Ausgabe 
26.4.1903
 
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Nr. 17.

Gießen, den 26 April 1903.

10. Jahrg.

Nedaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.

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Mitteldeutsche

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Bei mindestens

Weltfeiertag der Arbeit!

Arbeiter, Parteigenossen! Mieder naht der 1. Mai heran, der Tag, an dem sich die Arbeiter aller Länder im Bewußt⸗ sein ihrer Zusammengehoͤrigkeit die Bruder⸗ hand reichen, um zu bekunden, daß sie unerschütterlich an dem großen Kultur- gedanken festhalten, der in der Maifeier zum Ausdruck kommt.

Der 1. Mai ist die feierliche Kund⸗ gebung der Arbeiter aller Länder für internationalen Arbeiterschutz, der Massen⸗ protest der Arbeit gegen die Ausbeutung durch das Kapital und gegen die Aus⸗ hungerung durch Arbeitslosigkeit, gegen den Terrorismus der Kapitalsherrschaft, gegen den Uebermut der Bevorrechteten, gegen den Krieg in jeder Form der 1. Mai ist die internationale Kundgebung des klassenbewußten Proletariats für den Frieden der Gesellschaft und für den Frieden der Völker!

Arbeiter allerorts! Sorgt für eine allgemeine und würdige Maifeier!

Hoch der erste Mai!

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Wider den Militarismus!

Die junkerlichen Demagogen sind auf der Suche nach einer Wahl parole. Dieselben Leute, die eine der wichtigsten Grundlagen der Reichsverfassung, das allgemeine Wahlrecht, auf diesem oder jenem Wege umstürzen möchten, wollen die Wahlparole:Gegen den Umsturz! ausgeben, womit sie sämtliche bürger⸗ lichen Parteien gegen die Sozialdemokratie zufammen zu bringen hoffen. Die Angst und die Dummheit der freisinnigen undliberalen Gruppen, die alle gegen die Sozialdemokratie in das große Nachtwächterhorn bliesen, hatte dies Bestreben sehr erleichtert, welches aller⸗ dings daran große Hindernisse fand, daß die wirtschaftlichen Interessen der bürgerlichen Parteien sich so vielfach kreuzen. Immerhin werden die entschiedenen Reaktionäre noch genug im Trüben fischen können.

Das mag nun kommen wie es will; jeden⸗ falls hat die Wählermasse die Pflicht, bei all den Unntrieben und Winkelzügen der herrschen⸗ den Parteien fest im Auge zu behalten, was wirklich auf dem Spiele steht. Und da braucht es keine große Anstrengung, um zu erkennen, wohin gesteuert wird. Wohl wird der neue Reichstag sich zunächst mit den Handelsver⸗ trägen zu befassen haben. Sodann aber geht es mit vollen Segeln in die Huferlose Steigerung der Ausgaben, in die Borg⸗, Schulden⸗ und Defizitwirtschaft hinein,

Denn daß eine neue, enorme Steige⸗ rung der Kriegsrüstungen angestrebt wird, ohne Rücksicht auf Geldmangel und Defizit, darüber kann kein Zweifel mehr estehen.

Und diesmal soll offenbar ein ganz besonderer Anlauf genommen werden. Denn wenn man sonst vorsichtig ein Schritt um den andern

vorging, so wird diesmal kein Hehl daraus gemacht, daß für alle Waffengattungen, zu Wasser und zu Lande, Neuforderungen bevorstehen.

Zunächst soll die Auslandsflotte vermehrt werden. Die ostasiatischeg Interessen sind es, mit denen diese neue Forderung begründet wird. Kaum haben wir den famosenPlatz an der Sonne, der schon über 60 Millionen kostet, so steigen auch neueostasiatische Inte⸗ ressen auf. Der Hunnenzug ist noch in tiefem und frischem Andenken sinnt man schon wieder auf ähnliche Abenteuer? Das kann ja noch recht nett werden, wenn jedes Jahr solch ein kleines Abenteuer kommt, bald in Asien, bald in Amerika. Vorläufig läßt man nur stolz die neuen Schiffe sehen, schließ⸗ lich wird aber einmal Ernst aus der ge⸗ fährlichen Spielerei und dann nun, wir wollen nicht mit verantworten, was dann kommen kann und wird.

Die Japaner vermehren ihre Flotte also müssen wir die unserige auch vermehren. Wohin sind wir gekommen! Früher verlangte man nur Vermehrung der Streitkräfte, wenn die Fran⸗ zosen die ihrigen vermehrten. Jetzt haben wir schon den Wettlauf mit den Japanern! Was da noch für Wettläufe kommen werden!

Dazu kommen die schönen Aussichten auf Vermehrung der Kavallerie. Die sachver⸗ ständigen Stimmen mehren sich, welche behaupten, die Zeit der Kavallerie für den Krieg sei vor⸗ über; die Hauptsache werde für sie in Zukunft der Aufklärungsdienst sein. Nun, uns scheint es darauf abgesehen zu sein, mit der Kavallerie den militärischen Aufzügen möglichst viel Glanz und Pomp zu verleihen. Die schönen Kavallerie⸗ Attacken im Frieden werden bewundert; im Kriege wird man andere Erfahrungen machen. Jedenfalls ist eine neue Vermehrung der Kavallerie mit enormen Kosten verbunden.

Und die Infanterie soll auch vermehrt werden. Man spricht von den 7000 Mann, die seinerzeit das Zentrum so heldenmütig ge⸗ strichen, deren Bewilligung es sich aber vorbe⸗ halten hat. Und an der russtschen Grenze soll ein neues Armeekorps gebildet werden. So viel weiß man einstweilen; es kann aber noch mehr daraus werden.

Und die Artillerie soll auch nicht leer ausgehen; die Probe mit den Schutzschilden für die Geschütze soll gemacht werden, obschon die militärischen Kreise sehr geteilter Meinung darüber sind.

Die Offiziösen deuten nur an, und zwar etwas schüchtern. Das kennen wir. Es beweist, daß mehr verlangt wird, als man bis jetzt annehmen kann; die beteiligten Kreise wagen nur noch nicht ganz offen herauszurücken, da sie einen zu starken Rückschlag der öffentlichen Meinung befürchten.

Man denkt mit Grauen daran, wenn der gefürchtete große 1 ausbrechen und die ganze bewaffnete Macht sich in Bewegung setzen sollte. Bezüglich der Möglichkeit einer geregelten Verpflegung so ungeheurer Massen sind schon sehr gegründete Bedenken aufgetaucht, ganz abgesehen davon, daß die übrige Bevölke⸗ rung ganz sicher einer noch kaum dagewesenen Not preisgegeben wäre. Der Unterhalt der Landarmee allein soll sich nach den Berechnungen von Militärs auf 25 Millionen Mark

täglich belaufen, von den Kosten für die Schlachtflotte abgesehen. Wo dies Geld auf die Dauer herkommen soll, das dürfte auch den findigsten Geheimräten im Finanzdeparte ment vollkommen schleierhaft sein.

Wir müssen offen gestehen, daß wir das Vorgehen der leitenden politischen Kreise nicht begreifen. Denn eine Regierung mag sonst sein, wie sie will auf die Stimmung der Massen muß sie stets Rücksicht nehmen; die Zeit der stummen Sklaverei ist in allen Kulturländern längst vorüber. Man weiß doch, daß die tolle Steigerung der Ausgaben die Massen in Er⸗ regung bringt, weil sie neue Steuern zu fürchten haben. Und dennoch kündigt man die neuen Militärforderungen vor den Wahlen ganz offen an.

Wenn ein Bismarck an der Spitze des Reiches stände, dann würden wir hinter diesem Vorgehen eines jener verwegenen und frivolen Experimente vermuten, an denen die staats⸗ männische Laufbahn dieses abenteuerlustigen Menschen so reich gewesen ist. Man denke nur an seine Experimente mit dem Sozialismus. Heute würden wir vermuten, er wolle absicht⸗ lich einen entschieden oppositionellen Reichstag zusammenbringen, mit dem sich nicht mehr regieren ließe. Dann müßte nach seiner Meinung der Zusammenstoß Militärstaat und Parlamentarismus, erfolgen. Der Reichstag verweigerte das Budget und Bismarck würde alsstarker Mann auftreten und die so geschaffeneZwangslage benutzen um den Reichstag und das allgemeine Wahlrechtauf diesem oder jenem Wege zu beseitigen.

Daß das ohne Weiteres so ginge, wird wohl Niemand behaupten wollen. Wir meinen auch nur, im Kopfe eines Bismarck könnte sich die Situation so verzerrt abspiegeln und könnten solche abenteuerliche Pläue entstehen, aber die leitenden Staatsmänner von heute haben ganz gewiß keine solchen Gedanken. Sie fassen die Sachegemütlich auf und denken, die breiten Schultern Michels, die schon so ansehnlich bepackt sind, könnten auch noch mehr bepackt werden, wenn der Inhaber dieser Schultern auch ein wenig schimpft und brummt.

Nun, der heftige Kampf um den Zoll⸗ tarif im Reichstage spiegelte die Volksstimm⸗ ung wieder in derObstruktion, Man ist nicht so gleichgültig gegen Mehrbelastungen, wie in denhöheren Regionen geglaubt wird.

Sehr leicht kann es sein, daß die Wahl⸗ bewegung die Staatsmänner, die nun mit solchen Militärforderungen kommen wollen, von ihrem Platze hinweggeschwemmt.

Nicht die, aber eine Wahlparole ist jeden⸗ falls gegeben:

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Die Wahlbewegung.

Nationalliberale und Freisinnige haben im Kreise Alsfeld-Lauterbach einen gemeinsamen Kandidat in der Person des Kreis⸗ rats Dr. Wallau⸗Lauterbach aufgestellt. Bisheriger Vertreter für diesen Kreis war be⸗ kanntlich der Antisemit Bindewald der in 10 10 8 Hauptwahl ganze 2870 Stimmen erhielt.

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