Ausgabe 
18.10.1903
 
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Nr. 42.

Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

sondern demjenigen angehören, der uns ange⸗ f ört.

* Das zweitemal grüßte er schon munterer und sprach sie vertrauter an. Da sie gar so gut und freundlich hersah, begann er sie zu loben, wie sie so schön sei und so geschickt, und

daß es kein Mädchen im ganzen Dorf gebe wie sie. Darauf konnte sie das begreiflich nur ab⸗ lehnen und ihrerseits ihn loben, und das machte sich der Schneider zunutze. d. Ja, entgegnete er, wenn er so einer wäre,

und wenn sie wirklich so von ihm dächte, das

wäre eine Red' wert: denn so ein Mädchen wie sie hätte er sein Lebtag nicht gesehen, und wenn ihn so eine möchte, dann würde er mit

dem König nicht tauschen.

Hierauf lächelte die Bäbe gar nicht ab⸗ schreckend, und Tobias rief in aller Treuherzig⸗ keit der Hoffnung und der Freude:Könntest du mich gern haben, Bäbe? Könnt's möglich sein? Sag's ö 8

Und die Bäbe erwiderte mit Holdseligkeit: Ich sag' nicht nein! Aber so schnell geht das doch auch nicht; wir müssen uns doch erst näher kennen lernen!

Was braucht's da näher kennen lernen, rief der Schneider heroisch;wir sind ein Paar komm, gib mir deine Hand drauf!

Als der Schneider die seine hinstreckte, zögerte das Mädchen; aber er drängte, und sie gab ihm ihre Hand, indem sie sagte:Nun in Gottes Namen weil du's nicht anders tust!

Der Bund war geschlossen der Schneider im höchsten Aufschwung der Freude.

Als er wieder heimkam und in die Stube trat, mußte er sich ordentlich Gewalt antun, um die Lust, die ihn durchwogte und ihm wie Feuer aus den Backen ging, nicht so auffällig werden zu lassen, daß zuletzt der Alte etwas merkte und ihn durch Fragen in Verlegenheit setzte. Dieser hielt ihn aber bloß für erhitzt und trug ihm eine Arbeit auf, ohne ihn weiter anzusehen; und nach und nach lernte der Gute in sein Glück sich finden und empfand die Seligkeit jener heimlichen Liebe, die bekanntlich heißer brennt als eine glühende Kohle, eine Reihe von Tagen den schönsten seines Lebens. Ohnehin war's im Monat Mai, wo alles in Blüte sland, die Vögel in Lüften und auf Bäumen wonniglich sangen und auch der gewöhnliche Bauernbursche die Weltlieble findet, um wie

viel mehr ein liebender Schneider, der schon an sich zärter empfinden konnte als irgend einer im Dorfe! Die beiden wußten es einzurichten, daß sie sich wenigstens flüchtig sahen und was brauchten ste zunächst mehr? Sie hatten ja die Gefühle der ersten Liebe, die herrlicher sind als alles, was die Welt bieten kann. In dem Lichte der Freude war es dem Schneider, als ob es kein Hindernis gebe für ihn und er alles durchsetzen müßte, was er nur ernstlich wollte; und darum belebte fröhliche ee sein Herz, und er sah in die Zukunft, als o

er das Wünschhüttlein besäße und nur sagen dürfte, das möcht' ich so hatt' er's!

Da trat plötzlich ein Ereignis ein, das ihn aus dem Paradies, in welchem er sich und die Welt vergessen hatte, gewaltsam herausriß, in⸗ dem es von ihm eine Entscheidung und statt holder und beglückender Vorstellungen, eine Tat verlangte. 5

Der Weber hatte außer der Sibylle noch zwei Kinder, einen Sohn, der Soldat war, eine jüngere Tochter, die noch in die Schule ging. Dem Sohne war natürlich die Sölde zugedacht, und da er im letzten Dienstjahr stand, so hätte er sie um so früher übernommen, als er dadurch auch den Wünschen des nicht mehr ganz rüstigen und etwas bequemen Vaters entgegenkam. Da traf eines Tages die Meldung ein, daß er in der Garnison an einer dort grassterenden Seuche plötzlich gestorben sei. Durch diesen Todesfall war der Stand der Dinge mit einem Male verändert; und nachdem eine Woche in aufrich⸗ tiger Trauer und Teilnahme verflossen war, konnten die Beteiligten nicht umhin, ihn zu betrachten und ihre Entschließungen danach ein⸗ zurichten..

Sibylle war jetzt nicht nur eine bessere Partie, sondern hatte auch Aussicht, Hauserbin zu werden, und eine solche hat für den Bauern stets einen eigentümlichen Wert, indem sie das Herumsuchen nach einem Anwesen üherflüssig macht, und als der Vogel, der im Neste bleibt, auch bei der Teilung am besten wegzukommen pflegt. Bei der Gesinnung des Alten hatte es alle Wahrscheinlichkeit, daß er die Sölde an die ältere Tochter abgab, sofern sich ein Mann fand, der ihm besonders erwünscht sein mußte.

Diesen Umstand erwogen vor allem Sibylle und der alte Schneider. Das Mädchen behielt

ihre Gedanken für sich und besorgte ruhig ihre Geschäfte, indem sie annahm, daß sich Tobias nun schon bald selber einstellen werde. Der alte Schneider, für den der Handel nachgerade ernsthaft zu werden anfing, wollte nichts ver⸗ säumen, ihn sobald als möglich zur Entscheidung zu bringen.

Eines Tages, als er sich mit dem Sohne allein in der Stube sah, faßte er diesen ins Auge und sagte:Nun, wie stehst du mit der Sibylle? Hast du mit ihr gesprochen?

Tobias, der bei der unerwarteten Frage ziemlichverhofft war, entgegnete mit ange⸗ nommenem Ernste:Noch nicht. In der Zeit, hab' ich gedacht, wird sich's doch nicht schicken.

In der Zeit, fiel der Alte ein,schickt sich's grad, daß du mit dem Mädchen die Sach' richtig machst. Wenn jetzt einer kommt und ist der Mann danach, dann gibt ihm der Weber das Haus; das wissen andere so gut wie ich, und darum sorg' ich, wer jetzt nicht bald vor⸗ wärts macht, der hat das Nachsehen.

Nun, wagte Tobias einzuwenden,gar so arg würd' ich mich dann auch nicht kränken!

(Fortsetzung folgt.)

Splitter.

Der stärkste Wille ist nicht der, der alles 116 175 er will, sondern der alles will, was er tut.

Geschichtskalender.

19. Oktober. 1896: Otto Kappell, ehemal. sozial. Reichstagsabgeordnete, T. 1813: Schlacht bei Leipzig.

18. 1897: Carl Grillenberger, soz. Reichs⸗ tagsabgeordneter, erliegt in München auf dem Heim⸗ wege von der Landtagsfitzung einem Schlaganfalle. 1878: Sozialistengesetz vom Reichtage angenommen.

20. 1820: Monarchenkongreß in Troppau gegen die Revolution in Spanien, Portugal ec.

21. 1894: Parteitag in Frankfurt. 1878: Soz. Gesetz tritt in Kraft.

22. 1900: Der 12000 Mk.⸗Bettel wird ver⸗ öffentlicht. 23. 1901: Bürkli, Zürich, T. 1878: Verbot

der BerlinerFreie Presse. 1862: König Otto von Griechenland schüttelt den Staub von den Pantoffeln.

24. 1901: Französischer Bergarbeiterstreik vertagt. 1795: Dritte Teilung Polens. 1648: Westfälischer Friede.

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