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Nr. 52.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 7.

Jahre wie heute. Weihnachten stand vor der

Tür, ein Freudenfest für Alt und Jung, aber für uns war es ein Fest des Elends. Der Webstuhl klapperte bis zum Christtagmorgen

5 Uhr, bis die Kette wieder fertig war. Diese

mußte nun noch abgeliefert werden, um den Lohn dafür zu erhalten. Der Fabrikant hatte Mitleid mit uns, er schickte den Lohn und eine neue Kette mit, was uns Alle wieder in eine frohe Stimmung versetzte. An einem Christ⸗ baum und an Geschenke war natürlich nicht zu denken; unser Geschenk bestand nur darin, daß uns der Fabrikant wieder eine neue Kette mit⸗ schicte. Von unserer kleinen Wohnung konnten wir bis zu dem reichen Fabrikbesttzer sehen, der nicht weit von uns wohnte. In feiner Villa prunkte ein großer Tannenbaum, dessen Licht⸗ strahlen bis in unsere Wohnung hineinleuchte⸗ ten. Wir konnten auch die Geschenke, die in reichem Maße vorhanden waren, sehen. Wenn das Spulrad still stand, was schon wieder zur neuen Kette diente, hörten wir auch das Ge⸗ johle um den Tannenbaum, das später in das stimmvolle Lied überging:„O du fröhliche, o du selige.“ Bei diesem krassen Gegensatze kam mir der Gedanke: Warum müssen wir so leiden und sind doch immer artig und fleißig gewesen und die Kinder des reichen Mannes haben Alles in Hülle und Fülle, was ihr Herz begehrt? So richtete ich die Frage an die Mutter: „Warum haben die Kinder des reichen Mannes Alles im Ueberfluß und wir haben nicht ein⸗ mal satt zu essen?“ Die Antwort der Mutter wor, es müsse einmal reiche und arme Leute geben, und wir Armen hätten es hier auf Er⸗ den schlecht und im Jenseits aber besser. Die Antwort konnte mir nicht einleuchten, und so fing ich von diesem Weihnachtsfeste an, über diese Ungerechtigkeiten nachzudenken. Dieses Nachsinnen über dieses Mißverhältnis zwischen

Kapital und Arbeit, soweit die Aufklärung

Lichter.

Kaflen- und Feiterwagen.

Viele Neuheiten.

J. H. Fuhr, Giessen

Sonnenstrasse 25 erlaubt sich zum Besuche seiner diesjährigen bedeutend vergrößerten

Weihnachts-Ausstellung in

Kinder- Spielwaren einzuladen. CMiisibuumsch much. Puppenheilanstalt.

der Arbeiterpresse haben mich so weit gebracht, daß ich Sozialdemokrat geworden bin und die feste Ueberzeugung habe, daß nur die Sozial⸗ demokratie es ist, die eine Besserung der Lage der Arbeiter, der Besitzlosen herbei führen kann. Nicht nur allein, daß Weihnachten wieder vor der Tür steht, erinnert mich an meine Jugend⸗ zeit und mein Elend, auch die Frage, wie viele Familien werden heute noch ähnlich solche Feste feiern müssen? Denken wir an den großen Kampf in Crimmitschau, wo tausende helden⸗ mütige Textilarbeiter einen gerechten Kampf führen, einen Kampf, bet dem auch unser In⸗ teresse vertreten wird. Auch bei diesen im Ausstand stehenden Arbeitern steht das Weih⸗ nachtsfest vor der Tür. So möchte denn an alle Arbeiter die Ermahnung gehen, ihren Brü⸗ dern und Schwestern mitzuhelfen, daß auch die wackern Kämpfer das kommende Weihnachts⸗ fest in Freuden feiern können.

In Crimmitschau.

In Crimmitschau, in Crimmitschau sind alle Häuser f schwarz und grau Vom Qualme ungezählter Essen. Den Riesenkampf, der dort im Gang, wird man ein Menschenalter lang Verwinden nicht und nicht vergessen. In Crimmitschau, in Crimmitschau, da dulden schwei⸗ gend Mann und Frau, Da dulden schweigend selbst die Kinder. Die Schlotbarone haben jetzt ihr bißchen Hoffnung noch gesetzt Auf einen strengen Vogtlands winter. In Crimmitschau, in Crimmitschau, da zählt die Rache ganz genau Die Schlotbarone säen Zorn; aufgehen wird das kleinste Korn Und einst in Halm und Blüte schießen. In Crimmitschau, in Crimmitschau— verkündet es in jedem Gau!— Wird Namensloses stumm gelitten.

Lichthalter.

usa S- en-und

Grösste Auswahl.

In wahrhaft klassischem Gefecht wird für der Arbeit heil'ges Recht Mannhaft und heldenhaft gestritten. Crimmitschau, in Crimmitschau erschüttert der Tyrannen Bau Ein fortgesetzten schweres Beben. Hier kommt es, wie es kommen muß; hier wird es niemals Friedensschluß, Nur Waffenstillstand kann es geben. („Der wahre Jakob.“)

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Weihnachts wuusch. Sur allseits fröhlichen Weihnachtszeit Denken wir auch der Aermsten heut, Die Mangel, Not und Sorgen quälen: Mög' ihnen ein freundlich Lichtlein nicht fehlen!

Splitter. Mensch, dir wäre besser gewesen, Hättest du Glauben, hätt'st du Gebet Nimmer gekannt und die Schrift nur geleser, Die im Herzen geschrieben dir steht! Denn die höchste der Religionen Ist die Liebe! Hört's, ihr Nationen!

A F. Graf von Schach.

Humoristisches

Neues vom Sündenfall. Der kleinen Anna ist aus gewichtigen Gründen frisches Obst streng ver⸗ boten worden; gekochtes dagegen darf sie essen.

Eines Mittags sitzt sie nachdenklich vor ihrem Apfelmus und fragt schließlich:„Nicht wahr, Mutti, hätte Eva im Paradies gekochte Aepfel gegessen, dann hätte es gar nichts geschadet.“

Auf dem Wohltätigkeitsball.„Bedenken Sie nur, gnädige Frau, welch erhebendes Gefühl: jedes Glas Sherry, das Sie mir einschenken, bedeutet einen Löffel warmer Suppe für die Armen.“(W. Jak.)

Anzüglich.„Bitte, kaufen Sie mir ein Los ab!“„Ach, ich gewinne ja doch nichts!“ —„O, Sie machen sicher den Haupttreffer!“

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Dr. Kleins Fleischsaftpressen zu verleihen.

Ganz besonders mache auf den Vertrieb der patentierten Schröders Fohlen- und Kälber-Saugapparate

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Hochachtungsvoll

Edgar Borrmann

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