Nr. 25.
Gießen, den 21. Juni 1903.
10. Jahrg.
medattion:
Airchenplatz 11. Schloßgasse.
Mitteldeutsche
mcduktioneschluk Donnerstag Nachmittag 4 Abs
Sonntags⸗Jeitung.
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Auf zur Stichwahl!
Parteifreunde im Wahlkreise
Gießen-Grünberg- Nidda!
Die Wahlschlacht in unserem Kreise hat zu keinem endgültigen Resultate geführt, sondern es hat Stichwahl zwischen dem nationalliberalen Kommerzienrat Heyligen⸗ staedt und unserem Genossen Krumm stattzufinden.
Parteifreunde! Wir dürfen mit dem bei der Hauptwahl erzieltem Erfolge wohl zufrieden sein. Unsere Stimmenzahl ist gegen 1898 um rund 1500 gestiegen und unser Wahlkreis braucht vor den übrigen Wahlkreisen im Reiche nicht zurück⸗ zutreten. Wir dürfen auf das Erreichte mit umso größerer Befriedigung blicken, als es mit nur geringfügigen Mitteln er⸗ kämpft wurde; standen uns doch nur wenige rednerische Kräfte zur Verfügung und unsere Organisation weist ebenfalls noch manche Mängel und Lücken auf.
Nun gilt es den Entscheidungskampf zu schlagen, den entgültigen Sieg zu er⸗ ringen! Helfe Jeder mit besten Kräften dazu! Viele Wähler, die zu der Klasse der Minderbemittelten und kleinen Leute gehören, sind bei der Hauptwahl der Urne fern geblieben, diese gilt es heranzuziehen. Wirke jeder Genosse in dieser Beziehung in seinem Freundes⸗ und Bekanntenkreise, die Lässigen angefeuert, die Reserven in's Gefecht geführt! Eine Schande wäre es, wenn die Tausende Arbeiter und Minder⸗ bemittelten ihre politische Vertretung der Partei des Sozialistengesetzes, der Zuchthaus vorlage, der Lebens⸗ mittelverteuerung, des Wahlrechts⸗ raubes, der Partei Drehscheibe überlassen wollten! Das kann und darf nicht sein!
Darum nochmals in den Kampf! Wer noch Sinn hat für Freiheit und Ge⸗ rechtigkeit, wer wünscht, daß der Beute⸗ politik ein Ende gemacht und dem Fort⸗ schritt auf allen Gebieten die Bahn frei gemacht werde, der muß der Sozial⸗ demokratie, der wahren Volks- und Kulturpartei zum Siege verhelfen!
Auf zur Stichwahl! Auf zum Siege! Derr———————
Volksgericht.
Hoch die Sozialdemokratie! Dieser
Jubelruf wird sich der Brust eines jeden Genossen entrungen haben, nachdem ihm die Ergebnisse der Hauptwahl bekannt wurden. Sieg der Sozialdemokratie auf der
anzen Linie! Mit riesigen Stimmenzahlen 1555 wir im ersten Wahlgange 58 Mandate erobert, in mehr als 100 Kreisen kommen unsere Kandidaten in zum Teil aussichtsvolle Stichwahl. Ein so gewaltiger Sieg einer Partei ist seit Bestehen des Reichstags noch nicht dagewesen.
Das Volk hat sein Urteil gesprochen über Vrotwucherpolitik, Militarismus und Chinaabenteuer und das Urteil ist ge⸗ radezu vernichtend ausgefallen. Die Brot⸗ verteurer und Wahlrechtsräuber sind gründlich aufs Haupt geschlagen. Das Volk hat für die Sozialdemokratie entschieden. Soweit das Wahl⸗ feld abzusehen ist, ist unsere Partei stegreich vor⸗ gedrungen. Auch die Gegner haben riesige An⸗ strengungen gemacht. Die Wahlbeteiligung ist in allen Lagern viel stärker gewesen als bei früheren Wahlgängen. Gerade in ihren aus⸗ sichtslosen Wahlkreisen haben die Gegner alle Hunde losgelassen, um den Sozialdemokraten keinen allzu großen Vorsprung zu lassen. Hat aber nicht viel geholfen. In der Reichshaupt⸗ stadt sind fünf Mandate auf den ersten Hieb gefallen, und im I. Kreise(Tiergartenviertel) ist der Sozialdemokrat in der Stichwahl. Berlin ist sozialdemokratisch.
In Sachsen haben wir geradezu glänzende Siege erfochten. 18 Kreise wählten Sozial⸗ demokraten und in den übrigen 5 kommen unsere Kandidaten in aussichtsvolle Stichwahlen. Kein einziger Gegner ist in Sachsen gewählt! Wahrlich das sächsische Volk hat mit den Wahlrechtsräubern gründlich aufge⸗ räumt. Riesige Wahlziffern haben die Berliner Genossen aufgebracht. Der VI. Kreis gab für Ledebour 78000 Stimmen ab, und Singer erhielt im IV. Kreise 67000! Aehnliche Ziffern weisen Hamburg, wo natürlich Bebel, Dietz und Metzger im ersten Wahl⸗ gang glatt gewählt wurden, ferner Altona, Charlottenburg, Leipzig⸗Land ꝛc. auf. Unsere Partei dürfte es auf mindestens 3 Millionen Stimmen und etwa 70—80 Mandate(niedrig geschätzt) bringen. Leider haben wir aber auch weniger gute Resultate. Frankfurt brachte nur ca. 100 Stimmen mehr auf als 1898; und Kreise, die bei der letzten Wahl im ersten Ansturm erobert wurden, müssen wir jetzt in der Stichwahl verteidigen, so Offenbach, Hanau und weiter Mainz und Höchst⸗ Usingen, von welchen Kreisen viele Genossen glaubten, daß sie uns im ersten Wahlgange zufallen würden.— Desto glänzender war der Sieg im Kreise Darmstadt, den Cramer mit 15000 Stimmen behielt.— Vollmar siegte in München mit 17000 Stimmen
Mehrheit; auch Nürnberg und Stuttgart
fiel uns gleich in der Hauptwahl wieder zu. Essen hat seine sozialdemokratische Stimmen⸗ zahl von 4400 auf 22705 erhöht. Das kommt vom Tischtuchzerschneiden!
Ueberhaupt sind auch im Rheinland und Westfalen unsere Stimmen ganz gewaltig bestederz Außer Essen, weisen Bochum, Düssel⸗
orf, Elberfeld bedeutende Zunahme auf. — Allein in Berlin beträgt unsere Stimmen⸗ zunahme 63 000; und Sachsen brachte über 120000 mehr sozialdemokratische Stimmen als bei den letzten Wahlen. Die Sozialdemokratie hat jetzt in Sachsen die übergroße Mehrheit
der gesamten Wähler hinter sich, sie brachte ca. 100000 Stimmen mehr auf als die ge⸗ samten Gegner.
Bis Donnerstag Nachmittag waren alle Wahlresultate bekannt. Gewählt waren: 31 Konservative, 6 Reichsparteiler, 11 Polen, 5 Naionalliberale, 88 Mitglieder des Zentrums, 1 Däne, 4 Wilde, 6 Elsässer, 1 Reformpartei, 3 Bauernbund, 58 Sozialdemokraten.— 168 Stichwahlen sind erforderlich, an denen beteiligt sind: 37 Konservative, 122 Sozial- demokraten, 24 Freisinnige Volkspartei, 10 Freisinnige Vereinigung, 65 Nationalliberale, 6 Polen, 4 Elsässer, 12 Reichspartei, 35 Mit⸗ glieder des Zeutrums, 8 Wilde, 9 Antisemiten, 4 Bauernbund, 8 Welfen, 1 Bund der Land⸗ wirte und 8 Deutsche Volkspartei.
Gewählt sind nach dem„Vorwärts“ 58 Sozialdemokraten, darunter die folgenden:
Berlin II: Fischer. Berlin III: Heine. Berlin IV: Singer. Berlin V: Schmidt. Berlin VI: Ledebour. Niederbarnim: Stadthagen. Charlottenburg: Zubeil. Brandenburg: Peus. Hamburg I: Bebel. Hamburg II: Dietz. Hamburg III: Metzger. Bremen: Schmahlfeld. Lübeck: Schwartz.
Zeitz: Thiele.
Halle: Kunert. Breslau⸗West: Bernstein. Altona: Frohme. Ottensen⸗Pinneberg: Elm. Kiel: Legien.
Hannover: Meister. Elberfeld: Molkerbuhr. Solingen: Scheidemann. München II: Vollmar. Nürnberg: Südekum. Stuttgart: Hildenbrand. Darmstadt: Cramer. Rostock: Herzfeld. Braunschweig: Blos. Holzminden⸗ Calwer. Greis: Förster.
Gera: Wurm. Altenburg: Buchwald.
Sachsen: Zittau: Fischer. Löbau: Sindermann. Dresden⸗Neustadt: Kaden. Dresden⸗Altstadt: Gradnauer. Dresden⸗Land: Horn. Meißen: Nitzsche. Pirna: Fräßdorf. Döbeln: Grünberg. Leipzig⸗Land: Geyer. Mittweida: Göhre. Chemnitz: Schippel. Glauchau: Auer. Zwickau: Stolle. Stollberg: Goldstein. Zschopau: Rosenow. Annaberg: Grenz. Reichenb ich: Hofmann. Plauen: Gerisch.
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