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Nr. 26.
Gießen, den 28. Juni 1903.
10. Jahrg.
19 7 Redaktion: Kurchenpiatz 11. Schloßgasse.
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Mitteldeutsche
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Unser Wahlsieg.
Drei Millionen Stimmen! Das Riesenaufgebot, das die deutsche Sozialdemo⸗ kratie bei dem diesmaligen Wahlkampfe in's Feld führte, hat drei Millionen erreicht. Nach vorläufigen Berechnungen sind über 900000 sozialistische Stimmen mehr als im Jahre 1898 abgegeben worden. Damals betrug die Zahl der soßtaldemokratss chen Stimmen 2107076. Mit der angegebenen Zunahme werden also die drei Millionen Stimmen nicht blos erreicht, sondern sogar noch überschritten.
Gewaltig ist die Zunahme unserer Stimmen in Sachsen, in dem Lande des Wahlrechts⸗ raubes, wo der Uebermut der„Ordnungsleute“ keine Grenzen kannte und kennt, wo die Arbeiter⸗ klasse stets am raffiniertesten malträtiert und schikaniert wurde. Das Volk hat die Antwort gegeben auf die Wahlentrechtung, auf die Er⸗ höhung der Zivilliste des Königs und vieles Andere! Rund 150000 Stimmen beträgt die Zunahme der Sozialdemokratie in Sachsen!— Ein gleich großes Wachstum unserer Stimmen⸗ zahl ist in Rheinland und Westfalen zu verzeichnen. Hier hat sich der Zentrumsturm“ durchaus nicht als das vielgerühmte„Bollwerk“ gegen die Sozialdemokratie erwiesen, als das ihm die geistlichen Herren vom Zentrum immer hinzustellen liebten. Außerordentliche Zunahme an sozialdemokratischen Stimmen weist auch die Stadt Berlin auf; die 6 Berliner Wahlkreise brachten 23000 mehr als im Jahre 1898. Ebenso verzeichnen die Hansestädte be⸗ deutenden Zuwachs der Sozialdemokratie.
Neueren Feststellungen zufolge hat die Sozial⸗ demokratie
3087000 Stimmen aufgebracht. Ein gewaltiger, glänzender Er⸗ folg! Er übersteigt unsere eigenen, kühnsten Erwartungen. Wohl haben wir es oft aus⸗ gesprochen, daß wir drei Millionen erreichen müßten, doch haben wir bei genauerer Berech— nung uns gesagt, daß derartige hochgespannte Wünsche kaum erfüllt werden würden. Nun gar die drei Millionen überschritten! Wahrlich, das Volk hat über die heutige Ordnung ein nicht mißzuverstehendes vernichtendes Urteil ge⸗ fällt. Es kommt weniger darauf an, ob wir ein Mandat mehr oder weniger erringen.
Drei Millionen„Elende“! Sie verbürgen uns den entgültigen Sieg des völkererlösenden und völkerbefreienden Sozia⸗ lismus! 5
Wir haben ein Recht uns unseres Erfolges und dessen zu freuen, daß die Mehrheit des deutschen Volkes die Erreichung besserer, menschenwürdigerer Zustände anstrebt. Wir freuen uns, aber wir werden nicht in Sieges⸗ trunkenheit und ⸗taumel verfallen. Mit dem Erreichten dürfen wir noch nicht zufrieden sein, dürfen nicht auf unseren Lorbeeren aus⸗ ruhen, sondern müssen weiter arbeiten, un⸗ ermüdlich arbeiten um den baldigen und ent⸗ giltigen Sieg unserer gerechten Sache herbei⸗ zuführen. 5
Die Niederlage des sächsischen Ordnungskartells tritt mehr noch an dem Stimmenrückgang als in dem Verlust von Mandaten zu Tage. Im 4. Reichstagswahl⸗
kreise sind die konservativen Stimmen seit 1898 von 18,094 auf 17,110, also um rund 1000 zurückgegangen; im 5. Wahlkreise(Dresden⸗ Altstadt) erhielten die Antisemiten und Konser⸗ vativen 1898 zusammen 18,200 Stimmen, am 16. Juni d. J. erhielt der Kartellkandidat nur 15,172 Stimmen. Ebenso kläglich ist das Er⸗ a im 6. Kreise(Dresden⸗Land). Hier rachten es 1898 Reformer und Konservative auf 18,280 Stimmen, bei den diesmaligen Wahlen mußten sie sich mit 16,953 zufrieden geben. Im Pirnaer Wahlkreise erhielt Lotze diesmal 8626, 1898 aber 11,118, das ist ein Rückgang um 2500 Stimmen. Am kläglichsten von Allen hat bezüglich des zahlenmäßigen Er⸗ gebnisses Dr. Oertel, der Agrarierhäuptling im 9. Wahlkreise abgeschnitten. Die Zahl der auf ihn entfallenden Stimmen ist von 11,883 auf 6843 gesunken, also um rund 5000 Stimmen. Das hat in erster Linie allerdings die national⸗ liberale Kandidatur nur bewirkt, denn auf den Liberalen sind 4415 Stimmen entfallen. Auch in rein bäuerlichen Distrikten ist Oertels Stimmenzahl rapid zurückgegangen. In anderen Kreisen haben die Ordnungshelden Haare eben⸗ falls lassen müssen: im 11. Wahlkreise hat der Konservative einen Verlust von 500 Stimmen zu verzeichnen. Platzmann im 14. Kreise hat 400 Stimmen verloren, der Ordnungskandidat im 17. Wahlkreise etwa 1000 usw.
Bedenkt man bei Betrachtung des kläglichen ordnungsparteilichen Ergebnisses, daß die Wählerzahl gewachsen ist und beleuchtet man die Stimmenzahlen des Kartells mit dem Stimmen zuwachs der Soztaldemo⸗ kratte, so wird das Ergebnis für die Ordnungshelden geradezu vernichtend.
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Die 56 im ersten Wahlgange gewählten Sozialdemokraten sind folgende: Altenburg: Buchwald. Altona: Frohme. Berlin II: Fischer. Berlin III: Heine. Berlin IV: Singer. Berlin Y: Schmidt. Berlin VI: Ledebour. Brandenburg: Peus. Braun⸗ schweig: Blos. Bremen: Schmalfeld. Breslau⸗West: Bernstein. Charlottenburg: Zubeil. Darmstadt: Cramer. Elberfeld: Molkenbuhr. Gera: Wurm. Greiz: Förster. Halle: Kunert. Hamburg 1: Bebel. Hamburg II: Dietz. Hamburg III: Metzger. Hannover: Meister. Kiel: Legien. Lübeck: Schwartz. München II: Vollmar. Niederbarnim: Stadthagen. Nürnberg: Südekum. Ottensen⸗Pinneberg: Elm. Rostock: Herzfeld. Solingen: Scheidemann. Stutt⸗ gart: Hildenbrand. Zeitz: Thiele. Gotha: Bock. Saalfeld: Hofmann. Sonneberg: Reißhaus. Aschersleben: Schmidt. Otten⸗ sen: v. Elm. Randow⸗Greifenhagen: Körsten. Waldenburg: Sachse. Reichenbach: Kühn. Sachsen: Annaberg: Grenz. Chemnitz: Schippel. Döbeln: Grünberg. Dresden⸗ Altstadt: Gradnauer. Dresden⸗Neustadt: Kaden. Dresden⸗Land: Horn. Glauchau: Auer. Leipzig⸗Land: Geyer. Löbau: Sindermann. Meißen: Nitzsche. Mittweida: Göhre. Pirna: Fräßdorf. Plauen: Gerisch. Reichenbach: Hofmann. Stollberg: Gold⸗ stein. Zittau: Fischer. Zschopau: Rose⸗ now. Zwickau: Stolle.
Antwort des Volkes.
Was der Kaiser sprach:
Am 26. November 1902 hielt Wilhelm II. beim Begräbnis Krupp's in Essen eine Rede, in der er zu den Arbeitern Folgendes sprach:
Ihr Krupp'schen Arbeiter habt immer treu zu Eurem Arbeitgeber gehalten und an ihm gehangen. Die Dankbarkeit ist in Eurem Herzen nicht erloschen. Die Männer, die die Führer der deutschen Arbeiter sein wollen, raubten Euch Euren teuren Herrn. An Euch ist es, die Ehre Eures Herrn zu schirmen und zu wahren und sein Andenken vor Ver⸗ Unglimpfungen zu schützen. Ich vertraue darauf, daß Ihr die rechten Wege finden werdet, der deutschen Arbeiterschaft fühlbar und klar zu machen, daß weiterhin eine Gemein⸗ schaft oder Beziehung zu den Ur⸗ hebern dieser schändlichen Tat für brave, ehrliebende deutsche Arbeiter, deren Ehren⸗ schild befleckt worden ist, ausgeschlossen sind. Wer nicht das Tischtuch zwischen sich und diesen Leuten zerschneidet, ladet moralisch gewifsermaßen eine Mitschuld auf sein Haupt.
Was das Volk antwortete: Es erhielten die Sozialdemokraten an
Stimmen in Duisb.⸗Ruhrort⸗ Bochum⸗Gelsen⸗ Dortmund⸗ Essen Mülheim kirchen Stadt 1898 4400 7804 22379 19865 1903 22773 23287 39125 34130 mehr 13373 15483 16746 14266
d. h., in den vier Wahlkreisen der rheinisch⸗ westfälischen Großindustrie, der Heimat Krupps, hat die Sozialdemokratie eine Zunahme von 65,000 Stimmen. So sieht das zerschnittene Tischtuch unter den Arbeitern der rheinisch⸗westfälischen Groß⸗ industrie aus. 1
Was der Kaiser sprach:
Und am 5. Dezember sprach er zu einer kommandierten Abordnung von Arbeitern in Breslau Folgendes: n
„Jahrelang habt Ihr und Eure Brüder Euch durch Agitatoren der Sozialisten in dem Wahne erhalten lassen, daß, wenn Ihr nicht dieser Partei angehörtet oder Euch zu ihr bekenntet, Ihr für nichts geachtet und nicht in der Lage sein würdet, Euren berech⸗ tigten Interessen Gehör zu verschaffen zur Ver⸗ besserung Eurer Lage. Das ist eine grobe Lüge, ein schwerer Irrtum. Statt Euch objektiv zu vertreten, versuchten die Agitatoren Euch aufzuhetzen gegen Eure Arbeitgeber, gegen die anderen Stände, gegen Thron und Altar, und haben Euch zugleich auf das Rücksichtsloseste ausgebeutet, terro⸗ risiert und geknechtet, um ihre Macht zu stärken. Und wozu wurde diese Macht ge⸗ braucht? Nicht zur Förderung Eures Wohles, sondern um Haß zu säen zwischen den Klassen und zur Ausstreuung ihrer Verleumdungen, denen nichts heilig geblieben ist und die sich schließlich an dem Hohen vergriffen, was wir hienieden besitzen; an der deutschen Mannes⸗ ehre! Mit solchen Menschen könnt Ihr als ehrliebende Männer nichts mehr
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