—.
1—:— P ß. P
. 05 0 10 15 9
183———————————ðr«—˖: h— 81
9 ö Unrecht zu beseitigen.
Die Parteipresse
Nr. 27. Gießen, den 5. Juli 1903. 10. Juhrg. medattion: 2 NMebattionssczlug. Furchenpiatz 11. Schloßgasse. Mitteld eutsche Donnerstag Nachmittag& Uhr 2 7
Jon
utags⸗Zeitung.
Abonnementspreis:
Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Aus träger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unrer Kreuzband vierteljährlich 1 Mark.
Bestellung en nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107)
Juserate
finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ögespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung 33% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt.
Bei mindestens
Zu neuer Arbeit!
Parteifreunde! Ueber alles Erwarten glänzend sind die Reichstagswahlen für die Sozialdemokratie ausgefallen, überwältigend sind die Fortschritte, die unsere Partei gemacht hat und wir haben ein Recht, uns unserer Erfolge zu freuen. Lassen wir die Gegner schimpfen!
Aber der Wahlkampf hat uns auch ge⸗ zeigt, wie viel noch zu tun ist. Man denke daran, daß wir einige Wahlkreise verloren, andere nicht erobert haben, was wir sicher hofften. Wir dürfen deshalb angesichts unserer Erfolge uns nicht aufs Faulkissen legen! Von neuem und noch energischer als vorher müssen wir an die Arbeit gehen, um endlich Unterdrückung, Ausbeutung und
ist das beste Mittel, das Gewonnene zu befestigen und vor künftigen Stürmen zu sichern. Die Verbreitung der Parteipresse muß deshalb jedem Genossen jetzt besonders am Herzen liegen. Wo es ihm möglich ist, werbe er neue Leser für die Zeitung seiner Partei, für die
Mitteldeutsehe Sonntagszeitung.
Unser Blatt erscheint allwöchentlich und kostet nur
25 Pfennig den Monat,
75 Pfennig vierteljährlich. —
Die bürgerlichen Parteien im Wahlkampf.
In demselben Maße, wie nach dem un⸗ wandelbaren Gesetze der geschichtlichen Not⸗ wendigkeit die innere Auflösung der bürger ⸗ lichen Gesellschaft vor sich geht,— schreibt unser Hamburger Parteiorgan— vollzieht sich auch die Zersetzung und der Zerfall der bürger⸗ lichen Parteien, welche höchst unlogisch be⸗ haupten, ihre Aufgabe sei die Erhaltung des Bestehenden, während doch dieses Bestehende, „staatliche und gesellschaftliche Ordnung“ ge⸗ nannt, sich immer mehr als unhaltbar erweist.
Der Prozeß der Zersetzung und des Zer⸗ falles der bürgerlichen Parteien nimmt schon viele Jahre hindurch die Aufmerksamkeit aller Politiker mit gesundem Urteilsvermögen in An⸗ spruch. Aber noch niemals zuvor ist es so deutlich erkennbar, so drastisch und überzeugend in die Erscheinung getreten, wie in den letzten Wochen und besonders den letzten Tagen an⸗ läßlich der Reichstags neuwahlen.
Faßt man die politischen und wirtschaft⸗ lichen Grundsätze, welche die sogenannten „staatserhaltenden“ Parteien trennen und von
viel zu tief und zu scharf sind, als daß ste eine ehrliche und klar prinzipielle Uebereinstimmung in den maßgebenden Anschauungen und Be⸗ strebungen zulassen könnten. Würde jede der drei hauptsächlichsten bürgerlich⸗politischen Rich⸗ tungen, der Liberalismus, der Konser⸗ vatismus und der Ultramontanismus, unter allen Umständen konsequent an ihren über⸗ lieferten Grundsätzen festhalten und danach ihre Taktik einrichten, so würde ihr Zusammen⸗ gehen gegen einen sogenannten„gemeinsamen Feind“ unmöglich sein. Solches Zusammen⸗ gehen, wie wir es jetzt bei der Wahl und hauptsächlich bei den Stichwahlen in erheblichem Umfange gegenüber der Sozialdemokratie erlebt haben, ist jenen Parteien nur möglich, durch offene Verleugnung und Preisgabe gerade der wichtigsten der unterscheidenden politischen An⸗ schauungen.
Dieses Opfer haben bei den Stichwahlen alle„staatserhaltenden“ Parteien in erheb⸗ tichem Maße gebracht zu dem unumpunden ausgesprochenen Zwecke, weitere sozi aldemo⸗ kratische Wahlsiege zu verhindern.
Die Konservativen und noch mehr die Ultra⸗ montanen„vergaßen“ plötzlich, daß sie so oft den Liberalismus zu ihren Todfeind erklärt und behandelt haben, als ein Element, das „viel gefährlicher“ denn die Sozialdemokratie, ja geradezu die„Vorfrucht der Umsturzpartei“ sei. Und die Konservativen schwiegen davon, daß ihre sonst so fanatisch propagierte Idee des„protestantischen Kaisertums“ unvereinbar ist mit den„Prätenstonen des internationalen Klerikalismus“.
Kaum jemals haben„staatserhaltende“ Poli⸗ tiker die politische Selbstentwürdigung mit einem solchen Unmaß von Cynismus und Schamlosigkeit betrieben, wie es in den Stichwahlbündnissen zwischen„Vibe wa len und Zentrums leuten offenbar geworden ist. Diese Bündnisse haben hauptsächlich in Mitteldeutschland sowie in Rheinland und in Westfalen ihre elende Rolle gespielt und leider zu einigen Erfolgen gegen die Sozialdemo⸗ kratie geführt. Es gelang der liberal⸗klerikalen Koalition, die selbstverständlich auch von den Antisemiten und Konservativen unterstützt wurde, der Sozialdemokratie die Mandate für Offen⸗ bach und Hanau zu entreißen und die sozial⸗ demokratischen Kandidaten in Höchst⸗Usingen, Würzburg, Straßburg, Cöln, Duisburg, Mül⸗ hausen, Wiesbaden, Essen ꝛc. zu überwinden. Um so bedeutsamer und schwerwiegender ist die Tatsache, daß in Mainz, Dortmund und Bochum es der Sozialdemokratie gelungen ist, lediglich aus eigener Kraft die Koalition niederzuwerfen, während diese in den meisten der übrigen vorgenannten Kreise nur mit verhältnismäßig geringen Majoritäten zum Siege gelangen konnte.
Unaussprechlicher Ekel und ein Gefühl grenzenloser Verachtung für die Männer der klerikal⸗liberalen Koalition ergreift uns, wenn wir uns ihre Wahlmache in den markantesten Grundzügen betrachten. Vor der Hauptwahl behandelten sich, besonders in Rheinland und Westfalen, die Liberalen und die Klerikalen
einander unterscheiden, genau in's Auge, so ge⸗ langt man an der Hand logischer Kritik zu der Ueberzeugung, daß die trennenden Unterschiede
gegenseitig in Wahlreden, Flugblättern und Zeitungsartikeln als Ausgeburten politischer Nichtsnutzigkeit und Jämmerlichkeit.
Die Liberalen schlugen kräftigst die Kultur⸗ kampfpauke. Ihre Tiraden klangen aus in der Behauptung: das Zentrum sei„viel gemeingefährlicher“ als die Sozial⸗ demokratie.
Das Zentrum hingegen beschuldigte das „liberale Demagogentum“ ein„geschworener und un versöhnlicher Feind der heiligen Religion und der katholischen Kirche“, sowie ein„Feind aller wahren und gesunden Ordnung“ zu sein. Niemals könne ein katholischer Ar⸗ beiter einem Nationalliberalen seine Stimme geben,„ohne sich einer schweren Sünde schuldig zu machen.“ Verglichen mit dem Liberalismus erscheine die Sozialdemokratie als harmlos ꝛc.
Aber als es zur Stichwahl zwischen Sozialdemokratie und Zentrum oder Sozial⸗ demokratie und„Liberalismus“ kam, da war das Alles nicht mehr wahr! Da schlossen unter Assistenz eines charakterlosen Pfaffentums die ultramontanen und liberalen Kapitalisten— welche ja auch sonst sich so herrlich vertragen, wenn es gilt, Arbeiter auszubeuten und zu unterdrücken— einen Bund zur„Bekämpfung des gemeinsamen Feindes“, der Sozialdemo⸗ kratie. In Dortmund und Bochum ver⸗ breiteten die Zentrumsleute Flugblätter, in welchen die nationalliberalen Kandidaten hin⸗ gestellt wurden als„Verteidiger der von der atheistischen Sozialdemokratie schwer bedrohten Religion“. Ja, in einem dieser Flugblätter ist sogar die monströse Lüge zu finden: Die Sozialdemokratie habe sich gegen die Auf⸗ hebung des Jesuitengesetzes und für die Ver⸗ gewaltigung der Polen erklärt! Eine unver⸗ zeihliche Sünde gegen die Interessen der Kirche, gegen die Religion und das Vaterland lade jeder Arbeiter auf sich, der am Tage der Stich⸗ wahl nicht für den Nationalliberalen, sondern für den Sozialdemokraten stimme, oder sich der Stimme enthalte! Selbst von der Kanzel herab ist diese Propaganda für den Nationalliberalen betrieben worden— von den⸗ selben Kanzeln, von denen wenige Tage zuvor katholische„Diener Gottes“ wider den„Libe⸗ ralismus“ geflucht und gehetzt hatten.
Auch der„Freisinn“ hat sich an vielen Orten als Begünstiger der reaktionären Parteien „bewährt“. In Spandau brachten sie es fertig, für den von ihnen selbst als„echten Zünftlei, reinen Reaktionär und Antisemiten“ gebrandmarkten konservativen Pauli in der Stichwahl einzutreten, weil dieser Kandidat „doch immerhin ein biederer königstreuer Mann“ sei! Daß„Freisinnige“ dem Zentrum und den Konservativen in der Stichwahl Hilfe geleistet haben gegen die Sozialdemokratie, läßt sich in einer ganzen Anzahl von Fällen fest⸗ stellen.
So bieten die bürgerlichen Parteien ein Schauspiel, in welchem Furcht vor der Sozial⸗ demokratie, Haß gegen sie, Verrat, Lüge und Verleumdung, Selbstentwürdigung und feige Spekulation sich die Hände reichen. Sie haben über sich selbst den Stab zerbrochen, diese Par⸗ teien, der politischen Moral hohnvoll Gewalt angetan und vor aller Welt ihre innere Halt— losigkeit verraten. Ihre völlige Auflösung, ihre Umbildung zu einer einzigen reaktionären Masse ist nur noch eine Frage der Zeit. Zunächst wird den Liberalismus sein verdientes
Schicksal ereilen; er zuerst wird völlig versinken.
r———— r 5 8 r e 3 3— 2 ä 8—. 8 r— 2— 2— 4 S 5 9—* 1— N— 85 8 5 5—— — 3 5 2 N— I—— 5 5 5
2 r
28—— 2———


