“: Die körperliche Züchtigung, ohne die man heute schon mit den schwersten und widerspenstigsten Verbrechern auszukommen versteht, gilt in weiten Kreisen noch immer für ein unentbehrliches pädagogisches Mittel.
Diesen Irrtum halte ich für einen der schädlichsten. Er bringt zahlreiche Eltern, die sonst nicht böse, aber gedankenlos sind, da⸗ hin, zu glauben, daß dem Kinde gegenüber 1 alles erlaubt sei, unter der Voraussetzung,
aß man nach Kräften für seine Ernährung und 9 sorgt. Unter Erziehung ver⸗ stehen solche Leute lediglich Bestrafung. Die
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