Ausgabe 
3.1.1904
 
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ding das Gerücht davon von Mund zu Mund,

Nr. 1.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 5.

DOelskrankenkasse. Der Ae dz te⸗ Vertrag tritt am 1. Januar in Kraft. Damit sind die nachbenannten Ortschaften in folgende Aerzte⸗Bezirke geteilt und haben sich die Kassenmitglieder nur an diese Aerzte zu wenden Bezirk Cappel, Gisselberg, Nieder⸗ weimar, Hermershausen, Haddamshausen, Cyriaxweimar: Dr. Kothe und Dr. Schröder zu Marburg; Cölbe: Dr. Wigand und Dr. v. Heusinger zu Marburg; Bürgeln: Dr. v. Heusinger und Dr. Müller zu Marburg; Ginseldorf, Bauerbach: Dr. Hoffmann und Dr. Happel zu Marburg; Caldern, Michelbach, Wehrs⸗ hausen, Elnhausen, Dilschhausen: Dr. Wig and und Dr. Happel zu Marburg; Wehrda: Dr. Hoffmann und Dr. Müller zu Marburg; Marburg, Ockershausen, Marbach: Dr. Schirmer, Dr. Sardem ann, Sani⸗ tätsrat Dr. Abe e, Prof. Dr. Hildebrand zu Mar⸗ burg, sowie die 7 e Herren.(Die weiteren Bezirkseinteilungen drucken wir in nächster Nr. ab. D. R.)

U Ein ungebildeterEdelster.

Vor der Strafkammer in Hanau hatte sich am 23. Dez. der Freiherr Siegmund von der Tann, aus Tann in der Rhön, wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Sachbeschädigung zu verantworten. Der Vetter des Angeklagten, Freiherr Melchior von der Tann, sollte gesagt haben, er(Frhr. Siegmund) sei entmündigt worden, und wer ihm etwas borge, der bekomme sein Geld nicht wieder. Siegmund von der Tann ließ sich deshalb seinen Vetter in seine Wohnung rufen und prügelte ihn mit einem Lattenstück, wobei er die Drohung ausstieß;Du mußt noch verrecken. Auch zerriß er ihm seinen Rock und warf ihn aus der Straße mit Steinen. Das Schöffen⸗ gericht in Hilders verurteilte den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Sachbeschädigung zu einer Gefängnisstrafe von 14 Tagen und 25 Mk. Geldstrafe. Da⸗ gegen legte der Verurteilte Berufung ein. Die Strafkammer aber verwarf die Berufung und bestätigte das erstinstanzliche Urteil.

Geistlicher Wüstling.

Die Fälle, wo Pfaffen sich in schändlichster Weise an Kindern vergehen, reißen nicht ab. Jetzt wird wieder ein derartiger Fall aus dem Elsaß berichtet. Wie ein elsässer Blatt aus Schnierlach meldet, hat der seit 1903 dort stationierte Vikar Jakob Kopf aus Furcht vor strafgerichtlicher Verfolgung das Weite gesucht. Dem genannten Colmarer Blatte wird aus Schnierlach gemeldet: Es war schon längere Zeit kein Geheimnis mehr, daß Kopf perversen Neigungen huldigte gegenüber Knaben, die seiner Erziehung anvertraut waren. Kopf hatte immer 3 bis 5 Knaben um sich, die er gewöhnlich bis spät in die Nacht bei sich behielt, um an ihnen die schändlichsten geschlechtlichen Aus⸗ schreitungen zu begehen. Zur Aufdeckung dieses schändlichen Treibens hat hauptsächlich die Tat⸗ sache beigetragen, daß schließlich kein Junge sich mehr getraute, Kopf bei der Messe zu asststieren. Die von dem Scheusal mißbrauchten Knaben sind durchweg Söhne aus besseren Familien. Sobald sich Kopf verfolgt sah, flüchtete er. Sein jetziger Aufenthalt ist nicht bekannt. Un⸗ verständlich ist es, wie das Treiben dieses Wüst⸗ lings so lange vertuscht werden konnte, obgleich es nachgerade die Spatzen von den Dächern pfiffen. Sein Amtskollege, der Pfarrer, hätte doch bemerken müssen, in welch auffälliger Weise der Vikar Kopf sich mit den Knaben zu schaffen machte. Die Tatsache, daß es diesem Schweine- prlester monatelang möglich war, sein schmutziges Handwerk zu betreiben, obwohl seine perversen Neigungen einem großen Teile der katholischen Bevölkerung bekannt waren, beweist, wie sehr das Volk noch in blinder Verehrung des Pfaffen⸗ tums befangen ist.

Geknickte Zentrumsstütze.

August Vogeno, Teilhaber der Firma Vogeno u. Hoffmaun, Tuchfabrik in Haarem bei Aachen, hervorragender Zentrumsführer und Redner auf den Katholikentagen, besonderer Freund verschiedener Bischöfe, erster Beigeord⸗ neter und Gemeindevertreter in Haaren, wurde wegen bedeutender Unterschlagungen von Kirchen⸗ und Vereinsgeldern verhaftet. Schon seit Wochen

doch der mächtige klerikale Einfluß versuchte die Geschichte zu vertuschen. Die unterschlagenen Summen wurden durch begüterte fromme Damen gedeckt. Vogeno kam eben aus der Kirche, als ihn das Ersuchen traf, mal zum Bürgermeister⸗ amt zu kommen. Er ging ahnungslos in die Falle. Daß er zur Fahrt ins Gefängnis eine Droschke erhielt, ist wohl selbstverständlich.

Kleine Mitteilungen.

n Aus dem Zuge gestürzt. Vorigen Mittwoch Abend sprang eine Dame im Harburger Bahnhofe trotz warnender Zurufe vom Zuge ab, der sich noch in Bewegung befand. Sie kam zu Fall und stürzte so unglücklich auf den Bahnsteig, daß sie besinnungslos liegen blieb. Die Verletzte wurde später von ihren An⸗ gehörigen abgeholt.

§S Traurige Weihnachten waren dem in der Leimfabrik von Ph. C. Weiß in Haiger beschäftigen Arbeiter Mony aus Allendorf bescheert. Er geriet am Dienstag vor den Feiertagen mit der Hand in die Transmisston, wob i ihm der ganze Arm abgerissen wurde. Der Unglückliche wurde in die Klinik nach Gießen gebracht.

l Nicht weniger als vier Selbstmorde kamen während der Feiertage in Frankfurt vor. Außerdem aber auch zahlreiche Schlägereien, wobei es viele zum Teil schwere Verletzungen gab.

* Opfer der Arbeit. Beim Neubau eiuen Kruppscheu Hochofens in Aheinhausen bei Essen stürzten am Donnerstag drei Arbeiter in die Tiefe.

Einer war sofort tot, zwei wurden tödlich verletzt.

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Versammlungskalender.

Samstag, den 2. Januar. Friedberg. Soz.⸗dem. Wahl verein. Nach⸗ mittags 3 Uhr Versammlung bei Ihl. Tages⸗ ordnung: 2. Vortrag des Genossen Busold als Reproduktion der Vorträge des Genossen Michels in Frankfurt.

Gießen. Freie Turnerschaft. Die nächste Turn⸗ stunde findet umständehalber erst Donnerstag, 7. Januar statt. r

Marburg. Bekanntmachung der Gewer k⸗ schaftskommission. Zwecks Revision der Bibliothek müssen sämtliche Bücher bis Sonntag, 10. Januar abgegeben werden. N

Quittung.

Für die ausgesperrten Weber in Crimmit⸗ schau gingen weiter ein: S.⸗Reiskirchen Mk. 1. D. Gr.⸗Buseck Mk. 1. Liste Nr. 43 Mk. 21,30. Trohe Liste Nr. 26 Mk. 8,15. Liste Nr. 55(Cig. Fabr. Gießen) Mk. 3.60. Wieseck 3. Rate Mk. 22. Von den Arbeitern der Main⸗Weser⸗Hütte Mk. 59.75. In der Quittung in Nr. 52 muß es heißen: Be⸗ amte der Ortskasse 2. Rate Mk. 10(nicht 2.10).

Der Vertrauensmann.

Für die Porzellanarbeiter in Schlierbach gingen bei uns ein: Krofdorf d. St. Mk. 6.76.

RN. d. M. S.⸗Z.

1 Bemüht Parteifreunde! eac sa nach besten Kräften für die immer weitere Verbreitung Eueres Blattes, der

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung!

DieMitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung erscheint wöchentlich einmal und kostet nur 28 Pfg. den Monat; 73 Pfg. das Vierteljahr.

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Freunden und Bekannte. bringe meine 7.

Schuhmacherei

in empfehlende Erinnerung.

Weihnachten in Crimmitschau.

Der seit länger als vier Monaten währende Riesenkampf zwischen Kapital und Arbeit, der sich in dem sächsischen Städtchen Crimmit⸗ schau abspielt, hat die Aufmerksamkeit ganz Deutschlands auf sich gezogen. Selbstverständlich der deutschen Arbeiter in erster Line. Mit einer beispiellosen Opferwilligkeit unterstützen sie ihre kämpfenden Brüder, wohl noch nie bei einem Lohnkampfe sind die Gaben in gleicher Fülle geflossen. Aber auch von bürgerlicher Seite kommen zahlreiche Spenden. Das Verbot der Weihnachtsfeier durch die sächsischen Be⸗ hörden hat teilweise auch in den Kreisen des Bürgertums Entrüstung hervorgerufen und die Sympathien den Ausgesperrten zugewandt. So waren die vom Kapital auf das Pflaster Ge⸗ worfenen in der Lage, ein Weihnachtsfest zu feiern, wie sie es wohl noch niemals konnten, als sie in Arbeit standen. Diese Armen so schilderte dieLeipz. Volksztg. die Weihnachtsbescherung die durch das Machtwort der Unternehmer seit vielen Wochen ohne Arbeit sind, sie sind vielleicht in diesen Stunden die glücklichsten Menschen Crimmitschaus, denn ihnen hat die deutsche Arbeiterschaft ein Weihnachtsfest bereitet, das um so erhebender ist, als es von wahrer Menschen⸗ liebe, von echter Solidarität und vom tiefsten Mitempfinden getragen ist. Je näher man dem Gesellschaftshaus kommt, um so deutlicher glaubt man die freudigen Erregungen in den daher⸗ schreitenden Arbeitern und Arbeiterinnen wahr⸗ zunehmen. In diesem Lokal sind die Liebesgaben der deutschen Arbeiterschaft für die Crimmitschauer Kämpfer zusammengetragen. Hier nehmen die Ausgesperrten die Beweise echter Brüderlichkeit und wahrer Menschenliebe entgegen und ihre leuchtenden Augen sagen, daß diese aufrichtigen Beweise ihnen ein Weihnachtsfest bereiten, wie es vielleicht viele noch nicht erlebt haben.

Wenn auch dank der außergewöhnlichen säch⸗ sischen Zustände, die in Crimmitschau herrschen, die Bescherung sang⸗ und klanglos vor sich gehen mußte, ohne mächtigen Eindruck ist sie trotzdem nicht gewesen. Die Fülle der Gaben, sowie die behördliche Schererei werden den Crimmit⸗ schauer Textilproletariern Weihnachten 1903 nie vergessen machen. Für die Weihnachtswoche erhielten die Kämpfenden doppelte Streik⸗ unterstützung. Am Dienstag wurden 28 000 Pfd. Stollen(das sächsische Weihnachtsgebäck) verteilt, vorzügliche Ware, und am Mittwoch und Donnerstag erfolgte die Verteilung der sonstigen Gaben. Vermutlich wird auch nach Weihnachten noch recht beachtlich viel zu verteilen sein, da es trotz guter Organisation gar nicht möglich ist, d' Massen ber eingegangenen Geschenke a1 Tagen zu verteilen, denn wahre Berge von Haben füllten den Saal des Gesellschafts⸗ hauses. Der Andrang der Ausständigen war groß, so daß einige zwanzig Personen alle Hände voll zu tun hatten, die Leute zu be⸗ friedigen. Leipziger Genossen und Genossinen leiteten die Verteilung, die sie mit Sorgfalt und voller Hingebung durchführten. Noch am Mittwoch nachmittag kamen immer neue Kisten mit Geschenken, so daß man füglich nicht mehr wußte, wie und wo all die Sachen unterzu⸗ bringen und zur Auswahl auszustellen sind.

Wahrlich, die deutsche Arbeiterschaft und die

mit ihr sympathisierenden Kreise haben den Kämpfern in Crimmitschau ein unvergleichliches Weihnachten bereitet. Wohl beschenkt auch mancher Unternehmerseine Arbeiter zu Weihnachten, aber meistens aus einer sehr schlauen und berechnenden Spekulation! heraus. Diese Geschenke aber, die die Crimmitschauer erhielten, wurden ehrlichen und uneigennützigen Sinnes gegeben, als Anerkennung für das tapfere und treue Verhalten im Kampfe um eine gerechte Sache.

Die Verteilung der Gaben erfolgte im Saale des Gesellschaftshauses. Dieser bot in dieser Zeit einen eigenartigen Anblick. Auf der Bühne strahlt ein Weihnachtsbaum; zwischen den aufgestapelten Warenmassen wogt und flutet es; ein Stimmengewirr wie auf eine a gut besuchten Jahrmarkt, ein fortwährendes Kommen und Gehen. Ungefähr je dreißig Per⸗