Ausgabe 
26.7.1903
 
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Nr. 30.

Mittelbeutsche Sonntags Zeitung.

Seite 7

s Die

Obstruktion der brandenburgischen

Städte gegen die Lebensmittelzölle vor mehr als 400 Jahren.

Von Collner. Nachdruck verboten.)

Wenn man den Reden der Eiferer Glauben schenkt, so zeichnete sich die gute, alte Zeit vor der jetzigen nicht zum wenigsten dadurch aus, daß noch Zucht und ehrsame Sitte im Volke herrschten, und daß namentlich die Angehörigen der unteren Stände im wohltuenden Gegen⸗ satze zu ihren entarteten Epigonen alle ihnen von den Machthabern aufgelegten Lasten und Bürden mochten sie auch noch so drückend und ungerecht sein als von Gott gesandt, demutsvoll trugen.

Eine ganz andere Anschauung gewinnt man freilich, wenn man in den Büchern der Geschichte blättert. Wir lesen da von Revolutionen mancherlei Art, von Entthronungenange⸗ stammter Herrscher, von Verfass ungsumstürzen, von Streiks und dergl. Dingen.

Jetzt nach den Zollkämpfen, bei denen die Opposttion im Deutschen Reichstage vergebens bemühte, die Annahme des Wuchertarifs, der die notwendigsten Nahrungsmittel mit einem schier unmenschlichen Zoll belegen soll, zu verhindern, ist es interessant, daran zu erinnern, wie sich die brandenburgischen Städte am Ende des 15. Jahrhunderts einem Zoll auf Lebensmittel widersetzten, und wie sie, die Gefahr ganz richtig erkennend, welche darin lag, daß vas Prinzip der indirekten Besteuerung zu jener Zeit zum ersten Mal bei ihnen zur Anwendung gelangen sollte, in aller Form eine Obstruktion gegen die landesherrlichen Entschließungen trieben.

Es war im Jahre 1470. Der damalige Regent von Brandenburg, Kurfürst Friedrich II., fühlte sich müde und matt von den unaufhör⸗ lichen Kämpfen mit den pommerschen Herzögen, die überdies seine Schulden zu beträchtlicher Höhe hatten anwachsen lassen, und da sein einziger Sohn gestorben war, so beschloß er, seinem Bruder Albrecht, dem Fürsten von Ansbach und Bayreuth, der später den Zunamen Achill erhielt, die Mark zu übertragen. Die Landstände, denen er diesen Entschluß mitteilte, waren damit einverstanden, und in einem am 2. April 1470 zu Stande gekommenen Vertrage übernahm Albrecht die Lande seines Bruders, gleichzeitig aber auch dazu mußte er sich verpflichten dessen Schulden. Branden- burg war damals so äußerte sich der neue Kurfürst selbstein groß schön Land mit etwa 400 Städten und Schlössern, aus dem sich, nach der Meinung Albrechts, nicht nur die 124000 Gulden, zu deren Tilgung er sich verpflichtet hatte, mit Leichtigkeit herausholen ließen, sondern das ihm auch zweifellos die Mittel an die Hand geben würde, seinen Haus⸗ halt noch prächtiger zu gestalten, als dies bisher schon der Fall war.

Die Märker mochten ahnen, daß ihnen nichts Gutes bevorstehe, denn ihre Stimmung war eine etwas gedrückte, als der neue Herr mit seinem Sohne, dem Markgrafen Johann, von Berlin aus sich in die einzelnen Städte begab, um dort den Huldigungseid entgegenzunehmen. Auch erregte es in Salzwedel, einer damals augesehenen Stadt, in der auf dem Rathause ein glänzender Empfang bereitet wurde, pein⸗ liches Aufsehen, daß die Stadtdiener, welche, der Sitte gemäß, ein Geschenk an Hafer, Fischen, Bier und Hammeln überbrachten, kein Trinkgeld erhielten, und daß Albrecht die märkischen Ritter ruhig am Kamin stehen ließ, während er selbst mit seinem Gefolge sich an dem reichen Mahle gütlich tat, sodaß den Herren von Alvensleben, Schulenburg, Knesebeck, Jagon und anderen nichts weiter übrig blieb, als sich zu ärgern und sich spöttische Bemerkungen über die ver⸗ hungerten fruͤnkischen Ritter zuzuflüstern.

Um zu beraten, wie die übernommenen Schulden am besten bezahlt werden könnten, berief nun der Kurfürst einen Herrentag nach Berlin. Während aber die Prälaten und Ritter auf diesem sich ohne Weiteres geneigt zeigten, eine Steuer auf Bier und Wein für die nächsten

vier Jahre anzunehmen, waren die anwesenden Vertreter der Städte bene genug, sich vor⸗ erst zu erkundigen, wie hoch denn eigentlich der Betrag der zu tilgenden Summe sei; als sie nun hörten, es handle sich um über 100 000 Gulden, erklärten sie, zu einer solchen Bewilli⸗ gung seitens ihrer Mitbürger keine Vollmacht zu besitzen, und dem Kurfürsten blieb nichts weiter übrig, als die endgültige Beschlußfassung einer demnächst abzuhaltenden neuen Konferenz vorzubehalten. Aber auf dieser kam man ebenfalls zu keinem Resultat, denn wenn man auch trotz der für damalige Verhältnisse außer⸗ ordentlich hohen Summe gegen deren Bezahlung nichts einzuwenden hatte, so doch wegen der neuen Art der indirekten Besteuerung, deren Erhebung der landesherrlichen Macht überall Zugang verschaffte, und die ja ganz im Gegensatze zu dem bisher üblichen Mittel, außerordentliche Bedürfnisse im Wege einer direkten Grund⸗ und Einkommensteuer zu decken unter Umständen den aufzubringenden Betrag weit übersteigen konnte.

Es wurden nun fortgesetzt neue Versamm⸗ lungstage anberaumt, immer neue Entwürfe legte der Kurfürst den Vertretern der Städte vor, aber diese gingen, einmal mißtrauisch geworden, auf keinen ein, einen erklärten sie sogargar listig behende gesetzt, und trotz aller Erklärungen als Regenten, Kraft kaiser⸗ licher Privilegiums sei er befugt, Zölle zu erheben, deren Ertrag nur dazu dienen sollte, die Aufwendungen zu decken, diezum Besten des Landes gemacht worden seien, und trotz aller Beteuerungen, er werde das Geld einzig und allein zu dem mitgeteilten Zwecke ver⸗ wenden, beharrte man bei der Weigerung. Nur zwei Städte, Stendal und Osterburg, gaben endlich nach, doch mag ihre Gebefreudig⸗ keit sie bald genug gereut haben, denn überall, wo sich ein Bürger dieser beiden Orte sehen ließ, wurden ihm beleidigende Bezeichnungen, besondersWendehoike(d. h. Windmantel, Mantelträger) nachgerufen.

Albrecht sann nun auf einen neuen Ausweg: Er machte den Vorschlag, Ritter und Prälaten sollten 42000, die Städter aber 58 000 Gulden übernehmen, indeß die letzteren meinten, dieser Betrag sei für sie zu hoch, und der Kurfürst setzte ihn weiter auf 50 000 Gulden herab, indem er erklärte, den Rest der Schuld wolle er auf seinen Teil nehmen. Auf dieser Grund⸗ lage kam endlich im Jahre 1472 eine Ver⸗ ständigung zu Wege; die Städte sollten das Recht haben, auf welche Weise ste wollten, das Geld aufzubringen, und der Kurfürst verpflichtete sich zum Dank dafür, auf die herkömmliche Lieferung des Geldes zur Aussteuer seiner Tochter Verzicht zu leisten und dem Lande keine weiteren Steuern aufzulegen.

(Fortsetzung folgt.)

Humoristisches.

Die inneren Organe. Wie bayrische Blätter aus Hof berichten, gab ein Gemeindediener, der nach Absolvierung eines Fleischbeschaukursus über die Be⸗ schaffenheit der Schlachttiere examiniert wurde, auf die Frage: Welches sind die in neren Organe? die klassische Antwort: Ich und der Herr Bürger⸗ meister!

Schreckliche Drohung. Pantoffelheld: Karline, wenn du jetzt nicht gleich mit Prügeln aufhörst, reiße ich aus nach Rom und lasse mich zum Papst wählen! Nachher mußt du mir den Pantoffel küssen verstanden?

Serenissimus und das Gewitter.Papa, verbiete doch diese elenden Gewitter.Nein, mein Sohn, wenn es an der Zeit ist, werde ich schon mit starker Hand eingreifen.

unangenehmes Versehen. Ein Buchdrucker⸗ fachblatt erzählt folgende recht amüsant zu lesende Ge⸗ schichte einer Verwechselung, die den Beteiligten allerdings recht wenig Vergnügen gemacht haben wird. In einem größeren Verlage erschlenen kürzlich zwei Broschüren, von denen die eineDie Hygiene in der Familie, die andere Praktische Ratschläge über die Pflanzung von Küchen⸗ kräutersamen betitelt ist. Die erste Broschüre hat einen Arzt zum Autor, während die zweite von einem Samen⸗ händler verfaßt wurde. Die Ausstattung, wie Format, Papier und Schrift, war bei beiden Broschüren genau

die gleiche. Der Druck ging in korrekter Weise vor sich

und die Broschüren wurden einer Buchbinderei zur end⸗ giltigen Fertigstellung übergeben. Veranlaßt durch die gleiche Ausstattung stifteten aber die Falzerinnen Unheil an. Die jungen Ehepaare, die die ärztliche Broschüre kousultierten, lasen im letzten Absatz der Seite 48:

Junge Eheleute, hört die Ratschläge eines er⸗ fahrenen Praktikers: Wollen Sie hübsche und dabei gesunde Kinder besitzen, deren Lebenskraft ihnen ge⸗ stattet, die mannigfachen Kinderkrankheiten zu über⸗ stehen, so müssen Sie 2 Spannungsvoll kamen die Leser dann auf die 49.

Seite und lasen:

55 nach gründlicher Vorarbeit im März säen, d. h. ein 50 Zentimeter großes Loch graben und dasselbe reichlich mit Dungstoffen belegen. In dieser Weise verfahren, wird die Pflanzung mehrere Jahre hindurch Erträgnisse liefern 4 Die Gartenliebhaber aber, die die Broschüre des

Samenhändlers studierten, lasen im letzten Absatz auf Seite 48:

Man pflanzt die Knollen der Schwertlilie am besten in den Monaten März und April. Um eine successive Blüte zu erzielen, wird man 2 Die Fortsetzung auf Seite 49 oben lautete:

... sofort eine gute Amme engagieren und sich durch den Hausarzt versichern lassen, daß dieselbe zu nähren im Stande ist. Man wählt dieselbe am besten nicht zu jung. Die Mitte der zwanziger Jahre sind vorzuziehen. Auf die gute Körperkonstitution derselben ist zu achten. N

Man wird begreifen, daß die ominösen Berichtigungen

an den Verlag in Masse einliefen. Die unglücklichen Autoren erhielten eine ungezählte Menge von Gratis⸗ besprechungen ihrer Geistesprodukte, und zwar in ganz anderem Sinne, als sie erwartet hatten. Beide zusammen verlangen jetzt 20000 Mk. Schadenersatz von ihrem Verlage.

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Geschichtskalender.

26. Juli. 1896: Internationaler Arbeiter⸗ Kongreß in London. 1844: Attentat des Bürgermeisters Tschech auf Friedrich Wilhelm IV.

27. 1900: Wilhelm II. Hunnenrede in Bremer⸗ haven. 1830: Julirevolution in Paris.

28. J. B. v. Schweitzer, Präsident des All⸗ gemeinen Deutschen Arbeiter⸗Vereins, T. 1804: Ludwig Feuerbach, Philosoph,. 1794: Robespierre guillotiniert.

29. 1900: Attentat Bresci's auf König Umberto von Italien.

30. 1898: Bismarck in Friedrichsruh gestorben. 1878: Attentats⸗Reichstagswahl.

31. 1848: Max Dortu in Rastatt gestandrechtelt.

1. August. 1901: Glasarbeiter⸗Generalstreik. 1898: Turati, sozialistischer Deputierter wird vom Mailänder Kriegsgericht zu 15 Jahren Zuchthaus ver⸗ vrteilt. 1879: August Geib, sozialdem. Abg. in Hamburg, f.

Lilterarisches.

Der Neue Welt⸗Kalender für 1904

ist bereits wieder erschienen. Der diesjährige Jahrgang ist der 28. des beliebten Volkskalenders und weist, wie immer, gediegenen und reichhaltigen Inhalt auf. Außer den Kalendarien, Verzeichnis der Messen und Märkte, Angaben über Postwesen, Statistische Mitteilungen ent⸗ hält er u. a.: In der Zwickmühle. Erzählung von Robert Schweichel(mit Illustrationen). Feuerberge und Erderschütterungen. Von Oswald Köhler(mit Illustrationen). Geflügelzucht im Kleinen. Von Curt Grottewitz. Die Bahnsteigsperre. Eine Klein⸗ stadtgeschichte von Emil Rosenow(mit Illustrationen). Die Fußpflege. Von Dr. J. Zadek(mit Illustra⸗ tionen). Hundert Jahre Polenpolitik. Von A. Conrady. Talsperren und Stauwerke. Von A. G. (mit Illustrationen). Vor dem Ausnahmegesetz. Von Fr. J. Erhart. Raben. Skizze von Wilhelm Schmidt. Unsere Todten(mit Portraits). Ein gutes Geschäft. Humoreske von Lina Leidl. Trächtigleits⸗ und Brütekalender. Außerdem vier hübsche Kupferdruck⸗Bilder, sowie auch eine Menge Gedichte ernster und heiteren Inhalts. Der Preis beträgt wie immer 40 Pfg.

S

Bernstein und das Sozialdemokratische Programm. Von Karl Kautsky. Eine Anti⸗ kritik. Preis brosch. 2 Mk.

Wilhelm Liebknecht. Sein Leben nnd Wirken. Unter Benutzung ungedruckter Briefe und Aufzeichnungen. Herausgegeben von Kurt Eisner. Mit Porträts und Abbildungen. Preis 30 Pfa.

Dic Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie. Von Ed. Bernstein. Preis brosch. 2 Mk.

Das Erfurter Programm. Von Karl

Kautsky. Preis brosch. 1.50 Mk., gebd. 2 Mk.

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