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Nr. 23.
Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 7.
wenn eine gefangene Maus an die wahlrede des Katers erinnerte, sagte er lachend:„Dummes Ding, wenn ich Dich gefressen habe, wirst Du dann noch Hunger leiden?“
Als nun die Beschwerden vieler Tiere, darunter die der Mäuse über erlittene Gewalt⸗ taten zur Einberufung eines zweiten großen Rats führten, stellteu die Mäuse eine kluge Spitzmaus als Kandidat auf, um gegen die Katzen aufzutreten. Als der Kater dies ver⸗ nahm, beredete er die Katzen, das Mausen bis nach den Wahlen einzustellen, und ließ bekannt machen, daß die Katzen nie mehr Mäusefleisch berühren werden. Dann trat er in einer Mäuseversammlung auf und höhnte die Mäuse, daß sie meinten, eine winzig schwache Maus könnie ihre Sache besser führen als er, der große, starke Kater. Er hob noch besonders heroor, daß er bei Hofe viel vermöge, da er ein leiblicher Vetter des Löwen sei. Das bestach die dummen Mäuslein und sie erwählten ihn abermals zum Vertreter. Die Katzen fahren seit der Zeit ungestraft fort, die Mäuse zu fressen.
Priester⸗Sittlichkeit.
In Würzburg hat der noch ziemlich junge Kaplan einer dortigen katholischen Pfarrei den 1011 Jahre alten Schulmädchen das Tragen der kurzen bis zum Ellbogen reichenden Aermel an den Kleidchen und das Seilhüpfen auf der Straße als gegen die guten Sitten verstoßend verboten. Es nicht das erste Mal, daß Pfaffen derartige Kleidervexordnungen erlassen. Die Herren scheinen nicht zu bedenken, wie sehr sie sich durch solche Sittlichkeitsfexerei selbst bloß⸗ stellen. Denn mit der sittlichen Festigkeit muß
es schlecht bestellt sein, wenn sie schon durch
ein kurzes Kinderkleidchen gefährdet wird.— Eine etwas andere Auffassung bekundete und beschäftigte der katholische Geistliche und Lokal⸗ schulinspektor Schraufstetter von Odels⸗ hausen, den das Landgericht München II wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit, begangen an Schulmädchen, die er in seine Wohnung hatte kommen lassen, zuz wei Jahren Gefängnis verurteilte. Schraufstetter hatte zwei Lehrer, die er nicht leiden konnte, weil sie
dem katholischen Lehrerverein nicht beitraten,
fälschlich der Sittlichkeitsverbrechen beschuldigt, die er selbst beging. Der Herr Benefiziat behauptete in der Verhandlung dreist:„Ich kann es mit gutem Gewissen beschwören, daß das, was ich getan, meine Pflicht als Geistlicher war und daß ich es nur aus erzieherischen Zwecken tat.“
Splitter. Willst jemals du gepriesen sein Von Narren und von Wichten, So mußt du gleich in vornhinein Dein bestes Selbst vernichten. Leixner.
Humoristisches.
Heiteres aus dem Gerichts saal. Vorsitzender:„Angeklagter, haben Sie Kinder?“ Angeklagter:„Ja, fünf.“
Vors.:„In welchem Alter?“ Angekl.:„Das älteste ist sechs Jahre alt, das jüngste hat noch gar kein Alter.“
Geschichtskalender.
7. Juni. 1843: Hölderlin, Dichter, f. Abschaffung des Sklavenhandels in England.
3. 1888: Reichs⸗Spitzelminister Puttkammer ge⸗ stürzt. 1896: Jules Simon, ehm. Mitglied der„Inter⸗ nationale“, f.
9. 1832: Gentz, Reaktions werkzeug Metternichs, F.
10. 1836: Ampere, Physiker, in Paris gestorben.
11. 1878: Auflösung des Reichstages(inf. der Ablehnung des ersten Sozialistengesetzes).
12. 1848: Wartburg⸗Fest. Miquel tritt als repu⸗ blikanischer Festredner auf.
13. 1810: Dichter J. G. Seume, gestorben zu Teplitz.
1807:
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Sozialdemokratische Schriften zur Reichstagswahl.
Um unsere Genossen im Wahlkampfe wirksam zu unterstützen hat es sich die Parteileitung angelegen sein lassen, durch eine Reihe Broschüren Aufklärung über die wichtigsten bei der Reichstagswahl in Betracht kommenden Fragen zu schaffen. Bisher sind schon eine ganze Anzahl, verfaßt von den besten Parteischriftstellern, erschienen und ihr wertvoller Inhalt verleiht ihnen bleibenden Wert. Wir führen davon die nachfolgenden an und empfehlen unsern Freunden die ja nicht teuren Werkchen. Alle sozialistischen Schriften, auch die hier nicht eingeführten, können von der Expedition der „Mitteld, Sonntgs.⸗Ztg.“, bezogen werden. Bei Be⸗ stellungen von auswärts wird die vorherige Einsendung des Betrages nebst Porto erbeten.
Wen soll der Arbeiter wählen? Unter diesem Titel erscheint im Parteiverlage ein Wahlaufruf an die Arbeiter in Stadt und Land von Richard Calwer. Der Einzelpreis ist 10 Pfg.
Grundsätze und Forderungen der Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky und Bruno Schönlank. Preis 10 Pfg.
Enthält eine kurzgefaßte, allgemein verständliche Er⸗ läuterung des Erfurter Programms. Muß jeder Genosse besitzen!
Handelspolitik und Sozialdemokratie. Von Karl Kautsky. Eine populäre Darstellung der handelspolitischen Streitfragen. Preis 30 Pfg.
Christentum und Sozialismus. Von A. Bebel. Preis 10 Pfg
Diese religiöse Polemik zwischen unserm Genossen und dem Kaplan Hohoff fand bereits in den Jahren 1873/74 statt. Der Inhalt des Schriftchens ist aber noch heute durchaus zeitgemäß.
Die Vernichtung der Sozialdemokratie
durch den Zentralverband deutscher Industrieller. Preis 20 Pfg. Der Umsturz im Reichstage.(Die Kämpfe um den Zolltarif.) Preis 20 Pfg. Winke für die Reichstagswahlen. Preis 10 Pfg, Christliche Arbeiterpflichten. Jesuitische
Fragen und sozialdemokratische Antworten. Preis 20 Pfg.
Sozialdemokratie und Zentrum.(Arbeiter⸗ versicherung und Zentrums politik). Preis 20 Pfg.
Lohnarbeit und Kapital. Separatabdruck aus der Neuen Rheinischen Zeitung vom Jahre 1849 von Karl Marx. Preis 20 Pfg.
Weltkrach und Weltmarkt. Eine weltpoli⸗ tische Skizze von Fr. Mehring. Preis 25 Pfg.
Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon, Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. die Nummer.
Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg.
Empfehlenswerte sozialistische Schriften. Die Kolportage⸗Kommission des Wahlvereins—
Gießen, Wirtschaft Orbig— empfiehlt: Sozialistische Monatshefte. Jeden Monat
ein zirka 80 Seiten starkes Heft. Preis pro Heft 50 Pfg' Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft. à 10 Pfg.
Die katholische Kirche und die Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky. Der Verfasser giebt in der kürzlich erschienenen Broschüre eine historische Darstellung der ökonomischen und politischen Grundlagen der katholischen Kirche und skizziert die prinzipielle und taktische Stellung, welche die Sozialdemokratie ihr gegen⸗ über einnimmt. Preis 30 Pfg.(Agitationsausgabe.)
Bernstein und das Sozialdemokratische Programm. Von Karl Kautsky. Eine Anti⸗ kritik. Preis brosch. 2 Mk.
Wilhelm Liebknecht. Sein Leben nnd Wirken. Unter Benutzung ungedruckter Briefe und Aufzeichnungen. Herausgegeben von Kurt Eisner. Mit Porträts un Abbildungen. Preis 30 Pfg.
Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie. Von Ed. Bernstein. Preis brosch. 2 Mk.
Das Erfurter Programm. Von Karl Kautsky. Preis brosch. 1.50 Mk., gebd. 2 Mk.
Die agrarische Gefahr. Von Paul Göhr e. Der Verfasser schildert in gemeinverständlicher Sprache die einseitige agrarische Juteressen⸗Bewegung von ihrer Entstehung bis zu ihrer heutigen das Volkswohl ge⸗ fährdenden Macht und legt dar, wie allein die sozial⸗ demokratische Bewegung die letzten Ziele dieser Bewegung des Junkertums und seiner Anhängsel verhindern kann. Preis 20 Pfg.
Städtevezw altung und Munizipal⸗Sozi⸗ alismus in England. Von C. Hugo. Preis brosch. 2 Mk., gebd. 2.50 Mk.
Das Kommunistische Manifest. Von Karl Marx und Friedrich Engels. Preis 15 Pfg.
Sozialdemokratisches Reichstagshandbuch.
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und Streitfragen der Reichspolitik. In 37 Lieferungen
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Jeder Parteigeuosse hat die Verpflichtung, nach seinen besten Kräften mitzuwirken, daß die? vorstehenden Reichstagswahlen der Scozialdemo⸗ kratie einen entseheidenden Sieg bringen. Jeder muß agitieren wo er nur kann, sich die Verbreitung unserer Flug⸗ blätter, Broschüren und ganz besonders der Parteipresse angelegen sein lassen. Ebenso muß für die nötigen Geldmittel gesorgt werden, bedeutende Anforderungen werden an uns heran treten! Sammel- listen sind bei den bekannten Vertrauens⸗ leuten zu haben.
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