Ausgabe 
8.11.1903
 
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Er stellte

Nr. 45.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 7.

Auftritt, und' ohne daß er! Kleinlaut Rio er:Ist das der Rat, den du mir f i ft I 2

.Ja, versetzte die Bäbe;und ich weiß keinen gescheiteren. Das ist der gerade Weg, und der ist immer der beste. Frisch gewagt, und gesagt, wie die Sach' ist, und wenn's nicht gleich durchgeht, wie zu vermuten ist, dann Stand 1

Tobias nickte bedenklich.Diesem Manne so was sagen, erwiderte er,meinem Vater!

Grad weil's dein Vater ist, versetzte das Mädchen,mußt du vor allen Dingen mit ihm den Versuch machen und ihm die Ehr' antun!

Ja, entgegnete der Bursche mit einem kuriosen Lächeln,dann wird aber er mir auch die Ehr' antun fürcht ich!

Die Bäbe verstand diese tronischen Worte nur halb; in der Meinung, Tobias 101055 nur heftigen Widerspruch und Schimpfreden, fuhr sie fort:Nun, den ersten Zorn mußt du eben aushalten. Du 19 ja vorhin gesagt, daß du etwas wagen wolltest für mich oder hab' ich nicht recht gehört?

Ja, erwiderte Tobias,das hab' ich schon gesagt! Und ganz im Ernste und in bester Meinung hat er's gesagt. Er wollte etwas, er wollte alles wagen für die Bäbe: aber es mußte etwas Außerordentliches, Un⸗ aussprechliches sein, und besonders etwas, das

weit vom väterlichen Hause weg vor sich ging.

So etwas, hoffte er, würde die Bäbe wissen; und jetzt wollte sie just das gewagt sehen, welches zu vermeiden er gerade alles andere wagen wollte.

Ja, begann er nach einer Pause aufs neue,wagen will ich etwas, ganz natürlich, und recht gern will ich's tun; aber Er hielt wieder inne.

Die Bäbe wurde ungeduldig. Mit einem Tone, der ihre Empfindung verriet, bemerkte ste:Es scheint, du willst just das wagen, was niemand von dir verlangt und was nötig ist, aber gerade nicht! 5

Nicht so, erwiderte Tobias;aber stehst du, Bäbe, vor meinen Vater hintreten, nach allem, was jetzt geschehen ist, und nachdem er glaubt, ich sei mit seinem Plane einverstanden. sich vor, wie er das machen sollte, dachte sich das Gesicht des Vaters, seine ersten Reden und Antworten und es war ihm, als ob's eben nicht ginge. Er stand ratlos da.

Die Bäbe fühlte sich ernstlich gekränkt. Sie verzog den schönen Mund und sagte mit dem Nachdruck eines verletzten Herzens:Nun, ich seh' schon, daß du trotz deiner schönen Reden nichts für mich tun willst, daß du mir nur was vorgemacht hast und daß es mit deiner Lieb' zu mir nichts ist. Ich bin recht dumm

ewesen, daß ich geglaubt hab', du hättest mich o gern wie ich dich! Jetzt seh' ich, wie's steht, und jetzt will ich schnell gehen, eh' man uns hier bei einander sieht und ich mit dir ins Geschrei komm' wegen nichts und wieder nichts! Sie drehte sich, um fortzugehen.

Tobias hielt sie am Arme.Aber, Bäbe, rief er vorwurfsvoll,wie kannst du mir so unrecht tun! Hab' ich denn 951 gesagt, daß ich's nicht tun will? Ich hab's ja nur über⸗ legt und das wird man doch dürfen? Nun

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gut, ich will mit meinem Vater reden wenn du's durchaus haben willst!

Das Mädchen war begütigt, und aus dem dunkelbraunen Auge ging ein Strahl auf ihn, der Lieb' und Lob ausdrückte.Das laß ich mir gefallen, rief ste freundlich.Und sieh, das ist auch bei weitem das beste, was wir tun können! Man sucht oft etwas in der Ferne und hat's ganz in de be. D sag' dir, Tobias: reden, aushalten und auf seinem Sinne bleiben das führt zum Ziele.

Nun, versetzte Tobias mit Ergebung,in Gottes Namen! Aber du hast ja vorhin gesagt, du wüßtest noch etwas! Möchtest du mir nicht vorher auch noch sagen?

Nein, rief die Bäbe mit Nachdruck.Es wäre sündhaft, wenn wir etwas anderes täten, eh' du mit deinem Vater gesprochen hast und eh' wir's mit ihm versucht haben. Wenn's da nicht geht und wenn alles nicht hilft, dann ist's immer noch Zeit!

Tobias machte ein Gesicht, das zu sagen schien:Alles gut; aber man könnte doch auch das andere Mittel vorher noch überlegen!

Die Bäbe, die seine Gedanken erriet, fuhr fort,Wenn man zu etwas kommen will in der Welt, muß man sich resolvieren können und frischweg tun, was man sich vorgenommen hat. Dann setzt man dem anderen etwas in den Weg, und er mag dann zusehen, wie er damit zurecht kommt. Wenn dein Vater so gewalttätig ist, wie du sagst, dann wird er freilich meinen, was er im Kopfe hat, das müss' durchgehen. Aber du sagst eben: ich kann nicht

und ich mag nicht und was will er dann,

machen? Fressen wird er dich nicht; und viel⸗ leicht schimpft und tobt er nicht einmal so arg, wie du meinst.

Ja, ja, Bäble, bemerkte Tobias mit dem Ausdruck tieferer Einsicht,arg wird's wohl werden!

Nun, dann mag's arg werden! erwiderte die Bäbe entschlossen.Wenn man haben will, was man gern hat und was einem das liebste ist, da muß man auch was dafür dulden können.

(Fortsetzung folgt.)

555

Weltstatistik.

Die Gesamtbevölkerung wird für das Jahr 1902 mit 1,627,770,000 Personen geschätzt. Der Gesamteinfuhrwert in allen Staaten betrüge 60,755,620,454 Francs; der Ausfuhrwert 50, 477,344,125 Francs. Der Gesamtschulden⸗ stand habe im Jahre 1793 12, 160,000,000 Francs betragen; im Jahre 1848 40,095,000,000 Francs, im Jahre 1902 172,847/,611,705 Francs, und zwar entfällt auf Europa eine Schulden⸗ last von 137,854,637,430 Francs, auf Asien von 8,309,342,692 Francs, auf Afrika von 5, 476, 825,475 Francs, auf Amerika von 14,681,821, 250 Francs, auf Ozeanien von 6,544,923,580 Francs. Das Eisenbahnnetz der Welt hat eine Länge von 831,948 Kilometer, wovon 304,402 Kilometer auf Europa, 51,607 Kilometer auf Asten, 19,651 Kilometer auf Afrika, 418,233 Kilometer auf Amerika und 38,065 Kilometer auf Ozeanien entfallen. Die Handelsmarine zählt 22,588 Dampfer mit 13,621,090 Tonnengehalt und 55,107 Segel⸗

schiffe mit 9,276,287 Tonnengehalt. Eur und Amerika zählen die melden Stciff⸗ 25

Splitter.

Nicht die sind groß, welche weniger Leiden⸗ Pöhnlich 10 Ihen 1 besitzen als ge⸗ hnliche Menschen, sondern jene allein, wel größere Absichten haben. 1

Rochefoucauld. * 1* Meinungen sind noch nie durch Piken und Schwerter und Kanonen aus einem 515 ver⸗ trieben worden.

5 2 Fox.

*

Geht, ihr Prediger des zufriedenen, ehrlichen Stolzes ins Bergwerk, in die Muhle, die Schmiede, in die schmutzigen Tiefen der tiefsten Abgründe der Menschenvernachlässigung und sagt dann, kann eine hoffnungsvolle Pflanze

edeihen in einer Luft, die so verderbt und so

faul ist, daß die helle Fackel 1 Seele auslöscht,

so schnell als sie angezündet worden? 0 Dickens.

Humoristisches.

Des Königs Rock. Unteroffizier zum Rekruten:Dein Rock is mir heilig, Piefke, aber in die Fresse hau' ich dir, soviel ich will.

Jedem das Seine. Ein Pfarrer begegnet auf seinem Morgenspaziergang einem Bauern seines Sprengels, der sich auf seinem Acker die Erträgnisse der Ernte mit unzufriedener Miene betrachtete.

Nachdem der Bauer seine Not geklagt hatte, sagte der Pfarrer:Es ist halt Jo! Unser Herrgott gibt jedem seine Bürde zu tragen.

Ja, ja, Hochwürden, da haben Sie recht! Bei dem einen ist es die schlechte Ernte, beim andern der dicke Bauch!

Auf Kündigung. Junker(im Reichsanzeiger die Rede Wilhelm II. an seine Söhne lesend):Ich rate euch von Herzen: schafft und arbeitet ohne Unter⸗ laß, das ist der Kern des Christentums. Am schwersten wird der bestraft, der nichts tut, mit dem Strome geht und die andern arbeiten läßt. Jetzt weiß ich nicht, soll ich zuerst das Christentum oder den Mon archismus abschwören.(W. Jak.)

Hoffe auf des Himmels Segen, Sprich die Wahrheit allerwegen, So verfällst Du ziemlich bald

Der Pleite und dem Staatsanwalt.

Dr

Geschichtskalender.

3. November. 1900: Eisenbahnunglück be, Offenbach. 1620: Eigentlicher Beginn des 3 O jährigen Krieges.

9. 1848: Robert Blum in Wien ersch ossen. 1799: Napoleon I. wird Konsul.

10. 1880: Kleiner Belagerungszustand über Ham⸗ burg⸗Altona verhängt. 1807: Robert Blum*. 1759: Schiller,. 1485: Luther,*

11. 1901: Grube Kunglück zu Staßfurt; 13 Berg⸗ leute tot. 1887: 4 Ch icagoer Anarchisten gehängt.

12. 1901: Der Bundesrat stimmt der Zollvor⸗ lage zu. 1896: Stöcker wegen Verleumdung verurteilt.

13. 1862: Ludwig Uhland, Dichter, F.

14. 1902: Geschäftsordnungsbruch der Zollmehr⸗ heit im Reichstage. 1831: Friedrich Wilhelm Hegel Philosoph, f. 1716: G. W. v. Leibnitz, berühmter Gelehrter in Hannover.

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