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Festsetzung der Geschäfts⸗ und Tagesordnung.
Nr. 31.
Gießen, den 2. August 1903.
Medaktion:
Kirchenplatz 11. Schloßgasse.
Mitteldeutsche
Mebaltionsschruß⸗ Donnerstag Nachmittag 4 Adr.
Abonnementspreis:
Die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung kostet durch unsere Aus träger frei ins Haus geliefert monatlich 25 Pfennig. Durch die Post bezogen vierteljährlich 75 Pfg. Direkt durch die Expedition unrer Kreuzband vierteljährlich 1 Mark.
Bestellungen nehmen alle Austräger in Stadt und Land, die Expedition in Gießen, Rittergasse 17, die Druckerei, Ludwigstr. 30, jede Postanstalt und jeder Landbriefträger entgegen.(P.⸗Z.⸗K. 5107)
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finden in der M. S.⸗Ztg. weiteste Verbreitung. Die ögespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%% bei 6 mal. Bestellung 331½% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50% Rabatt.
Bei mindestens
Parteigenossen!
Laut Beschluß des letzten Parteitages findet der diesjährige in Dresden statt. Auf Grund der Be⸗ stimmungen der§8 7, 8 und 9 der Partei⸗Organisation beruft die Parteileitung den diesjährigen Parteitag auf
Sonntag, den 13. September, abends 7 Uhr, nach Dresden in das Lokal„Trianon“ Schützenplatz, ein.
Als provisorische Tagesordnung ist fest⸗ gesetzt:
Sonntag, den 13. September, abends 7 Uhr: Vorversammlung. Konstituierung des Parteitages. Wahl der Mandatsprüfungs⸗Kommission.
Montag, den 14. September und die folgenden Tage:
1. Geschäftsbericht des Vorstandes.
Berichterstatter: W. Pfannkuch und A. Gerisch. 2. Bericht der Kontrolleure. Berichterstatter: H. Meister. 3. Bericht über die parlamentarische Tätigkeit. Berichterstatter: A. Stadthagen. 4. Maifeier. Berichterstatter: R. Fischer. 5. Der internationale Kongreß in Amsterdam 1904. Berichterstatter: P. Singer.
6. Anträge zum Programm und Organisation.
7. Sonstige Anträge.
8. Wahl des Vorstandes und der Kontrolleure.
Parteigenossen! Der Parteivorstand richtet an Euch die Aufforderung, die Vorbereitungen für den Parteitag— also die Wahl von Delegierten wie die Stellung von Anträgen— rechtzeitig zu bewirken.
Die Anträge müssen spätestens den 3 1. Aug ust
in den Händen des Vorstandes, Adresse: J. Auer, Berlin SW. 47, Kreuzbergstr. 30, sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen des§ 8 Absatz II der Partei⸗Organisation im„Vorwärts“ ver⸗ öffentlicht werden und in die gedruckte Vorlage Aufnahme finden sollen.
Anträge von einzelnen Parteigenossen bedürfen der Gegenzeichnung der Vertrauensperson oder des Vorstandes der örtlichen bezw. Kreisorganisation, falls sie zur Veröffentlichung und Beratung gelangen sollen.
Die Parteigenossen, die zum Parteitag kommen, werden ersucht, von ihrer Delegation dem Vorstande und dem Lokalkomitee rechtzeitig Mitteilung zu machen, damit ihnen die Vorlagen und eventuell weitere Mit⸗ teilungen zugesandt werden können.
Die Adresse des Lokalkomitees lautet:
Karl Sindermann, Dresden⸗A., Zwingerstraße 22.
Mandatsformulare sind durch das Parteibureau
J. Auer, Berlin SW. 47, Kreuzbergstr. 30
zu beziehen. Berlin, 25. Juli 1903. Mit sozialdemokratischem Gruß! Der Parteivorstand.
—.——
Ueber die Lehren des
Reichstagswahlergebnisses
sprach am Montag Abend Genosse Vollmar in München. Was der bewährte im Kampfe für die Sozialdemokratie ergraute Genosse und bedeutende Parlamentarier sagt, verdient stets die größte Beachtung. Wir geben darum einen Teil seiner Ausführungen nach dem Berichte unseres Münchener Parteiorgans wieder.
Wenn eine wichtige Entscheldung gefallen ist, die lange vorbereitet war, begann Vollmar, dann ist es ganz naturgemäß, daß für alle Beteiligten eine Zeit geistiger Sammlung herankommt. Daß man im Hasten der Tages⸗ tätigkeit einen Augenblick einhält, den Blick vom Einzelnen auf das Ganze richtet, den Ent⸗ stehungsgründen des Geschehenen nachforscht und die gewonnene Einsicht auszunützen, Fehler zu verbessern und Lehren und Richt⸗ linien für die Zukunft zu gewinnen sucht. Man hat auch in den letzten Wochen in der Presse aller Parteirichtungen Wahlbetrachtungen lesen können, die zwar ihrer Menge nach nichts zu wünschen übrig ließen, die aber hinsichtlich ihres inneren Wertes nur wenig Ausbeute er⸗ gaben. Man sollte wohl meinen, daß eine Erscheinung, wie das Anwachsen der Sozial⸗ demokratie, die in ununterbrochenem, durch keines der angewandten Mittel verhindertem Aufstieg über 3 Millionen Stimmen erreichte, die Politiker aller Richtungen aufrütteln müßte, daß sie sich auf sich selbst besinnen. Sie müßten sich klar werden, daß in weiten Kreisen des deutschen Volkes in der Tat eine tiefe Unzufriedenheit mit den ganzen poli⸗ tischen Zuständen und Parteien vorhanden ist und daß ein großer Teil des Volkes nur mehr die Sozialdemokratie für fähig hält, die poli⸗ tischen und wirtschaftlichen Interessen der Nation zu vertreten. Man sollte meinen, daß diese Erscheinung Eindruck genug auf sie ge⸗ macht hätte, um sie zum Nachdenken über ihr eigenes Tun und über die unabweisbaren Notwendigkeiten für die Zukunft zu bewegen. Aber hier erweist sich wieder die Wahrheit des Wortes, daß die Geschichte nur dazu da ist, daß man ihre Lehren nicht beherzigt. Mit wenig Ausnahmen suchen die Parteien die Ursachen überall anderswo, als bei sich selbst.
Vollmar besprach dann die Mißerfolge der verschiedenen bürgerlichen Parteien und die Art, wie von diesen der Wahlkampf geführt wurde. Vom Zentrum sagt er, es stellt sich außer⸗ ordentlich zufrieden über den Ausgang der Wahlen und gebärdet sich eifrig als uner⸗ schütterter Turm und Beherrscher der Lage. Es nennt sich stolz den„Hort des Staates“ und rühmt sich, daß es allein die Reichspolitik fortführen könne. Aber diese seine Stellung hat große Schattenseiten und wird dem Zentrum noch oft schwere Sorge bereiten. Einmal sind seine Wahlerfolge doch recht mäßig. Richtig ist ja, daß es 340,000 Stimmen gewonnen hat. Aber auf welche Weise! Zunächst hat es überall, wo es nur irgend ging, Zähl⸗ kandidaten aufgestellt. Dann hat es die äußersten Mittel, die nur möglich sind, ange⸗ wendet. Es hat den Religionskrieg erklärt und alle seine Schrecken entfesselt. Es hat in einem früher nicht gekanntem Umfang das Volk mit Millionen der lügenhaftesten Schriften überschüttet. Die Geistlichkeit hat einen unerhörten Amtsmißbrauch getrieben und vom Bischof bis zum Pfarrer herab direkten Gewissenszwang ausgeübt, ja sogar von der Androhung einer Verweigerung der Sakramente hat man gehört. Was bedeuten im Vergleich mit dieser Agitation die I/ Millionen Zentrumsstimmen, während die So⸗ zialdemokratie schon 1898 2,1 Millionen
Stimmen hatte und seitdem um 43 pCt. zunahm
und 23 Mandate gewann, indessen das Zentrum 3 verloren hat. Da ein Mehr an Verhetzung nicht mehr aufgewendet werden kann, als bei dieser Wahl, so ist eine weitere Steigerung der Macht des Zentrums wohl ausgeschlossen. Das Zentrum hatte viel auf die katho⸗ lischen Arbeiter gehofft und an Ver⸗ suchen, die Arbeiterschaft durch Sonderorgani⸗ sation zu spalten und sie vor den eigenen Parteiwagen zu spannen, hat es nicht gefehlt. Aber der Erfolg dieser Bemühungen war recht mäßig. Das hat sich besonders im Rheinland und Westfalen, der Zentrumsdomäne, gezeigt, wo gerade die Sozialdemokratie riesenhaft ge⸗ wachsen ist. Die katholischen Arbeiter haben massenhaft für die Sozialdemokratie gestimmt und Alles spricht dafür, daß es auch in Zukunft so weiter geht. In den Großstädten und In⸗ dustriebezirken geht das Zentrum zurück, und nur dort, wo die kleinbürgerliche und ländliche Bevölkerung ausschlaggebend ist, hat es einst⸗ weilen noch seine Stellung zu behaupten ver⸗ mocht. Verschiebt sich schon dadurch das Schwergewicht des Zentrums nach der reak⸗ tionären Seite, so wird es auch durch seine ganze Politik in der gleichen Richtung gedrängt. Während der vergangenen beiden Reichstage hat das Zentrum sich fast im Galopp aus einer Oppositlons⸗ in eine Regierungspartei umgewandelt. Das war nicht nur ein Ver⸗ rat am Volk, sondern auch eine ausgesuchte politische Kurzsichligkeit, weil in einem vor⸗ wiegend protestantischen Land, wie es Deutsch⸗ land ist, das Zentrun die geborene Minder⸗ heitspartei ist. 5 Aber das Zentrum muß immer reaktionärer werden, man kann von ihm für die Zukunft das Allerschlimmste erwarten. Der Kampf zwischen Sozialdemokratie und Zentrum wird stärker als jemals zuver und die Folge wird sein, daß das Zentrum von der Scheitelhöhe seiner Macht heruntersteigen muß. 8 Von den Nationalliberalen ist wenig zu sagen. Nach ihrer Wahlniederlage haben sich unter ihnen einige phantastische Leute gefunden,
welche für einen entschiedenen Liberalismus eintreten. Ein liberales Blatt ging sogar
soweit, daß es verlangte, das arbeitende Volk müsse im täglichen Leben, in öffentlichen Lokalen als gleichberechtigt anerkaunt werden, dann würden die sozialen Unterschiede schmerzlos sein und solcher praktischer Liberalismus wäre der Tod der Sozialdemokratie.
Wir haben nicht nötig, uns allzusehr zu fürchten. Die Nationalliberalen sind unver⸗ besserlich, sie werden bleiben, was sie bisher waren, nämlich begeisterte und untertänuige Dienstmannen des jeweiligen Herrschers. ö
Die am meisten Leidtragenden sind die Links liberalen, besonders deren größte Gruppe, die unter Eugen Richters Führung stehende Freisinnige Volkspartei. Sie sind bei allgemein größerer Wahlbeteiligung auf ihrer bisherigen Stimmenzahl stehen ge⸗ blieben und von 50 auf 36 Mandate zurück; gegangen. Sie spielten im Zollkampfe eine jämmerliche Rolle und in der Wahlbewegung führten sie den Kampf ausschließlich gegen die Sozialdemokratie, anstatt sich gegen die Reaktion zu wenden. Diese törichte Taktik gaben sie auch bei der Stichwahl nicht auf, obwohl der Vor⸗ wärts gleich nach der Hauptwahl erklärte, bei
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