Ausgabe 
18.1.1903
 
Einzelbild herunterladen

ũd

*

=

bel 5

Markte gefördert. In malerisch aufgebäumter karren, der jenem Biedermann die Möglichkeit kaufen, das spater dem eleganten kunstgewerb⸗

sttufenweise fort bis zu jenem Diplome in ver⸗ goldeter Fassung, mit dem der Landesfürst die

chens zu stellen.

scchöne Land entdeckt worden ist, eine fortgesetzte fieihe von Grausamkeiten, Metzeleien, Kriegen

Frieden und Gedeihens.

bpenig von beiden genießen dürfen.

henderheerden durchziehen das Land. Es lassen

Nr. 3.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 7.

Zeugniß abgelegt hätte von jenem Schwung nationalen Geistes.

Das Tintenzeug des Schreibtisches war eine wunderbar feine Nachahmung desSebaldus⸗ grabes von Peter Vischer in getriebenem Silder; der Zigarrenbehälter, der unserem kleinen Rechtsfreunde so oft das Herz höher schlagen machte, der Kölner Dom im Kleinen; die Ampel, die von der in bunter Ornamentik fast erstickten Decke herabhing, ein Bild der Lampe, die der sangesfrohen Tafelrunde der Landesgrafen von Thüringen den Saal der Wartburg erleuchtet hatte.

In einer Ecke dieses Zimmers fland auf einer Estrade ein reizendes Modell des Wohn⸗ hauses und der Fabrikanlagen der Firma C. b. O., bis in den kleinsten Zug genau nachge⸗ bildet; über dem Bogentore der Luchskopf mit den geheimnißvollen drei Buchstaben im Schutze eines gezackten Krönchens. Es war ein Ge⸗ schenk der städtischen Vertretungskörper, die mit dieser sinnigen Gabe den um die lokale In⸗ dustrie so hoch verdienten Mitbürger gebührend ehren wollten.Sie haben hatte damals der befrackte Bürgermeister am Schlusse seiner Rede gesagt,Sie haben unsere ärmere städtische Bevölkerung dem Leben wiedergegeben, indem Sie ihr Gelegenheit zu einträglicher Be⸗ schäfttgung boten; einer Beschäftigung, welche

dem Einzelnen ebenso wie der gesamten Na⸗

tion zu gute kommt, die in Ihnen eine Leuchte deutschen Geistes erblickt!

Rinder! lachte der Doktor am Abende jenes erhebenden Tages im Hinterstübchen des HotelsZur deutschen Warte,heut habe ich den deutschen Geist einmal in allen seinen Schattierungen kennen gelernt!

Jenem Beweise mitbürgerlicher Dankbarkeit gegenüber war an der Hauptwand des Ge⸗ maches die Geschichte des Hauses C. v. O. aufgestellt.

Unter Glas und Rahmen hing ein faden⸗ scheinig Tragband, das erste Transportmittel, mit dem der Vater des gegenwärtigen Inhabers der Weltfirma sein kleines Warenbündels zu

Haltung stand daneben der abgenützte Schub⸗ werschafft hatte, das einfache Häuschen anzu⸗

lichen Palais weichen mußte. So ging es

Firma ermächtigt hatte, die beiden Wörter ihres Namens durch ein trennendesvon zu udeln und in den Schutz eines gezackten Krön⸗

Dies war die bewegte und lehrreiche Ver⸗ angenheit, welche eine verkommene Gegenwart fuß dem Namen Carl von Ostheim zusammen⸗ faßte.

(Fortseßung folgt.)

eee

Venezuela. Die Geschichte Venezuelas ist, seitdem das

und Revolutionen mit kurzen Pausen des Es ist die aufrühre⸗ nüschste aller lateinisch⸗amerikanischen Republiken, und obgleich es der Schauplatz der ersten Zivi⸗ ksation auf dem amerikanischen Festlande war und sich als erstes Land für die bürgerliche Freiheit erklärte, hat seine Bevölkerung sehr In diesem Urteil, schreibt ein englisches Blatt, faßt W. E. Curtis die Geschichte des Landes zusammen.

sich deutlich drei klimatische Zonen unterscheiden, und man hat die Wahl des ewigen Sommers oder ewigen Winters. Unter anderem wachsen Bananen, Ananas, Zuckerrohr, Palmen, Kokos⸗ nüsse und Orchideen in Venezuela.Eine Reise den Orinoko hinauf auf einem der guten Dampfer, die den Yankees gehören, ist so be⸗ zaubernd, wie eine Nilreise, und kann von Newpork in etwa sechs Wochen für 1200 bis 1600 Mark, gemacht werden, sagt Curtis. Den Kongreß, der die Legislative darstellt, hat zwei Abteilungen, den Senat und das Abge⸗ ordnetenhaus; die Senatoren werden von den Abgeordneten gewählt. Die Mitglieder des Abgeordnetenhauses werden vom Volk gewählt, und zwar einer auf 35,000. Senatoren und Volksvertreter versammeln sich vereint und wählen sechzehn aus ihrer Zahl, die als Bundes⸗ rat tätig sind, der wieder den Präsidenten wählt. Der Präsident wohnt imGelben Hause derCasa Amarilla. Venezuela ist berühmt durch seine Revolutionen, deren Art der amerikanische Konsul in La Guayra ssehr sarkastisch schilderte.Wir haben hier oft welche, sagt er.Das Leben in diesem Lande ist so grausam langweilig, daß sie fast die ein⸗ zige Erregung während des Jahres sind. Das wird folgendermaßen gemacht. Wenn ein Mann findet, daß eine genügende Zahl Freunde zu ihm halten, besticht er einiges Kriegsvolk zu 10 Cents pro Kopf und steht dann an der Spitze eines Heeres. Damit marschiert er in ein großes Tal in der Nähe der Stadt und erwartet die Ankunft der Regierungstruppen. Wenn nun diese kommen, ziehen sie mit allen Generalen auf die andere Seite des Tales. Sie sind ganz sicher, da beide Seiten des Tales nicht in Schußweite von einander liegen. Am frühen Vormittag, ehe die Sonne zu heiß brennt, geben beide Seiten eine Salve aufeinander ab, wenden sich dann um und stürzen in die Stadt. Die Seite die zuerst hereinkommt, ergreift alle Druckpressen und veröffentlicht den Bericht von einem glänzenden Sieg. Gewinnen die Em⸗ pörer, so werden die Freunde des Führers mit Stellen im öffentlichen Dienst belohnt, an Stelle ihrer besiegten Vorgänger, und der Staatsschatz wird geleert. Die Empörer, die von der entfernteren Seite des Tales kommen, haben es nicht so leicht, in die Stadt zu kom⸗ men; sonst würde die Regierung noch öfters wechseln.

Die drah lose Telegraphie,

bezüglich deren Verwendbarkeit in der Praxis man früher starken Zweifel hegte, gewinnt in der letzten Zeit seit den erfolgreichen Versuchen des Italieners Marconie immer mehr an Bedeutung. Dieser Tage soll Marconie in New Pork über die Zukunft der drahtlosen Tele⸗ graphte geäußert haben:Wir werden unsere Gebühr für tranusatlautische Telegramme bald von 10 auf 1 Cent für das Wort herabsetzen. Gegenwärtig befördern wir 34 Worte in der Minute. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, wann wir Stationen ausrüsten werden, von denen aus wir 200 Worte in der Minute senden können. Wenn es erforderlich wäre, könnte ich es in wenigen Tagen tun. Nach Errichtung dieser Stationen wird die drahtlose Telegraphie der Post die Hälfte des Verkehrs zwischen Amerika und Europa abnehmen.

Der Nährwert von Pfarrhof und Schule.

In einer tschechischen Stadt fand vor einiger

Das schöne Land im Norden Südamerikas ist iber eine Million Quadratkilometer groß und bird von 1047 Flüssen, darunter dem mächtigen Lrinoko, bewässert. Es hat 32 natürliche Häfen und 50 Buchten, deren größte, der Marg⸗ cibosee, über 2000 Quadratmeilen groß ist. m Innern zeigt es ein Naturwunder, einen frst 1700 englische Meilen über dem Meeres siegel gelegenen See. Etwa ein Drittel des bebietes ist Acker-, fast die Hälfte Weideland

Zeit eine Lehrerkonferenz statt die Lehrer be⸗ sichtigten nach beendeter Arbeit auch die Seheus⸗ würdigkeiten der Stadt und kamen schließlich in das städtische Bad. Dort ist es nun Brauch, daß die Besucher gewogen werden, wobei das Gesamtgewicht der 42 Lehrer mit 2750 Kilo⸗ gramm festgestellt wurde. Wenige Wochen später hielten auch die Pfarrer der Dibzese eine Konferenz ab; auch sie besuchten das städtische Bad und ließen sich wiegen. 31 Pfarrer hatten

65% Kilogramm, ein Pfarrer ein Gewicht von 98¾ Kilogramm. Der Klerus hat eben das Uebergewicht.

2.

Splitter.

Eben ganz leichtsinnige und der Besserung unfähige Menschen klagen sich oft am lebhaftesten an, bekennen ihre Fehler mit großer Freimütig⸗ keit und bereuen sie, ob sie gleich nicht die mindeste Kraft in sich haben, don dem Wege zurück zu treten, auf den eine übermütige Natur sie hinreißt.

Goethe.

**f *

Man darf nur alt werden, um milder zu sein. Ich sehe keinen Fehler begehen, den ich nicht auch begangen hätte.

Goethe. 5** Lasse dir den Mut nicht rauben; Sei im Unglück stolz und fest! Werden doch die besten Trauben Stets am härtesten gepreßt! L. Kalisch.

*

* Der große Mann geht seiner Zeit voraus, Der Kluge geht mit ihr auf allen Wegen, Der Schlaukopf beutet sie gehörig aus, Der Dummkopf stellt sich ihr entgegen. Bauernfeld.

Humoristisches.

Zur Abwechslung. Gefängniswärter: Herr Direktor, die Gefangenen beschweren sich, daß sie jetzt drei Tage hinter einander Kartoffeln mit Rüben zum Mittagessen gehabt haben. Direktor: So, so! Na, dann geben wir ihnen zur Abwechslung jetzt mal drei Tage Rüben mit Kartoffeln.

Wohltätig. Kammerjungfer:Frau Baro⸗ nin, eine arme Frau frägt, ob sie nicht ein altes, ab⸗ gelegtes Kleid bekommen könnte? Baronin:Das habe ich nicht, aber ein altes Modejournal kann sie haben!

Ein höflicher Mann. Richter(zum Ange⸗ klagten, der wegen Körperverletzung vor Gericht steht): Angeklagter, Sie haben dem Ihnen vollständig unbe⸗ kannten Hausbesitzer Steigerer nachts den Weg abgepaßt und ihn ohne jeden Anlaß mit einem Prügel auf den Kopf geschlagen! Angeklagter:Ja, ja! Aber ich hab' sogleich pardon gesagt, wie ich g'seh'n hab', daß ich den Falschen erwischt hab'!

In den Kruppschen Eisenwerken hatte kürzlich ein Arbeiter das Unglück, von der Maschine er⸗ faßt zu werden. Nach stundenlanger Arbeit gelang es endlich, ihn aus den Rädern los zu machen. Belde Arme waren ihm ausgerissen. Der Betriebsleiter trat auf ihn zu und sagte:Das haben Sie bloß gemacht, um die Adresse nicht zu unterschreiben. Sie sind ent⸗ lassen.

(Simpliciss.)

. 8äñ Geschichtskalender.

18. Januar. 1902: Arbeitslosen⸗Interpellation im Reichstage. 1896: Wahlrechtsliga in Leipzig auf⸗ gelöst. Floquet, franz. Politiker 5.

19. 1902: Brand des Stuttgarter Hoftheaters. 1874: Hoffmann von Fallersleben, freigesinnter pol. Dichter, f. 1736: James Watt(spr. Uatt), Hersteller der ersten brauchbaren Dampfmaschine,*.

20. 1898: Brodkrawalle in Italien.

21. 1793: König Ludwig XVI,. von Frankreich geköpft.

22. 1887: Die Berliner Genossen Hensel, Lach⸗ mann und Nauen brechen beim nächtlichen Flugblatt⸗ verteilen auf dem Eise der Havel ein und ertrinken. 1729: G. E. Lessing,*.

23. G. Doré, ber. Maler, f.

24. 1890: Reichstag beschließt die Ewigkeitsdauer des Sozialisten⸗Gesetzes.

Err Parteigenossen, Arbeiter!

werbt stets Abonnenten für die

und das übrige hat Waldbestand. Große

das Gewicht von 3061 Kilogramm. Es hatten also durchschnittlich ein Lehrer ein Gewicht von

Mitteldeutsche Sonntagszeitung