Ausgabe 
2.8.1903
 
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Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 7.

Arbeitszimmers notwendigerweise auch Bücher gehören, so hatte der Besitzer des Wunder⸗ schrankes seine grundsatzliche Abneigung gegen Alles, was Schriftstellerei hieß, ein wenig überwinden müssen. Dieser Konzession an die Bine dee Mode verdankten die reichgezierten ände der Werke einiger unserer Schriftsteller ihr Dasein, die in Zeitläuften gelebt und ge⸗ schrieben hatten, da ein mit einer Holzbank und einer Laute möbliertes Gartenhäuschen zu bahnbrechender geistiger Arbeit noch ausreichend befunden worden war. Von der litterarischen Leistungsfähigkeit moderner Dichterzimmer war überdies manch süßes Pröbchen zu sehen.

Diese Bibliothek, mein Kind! sagte der Besitzer des Wunderschrankes zu seinem Sohne,soll Dir die langen Winterabende verkürzen, wenn Du der Unterhaltung Deiner Eltern überdrüssig sein solltest.

Der junge Herr merkte sich dies.

Ich lese noch ein wenig, Papa! sagte er, seinem Vater die Hand küssend, ehe er die Hintertüre öffnete, um zu seinen Freunden in dieDeutsche Warte zu schleichen.

Der lange Georg im blauen Frack, der verdrossen im Zimmer fegte, wenn sein Herr abwesend war, warf ein Auge auf diese Bibli⸗ othek: hinter den unsterblichen Gedanken unserer nationalen Geisteshelden ruhten in sicherem Verstecke die Weinflaschen, die der treue Diener zu heimlicher Stärkung seines Leibes den Argusaugen der klugblickenden, kleinen Hausfrau glücklich entrückt hatte.

Was ein Wunderschrank zu leisten vermag, davon gab das zweite der Heiligtümer Zeugnis.

Es war ein Märchen aus dem Orient. Schwere, düstere Vorhänge hielten das prosaische Licht des vaterländischen Tages zurück, der sein Ansehen durch die leidige Tatsache längst verwirkt hat, daß er die ärmlichen Stuben der Arbeiter zuweilen so traulich erhellt. Prunk⸗ volle Teppiche lagen in prahlerischer Dicke auf dem Boden, so daß man nicht begriff, welchem Zwecke das feine Holzgetäfel dienen sollte, das damit verhüllt wurde. Vollbusige Rollstühle hockten so kunstgewerblich unbequem umher, daß sie nur von Personen benutzt werden konnten, die in langer Uebung die Fähigkeit erworben haben, ihrem Körper jene malerische Haltung zu geben, die aus Stehen und Sitzen zusammengesetzt ist. Die feine Platte eines Riesenspiegels lugte aus einem Walde lang⸗ stieliger Pflanzenbüschel hervor, die unsere sinn⸗ reiche Gegenwart aus den Herbarien afrikanischer Dorfschulen so stilvoll herzustellen versteht. Ein Narrenhaus unfinnigsten Glaströdels beschwerte einen krummbeinigen Marmortisch offenbar in der Absicht, dem armen George im blauen Fracke die wenigen Stunden, die ihm nach dem Gebrauche seiner Weinflaschen geblieben waren, gründlich zu verleiden. Ein grüner Zwerg aus Töpferthon, der beim Hauche des bater⸗ ländischen Winters diesen Wunderraum mit warmer Luft versorgte, schlüpfte in den Schatten eines chinesischen Papierschirmes, welcher mit jenem Marmortisch gute Nachbarschaft hielt.

Das Gemach war einer jener für das All⸗ gemeinbefinden der Menschheit so überaus not⸗ wendigen Räume, in denen sich die hilfbereiten Vertreter des vornehmen Teiles unserer Gesell⸗ schaft für zwanzig Minuten zum Zwecke eines Gespräches zusammenfinden, dessen tatsächlicher Inhalt auf den Flügeldecken eines Maikäfers niedergeschrieben werden kann.

In diesem Gemache empfing der junge Herr seine kluge Mutter, die zweimal des Tages das Bedürfnis fühlte, ihren selbständigen Sohn zu besuchen.

Der lange George im blauen Frack trug bei diesen Anlässen einen grobgeflochtenen Sorgen⸗ stuhl hinter der Gestrengen, welchen er vor den chinesischen Papierschirm stellte. So saß diese deutsche Matrone in der traulichen Wärme, die der grüne Zwerg ausströmte, bei ihrem Kinde.

George pflegte um diese Zeit seine Wein⸗ flaschen zu benutzen, da die Türe des Salons

eschlossen blieb; denn die kleine klugblickende Kahn war nicht gesonnen, das Ansehen ihres

ohnes etwa dadurch zu schmälern, daß die

Ermahnungen, die sie an ihn richtete, vor die Ohren der Dienstleute kamen.

In diesem Gemache empfing der junge Herr auch seine Freunde von derDeutschen Warte; winzige, magere Bürschchen in feinen Anzügen, welche die Resolutionen der Volksversammlungen oder die Maßnahmen des Reichsgesundheitsamtes naseweis besprachen.

Zu solcher Zeit schwebte der feine Duft kostbaren Tabakrauches durch den Raum. Aus den blauen Nebeln desselben lugten bald lockende Frauengestalten.

Denn die goldene vaterländische Jugend führt gern tiefsinnige Reden vom Tribute des

Weibes. (Fortsetzung folgt.) Die Obstruktion der brandenburgischen Städte gegen die Lebensmittelzölle

vor mehr als 400 Jahren. Von Collner.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Nunmehr schien Alles in Ordnung, aber wie entsetzt war man, als der Kurfürst bald darauf die Landstände in Berlin um sich versammelte und ihnen eröffnete, er habe vom Kaiser die Erlaubnis erhalten, zur Aufbringung seines Anteils an der Schuld einen Lebens mittel⸗ zoll zu erheben. Man redete, im Hinblick auf das früher gegebene Versprechen, ganz offen von einerfalschen List des Regenten, man berief sich auf die Freiheiten und Gewohnheiten des Landes, aber Albrecht wollte keinen Ein⸗ wand gelten lassen; er sei als Landesfürst berechtigt, zur chice der Schuldendes Landes und zur Sicherung der Straßen die Auflage zu erheben und damit basta im Uebrigen besitze er die Vollmacht des Kaisers, man solle sich daher nicht lange sperren und sträuben, sondern den Zöllnern, die er in die Städte schicken werde, die Abgaben ordnungs⸗ gemäß entrichten, wie es guten Bürgern und treuen Untertanen zukomme. Der neue Zoll sollte gegeben werden, neben dem alten Her⸗ kömmlichen, und zwar von jeder Tonne Hering oder Fisch, sie komme zu Lande oder zu Wasser, drei Brandenburgische Groschen; von der Tonne Wein, Hering, Schmalz, Talg, Fleisch, Theer und allen anderen Waren, die tonnenweise geführt wurden, drei Groschen; die alten Frei⸗ heiten sollten für diesen Zoll nicht gelten, und wer Defraudationen dabei beginge, dessen Ware sollte konfisziert werden.

Unerhört erschien den Städtern das Ver⸗ langen des Landesherrn; wo bliebe denn da ihre Freiheit, äußerten sie zornig, wenn es dem Kurfürsten gestattet sein sollte, ganz, wie er es wollte, Zölle zu erheben und zu erhöhen, und wo sollte das hinaus, wenn man sich erst ein⸗ mal mit einem solchen Prinzip einverstanden erklärt hätte! Die Erregung der Bürger und Bauern griff auch zum Teil auf die Edlen der Nation hinüber, ja die Pfaffen schürten noch mit kräftigen Reden den allgemeinen Unwillen. Man verlangte wenigstens die Einberufung eines Landtages, auf dem Alles gehörig beraten werden sollte, aber Albrecht meinte, man habe bereits genug Landtage abgehalten, er befehle ihnen bei Vermeidung seiner Ungnade sich seinem Willen zu unterwerfen.

Aber auch das nutzte nichts, im Gegenteil, die Zöllner wurden zum Teil aus den Ort⸗ schaften verjagt, zum Teil so bedrängt, daß sie allein von dannen zogen, und eine große Anzahl der Städte weigerte sich nunmehr auch, ihre Teile der übernommenen Schuldsumme zu be⸗ zahlen, deren erste Rate bereits fällig geworden war. Die Sache nahm ein kritisches Aussehen an, doch vermied es der kluge Kurfürst auch jetzt, Gewalt anzuwenden, vielmehr hielt wohl in seinem Auftrage der altmärkische Landeshauptmann Ritter Busso von Alvens⸗ leben den trotzigen Städtern in Salzwedel ihre Sünden mit sanfter Strenge vor, mahnte sie, sich vor Strafe zu hüten und riet ihnen ernstlich wollten sie sich nicht den Zorn des Landes⸗

vaters zuztehen dem Fürsten zu geben, was ihm zukomme. Er warne ste als ihr Haupt⸗ mann und Nachbar noch einmal im Guten; sie sollten es nicht bis zum Aeußersten kommen lassen, denn würde der Streitfall erst durch Waffengewalt zur Entscheidung gebracht, so würden sie ganz zweifellos unterliegen und aller ihrer alten Rechte und Freiheiten, die sie bisher noch genössen, verlustig gehen.

Doch trotzig verharrten die Städter auch weiterhin in ihrem Widerstande. Albrecht machte deshalb einen anderen Versuch, bei seinen Untertanen die Befriedigung seiner Wünsche herbeizuführen; er setzte nämlich ein großes Schriftstück auf, welches er den Städten zugehen ließ und in dem er nicht ohne diplomatisches Geschick in väterlichem Tone den Abtrünnigen gut zuredete und sie auf die Treue und den Gehorsam hinwies, die sie ihm, ihrem Landes⸗ herrn, schuldig seien. Auch in staatswirtschaft⸗ licher Beziehung ist der Aufsatz interessant, denn er sucht zu beweisen, daß durch den Zoll einzig und allein der aus ländische Kaufmann be⸗ troffen werde; überdies würde der Ertrag daraus nur gering sein, denn was z. B. der Heringszoll, über den so sehr viel räsonniert werde, anbetreffe, äßen ja die Märker selbst wenig gesalzene Fische, da sie genug frische Fische hätten.

Indessen waren die einfachen Bürger klug genug, die Beweisführung Albrecht's für eine sehr mangelhafte zu halten; sie sagten sich sofort, daß der Handelsmann den Zoll nicht aus seiner Tasche bezahlen, sondern ihn einfach auf den Preis der Ware aufschlagen würde; sie blieben daher hartnäckig.

Der Kurfürst versuchte nun ein anderes Mittel, um zum erwünschten Ziele zu gelangen. Er schritt nämlich zur Niedersetzung eines Schiedsgerichts, das über seine Ansprüche be⸗ raten und nach Recht und Sitte ein Urteil abgeben sollte. Mit der Bildung dieses Gerichts wurde der dem Landesherrn treu ergebene Kanzler, der Bischof von Lebus, beauftragt, der selbstverständlich bestrebt war, nur solche Männer heranzuziehen, derenWohlgesinntheit ihm bekannt war. Vor diesem meist aus hohen geistlichen Würdenträgern, Grafen, Baronen und gewöhnlichen Edelleuten bestehenden Ge⸗ richtshof erschien nun Albrecht Achillin ge⸗ hegter Bank, schilderte den ganzen Verlauf des Rechtsstreits ausführlich und erreichte na⸗ türlich ein obstegendes Erkenntnis, das ihm auf seinen Antrag noch schriftlich zugestellt wurde. Da auch ein großer Teil der Städte sich noch immer sehr säumig in der Bezahlung der übernommenen Schuld zeigte, so ließ der Regent, da ihm die Gerichtsposse anscheinend gut gefiel, kurz darauf nochmals einen Gerichts⸗ hof zusammentreten, vor dem er wiederum erschien, um seine Rechte geltend zu machen, und vor welchem er selbstverständlich ebenfalls ein obsiegendes Urteil erstritt. Das war am 8. März 1473.

(Schluß folgt.)

Splitter.

Man muß keinem Menschen trauen, der bei seinen Versicherungen die Hand aufs Herz legt.

Lichtenberg, Humoristisches. Vereinfacht. Städter:Ihr wascht wohl

Eure Kinder gar nicht, Huberbäuerin? Bäuerin: Im Sommer benn mer ke Zeit dazu, da wer'n se nur schnell abg'staubt!(Fl. Bl.) Fürsten nichts als Dunst. Sehr anzüglich heißt es im sogen.Halberstädter Gesangbuch in dem LiedeDu, meine Seele singe... auf Seite 245: Ihr menschen, laßt euch lehren, Es wird euch nützlich seyn, Laßt euch doch nicht betören Die welt mit ihrem schein. Verlasse sich ja keiner Auf fürsten macht und gunst, Weil sie, wie unser einer, Nichts sind als nur ein dunst. Wahrheiten findet man eben manchmal da, wo man sie am wenigsten vermutet.

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