Ausgabe 
11.1.1903
 
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Nr. 2.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 7.

oder die Genossen, denen die Verbreitung des natürlich verbotenen Blattes direkt oder indirekt oblag, vermittelten naturgemäß die Verbindung innerhalb der Bewegung der einzelnen Orte; sie bildeten häufig den Mittelpunkt der lokalen Bewegung, waren oft ihre eigentliche Seele. Die Bedeutung ihres Blattes für ihre Be⸗ wegung wurde aber auch von den deutschen Arbeitern anerkannt und sie handelten da⸗ nach. Kaum je ist wohl ein Blatt mit solcher Anhänglichkeit von den Arbeitern irgend eines Landes hochgehalten worden, kaum je ist in der Arbeiterbewegung irgend eines modernen Landes eine Zeitung mit solchen Opfern auf⸗ recht erhalten und verbreitet worden, wie der Züricher Sozialdemokrat. Die paar Leute, die in der Schweiz bei der Herausgabe des Blattes tätig waren, hätten dem revolutionären Organ keinerlei Bedeutung geben können, wenn nicht Tausende von Arbeitern im Reiche ihre Freiheit aufs Spiel gesetzt hätten, um dieses Organ allwöchentlich in Tausenden von Exemplaren zu verbreiten. Diese unbekannten und unge⸗ nannten Arbeiter waren es, die dem offiziellen Organ der Sozialdemokratie Deutschlands wäh⸗ rend des Sozalistengesetzes seine Bedeutung

gaben.

Im ersten Jahre nach dem Erlaß des Sozialistengesetzes waren die Geldmittel der Partei naturgemäß sehr geringe. Die Organi⸗ sation war zerstört und die bisherigen Ein⸗ nahmequellen verschüttet. Dazu kam als Haupt⸗ sache, daß die Unterstützung der Ausgewiesenen und ihrer Familien alle aufgebrachten Gelder verschluckte. Als es sich dann zeigte, daß ein Preßorgan im Auslande eine absolute Not⸗ wendigkeit für die Bewegung sei, und als August Geib in Hamburg zuerst die Gründung eines solchen Blattes anregte, da fehlten der Partei die Mittel, dieses Blatt ins Leben rufen zu können.

Da war es der Sohn eines reichen Bankiers in Frankfurt a. M., Karl Höchberg, der die Mittel hergab, die nicht nur ausreichten, ein revolutionäres Organ für die deutsche So zialdemokratie in der Schweiz zu gründen, sondern der auch dafür sorgte, daß es einige Zeit aufrecht erhalten werden konnte.

Am 28. September 1879 erschien dann die Probenummer des Sozialdemokrat in Zürich unter der Redaktion von Georg Vollmar, der seinen Posten bis zum Jahre 1881 behielt, um ühn dann an Eduard Bernstein abzugeben, der das Blatt bis zum Schlusse seines Er⸗ scheineuns im Jahre 1890 redigierte. Regel⸗ mäßiger Mitarbeiter des Blattes für Deutsch⸗

land war Wilhelm Liebknecht.

Seinen höchsten Stand erreichte der Sozial⸗ demokrat im Jahre 1887 nach den Reichstags⸗ Die Auflage stieg damals bis zu Anfaug des Jahres 1888 auf 12 000. Von diesen 12 000 Exemplaren des Blattes gingen 8 000 über die deutsche Grenze ins Reich hin⸗ ein, während der Rest im Auslande abgesetzt wur de.

1888 begann die Auflage des Blattes etwas zu sinken, wenn auch nicht viel. Das war

Leine Folge der größeren Freiheit, die die deutsche

Regierung um diese Zeit den Arbeiterblättern im Reiche ließ, die zu einem Teil das Bestehen des Blattes im Auslande überflüssig machte. Es ist viel gefabelt worden über den Ver⸗ sand des Sozialdemokrat ins Reich hinein. Die Schwierigkeit und die Gefahr begann erst, wenn die Ladungdrüben war und wenn es hieß, sie nun derart über das Reich zu verteilen, daß weder die Sendung der Polizei in die Hände fiel, noch daß der Empfänger oder der Absender bei ihrer untergrabenden Tätigkeit abgefaßt wurde.. N .. Der Wege, auf dem der Sozialdemokrat und die übrigen verbotenen Schriften ius Reich hineingebracht wurden, waren nicht einer, es waren viele, viele. Die Genossen der Grenz dtädte, die den Vertrieb einer Sendung über⸗

nommen hatten, banden sich die entsprechend zusammengepackten Packete mit ihren verbotenen Inhalt um den Leib und gingenspazieren, wobei sie die Grenze passierten. Gewerbsmäßige Schmuggler, die mit der zatten, wurden des öfteren benutzt,

Partei nichts zu tun um die

Sendung über die Grenze zu bringen. Boots⸗ leute und Fischer des Bodensees, mit jedem Winkel des Grenzgebiets vertraut, nahmen gegen gute Bezahlung die Säcke oder Kisten mit ihrem Schrifteninhalt über den See und legten sie drüben auf deutschem Gebiet an irgend einem vorher bestimmten Platze, z. B. in einem buschigen Walde, nieder, und dort stellten sich dann, wenn die Luft rein war, die Vertrauensleute des betreffenden Ortes ein, um die Sendung weiter zu befördern oder vor⸗ läufig zu verstecken. Lokomotivführer haben verschiedentlich unter der Kohle ihrer Lokomotive eine Sendung des so gründlich gesuchten Blattes ins Land gebracht.

Und das war nicht blos an der Schweizer Grenze der Fall. Auch von Belgien und Hol⸗ land aus wurde die verbotene Ware ins Rhein⸗ land und von dort ins ganze Reich hinaus⸗ geschickt. Verviers Aachen-Köln war eine vielbenutzte Route und manchen schönen Sonn⸗ tagnachmittag sind die Kölner Genossen nach Verviers gefahren, die auf ihrer Rückfahrt in der EisenbahnSozialdemokraten unter ihrem Hintern hatten. Dann gingen Sendungen von Schriften, deren Ablieferung nicht so an die Zeit gebunden war, über Amsterdam zur See nach Hamburg; dann, unter Zollverschluß direkt von der Schweiz nach Hamburg, wo die dortigen Genossen dann den Schmuggel ins Reichsgebiet, nach Ottensen, Wandsbeck u. s. w. übernahmen.

So standen den Züricher Vertrauensleuten nicht einer, sondern zehn Wege offen, um den Sozialdemokrat und die verbotenen Schriften nach Deutschland hineinzubekommen. Die Ge⸗ fahren der Verbreitung begannen erst, wenn die Sachen im Reiche waren und weiter ver schickt werden sollten. Die Hauptschwierigkeit bestand darin,drüben Niederlagen zu finden, von wo aus die Sendungen weiter geschickt werden konnten.

Die Verpackung der einzuschmuggelnden Zeitungen und Schriften war je nach dem Weg, der gewählt wurde, auch verschieden. Bei direkten Schmuggel an der Schweizer Grenze, bei der öfter die Zeitungen am Körper von Genossen versteckt, ins Reich hineingetragen wurden, pflegte man lange schmale Packete zu machen, deren Umfang mit einer Presse mög⸗ lichst reduziert wurde, und die dann unter der Kleidung und an den Körper befestigt wurden. Die verschiedenen Pakete enthielten keine Adressen, sondern Buchstaben, deren Schlüssel der Em⸗ pfänger in Händen hatte.

... Sehr oft hatte der eigentliche Adressat im Reiche, an den die Sendung mit verbotenen Schriften ging, keine Ahnung von dem Inhalt derselben. Die Genossen des betreffenden Ortes gingen zu ihrem Bäcker, Fleischer oder Kolonial- warenhändler und baten sie, doch eine Kiste für sie in Empfang zu nehmen, wenn eine solche ankommen sollte. Das wurde in der Regel ohne Anstand getan und die Sendungen waren in solchen Fällen um so sicherer, als die Polizei annehmen mußte, daß derartige Geschäftsleute Warensendungen erhielten und sie daher keinen Verdacht schöpfen konnte. Oft genug haben königliche Hoflieferanten in dieser Weise ihre Hilfe zurUntergrabung der bestehenden Ord nung leisten müssen. Diente doch auch ein Züricher Minister eine Zeitlang als Deckadresse für eingehende Briefe nach der Schweiz....

... Es würde übrigens ein Buch füllen, wollte man alle Abenteuer erzählen, die bei der Verbreitung des verbotenen Blattes bestanden wurden.

... Der Zufall wollte es mitunter, daß kurz nach Ankunft von Packeten verbotener Schriften an ihre Adresse auch die Polizei erschien und Haussuchung hielt, wobei ihr natürlich die Packete in die Hände fielen. In Magdeburg wurde eines Tages der dortige Vertrauensmann benachrichtigt, daß mehrere derartige Packete, deren Inhalt durch Beschädi⸗ gung der Umhüllung auf der Post schon erkannt worden war, bei einem Tischler ankommen sollten. Diese mußten gerettet werden. Die Vertrauensperson begab sich daher sofort an die gefährdete Stelle und richtig, da stand schon ein behelmter Ordnungshüter vor der Haustür und beobachtete die ein- und aus⸗

gehenden Personen. Ruhig ging unser Genosse an ihm vorbei, erhielt die beiden Packete und stellte sie einer gerade die Treppe herunter kommenden Grünkramfrau in die Kiepe. Der Gemüsefrau traute niemand ein so ruchloses Beginnen, wie der Expedition des Sozialdemo⸗ krat zu, und ungehindert passterte sie die ge⸗ fährliche Stelle. Beim Verlassen des Hauses war schon der zweite Beamte angelangt. Man schien nur noch auf den Kommissar zu warten, um die Haussuchung vorzunehmen und die gefährliche Sendung im Triumph nach der Polizei zu bringen. Während aber die beiden noch warteten, wurde die Kiepe der Grünkram⸗ frau ihres Inhalts entledigt, und nicht wenig freuten sich die Parteigenossen darüber, daß es len gelungen war, den Vielgesuchten zu enn

Nicht unerwähnt möge bei dieser Gelegen⸗ heit auch sein, daß ab und zu auch in Deutsch⸗ land selbst der Sozialdemokrat hergestellt wurde, so u. a. in Burgstädt i. S. Die fertig gegossenen Platten kamen aus Zürich, natürlich unter entsprechenden Vorsichtsmaßregeln. Nachts wurde dann der Druck vorgenommen. Die sächsiche Polizei bekam nie Wind davon, daß in ihrem eigenen Machtbezirk sich solche staats⸗ umstürzende Dinge abgespielt haben.

umoriassches

Familienleben. A.: Sogar in das innerste Familienleben dringen diese Sozialistenblätter jetzt ein! B.: Ja, denen ist nichts mehr heilig! Kaum hat man seine Frau mit einem hübschen Frauenzimmer hinter⸗ gangen gleich steht's in der Zeitung! Und dann ist der Frieden in der Familie natürlich futsch! Die Sozial⸗ demokraten sind eben die geschworenen Feinde der Familie!(Postillon.)

Sie kennt ihn. Er:Diese Nacht haben wir beschlossen, einen Mäßigkeitsverein zu gründen! Na, da müßt Ihr wieder'n netten Schwips gehabt haben!

Eine schöne Geschichte. Der Lehrer hat den Kleinen der Vorschule eine Geschichte erzählt. Als er sie beendet hat, fragt er:

Nun, kann mir denn von Euch auch einer eine schöͤͤne Geschichte erzählen?

Lautlose Stille. Dann hebt sich schüchtern ein kleiner Finger empor.

Siehst Du,Karlchen, muntert der Lehrer auf, ich habe mir doch gleich gedacht, daß Du eine schöne Geschichte weißt. Nun, erzähle sie uns mal!

Der fängt denn auch an, erst stockend, dann leb⸗ hafter:

Einmal, da waren wir bei meiner Tante einge⸗ laden, die den großen Garten hat. Zum Mittagessen, da habe ich ein Glas Wein bekommen nnd dann kriegten wir eine Menge Schlagsahne und Erdbeeren. Dann sagte meine Tante zu mir:Du kannst jetzt im Garten spielen und so viel Obst essen, wie Du magst. Da bin ich gleich nach den Stachelbeeren gegangen und habe da am meisten von gegessen. Meine Tante hat auch Birnen, die waren aber noch unreif, ich habe aber doch welche davon gegessen. Die Kirschen mochte ich nicht gern, die schmeckten ganz sauer. Dann habe ich den ganzen Nachmittag im Garten gespielt, bis ich ganz heiß war. Dann gab mir meine Tante ein großes Glas voll Milch, die war ganz frisch von ihren Kühen gemolken. Und Abends, da durfte ich beim Essen ein Glas Bier mittrinken. Sonst kriege ich nicht Bier. Dann sind wir nach Hause gefahren. Ich saß auf dem Bock und war sehr müde. Dann hat mich meine Mama zu Bett gebracht und als sie mir die Hose auszog, da sagte sie:Das ist aber eine schöne Geschichte! (Simplicissimus.)

Geschichtskalender. 11. Januar. 1902: Aufhebung des Gumbinner Todesurteils.

12. 1890: Johannes Wedde, sozialist. Schrift⸗ steller, T. 1885: Polizeirat Rumpf in Frankfurt a. M. erdolcht.

13. 1902: Kugelmann, alter Achtundvierziger, Freund von Karl Marx, in Hannover 5.

14. 1887: Puttkamer's verschärfte gesetzvorlage im Reichstage.

15. 1898:Vorwärts veröffentlicht Posadowsky's geheimen Streikerlaß.

16. 1901: Böcklin, berühmter Maler, f. Proudhon, sozialist. Theoretiker, f.

17. 1793: König Ludwig XVI. von Frankreich zum Tode verurteilt.

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