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Nr. 34.
Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 7.
haben, gefallen lassen, als wär's fortgesetzte Liebkosung. Wer will's den Herren Offtzieren verdenken, wenn ste schließlich auf den Stand⸗ punkt kommen, daß die Kerls wegen ihres mangelnden Ehrgefühls nichts Besseres verdienen, als die Unteroffiziersfaust ins Gesicht und den Unteroffiziersspeichel in den Mund und die Wurzelbürste an die Fußsohlen und andere, noch empfindlichere Körperteile. Ja, bei solchem schandbaren Mangel an Ehrgefühl kann es den Herren Offizieren überhaupt nicht einfallen, etwa extra aufzupassen, ob ein Unteroffizier die militärischen Erziehungsmittel durch ein paar raffinierte Grausamkeiten vermehrt.— Aber wenn auch die Gemeinen leider zu wenig Ehr⸗ gefühl haben und somit voraussichtlich wenig Aussicht ist, daß der verdammten sozialdemo⸗ kratischen Presse die Gelegenheit genommen wird, über Soldatenschindereien zu zetern— denn es kommt immerhin mal was raus durch einen dämlichen Selbstmord, den so ein Kerl ohne Ehrgefühl begeht oder durch sonst einen vertrackten Zufall und die verdammte Oeffent⸗ lichkeit des Gerichtsverfahrens sorgt ja dafür, daß das Zivil alles erfährt—, unser Kriegs⸗ heer bleibt deshalb doch das glorreichste der Welt, denn was den Gemeinen an Ehrgefühl mängelt, das ersetzen die Offiziere reichlich durch ihr höchst geläutertes Ehrgefühl, das bekanntlich so fein ist, daß jede Beleidigung durch Blut abgewaschen werden muß. Ja, Deutschland marschiert unzweifelhaft an der Spitze des Militarismus. Und dazu haben wir die starke, umsichtige Obrigkeit, der nichts entgeht, was die Ordnung, des Staates gefährden könnte. Eher läßt sich die Berliner Polizei zehn Mörder entgehen, als daß sie eine umstürzlerische Ver⸗ sammlung unbeaufsichtigt ließe und eher läßt die deutsche Sicherheitsbehörde zehn Defrau⸗ danten übers große Wasser kommen, ehe sie einen rot angehauchten Rekruten ohne die nötige Anmerkung in seinem Nationale in die Armee eintreten ließe. Und eher ließe sie ein paar Dutzend Rowdies unbehelligt, als daß sie einen Streikbrecher ohne genügenden Schutz ließe und einen Streikposten ungestört sein verbrecherisches Wesen treiben ließe. Und eher verzichtet die deutsche Justiz darauf, die verschlungenen Pfade geschickter Bankenführung und Mtllionenverposa⸗ mentierung zu erhellen, als daß sie die kleinste Majestätsbeleidigung ungeahndet ließe. Sie weiß sie aufzuspüren und wenn sie noch so raffiniert hinter russtscher Sprache und russischen Lettern verborgen wäre. Und sie kennt kein Ansehen der Person, unparteiisch waltet sie ihres Amtes, und ob ein ernster Denker, dessen Ruhm den Erdkreis erfüllt, in von hohem sitt lichen Eifer durchglühter Untersuchung das Maß der Kritik an die Handlungen der Majestät legt oder ob ein Betrunkener in der Bierlaune sie mit einem Schimpfwort belegt, das ist vor ihrem Richterstuhl ein und dasselbe. Durch die Majestät des Geistes läßt sie sich nicht beeinflussen, wenn es gilt, das Ansehen der Majestät der Krone zu wahren.
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Aber auch das eigene Ansehen weiß die Obrigkeit energisch zu schützen. Das hat man in Oschersleben gesehen, wo die Nörgelei an dem braven, pllichteifrigen Polizeikommissar Haensch gebührend zurückgewiesen worden ist. Das wäre ja auch noch besser, wenn die lumpigen eidlichen Aussagen untergeordneter Beamter, die von zivilen Einflüssen bedenklich angekränkelt erscheinen, einen höheren Beamten um seine Stelle und um die Qualifikation bringen könnten, das Zivilistenpack zu komman⸗ dieren. Und was ist denn auch dagegen einzu⸗ wenden, wenn ein Kommissar seine Unterbeamten anhält, recht viele Anzeigen zu machen und oppositionelle Stadtverordnete zu kneifen, daß sie am Leben verzagen. Das zeigt doch nur, mit welchem edlen Biereifer der Herr seine Pflicht, Ordnung und Sicherheit aufrecht zu erhalten und gute Gesinnung zu wecken, erfüllt hat. Und daß er einen Untergebenen aus dem Pulte eines aufsässigen Kollegen die Beschwerde⸗ schrift gegen den Herrn Kommissar entnehmen ließ, das zeugt auch nur von seinem unermüd⸗ lichen Bestreben, allen Wünschen gerecht zu werden, denn selbstverständlich wollte der Herr Kommissar das Schriftstück nur haben, um zu sehen, was er noch tun müsse, um seine Unter⸗ gebenen zufrieden zu stellen. Kurz und gut, von welcher Seite man die Wirksamkeit dieses Herrn Kommissars Haensch auch betrachten mag, überall erstrahlt er als Spiegel echter Beamtentugend und es hieße geradezu vor Umsturz und Anarchie eine Verbeugung machen, wenn man einen solchen verdienten Mann aus seiner Stellung entfernen wollte. Aber so etwas tut eine preußische Regierung Gott sei Dank nie und nimmer— der Untertan kann ganz ruhig sein und wenn er's etwa nicht ist, so wird ihn die Regierung zu Magdeburg oder Herr Haensch in höchsteigener Person verklagen und ihm begreiflich machen, daß es nicht seines Amtes ist, zu raisonnieren, sondern daß er in gebührender Ehrfurcht auch die seinem beschränkten Untertanenverstande unerforschlichen Beschlüsse und Anordnungen der Obrigkeit aufzunehmen hat. Und wenn die Obrigkeit den Einbrecher Stemmeisen zum Nachtwächter machte, so hätte der potente Bürger, der was bedeutet und was hat, überzeugt zu sein, daß für die Sicherheit seines Eigentums in außerordentlich zweckent⸗ sprechender Weise gesorgt ist— und den großen Haufen, dem nichts gestohlen werden kann, den geht's überhaupt nichts an.
(Sächs. Arb. Ztg.)
Der Tabakkonsum
kann nachgerade als Gradmesser für den Wohl⸗ stand einer Bevölkerung betrachtet werden. Er ist ein so allgemeiner, daß aus einer Ein⸗ schränkung oder Erhöhung desselben sehr gut sich ein Schluß ziehen läßt, in welchen Ver⸗ mögensverhältnissen ein Volk sich befindet. Der Verbrauch von Tabak sagt nämlich bis zu einem gewissen Grad, wie viel dem einzelnen
nach der Befriedigung seiner unausweichlichen Bedürfnisse übrig bleibt, um sich den Luxus einer Zigarre zu gestatten. Einen guten Beweis
dafür geben die Nachweisungen der österreichischen
Tabakregie über die Veränderungen im Ver⸗ schleiß während des Jahres 1901. Der Ge⸗ samterlös an Tabakfabrikaten betrug 216 Millionen Kronen und wies zwar eine Steigerung von 3 Millionen Kronen dem Vor⸗ jahr gegenüber auf, aber im Absatz der einzelnen Rauchsorten gingen stark einwirkende Verände⸗ rungen vor sich. Die Verschleißsteigerung ist nämlich nur der Steigerung des Zigaretten⸗ und Rauchtabakverkaufes zuzuschreiben. Bei Zigaretten ist eine Steigerung um 206 383 000 Stück zu verzeichnen, die einen Wert von 3,9 Millionen Kronen hatten, beim Rauchtabak ein Mehr von 243 Mehrzentnern im Werte von 446 254 Kronen. Dagegen ist der Verkauf der Zigarren überhaupt, insbesondere der gewisser Sorten, sehr empfindlich zurückgegangen. Sie weisen eine Abnahme von 19,2 Millionen Stück im Werte von 1,6 Millionen Kronen auf. Der Rückgang war besonders zu verzeichnen bei den sogenannten„Fünfercubas“, aber sogar auch bei den„Kurzen“.
Ebenso ist auch der Verschleiß der feinen Zigarrensorten ganz auffallend zurückge⸗ gangen. Die echten Havanna zum Beispiel um 21,2 Prozent gegen das Vorjahr. Eine Steigerung erfuhr dagegen der Verkauf der Portoriko und der Virginier. Bei den Zigaretten haben aber die stärkste Steigernng die Sport (19,5 Prozent) erfahren.
Der Bericht führt die Veränderungen im Konsum nicht mit Unrecht auf die Krise zurück. Die Krise wirkt auf alle Bevölkerungsschichten, die Aermsten können überhaupt nicht mehr rauchen. Die Bessergestellten gretfen zu schlech⸗ teren Zigarrensorten. Daher die Bewegung von der„Fünfercuba“ zur Portoriko und von den Zigarren zur Zigarette.
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Humoristisches.
Frommer Rat. Pfarrer: Man muß sich nicht über seine eigene Lage beklagen, man muß die Großen nicht beneiden und soll nicht verlangen, was man nicht hat. Proletarier: Wenn ich aber daran denke, daß ich mit meiner Familie hungern muß, so steigt mir der Groll beim Halse heraus. Pfarrer: Schlucke ihn hinunter, mein Sohn, und du wirst ge⸗ sättigt sein.(O' Asino.)
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Geschichtskalender.
23. August. 1897: Internationale Arbeiter⸗ schutzkonferenz in Zürich. 1875: Kongreß der soz.⸗dem. Partei in Eisenach(daher„Eisenacher“),
24. 1898: Abrüstungsvorschlag des russ. Zaren.
25. 1840: Immermann, Dichter, T. 1830: Ausbruch der Revolution in Brüssel.
26. 1902: Otto Gildemeister, Uebersetzer, F.
27. 1900: Nietzsche, Philosoph in Weimar, 5. 1770: Hegel, Philosoph,*.
28. 1864: Duell Lassalles mit v. Rackowicza. 1749: Wolfgang Grethe,.
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