Nr. 18. Gießen, den 3 Mai 1903. 10. Jahrg .* 1 Nevaktion: 2 Mebattions schluß:— ö Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Mitteld eutsche Donnerstag Nachmittag 4 Uhr. 4 g 99—— K 2 N on⸗ Abonnementspreis: ö Bestellung en Juserate S Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere] nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ögespalt. 5 her Austräger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindestens 4 15 Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und 4 mal. Bestellung gewähren wir 25% bei 6 mal. Bestellung i die Expedition unrer Kreuzband vierteljährlich 1 Mark. jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107) 33½% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt 0 iii— 1
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Jest den Arbeit. 9
Dort, Tag der Blüten, sollst du jubelnd künden, Was tausendfältig jede Stunde zeigt:
Daß sterbend sich die Zeit des Unrechts neigt Und sich der Wahrheit helle Feuer zünden.
Daß hoffnungsleer nicht unser Leben stirbt,
Nicht Herrscherlaune war's, die dich erkoren,
Dich schuf kein Schwert, dich stützt kein Flintenlauf; Mit bunten Blüten wurdest du geboren,
Ein lichter Frühlingstag, ziehst du herauf.
Herauf aus kampferfüllten, weiten Massen
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1 Rang sich dein Lenzgedanke jauchzend los, Und freudelos micht die Sekunden weichen,
1 Dich trug das Volk der Arbeit in dem Schooß— Daß jeder Tag für uns're Freiheit wirbt
1 Du bist ein Kind der stillen, dunklen Gassen. Und schaffend greift in alle Räderspeichen.
4 Nicht wo die Lust wildtaumelnd überschäumt, Daß ein Gedanke lebt in Millionen,
* Beim Becher uicht und nicht beim Freudenmahle— Der 15 0 ace die. Nerf neigt, 5 Dort, wo die Sehnsucht von der Zukunft träumt, Der alle Grenzen lächelnd übersteigt 5
Und seine Fahnen schwingt, wo Menschen wohnen:
D 1 1— 1* e e ee e, Blitzt noch von Waffen rings die ganze Welt,
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2 5 5 0* 11 Wo festgefügt die Riesenmauern stehn, ö 5 0 8 5 1 Wo breite Riemen um die blanken Scheibeu, Droht Brudermord dem blühendsten Gelände— 8 . Wo Tag für Tag sich Rad und Welle drehn Wir schlagen auf des Friedens weißes Zelt ö B ee e e e Und reichen freudig heut' uns schon die Händ 0 Und dunkle Wasser ew'ge Mühlen treiben.— 11 en e n 8 85 5 Wir grüßen uns am lichten Maientag 5 7 Dort wo um e Dasein jede Stunde ringt, And 5 auf vom allzuheißen Ringen 5 5 * Wo harte Hände um das Leben streiten, Wenn aus den Hütten und aus grünem Hag 8 1 Wo jeder Tag im grauen Strom versinkt Der Arbeit frische Maienlieder klinken. 5 101 Der ruhelosen, kampfgeword'nen Zeiten; 0 Und zittert finst'rer Groll durch uns're Brust— 5 4 Wo schwer der Pflug durch harte Schollen drünt, Durch Wolken zuckt's in tausend Wetterzeichen: 8 W 15 110 1 5 115 1 Erde tränkt, Es kommt der Tag, der uns in heller Lust. * o nur der Arbeit heiße Atem gehen— Wird froh die Palme der Erfüllung reichen. 85 2 Dort, Fest des Frühlings, sollst du auferstehen. 1 19 5 0 5 1 5 brezang. J aufe 00 28 W 75FFFFFVVFbCCCCCCCCCCCCCCCCCCCbCbCbCCTCTbbTbTTPTTPTCTPTbTbTbTbTbTTbTbTTb „ f 5 2 bringenden Arbeit den erfreuenden Glanz schönen der an allen Ecken und Enden der Welt aus⸗ 1. 1 Das Weltfest der Arbeit A 1 er 15 0 1 i A 1 1 i 1 00 1 i. 1 iktatur unterwirft. er gab ihm das Recht, fklavisch unterdrückende Kapitalismus hat sich 0 ist wieder herangekommen, für die denkende wer verlieh ihm die Macht zu so kulturwidriger die ganze Erde untertan gemacht. g und vorwärtsstrebende Arbeiterschaft der höchste Herrschaft? Müssen die Arbeiter, die die über- Wie bescheiden lautet die Maiparole der Feiertag! Seitdem er vor beinahe 14 Jahren wältigende Mehrheit der menschlichen Gesellschaft kämpfenden Arbeiterklasse! 7 f i 26 1 8. 8 5 1 1 de der Arbeiter aller Länder bilden, diese Herrschaft ewig duldend ertragen? Achtstundentag! Dieses schlichte Wort 1 eingesetzt wurde, hat er sich immer mehr bei Warum schütteln sie nicht das Joch ab, das— eine Forderung der Arbeitsstlaven an ihren 0 1 den aan n Arbeitern des ihr Dasein zu einem menschenunwürdigen macht Zwingherrn Kapitalismus— offenbart das 1 ganzen Erdpalls einge ürgert, trotz der Hinder⸗ und sie hindert, die Erde zu einem Paradiese ganze Elend der arbeitenden Klassen. Wie? ö 1 nisse, welche die Herrschenden und Regierenden für alle vernunftbegabten Wesen zu machen? Für den bettelhaften Lohn, der nicht ausreicht a 1 seiner Aan n den entgegensetztn. Immer Ach, es ist die Verbündete des Kapitalismus, die notwendigen Lebensbedürfnisse zu decken, , mehr bricht sich de. Gedause n den Arbeiter. die Unwissenheit der Massen, die ihm müssen die Arbeiter 10 12 und mehr Stunden 1 massen Bahn, welcher der Maifeier zu Grunde zur Macht verhilft und ihm gestattet, das des Tages ihre ganze Kraft in den Dienst der % liegt, der Gedanke endgiltiger Befreiung bitterste Unrecht, die Ausbeutung des Menschen Kapitalbesitzer spaunen? Ist die Menschheit A, der Arbeit und der Völkerverbrüdee durch den Menschen, heuchlerisch zu einem Recht mit Blindheit geschlagen, daß sie das Verderh⸗ rung. Diesem Gedanken Ausdruck zu geben zu stempeln; die Unwissenheit, die vielen das liche einer so grausamen Arbeitsmethode nicht 000 f und seiner Verwirklichung die Wege zu ebnen, Auge blendet, diese Ungerechtigkeit zu erkennen sieht? Hemmt sie dadurch nicht ihre eigene 90 0 1 11 e en pb und die Willenskraft der Massen in Fesseln Kraftentfaltung, entschlägt sie sich nicht des i 10 etertags. eg des Frühlings fro schlägt, sie unfähig macht zu ihrer Befreiung höchsten Genusses friedlich-freundlich⸗herzlichen 5 I llockend zu feiern, zieht die fahraus jahrein im aus Banden physischer Not und geistigen Elends. Zusammenlebens, das nur bei vernünftig ge⸗ N Fronarbeit schier verschmachtende Aber wie der Frühling endlich sieghaft den schonten Kräften in Stunden der Erholneng ö 4 Arbeiterschaft am 1. Mai hinaus ins Freie, Winter überwindet, so wird dte keimende und nach getaner Arbeit um so schöner erblüht? 11. 0 vielmehr zu einer trutzigen Demonstration gegen] wachsende Erkenntnis der Massen endlich den Aber die Gesetze der herrschenden Klassen. as Weltübel Kapitalismus, das sich wie ein] Schutt vermoderter Anschauungen hinwegräumen sind kalt, ihre Urheber haben vom Glück der 1 % bernichtender Reif auf die nach Frieden, Fret⸗ und dem auf der„Gleichheit alles dessen, was Menschheit keinen Hauch verspürt, der nackte N 100 4 heit und Glück strebenden Völker legt. Menschenautlitz trägt“ aufgebautem Recht zum Egoismus ist ihre Triebfeder. Weit entfernt, 1 11/ ˙ Der Kapitalismus saugt am Marke der Siege verhelfen. Mühsam ist der Weg und die Ideale der Wenschheit zu begreifen, macht 5 1 werktätigen Klassen und streift von ihrer segen⸗ J dürftig sind die Anfänge des Befreiungskampfes, er unfähig, das eigene Denken zu fördern, die f 9 0 ö 8 . fl. 1


