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Walpurg und erweckte neue Hoffnungen für die
Nr. 48.
2.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 7.
Zukunft. 5.
Abends zu der bestimmten Zeit näherte sich Tobias umsichtig dem Zaune des Pfarrhofs. Nicht lange, 10 kam die Geliebte angewandelt. Mit leiser Stimme, in der aber doch die innigste Freude sehr merkbar sich kundgab, sagte sie: „Guten Abend, Tobias, ich dank' dir für dein Kommen!“
„Und erst ich dir,“ rief der Gute, ordentlich zerknirscht von seinem Glücke.„O Bäbe, wie gut bist du! Was tust du alles für mich, für einen Menschen, der dich—“
„Still,“ entgegnete das Mädchen,„dazu ist jetzt keine Zeit! Du willst also etwas wagen um meinetwillen, Tobias? Du bist entschlossen?“
„Zu allem, Bäbe! Sag's und auf der Stell'—“
„Fürs erste handelt es sich um was anderes. Wenn ich dir meinen Plan auseinandersetzen soll, müssen wir Zeit dazu haben und Ruhe, und die haben wir jetzt nur an einem Orte. 1 du aber auch kommen, wenn ich dir ihn
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„In die Hölle geh' ich für dich,“ rief Tobias. „In die Hölle— zum Teufel selber, wenn's sein muß! Nur heraus damit!“
Die Bäbe lächelte.„In die Hölle sollst du nicht, im Gegenteil, du sollst an einen ganz andern Ort!“
„Also ins Paradies!“ versetzte der Schneider mit Feinheit.
„Wenn du's dafür nehmen willst!“ entgegnete das Mädchen erheitert.„Kurz von der Sach': ins Pfarrhaus sollst du kommen, wann alles schläft— zu mir— in meine Kammer!“
Diese Worte trafen den Burschen wie ein Donnerschlag. Das Entgegenkommen war so über alle Erwartung, daß es ihn förmlich blendete. Zu gleicher Zeit fühlte er aber auch unwiderstehlich, was er dabei riskierte und— perübte. Die Wohnung des Geistlichen war
Sonntag, den 29. November, nachm. von 4 2 u Lony's Bierkeller:
Feier des 30, jähr. Stiftungs-Festes
besteheud in Hongeri, Gesungsvor trägen, Ieuler, Houplels ele. Z3n recht zahlreichem Besuch ladet ein Eintritt 20 Pfg.
lieber als ins Pfarrhaus!“
Der Vorstand.
für den wohlgezogenen Burschen ein Ort, vor dem er eine heilige Scheu trug. Er hatte ein dumpfes Gefühl von etwas Verbotenem, Nicht⸗ seiusollendem, ja Frevelhaftem, was er begehen sollte, um dafür die grausamste Strafe zu empfangen. Von entgegengesetzten Gefühlen bewegt, erwiderte er erst nach merklicher Pause und das Wort hinausdehnend:„Ins— Pfarr⸗ haus?“ g
„Nun ja,“ versetzte die Bäbe.„Um elf Uhr schlafen sie fest. Dann kommst du, ich laß dich ins Haus, wir gehen sachte in meine Kammer, und ich sage dir in aller Ruhe, was wir tun müssen, um zusammenzukommen und glücklich zu werden.“
„Bäbe,“ rief der geängstete Schneider, dessen Phantasie bei ven Worten des Mädchens lebhaft gearbeitet hatte,„ich muß dir gestehen— wenn du einen andern Ort wüßtest—“ a „Nun,“ fragte die Bäbe,„schreckt dich denn der? Du wolltest ja vorhin in die Hölle gehen, wenn's darauf ankam!“
„Ja,“ meinte der Tobias,„in die Hölle
„Aber warum denn?“ fragte das Mädchen, indem sie ihre Ungeduld zu bemeistern suchte.
„Wenn man was hörte, wenn man uns beisammen träfe— der Teufel hat sein Spiel! — Die Schande!— im Pfarrhaus!—“
Die Bäbe mußte ihr von Unmut gedrücktes Herz durch einen Seufzer erleichtern.„Aber sag' mir doch,“ erwiderte sie mit dem Tone des Vorwurfs und der Klage,„wie du zu diesen Einbildungen kommst? Wollen wir denn zu⸗ sammenkommen, um was Unrechts zu tun? Wir wollen ja miteinander ausmachen, wie wir's anfangen sollen, damit wir Mann und Frau werden; und eine andere Gelegenheit gibt's nun einmal hier nicht!“
„Das wohl,“ versetzte Tobias;„aber—“
„Aber?“ wiederholte das Mädchen.„Nun,
ich seh' schon, wieviel die Glocke geschlagen hat.
Du traust dir wieder nichts und hast mir wieder nur was vorgeprahlt! In Gottes Namen! Ich hab' das Meine getan; wenn du nicht willst, ist's deine Sach'! Gutnacht!“
(Fortsetzung folgt.)
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Humoristisches.
Ein Gemütsmensch. Fabrikbesitzer:„Ich kann dir in diesem Jahre nichts mehr geben, Artur! Du hast bereits 50000 Mk. bekommen— weißt du auch, daß von dieser Summe 50— 60 Arbeiterfamilien ein Jahr lang leben müssen?“
Sohn:„Wenn du den Leuten so unsinnig hohe Löhne zahlst, Papa, dann wunderts mich allerdings nicht, daß du deinen Sohn nicht standesgemäß erhalten kannst!“
Casus belli. General:„Es muß wieder mal frischer, fröhlicher Krieg kommen, gnädige Frau.“— Dame:„Ach ja, Sie meinen, weil Sie schon so viel Oeden auf Vorschuß haben.“—(W. Jak.)
Scherzfrage:„Wer waren die ersten Sozis?“
Antwort: Möros, sein Bürge und der Tyrann Dionys. Dieser erklärte nämlich seinen Eintritt in die Organisation mit folgenden Worten:
„So nehmt auch mich zum„Genossen“ an!“
(Lust. Bl.)
Geschichlskalender.
29. November. 1878: Massenausweisungen aus Berlin(66 Familien⸗Väter). 1793: Prof. Veccaria, Mailand, Gegner der Todesstrafe, 7.
30. 1878: Erstes sozialdemokratisches Flugblatt unter dem Sozialistengesetz in Berlin verbreitet.
1. Dezember. 1900: Jakobowsky, Liederdichter, F. 1897: Bergarbeiterunglück in Kaiserslautern, 37 Tote.
2. 1896: Prozeß Leckert⸗Lützow. streich Napoleons III. in Frankreich.
3. 1894: Wilh. II. Rekruten⸗Bevorzugungsrede.
4. 1901: Petition gegen die Zölle mit 3½ Mill. Unterschriften geht an den Reichstag.
5. 1901: Graf Arnim's Armenverhöhnung im Reichstag(der Vater wird alles versoffen haben). 1791: Komponist Mozart stirbt im Elend.
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Porträts und Biographien der sozialdemokfatischen Reichstags⸗Abgeordneten.
Sitzungssaal des Reichstags(Illustrat.) Die Sozialdemokratie in den einzelnen Staaten. Wahlbeteiligung u. Stimmen- zähl der Partejen.— Beteiljgung der Parteien an Haupt- und Stichwahlsen.— Die Volksschulen in Deutschland.— vom Schlachtfeld der Arbeit.— Ein- nahme- und Husgabetabellen.— Hotiz- Halender.— Die Iflitglleder der freien Gewerkschaften.— Weibliche Ilitgliede,
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