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Nr. 21. Gießen, den 24. Mai 1903. 5 10. Jahrg. Nedaktion: 25 i 5 Nedaktionsschluß: Nirchenplatz 11, Schloßgasse. Donnerstag Nachmittag 4 Uhr.
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Wahllügen u. Wahlmanöver.
Was schon zu gewöhnlichen Zeiten von den Gegnern und ihrer Presse, besonders aber den Kreis⸗ und Amtsblättern, über die Sozial⸗ demokratie, ihre Bestrebungen, ihre Vorkämpfer und Führer zusammengefabelt wird, ist wahrlich nicht gering, zu Wahlzeiten steigt die Lügenflut aber in unheimlicher Weise. Jetzt sind es beson⸗ ders die Produkte der„Antisozialdemokratischen Korrespondenz“ des Herrn Max Lorenz, welche mit Wohlbehagen von der ganzen reaktionären Sippe nachgedruckt werden. Amts- und Kreis⸗ blätter, darunter solche, die sich gerne den Anschein einer gewissen„Vornehmheit“ geben möchten,„unparteiische“ Organe und Antisemiten⸗ blätter füllen ihre Spalten mit dem, was Eugen Richter in seinen„Irrlehren“, was die Korbmacher Fischer, Viktor Schweinburg, Max Lorenz sonst irgendwo an gehässigen Torheiten gegen die Sozialdemokratie Abende haben. Bei Anwendung dieser von den genannten Fabrikanten gelieferten„geistigen Waffen“ kommt es natürlich auf mehr oder weniger Dummheiten und Verdrehungen nicht an; unbesehen, kritiklos wird alles aufgenommen, höchstens ein wenig auf lokale Verhältnisse zurechtgestutzt. Auch wird nicht danach gefragt, was das für Leute sind, welche da in Sozialisten⸗ vernichtung machen. Es erscheint deshalb an⸗ gebracht, wenn wir hier einige Angaben über einen solchen Ehrenmann machen, den Korb⸗ macher Fischer nämlich, dessen vor einigen Jahren mit Hilfe Stumm'schen Geldes her⸗ gestellte Sudelschrift jetzt im Kampfe gegen die Sozialdemokratie benutzt wird. Dieser Fischer ist ein Ordnungsmann, wie er sein muß. Unser Zentralorgan macht über sein Vorleben genauere Angaben. Fischer kam danach gegen Ende der achtziger Jahre nach Berlin, wo er sich in unsere Partei eindrängte, die er als melkende Kuh zu benutzen versuchte. Natürlich hatte er damit kein Glück und das mag aller- dings seine sozialdemokratische„Ueberzeugung“ ins Wanken gebracht haben. 1890 wurde dieser Mensch wegen eines niederträchtigen Messeran⸗ griffs auf den Schlächtermeister Hagedorn zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. Außer dieser Strafe hat Fischer noch eine mehr⸗ wöchentliche Gefängisstrafe wegen Betruges sowie eine Strafe wegen Betruges und Urkundenfälschung erlitten, weil er sich auf einer gefälschten Quittung unberechtigter Weise hatte Geld ausbezahlen lassen; ferner wurde er wegen Hausfriedensbruch mit Ge⸗ fängnis bestraft.
Dieses wegen Widerstandes, Messerstecheret, Betruges, Urkundenfälschung und Hausfriedens⸗ bruchs bestrafte Individuum, das ist der Ehren⸗ mann, der den sozialdemokratischen Führern ihr Wohlleben und den sozialdemokratischen Arbeitern ihre Rohheit und ihr wüstes Betragen vorhält, und dessen schriftstellerisches Machwerk von den Parteien, die so gern über die rohe Kampfesweise der Sozialdemokratie klagen, mit perfidem Lächeln als Wahlmittel benutzt wird.
Von ähnlichem Kaliber ist der ehrenwerte Mitarbeiter des Fischer, Fink, ehemaliger Redakteur der„Post“ und Sekretär der konser⸗ pativen Partei, der wie im Reichstage nach⸗ gewiesen worden ist, in Amerika Checks und Wechsel gefälscht hat.
Sehen wir uns aber die Fabrikate dieser Ehrenmänner ein wenig an! Die hübsche Aufstellung von den Beitragsleistungen des Unternehmertums zu der Arbeiter⸗Versicherung haben wir schon mehrfach erwähnt, wollen des⸗ halb heute darauf umsoweniger eingehen, als wir in der nächsten Nummer einen Artikel über die Versicherungsgesetze bringen werden. Doch da ist zunächst ein Machwerk des Lorenz, das sich der„Gießz. Anzeiger“ zueignete und das auch dem Antisemiten Hirschel so gut gefallen hat, daß er es wortwörtlich in seinem berühmten Offenbacher Blatte abdruckt.
In dieser Lorenziade,„Politik und Ge⸗ schäft“ betitelt, werden die früheren und jetzigen Berufe der sozialdemokratischen Abgeordneten aufgezählt, um dadurch darzutun, daß„die sozial demokratischen Abgeordneten gerade durch die Partei ihre bürgerliche und soziale Position gebessert haben.“ Merkwürdig, man macht unsern Parteigenossen zum Vorwurf, was man bei den Bürgerlichen als besonders ehrenvoll und als Beweis persönlicher Tüchtigkeit ein⸗ schätzt! Wenn irgendwo ein Nicht⸗Sozialdemo⸗ krat sich etwa vom Arbeiter zum Unternehmer und reichen Manne entwickelt und es womög⸗ lich zum Kommerzienrat bringt, so weiß das die bürgerliche Presse nicht genug zu loben, stellt einen solchen Mann den anderen Menschen als Muster hin, als ein Beispiel, wie man es„durch Fleiß und Sparsamkeit zu etwas bringen“ könne.
Selbst wenn oft die Mittel, durch die irgend einer hochkam, höchst bedenklicher Natur waren, wenn er auch schamlos ausbeutete, prellte, spekulierte— ist er zu Besitz gekommen, bleibt er ein Ehrenmann! Nicht aber der sozial⸗ demokratische Arbeiter, der infolge seiner Parteizugehörigkeit außer Lohn und Brot gejagt wurde, sich selbständig machen mußte oder die Redaktion eines Gewerkschafts⸗ oder Partei⸗ blattes übertragen erhielt. Man sollte sich doch freuen, wenn sich ein Arbeiter soweit ausbildet, daß er eine Redakteurstelle versehen kann! Ja freilich, Amtsblatt⸗Redakteure werden solche Arbeiter in der Regel nicht, denn dazu kann man nur Leute brauchen, die keine selbständige Meinung haben, die schreiben müssen, wie es von oben gewünscht wird, die aus Furcht oben anzustoßen, noch nicht einmal wagen, leise Kritiken einer Staatsstütze aufzunehmen.— Der Zweck dieser Notiz, unsere Abgeordneten bei den Wählern zu verdächtigen, wird nicht erreicht werden, vielmehr wüunschten die Arbeiter, daß sich alle unsere Abgeordneten in recht günstiger wirischaftlicher Position befänden, um den Kampf gegen Unrecht, Unterdrückung und Ausbeutung noch nachhaltiger zu führen!
Ebensowenig wird die schofle Verdächtigung des Anzeigers gegen unseren Genossen Krumm, den das Blatt als einen Mann hinzustellen sucht, der ebenfalls seinen Vorteil bei der sozialdemokratischen Partei suche, ihren Zweck erreichen. Daß das eine grobe Unwahrheit ist, weiß Jeder; auch der anständige Gegner muß anerkennen, daß genau das Gegenteil wahr ist, unser Genosse nicht unbedeutende Opfer für unsere Sache bringt. Glaubt man mit solchen plumpen Angriffen die Sache der Ordnungs⸗ parteien zu fördern? Uns schaden solche von Jedermann als niedrige Verdächtigungen zu erkennende Angriffe wahrlich nicht!
Ein anderer Wahlschwindel, der den Mittelstand gegen die Sozialdemokratie auf⸗ hetzen soll, ist folgende Notiz, die durch die ganze Reptilpresse geht und die auch der „Wetzlarer Anz.“ abdruckte:
Der sozialdemokratische Abg. Ledebour hat sich in einer Wahlversammlung auf eine von Herrn Dietzsch gestellte Anfrage über die Stellung der Sozialdemokratie zu den Interessen des Mittelstandes folgendermaßen geäußert:„Die Sozialdemokratie hat mit den Mittelstandsparteien absolut nichts gemein und wird sich niemals dazu her⸗ geben, die Interessen des Mittelstandes, d. h. der Handwerker, Ladenbesitzer, kleinen In⸗ dustriellen usw. zu vertreten, da auch diese nur zu der Klasse der Ausbeuter gehörten. Die Sozialdemokratie ist nicht dazu da, die in ihrer Existenz bedrohten kleinen Gewerbe— treibenden zu schützen oder zu stützen, sondern es liegt nur in der Absicht der Sozialdemo⸗ kratie, daß diese Elemente, die dem Cxistenz⸗ kampf nicht gewachsen sind, ihre Selbst⸗ ständigkeit aufgeben; auf irgendwelche Hilfe gegen die Pressionen des Großkapitals, der Großindustrie, der Großbazare, der Konsumvereine usw. hat der Mittelstand seitens der Sozialdemokratie nicht zu hoffen, sondern es wird gerade das Bestreben der Sozialdemokratie sein, solche Bazare, Groß⸗ industrien usw. im Kampfe gegen den Mittel⸗ stand zu unterstützen.“
Wie Gen. Ledebour im Vorwärts mitteilte, handelt es sich hier um eine grobe Fälschung seiner Worte. Ledebour hat in jener Versamm⸗ lung genau den Standpunkt vertreten, den unsere Partei dem Befähigungsnachweis, Zwangs⸗ innung ꝛc. gegenüber einnimmt. Deu Hand⸗ werkern vorlügen, daß solche Dinge zur Hebung des Handwerks geeignet sind, überläßt die Sozialdemokratie den Antisemiten.
Handwerk und Zolltarif.
Diese Frage beleuchtet eine höchst beachtens⸗ werte, kleine Broschüre eines praktischen Berliner Handwerksmeisters, des Malermeisters Emil Kruse, Berlin. Der gegenwärtige Kampf um Zolltarif und Handelsverträge ist für das Handwerk eine Angelegenheit von größter Wichtigkeit. Als besonderes Merkmal des Tarifs kann gelten, daß in ihm unverkennbar das Bestreben zum Ausdruck kommt, Rohstoffe und Rohmaterialien zu verteuern und ebenso die Preise für die Produkte der Landwirtschaft in die Höhe zu treiben. Damit ist cine Besteuerung der Arbeit und Geschicklichkeit zu Gunsten des Großkapttals eingetreten. Die Verarbeiter der Rohstoffe, zu denen vor allen die Handwerker gehören, sind außer Acht gelasseu; sie werden zusehen müssen, wie sie mit den verteuerten Rohmaterialien fertig werden, um auf ihre Kosten zu kommen, denn es ist eine vielerprobte Tatsache, daß eine Steigerung der Produktionskosten nur in äußerst geringem Umfange durch den Handwerker auf den Kunden abgewälzt werden kann.
Man könnte im ersten Augenblick vielleicht versucht sein, in den teilweise vorgesehenen höheren Zollsätzen für fertige Produkte einen Schutz des Handwerks zu sehen. In Wirklichkeit dürfte aber gerade dieser höhere Zoll dem
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